Rezensionen

spyra dunstDas Wolle Spyra auch dieses Jahr mit seinem neuen Album Dunst im Kreise der Nominierten der Schallwelle Preisverleihung auftaucht, verwundert den Rezenseur keineswegs. Allein schon die Existenz des Longplayers, scheint die EM-Szene zu entzücken und sicher zur vermehrten Beschaffung zu moblisieren, glaubt man den hiesigen Vertriebspartner. Zurecht? Keine Frage, den Wolfram hat sich nach "Staub", dem letzten Sequenzen-Tracker auch dieses mal wieder der konzentrierten Anordung von spurbetriebenden Tonalfolgen verschrien. Dabei ist traditionell bis neuartig alles vertreten. Mal mit Beat, mal ohne, aber immer irgendwie eigenartig und geschrägt schön, so dass wir uns seiner simplifizierten Individualität nicht entziehen können.

Stefan Erbe

Meanwhile150Das Byggesett Orchestra ("Byggesett" ist der norwegische Begriff für Bausatz) ist eine Band aus Mönchengladbach und Umgebung und spielen in der Besetzung Georg Sehrbrock (Keys, Electronics), Peter Körfer (Git, Electronics), André Hasselmann (drum) und Markus Türk (Trumpet, Bass) schon seit vielen Jahren zusammen. Gerne werden aber auch Gastmusiker eingeladen. Den Stil der Band ist nicht so einfach zu beschreiben und schwankt irgendwo zwischen wildem elektronischen Rock und Ambient, mit Einflüssen von Jazz und Minimal.

Vier Jahre nach ihrem Album "Wild Birch" hat die Band im Oktober 2018 das Album "Meanwhile" herausgebrach und der Hörer wrd hier auf eine ca. 73-minütige Klangreise mitgenommen. Die 7 Stücke basieren zum größten Teil auf immer weiter veränderten Live-Sessions. Das Album startet fast meditativ, mit einer Sequenz (Gulfoss) und man findet auf dem Album sowohl sehr ruhige, fast melancholische Stimmungen, aber auch eben auch echte Kracher bei denen es einem nicht auf dem Stuhl hält. Ein besonderes Stilmittel ist die verwendete Trompete, sie gibt der Album-Atmosphäre einen besonderen Kick. Vergleiche, aber durchaus positive, mit Nils-Petter Molvaer sind naheliegend.

Man merkt, dass die Zeitspanne für das Album gut gewählt wurde, denn es ist ein abweschlungsreiches Werk geworden. Ich finde, dass nicht nur offene Freunde der elektronischen Musik mit auf ihre Kosten kommen. 

https://byggesett-orchestra.bandcamp.com/album/meanwhile

Michael Wlochinski

MG OdysseyMit seinem zweiten epischen Meisterwerk in 2018 katapultiert sich "Martins Garden" weit oben an die Spitze der weltbesten Electronic-Künstler. "Odyssey" ist beim ersten Kontakt eventuell nicht für jedermann zugänglich. Es brodelt und zischt aus allen Kanälen. Jeder einzelne Track ist eine cineastische Aufführung, ein spannendes, unvorstellbares Klangerlebnis und absolut tanzbar. Martins (Sound-)Garden ist eine nahezu überbordende Transformation aus Ambient, PsyDub, Future-Reggae und SciFi-Electronic - spritzig, lebensbejahend und zur Überraschung aller absolut melodisch. Klänge, die die Welt noch nie gehört hat. Obergenial. 

http://www.merkabamusic.com/music/artists/martins-garden/

Will Lücken

Bernd Michael Land Farben150Wie immer, wenn Bernie Land seinen Riesen-Synths-Fuhrpark für eine CD-Produktion anwirft, klatschen sich die Mitarbeiter der Hessischen Stromversorger ab und geben sichere Arbeitsplatzprognosen für die kommenden Monate. So auch dieses mal, denn der Rodgauer vermengt seine unzähligen Maschinen zu einer Addition tonaler Farbvielfalt und durchstreift thematisch alles von Rot bis Blau und von Gelb bis Grün. Das sich hinter dem Konzept ein Spiegelbild der Menschheitsidentitäten verbirgt, verrät das umfangreiche Booklet, dass auf seine Weise, Farben und humane Ansichten zusammenfügt. Die Musik ist spannungsgeladen und abwechslungsreich, mal sphärisch mal minimal, mal schräg aber fast immer irgendwie bunt. Ganz so, wie es das Thema vorgegeben hat. Ob die CD dabei nochmal in einen limited Karton gemusst hätte, muss der BML-Fan entscheiden. Dem Rezensenten hätte dies aber nicht gefehlt. 

www.bernd-michael-land.com

Stefan Erbe

MG RenaissanceWarnung an alle EM-Traditionalisten - diese Musik könnte sie schockieren - oder ihr Leben verändern! Der relativ unbekannte Sounddesigner Marcel Umberg alias "Martins Garden" aus der Schweiz entführt den geneigten Hörer in eine total abgefahrene, abstruse, fremde Klangwelt, die man so noch nie gehört hat. Es wappt und schwabt, es knarrzt und scheppert - das bisherige Hörempfinden wird völlig auf den Kopf gestellt mit bombastischen und dennoch harmonischen, filigranen Klängen. Wenn Wolfgang Amadeus Mozart das digitale Sound-Equipment der heutigen Zeit hätte, würde er solche Musik kreieren. Eine phänomenale Produktion und Komposition zieht sich durch das gesamte opulente Werk. "Martins Garden" moduliert eine organische Soundmelange aus Psychedelic, Dub, Electronica und Ambient, partiell mit gewaltigem Chor, die man nur mit einem Wort beschreiben kann: Wahnsinn!

http://www.merkabamusic.com/music/artists/martins-garden/


Will Lücken

olake150Der Franzose Sylvain Texier alias O-Lake serviert uns mit seinen 11 Tracks, einer Mixtour aus moderner Klassik und elektronischem Orchester, den idealen Soundtrack zum sinnierenden Aben(b)rot aus Rotwein und melancholischem Aufschnitt. Wer in Stimmung ist, sich mit den eigenen Gedanken in endlose Klavier- und Pad-Arpeggien zu begeben, wird mal schwereloser, mal schwerhafter von der Musik begleitet. Natürlich spielt die narrative Simplizität der Songs eine große Rolle, um die tonalen Botschaften relativ schnell zu verinnerlichen. Dennoch bedarf es die richtige Atmosphäre um das Album in Gänze zu verspeisen, denn zu mächtig sind die suggestive Eindrücke, um es als schnelles Fast-Food-Produkt zu verinnerlichen. Tiefsinniger und intensiver Cineasmus, aber nicht immer leicht.

www.olakemusic.com

Stefan Erbe

PERU The Return 1Als stetiger EM-Konsument der 80 und 90er gefielen dem Rezensenten nicht nur die Alben von Jarre, TD und Co. sondern natürlich auch die Musik des niederländischen Trios Peru. Schon damals vor 25 Jahren überzeugte ihr Stil mit eingängiger Elektronik, schönen Beats und schicken Melodien. The Return, der aktuelle silberne Wiederkehrer des nun als Duos fungierender Band, fügt sich beinahe nahtlos an die Tracks von einst ein und erzeugt sogleich eine kurzweilige und mainstreamige Melange an arpegierten und sequenzierten Stücken. Wie praktisch, dass Rob Papen, einer der beiden Protagonisten auf seine eigene Soundwelt zurückgreifen kann, ist er doch auch als Sound- und VST-Synthdesigner aktiv. Poppige Nummer, teils Choral oder mal leicht vokal angehaucht sowie typische EM-Nummern wechseln sich wohl platziert ab und hinterlassen auch nach wiederholten Male eine beschwingte Zufriedenheit, die wir in naher Zukunft auch gerne mal live konsumieren würden.

Stefan Erbe

https://www.youtube.com/channel/UCwxJm5t2KsXs0K-goLU428w

standart150Als wären die zwei vorherigen Alben von Stan Dart nur ein Aufwärmtraining vor der großen Show, denn mit dem neuen Doppelalbum "Seaside" hat der Künstler aus Österreich ein Meisterwerk kreiert. Zusammen mit dem Pianisten Mark Dorricott aus England ist Elektronische Musik von exzellenter Qualität entstanden! Eine Soundtrack-Atmosphäre zieht sich durch das gesamte Werk. Kein Wunder, dass eine Reminiszenz an die großartigen "Blade Runner"-Filme herauszuhören ist, wo schon die Frage dominierte: Haben Replikanten Gefühle?
Der erste Track "Waves" transportiert den Hörer mit einem vermeintlich ruhigen, ominösen Sound an einen fernen Strand in einem Paralleluniversum. Wellenreitend entwickelt sich der Song und klingt atemberaubend - was für ein genialer Auftakt! Die folgenden Tracks sind sehr abwechslungsreich. Stan Dart hat ein sicheres Gespür für chillige Midtempobeats, kombiniert mit den jazzigen Pianoklängen Mark Dorricotts. In "Stellar Nights" und "Time's Right" wird es allerdings wieder sehr gefühlvoll und sphärisch, wie ein Trip in eine sternenklare Nacht bis weit in die Stratosphäre. Grandios.
Auf CD 2 schwebt ein Hauch von Vangelis durch die 6 überwiegend langen Tracks. Der erste Titel "Replicant's Dream" zeigt das Thema dieser CD. Der dann folgende Electronic-Blues "Empty Rooms" klingt wie völlig aus der Zeit gefallen - megastark! Und wer glaubt, dass den Künstlern allmählich die Puste ausgeht, wird sich wundern. So anmutig und edel wie in "Memories of Tomorrow" habe ich Stan Dart noch nie gehört. Die Harmonie mit dem Pianisten ... zum Niederknien. Doch es geht weiter mit dem geschmeidigen "Distant Life", dem dramatischen "Thannhauser Gate" bis zur verklärten Auflösung im letzten Track. Applaus für Stan Dart und Mark Dorricott - das ist ganz großes Ohrenkino.

http://www.stan-dart.com/


Will Lücken

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