schillerfuture

Fällt dem Empulsiv-Redakteur ein Album eines der (letzten) großen deutschen Künstler des E-Genres in die Hände, steigen automatisch der Anspruch und die Bewertungskriterien. Ohne Frage, die Richtlinien sind halt andere, als beim 300er Pressergebnis eines Nachwuchskünstlers und so verfolgt der kritische Blick auf die 3fach Silberling-Ausgabe, nicht nur das ungewohnt schlichte "Future"-Design, sondern auch die Ansammlung der massenhaften Trackquantitäten.
Wie auch sonst bekommt der Schiller-Fan reichlich audiophiles für sein Geld und kann sich nicht über den Output an Stücken beschweren. Die Hoffnung, dass damit auch ein paar Stücke mit dem eigenen Geschmack kooperieren, wird wohl in Gänze wieder aufgehen, denn die todisichere Melange an Vokal- und Instrumentaltakes ist wie immer konsumfreundlich aufbereitet. Erfreulich, dass van Deylen weitesgehend auf sein bewährtes Name-Dropping verzichtet und nur zweimal in die externe Support-Starkiste greift. Dabei ist Sharon Stone (genau die Sharon Stone) wohl als Marketing-Opener für den US-Markt verpflichtet worden, in den van Deylen gleich mal seinen neuen Lebensmittelpunkt gelegt hat. Die Frage, ob sich das mittelmässige Konzept aus guten Soundcollagen auch als nachhaltiges Einstiegsmedium für den Rest der Welt taugt, wird wohl eher die Frage der perfekten Strategie sein. Musikalisch passt es in die beliebige Rotation der aktuellen Pop-Dimensionen, egal ob in der ehemaligen Heimat oder auf dem noch jungfräulichen Schiller-Globus. Abfinden müssen wir uns wohl damit, dass Schiller nun nicht mehr den aktuellen EM-Markt als deutsche Leitfigur voranschreiten wird, denn mit Future hat er fast alles von den früheren Wurzeln der hiesigen E-Pioniere verloren.

Stefan Erbe