Kolumne

Künstler zu sein ist wahrhaftig nicht leicht! Schon gar nicht, wenn man sogar seinen Unterhalt damit verdienen muss. Hungergagen, Angebote für "Umme" zu spielen, miese Verkaufszahlen von Tonträgern und schlecht besuchte Locations sind keine Seltenheit. Noch nie hatte man den Eindruck, dass es Künstlern (wir sprechen hier mal nur vom Tonerzeugenden) schlechter ging als heutzutage?! Stimmt und wird wohl auch nicht besser, zumindest für diejenigen, die bis jetzt nicht verstanden haben, dass es auch in dieser Branche zugeht, wie in anderen "Belohnungssystemen".

Nun, für viele Konsumenten und andere kommerzielle Auftraggeber ist der Dienstleistungseinkauf von Musik mittlerweile vergleichbar mit dem Gang auf die gewerbliche Toilette, die Fahrt in die Autowaschanlage oder die Beschaffung von Hygiene-Artikel; also eine emotionslose Formsache! So scheint es zumindest, denn wie anders erklärt sich der stetige Verlust des Ansehens musikalischer Erzeugnisse?

Meine Helden! Sie werden Alt! Bowie 66 Jahre, Kraftwerk seit 41 Jahren auf der Bühne und TD reist zumeist auch nur noch mit RTW durch die Lande. Auch in der Musik scheint die Demografie sichtbar geworden zu sein und im besonderen in der Elektronischen. Denn wie schon vor einige Zeit angedeutet, fehlt es zwar nicht am Nachwuchs, sondern eher an der Möglichkeit mit dieser Stilrichtung so populär zu werden, wie o.g. Plegestufenaspiranten. Dabei muss aber auch die Frage erlaubt sein, ob dieser milde Seniorenhype um die betuchten Künstler wie Jarre, Vangelis und Co. überhaupt noch gerechtfertigt ist und wir nicht nur mitsabbernd auf unsere geschmacksalternde Ebenbilder schauen, um festzustellen, dass die silberanteilige Haarpracht unserer Angebeteten nicht schriller scheint als die eigene?!

Der Kolumnist schwört, dass er nur selten etwas anderes macht, als sich mit Musik zu beschäftigen. Aber manchmal gibt es auch Bürokratisches zu erledigen und so läuft neben dem E-Mails beantworten, Rechnungen schreiben und sonstigem Administrativzeuchs, gelegentlich auch die heimische Plasma-Glotze. Eher unfreiwillig blickt dann schon einmal ein Auge auf die SD-Bilder des antiquierten Flachfernsehers und sehr selten vermengt sich Gesehenes und Gehörtes zum Anlass, mal genauer das Treiben auf dem Gas-Gucker zu verfolgen.

Die ungeteilte Aufmerksamkeit erregte dieses mal ein besonderer Werbeblock eines Privatsenders, der in gekonnter Intensität die futuresken Namensgebungen moderner Vertriebsfirmen in spektakulären Spots aneinanderreihte. In einer fast ununterbrochenen Sequenz versammelten sich Zalando, Trivago, Opodo, Apomio, Expedia und Transparo gefolgt von Fabego und Yatego.

Wow, die Kastelruther Spatzen haben ihr Album gar nicht selbst eingespielt, Lady Gaga ihr Fleischkostüm gar nicht selbst filetiert und einige EM-Künstler haben mehrfach unerlaubt Sequenzerprogramme eingesetzt. Die Welt geht unter!

Und wenn jetzt noch Markus Lanz in seiner TV-Talkrunde Nena auf dem Klavier begleitet, dann wars das mit der heilen Musikwelt! Hat er tatsächlich gemacht? Und dabei beinahe ,wie Mr. Bean auf der Olympischen Eröffnungsfeier, eine weisse Taste unentwegt in gleichtaktiger Manier malträtiert? Die Welt ist schlecht...wir wussten es ja schon immer.

Nun, das Jahr ist zwar noch nicht ganz vorbei, aber irgendwie beschleicht den Autor den dringenden Drang nach einer EMschen Jahresrückbetrachtung und einer erneuten Wasserstandsanalyse. Allerdings werfen wir weniger einen besonderen Blick auf die einzelnen Produktionsergbenisse, sondern vielmehr auf die Entwicklung der gesamten Szene. Dabei mag man bereits schon jetzt vermelden, es wird weniger "gezankt und gezickt", es gibt kaum noch Grabenkämpfe und Boykottaktionen und auf allen Veranstaltungen wird ein freundlicher Umgang gepflegt, der zeitweilig in Atmosphären wandelt, die man aus frühen KLEM-Dag-Zeiten kannte.

13 Grad und Regen? Was eine Katastrophe! Ich gestehe, dass wenn man am 12 Juli die Heizung wieder anmachen muss, stimmt irgendwas nicht. Oder ist es gar die aktuell fehlende und massive alljährliche Distribution Carellscher Ausrufe, die nach "dem richtigen Sommer fragt"? Haben wir doch die falschen Tänze getanzt? Kommt gar die nächste Eiszeit? Zumindest kommt auch der mobile Eiszeitbringer, meinte den portablen Italiener aus der städtischen Eisdiele nicht, der in Wirklichkeit sowieso auf der anderen Adria-Seite geboren wurde. Sein Geklingel würde eh keine einmeterzwanzig-Kundschaft mehr aus den Häuserblöcken locken. Ist wohl einfach zu Kalt und auch deshalb nicht lohnend, weil man für eine Waffel mit Nusseis bereits beim Discounter eine Wochenration "Fürst Pückler" erstehen kann. Kann man nicht vergleichen ? Stimmt! Das kann man deshalb nicht vergleichen, denn die zugehörige Portion Salmonellen in der Sahne ist nur beim traditionellen "Gelato-Mafiosi" zu bekommen und auch das sterile Milcheis vom Discounter, kann einfach das zahnlose Lächeln des Südländers nicht ersetzen...

Als "redaktionierender" Kolumnist hat man natürlich auch die Aufgabe vielfältige und erkennbare Misstände zu recherchieren und aufzudecken. Nicht nur wenn es um kontroverse Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten in der synthetischen Welt geht bin ich immer ganz vorn mit dabei, sondern auch wenn es in der normalen Welt um Unrechtsbekundungen und Sachverhalte geht schaut der Schreiberling schon mal genauer hin und versucht eine praktikable Essenz, auch für uns Musikschaffende daraus abzuleiten. Gerade die EM-Szene scheint ja in der weltweiten musikalischen Nahrungskette immer noch "Einzellerstatus" zu besitzen und kann immer mal wieder funktionierende (über)Lebensweisheiten gebrauchen. Betrachten wir dazu mal ein paar Grenzgebiete in der Musikwelt.

Es sei das  Beispiel des Plattenauflegers genannt. Welches wahrhaftiges Können wohl erforderlich ist , eine Ansammlung von Tracks hintereinander zu stellen, diese fehlerfrei auf einem Abspielgerät seiner Wahl zu starten, die geeignete Lautstärke einzustellen und ca. 173 Minuten im Takt der Musik mitzuschwingen bzw. zu headbangen. Dazu diverse "chicas" auf der Bühne in den Armen halten, sich Kaltgetränke reichen lassen und mit dem einklappbaren Kopfhörer nur auf einer Ohrseite hängend , den Schieberegler des nicht benutzen Kanals dabei auf- und abzuschieben. Dies nennt sich "Dischäiing". Eine Tätigkeit die sich mir in der eigentlichen Leistung noch nicht erschlossen hat. Gerade dann wenn tausende von Jünger ins Wochenende starten, um den großen coolen Plattenteller-Leger zuzujubeln, schleicht sich bei mir der Monty Phytonsche Begriff " Folgt der Flasche" in die Hirnrinde meines Kopfes.

Würden wir diese speziellen Fähigkeiten auf das normale Leben anwenden, ergäben sich womöglich neue Künstlerberufe. Zum Beispiel im Einzelhandel brächte eine logistische Anwendungen des Dischäings ungeahnte Möglichkeiten. Betrachten wir den Einzelhandelsfachverkäufer wie er die Produkte in die Regale einsortiert, so ließe sich doch eine Adaption der Leistung durchaus ableiten. Man müsste dies nur auf eine etwas künstlerische Form tun, indem man eben wie beim Dischäing, den Ablauf "hyped" und eine Art Zusatzleistung herumstellt.
Während nun die weibliche Azubis in kurzen und bunten Kitteloutfits um den kistendrehenden Probanten tanzen, während dieser Maggi und Nestle Produkte in einer unnachahmlichen Art aus den Kartons zieht, drehend und in den Knien wippend, sie sauber aufstapelt, dazu die Klebefolie immer wieder im gleichsamen Rhythmus auf- und abgezogen wird, sodass die arbeitslose und einkauswagenschiebende Menge bedingungslos tobt und die Öffnung weiterer Verpackungseinheiten einfordert. Jetzt noch alles ins richtige Licht gerückt und vom Marktleiter ordentlich anmoderiert, könnte ein neuer Hype geboren sein. Wichtig ist aber immer, dass eine künstliche Form der "Verarsche" die Konsumenten davon überzeugt, dass es ab heute gerecht ist alle Preise im Supermarkt um 10 Prozent anzuheben, da das neue Erlebnis-Shopping nun von unglaublichen RE-Jays (Regaleinräumern) präsentiert wird. Sie verstehen halt in Handwerk. Nein, da werden nicht einfach Kisten geöffnet und unstrukturiert regalisiert, es muss ja auch die richtigen Reihenfolge besitzen, Warenübergänge in den Fächern müssen sauber vermischt werden und das sprachliche Auffordern des Publikums mit Megafonartiger Lautstärke "seid ihr alle noch da?" und "ich will Eure Hände sehn" bringt noch den netten Nebeneffekt der Ladendiebstahlkontrolle mit sich.

Nun, verlassen wir wieder die Traumwelt der ALDI- und Lidl-Regal-Einräumer und schauen nochmal in die Clubs, Bars und Diskotheken, in der wir die wahren Künstler finden die Abend für Abend etwas leisten, was sich kaum einer vorstellen kann. Musik auszuwählen und dabei Cool auszusehen! Ich habe es nie so richtig verstanden, worin da die Leistung liegt. Was macht die Aufgabe so selektiv, so dass es nur ein paar wenige können? Was sind das für Übermenschen die es schaffen Low-Cut von High-Cut an einem Digitalpult zu unterscheiden und sich in jahrelanger Akribie die Fähigkeit des Cueing einverleibt haben? Ist es eine Form der Religion, die es uns Sterbliche unmögliche macht, eine Auswahl diverser Stücke auszuwählen, die eine Sinnhaftigkeit in der Abfolge ergeben?

Auch mit der Gefahr, dass sich der Autor auf keiner Plattenauflegveranstaltung mehr gefahrlos umhertreiben kann, aber ich sehe keine besondere Leistung in diesem Handwerk und verlange ab sofort, dass auf den kommenden EM-Veranstaltung nun ähnliche Szenarien abgehen sollten. Öffnet und schmeißt also mehr Textilien, äußert Nachwuchswünsche vom Konzertgebenden und konsumiert ekstatisch die 16tel Sequenzen. Auch wenn sich der Künstler scheinbar hinter seinem Equipment versteckt hat und noch nichts von dem neuerlichen Trubel in den 2 Konzertreihen mitbekommen hat...bitte nicht aufgeben!  


    

Geht es Ihnen auch manchmal so? Man sitzt im Auto ist einfach nur genervt! Über Menschen vor Ihnen die mit 26,94 Kilometer auf 50 KM/H Strecken fahren oder rechts blinken und links fahren, oder blinken und gar nicht fahren...Ich weiß, besser nicht Aufregen ist die beste Option, aber manchmal laufen so viele genervte Strombahnen in meinen Synapsen zusammen, dass mein Vakuum einfach damit überfordert ist. Zusätzlich klappert dann auch noch mein Sitz, das Armaturenbrett quietscht obwohl mein Auto schon dreimal deswegen in der Werkstatt war und meine 6 Favoritentasten des Radios bringen ständig nur ganztägigen Müll hervor. Das was dabei aber am meisten nervt ist "das Beste aus den 80er, 90er und das beste von Heute". Eigentlich sollte es doch wohl heißen, "die einzigen Platten die wir hier im Studio noch haben, hat unser Praktikant in den letzten Monaten auf dem Trödelmarkt zusammengeschnorrt und wir spielen sie, bis alle Hörer auch wirklich weichgespült sind"!

Liebe Radiomacher, was habt ihr euch dabei gedacht. Ich mag keinen "Safety Dance", keine Whitney Houston-Songs und auch kein wiederholtes Roxette-Geklimper. Wer hatte bloß diese Idee und was tun sie den Redakteuren morgends in den Kaffee, so dass die den ganzen "Sch..s" auch immer und immer wieder spielen?

Jaja...ich weiss, es ist Zielgruppenorientiertes Radio. Geschicktes "hervorkramen" von alten Zeiten des wieder Jung-Seins, indem man die niederen Instinkte des Relativieren von Jugendzeiten und Pubertät provoziert. Man vermutet also tatsächlich , dass alle Mittdreissiger und Vierziger dieser Welt einträchtig vor dem Radio hocken und sich beim Lokalradio-Konsumieren an alte Schulzeiten und Partys erinnern, im wohligen Zustand sich an den ersten "petingierenden" Körperflüssigkeitsaustauschpartner schwelgend zu entsinnen und den weiteren Tag mit der Recherche in Stayfriends und Facebook zu verschwenden, um dort ehemals vergötterte Jugendlieben wiederzufinden.

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