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Traditionell findet die Sound of Sky-Reihe eines Jahres Ende November oder Anfang Dezember ihren Ausklang.  Letztes Jahr hatte Stefan Erbe diesen Termin für seinen persönlichen musikalischen Jahres-Rückblick verwendet.  Dieses Mal sollte der Blick nach vorne gehen: Stefan Erbe wollte zusammen mit Steve Baltes das neue Album von Baltes & Erbe vorstellen, und 'Baltes & Erbe' steht auch noch auf meinen Karten, genauso wie bei denen, die sie lange im voraus gekauft hatten.

Aber manchmal laufen die Dinge nicht so, wie man es plant oder sich wünscht.  Aus persönlichen Gründen musste die Arbeit an diesem Album zurückstehen, der Premieren-Termin ist auf das kommende Frühjahr verschoben.  Stefan Erbe ist es aber gelungen, sich für dieses Konzert einen Gast zu angeln, für den man den Begriff 'Ersatz' eigentlich gar nicht in den Mund nehmen möchte, der wäre viel zu abwertend: Christian Ahlers aka 'BatteryDead' aus Oldenburg.

Battery Dead hatte ich zum ersten Mal vor ein paar Jahren auf Burg Satzvey gesehen, und 'Sands of Deception' hatte bei mir damals einen spontanes 'Wow' ausgelöst - etwas, was ich nicht allzu oft habe.  Auch in diesem Jahr hat Christian seine Qualitäten wieder unter Beweis gestellt, 'Yield to Gravity' ist zumindest unter meinen persönlichen Top 10 Alben des Jahres.

Netterweise zeigt sich an diesem Samstag der November von seiner nicht ganz so nassen Seite, also ist Fiona mit von der Partie, ihr neues Halskettchen ist ein Souvenir aus Iserlohn von letzter Woche. Losgefahren sind wir wie üblich mit Reserve, man weiß ja nie, was man auf der Autobahn so erleben kann, und wer zu einer Vorstellung im Planetarium zu spät kommt, muss leider draußen bleiben.  Bis auf einen Mini-Stau bei Mönchengladbach geht aber alles glatt und wir sind viel zu früh da.  Das hat aber auch sein gutes, so hat man mehr Zeit, noch etwas mit Stefan Erbe und seinen Gästen zu klönen, während zusammen die CD-Auslage vorbereitet wird.  Stefan hat natürlich alle seine bisherigen CDs dabei, das Arrangieren erinnert an ein Schiebepuzzle. Neben den anderthalb Dutzend ausgebreiteter Alben wirken die vier von Battery Dead geradezu bescheiden.  Eigentlich wären es ja schon fünf, aber den Live-Mitschnitt vom Raumzeitfestival 2011 gibt es nur noch als Download.

Die andere Tischhälfte soll aber nicht so leer bleiben, kurz darauf taucht Bernd 'Moonbooter' Scholl auf, auf dessen MellowJet-Label Christians aktuelles Album erschienen ist.  Neben diversen aktuellen MellowJet-Alben hat er noch einem großen Stapel 'Yield to Gravity' dabei.  Das ist auch gut so, unter den Besuchern finden Christians CDs reges Interesse und wären sonst ziemlich schnell ausverkauft gewesen.

Um 21 Uhr ist dann Einlass zum ersten Teil, den BatteryDead solo bestreitet.  Stefan Erbe, der ansonsten seine Gäste musikalisch auf der Bühne unterstützt, hat mal Pause.  Ganz alleine steht Christian trotzdem nicht auf der Bühne, sein Kompagnon Andreas Schwabedissen liefert noch Klangflächen und ein paar Streicher dazu.  Das Ergebnis ist wie man es von BatteryDead kennt: entspannt-chillig, aber trotzdem kraftvoll und eben kein Ambient, das irgendwann in Gleichförmigkeit und Langeweile abrutscht.  Die Titel sind alle unter der Zehn-Minuten-Grenze, einige satte Bässe liefern das Fundament. Passend dazu schiebt Klaus-Dieter Unger an den Reglern auch eine ruhige Kugel: Man kann eine Weile auch einfach mal nur den Sternenprojektor laufen lassen, das passt dazu sehr gut.  In der zweiten Hälfte dürfen dann die Fulldome-Projektoren ihre Bilder von Planeten und dreidimensionale Flüge durch Asteroidenfelder an die Kuppeldecke werfen.  Der erste Teil schließt mit 'Sublime Sunset', auch von Christians aktueller CD.

Nach zwanzig Minuten Pause bestreitet Stefan Erbe solo den zweiten Teil, dieses Sound of Sky ist also ein echtes Doppelkonzert.  Passend zu vielen neuen Projektionen spielt er Titel von seinen letzten drei Soloalben und der s-thetic, wobei 'The Freedom of Movement' ja eigentlich noch gar nicht fertig ist: bisher sind nur die ersten drei Titel veröffentlicht und frei herunterladbar.  Alle zwei bis drei Wochen kommt ein neuer dazu - so eine Art musikalischer Adventskalender.  Ein mir noch gänzlich unbekanntes Stück ist auch dabei, ein längerer, sanfter Titel, der aber trotzdem nicht ins kitschige abrutscht.  Für einen Moment hatte ich aber schon die Idee, das würde auf eine hypothetische CD 'Weihnachten mit Stefan Erbe' passen.

So ganz ist das Doppelkonzert damit noch nicht zu Ende, zur Zugabe bittet Stefan Christian und seinen Kompagnon noch einmal auf die Bühne.  Zu den Titeln von BatteryDead steuert Stefan seinen bekannten Piano-Sound hinzu, eines seiner Markenzeichen.  Und was soll ich sagen: der letzte Titel der Zugabe ist 'Jet Stream', mein Lieblingstitel von der 'Yield to Gravity'.  Ich hatte ihn in der Pause Christian gegenüber erwähnt, und er versichert mir danach, dass das eigentlich nur ein 'Unfall' und gar nicht geplant war.  So ganz glaube ich ihm das aber nicht, dazu ist er viel zu nett und bescheiden.

So setzte dieses Doppelkonzert für mich einen perfekten Schlusspunkt unter die Sound of Sky-Reihe in 2016.  Für nächstes Jahr stehen erst zwei Termine fest: die vier ATB-Konzerte im Januar, die (wie üblich) längst ausverkauft sind, und der 'Nachholtermin' mit Baltes & Erbe im April.  Wessen Tickets für diesen Abend noch auf 'Baltes & Erbe' ausgestellt waren, der sollte sie nicht wegwerfen - sie gelten auch als Eintrittskarten für den April-Termin.

Alfred Arnold