Berichte

Eines muss man Torsten Abel, Andreas Aulke und Martin Rohleder lassen: ihre Auftritte führen mich regelmäßig an Spielorte, die ich bisher noch nicht kannte.  Mal ist es ein Archiv für populäre Musik, mal ist es eine Kirche und heute ist es ein Restaurant mit Bühne in Oberhausen.  Es trägt den Namen "Gdanska" und liegt direkt am Altmarkt.  Wie der Name ahnen lässt, ist die Küche polnisch.  Der Betreiber will aber seine Gäste nicht nur kulinarisch verwöhnen, im hinteren Bereich gibt es auch einen kleinen, aber feinen Saal mit Bühne und Bar.  Der Wochentag - ein Mittwoch - ist auf den ersten Blick ungewöhnlich, erklärt sich aber daraus, dass an diesem Tag das Motto im Gdanska 'Gitarissimo' lautet.  Und die Gitarre hat in Sine Amplitudes Musik eine wichtige Rolle, geht der Stil doch klar in Richtung rockiger Elektronik, ähnlich wie bei Pyramaxx, Morpheusz oder Picture Palace music.

Ein Mittwoch bedeutet natürlich auch, dass die Anfahrt mit dem Auto nicht ganz so easy ist wie am Wochenende.  Man muss zur besten Rush-Hour durch den 'Pott', und wochentags ist sowieso die halbe Autobahn mit LKWs voll.  Also fährt man besser mit reichlich Reserve los, dann kann man auch gleich vorher einmal das Restaurant selber ausprobieren.  Die Zeitplanung haut hin: Als ich mit den Kohlrouladen auf polnische Art fertig bin, ist es halb acht und Einlass in den Saal.

Der Saal und Bühne im Gdanska sind eher klein und intim, mit vielleicht fünfzig Besuchern wäre er schon gut gefüllt.  Die aufgebauten Lautsprecher werden ihn locker mit den Titeln von Sine Amplitude's Erstlings-CD "Hypnotized" ausfüllen, das konnte man schon während der Proben von draußen hören.

So wie die "Hypnotized" eröffnet auch dieser Auftritt mit "Arpworld": Druckvolles (akustisches) Schlagzeug, harte Gitarren-Riffs, das ist ohne Frage elektronischer Rock und nichts für empfindliche Ohren.  Einige Zuhörer haben sich in weiser Voraussicht ein Plätzchen weiter hinten im Raum gesucht. Nach "Arpworld" dürfen sie aber auch wieder etwas näher zur Bühne kommen.  Bei Sine Amplitude ist nämlich nicht immer nur "Volldampf" angesagt, dazwischen gibt es immer mal wieder ein ruhigeres Stück wie "Soulflight" zum Entspannen.  Auf diese Weise geht eine Dreiviertel Stunde wie im Fluge herum. Jetzt brauchen auch die Musiker erst einmal eine Pause.

Nach der Pause geht es mit Titeln von der "Hypnotized" weiter, aber nicht nur - die noch verbliebenen würden auch nicht reichen, weitere 45 Minuten zu füllen.  "Aureus Lumen" ist in der zweiten Hälfte dabei, ein Track mit Schwergewicht auf der Elektronik und in dieser Hälfte einer der Titel, die das Gegengewicht zu den rockigen Stücken halten.  Zu denen gesellt sich am Schluss noch "Sunset on the Beach", der aus Martin Rohleders Feder stammt.  Passend dazu laufen Bilder von Surfern am Strand.

Den Abschluss macht ein Titel, der nicht von Torsten, Martin oder Andreas geschrieben wurde, sondern eine Cover-Version von "Are Friends Electric" von Gary Numan.  Torsten ist - so wie ich eigentlich auch - musikalisch ein "Kind" der frühen 80er, wo man mit britischem Synthpop sein erstes musikalisches Aha-Erlebnis hatte, die reine Elektronik kam erst danach.  Für die Vocals kommt noch Sylvia Pawelczyk hinzu, die ansonsten auch mit Andreas uns Martin in einer Cover-Band unterwegs ist.

Sollte es das gewesen sein?  Nein, natürlich noch nicht.  "Angst" von der "Hypnotized" fehlte noch, und es ist ein langer, komplexerer Titel, der sehr verhalten und düster beginnt. Torsten und Martin bestreiten diesen Teil alleine, bis dann in der Mitte die Ansage kommt "Ich glaube, wir brauchen doch wieder einen Schlagzeuger" und Andreas steigt für den zweiten Teil wieder ein.

Damit endet das Konzert so rockig (und laut), wie es begonnen hat.  Man hätte sich vielleicht den einen oder anderen Zuschauer mehr gewünscht, zumindest auf Facebook hatte es deutlich mehr Zusagen gegeben.  Das hat dem Spaß der Anwesenden aber keinen Abbruch getan, gerade Torsten geht auf der Bühne immer wieder aus sich heraus.

EM-Fans müssen sich vielleicht noch daran gewöhnen, dass Events nicht immer nur an einem Samstag oder Sonntag stattfinden müssen. Die nächste Gelegenheit dafür ist schon am 3.  Mai, wenn Tabotago im Gdanska spielt.  Aber auch Torsten Abel und seine Mitspieler haben in diesem Jahr noch den einen oder anderen Termin in ihrem Kalender - darunter im November wieder in der Pauluskirche in Dortmund.

Alfred Arnold