Berichte

"Elektronik des 21. Jahrhunderts trifft Science Fiction des 19. Jahrhunderts", so war die Ankündigung von Stephan Kaske alias Mythos zu seiner Tournee durch diverse Planetarien.  Am heutigen Tage macht er Station in Münster - das dortige Planetarium ist Teil des westfälischen Naturkunde-Museums.

Ich bin dieses Mal nicht alleine gekommen.  Meine 'Gastgeber', bei denen ich nachher übernachten werde, sind dabei, und zwei andere Bekannte aus Dortmund haben es auch noch kurzfristig geschafft.  Aber auch ansonsten ist der Zuspruch respektabel - die Schlange der auf Einlass Wartenden reicht bis zum Eingang.  Um Karten müssen wir uns keine Sorgen machen, die sind entweder vorbestellt und an der Kasse hinterlegt oder direkt über das Internet ausgedruckt.

Dies ist das erste Mal, dass ich Mythos live sehe, und entsprechend gespannt bin ich darauf.  Ein erster Blick nach dem Einlass auf die aufgebauten Instrumente offenbart Ungewöhnliches: nicht nur eine Laser-Harfe (die war angekündigt), auch ein anderes, berührungslos zu spielendes Gerät aus zwei Bögen und einigen Lichtschranken ist dabei.  Im Verlauf des Konzerts wird Stephan es benutzen, um diverse Soundeffekte ein- und wieder auszublenden.  Beobachten kann man ihn dabei gut, er hat sich auch noch zwei grüne Lichter an die Finger gesteckt.

Das Planetarium in Münster ist fast so groß wie das in Bochum, die Bestuhlung ist aber gänzlich anders.  Anstelle von gepolsterten Sesseln sind hier frei drehbare Stühle mit Armlehne montiert, fast so wie Bürostühle.  Ob die Bochumer Sessel oder die Münsteraner Stühle besser sind, darüber gehen die Meinungen auseinander - beide Konstruktionen haben ihre Vor- und Nachteile.

Jetzt aber zur Musik, die nach einer kurzen Einführung losgeht. Stephan spielt Titel aus seinen beiden letzten Alben live, die von den Romanen Jules Vernes inspiriert sind.  Eine der beiden CDs basiert auf der Reise um die Welt in 80 Tagen, nur dass die 'musikalische Reise' schon nach 80 Minuten vorbei ist, ungefähr der Spieldauer einer CD.  In Europa geht es los, über Ägypten weiter nach Indien und Ostasien.  Stephans Musik hat dabei ihren ganz eigenen Stil, sowohl minimalistisch und auch manchmal meditativ, aber niemals das, was ich mit 'ambient' umschreiben würde.  Auch hat sie ihre ganz eigene Klangfarbe, diemich ein wenig an Rüdiger Lorenz erinnert.  Der war ja immer sehr gut darin, bestimmte Landschaften und Stimmungen klanglich einzufangen. So ein Stil passt zu einer musikalischen Reise um die Welt natürlich ganz hervorragend.

Bei einem Planetariums-Konzert sind die Bilder an der Kuppel natürlich fast genauso wichtig wie die Musik.  Aufnahmen des Erdballs aus dem Weltraum bieten sich natürlich an, besonders wenn der durchs Aussichtsfenster der ISS zu sehende Teil gerade zur aktuellen Station der Reise passt.  Ansonsten geht es aber Planetariums-typisch weit ins Weltall hinaus.  Vor jedem Titel wird man wieder auf die Erde zurückgeholt, eine kurze Einblendung verrät seinen Namen und damit, wo der Weltreisende sich gerade befindet.

Irgendwo auf dem Pazifik hat die Reise ihre Halbzeit erreicht, und passend dazu macht das Konzert eine Pause.  Auch in Münster gilt, dass wer 'aus dringendem Anlass' heraus muss, erst einmal nicht wieder hinein darf - das Unfallrisiko wäre bei der Dunkelheit zu hoch. Länger als etwa eine Stunde wird deshalb in Planetarien selten am Stück gespielt.

Direkt neben dem Eingang in die Kuppel steht dieses Mal auch die CD-Auslage, und die fällt heute besonders schlicht aus: ein Karton mit CDs, ein Kasten mit Einwurfschlitz fürs Geld und Selbstbedienung auf Vertrauensbasis.  Das scheint gut zu klappen, am Ende der Vorstellung wird der Karton fast leer und der (durchsichtige) Kasten dafür gut mit Scheinen gefüllt sein.

Nach der Pause folgen die weiteren Stationen der Weltreise: Amerika, zurück über den Atlantik nach England, der Endspurt nach London, die zuerst verloren geglaubte Wette und dann doch noch der Triumph.  Aber mit der Reise ist natürlich noch nicht das Konzert zu Ende - mit reichlich Applaus wird eine Zugabe gefordert.  Für die greift Stephan wieder zur Querflöte.  Das hat er bei dem einen oder anderen Stück vorher zwar auch schon getan, aber dieses Mal ist es ein Flöten-Solo.

Welchen Titel Stephan dabei spielt, habe ich leider nicht verstanden, alle Erklärungen dieses Abends macht Stephan mit der Roboterstimme, die man auch schon aus der Werbung für dieses Event kannte.  Das tut dem Musikgenuß aber keinen Abbruch, statt minimalistisch klingt es dieses Mal klassisch-barock - ein schöner Schlusspunkt unter einen befriedigenden und entspannenden Konzertabend, an dem man sich aussuchen konnte, ob die Gedanken zur Musik eher ins weite All schweifen oder auf der Erde bleiben.

Alfred Arnold