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Der wohl größte Kindergeburtstag für erwachsene EM-Fans ist vorbei: der Electronic Circus öffnete am 22. September zum bereits fünften Mal seine Manege und bot ein wahrlich buntes Programm. Die gut besuchte Weberei in Gütersloh bot dabei zum bereits zweiten Mal das Ambiente, in und um dieses herum sich begeisterte Hörer und begeisternde Künstler tummelten. Mit Winfried Trenkler (Schwingungen), Bodo Staiger (Rheingold), Rainer Sauer (Sounds vom Synthesizer), Bernd Kistenmacher, Harald Grosskopf, Robert Schröder, Wolfram Spyra und vielen anderen, fanden sich prominente Gäste zum Anfassen und Ausfragen ein. Durch die Veranstaltung führten die beiden Circus-Helden Frank Gerber (alias Der Zirkusdirektor) und Hans-Herrmann Hess, wie immer begleitet von Mike dem Clown.


Den Auftakt machte eine Gruppe, die zwar schon länger im Geschäft ist, sich aber erst dieses Jahr in die Gemeinde der traditionellen elektronischen Musik hineingefunden hat: Sankt Otten, bestehend aus Stephan Otten und Oliver Klemm. Die beiden haben es direkt zum Anfang des Circus richtig krachen lassen und harte, aber mäßig schnelle Beats auf die Ohren geknallt. Dabei hat Stephan, Drummer und Synthesist, für die Schläge und Oliver an seiner Gitarre für sphärisch anmutende Klangflächen gesorgt. Und mitten drin sorgte Andreas Parnow (Vraigaist) mit seinem Saxophonspiel für einen tonalen Akzent. Die bassigen Sequenzen und teilweise Kraftwerk-artigen Rhythmen haben das Publikum gleich richtig in Stimmung gebracht. Mit tosendem Applaus wurde Sankt Otten deshalb zu einer Zugabe aufgefordert, was sich ebenfalls als ein Highlight des Tages herausstellte: eine brillante Cover-Version von Harald Großkopfs So weit, so gut, live angekündigt von Winfrid Trenkler.

Mit relativ kurzer Verschaufpause ging es bereits weiter mit dem bekannten englischen Duo VoLt. Michael Shipway ist in den vergangenen Jahren immer zu Gast auf dem Festival gewesen und hat mit seiner Solo-CD und alten und neuen Kooperationen quasi ein Comeback gefeiert. Zusammen mit Steve Smith präsentierten sie nicht nur ältere und neue Stücke von VoLt, sondern auch neu arrangierte Stücke von Michaels Debutwerken. Dabei war Steve deutlich aktiver an den Keys und platzte fast vor Energie während er in die Tasten haute. Mit den Stücken von Beneath Folly gab es auch für mich kein Halten mehr, denn ich gebe gerne zu, ein großer Fan von Michaels Musik zu sein und insbesondere der aus den 90er Jahren. Auch VoLt wurde mit rasendem Applaus zu einer Zugabe erpresst, die sie allerdings bereits als "VoLt 2" per Projektor vorgesehen hatten.

Es folgte eine etwas längere Pause, in der sich das Publikum in den Vorräumen bei den Ständen von Labels und Musikern tummelten, sich bei Roland an den elektronischen Instrumenten versuchen konnten oder sich einfach nur über die beiden Konzerte begeistert unterhielten. Über den Tag verteilt war Stefan Erbe für empulsiv tätig und drehte ein Videointerview nach dem Anderen. Ihr könnt schon jetzt auf die Ergebnisse seiner Drehs gespannt sein.

Dann war es endlich so weit und Erik Wøllo und Ian Boddy traten in die Manege. Beide Solo bereits als ausgezeichnete Musiker in der EM-Gemeinde bekannt, kamen hier zu einem gemeinsamen Musikprojekt zusammen, das auf dem Electronic Circus seine Weltpremiere feierte. Grundstein des Projekts war ebenfalls der Circus, auf dem sich Erik und Ian drei Jahre zuvor trafen und bei Frühstück und Spaziergängen angeregte Unterhaltungen über Instrumente und Musik hielten. Eine wohl glückliche Fügung, denn was die beiden auf der Bühne präsentierten war höchstes musikalisches Können und ein Genuss für die EM-Ohren. Erik an seiner Gitarre, mit der er mal melodisch fein agiert und ein andermal ätherisch atmosphärische Klänge erzeugte, und Ian an seinen Tasten und Sequenzern, mit denen er das Publikum ein aufs andere Mal Rhythmus in die Gelenke drückte. Und auch diese beiden kamen nicht ohne Zugabe davon, denn das rasende Publikum konnte offensichtlich nicht genug von Ihrer Musik bekommen.

Schließlich war es soweit und der Hauptact des Tages war an der Reihe. Angekündigt von einem zum Magier mutierten Zirkusdirektor, betrat der Weltmusiker Gandalf die Bühne. Begleitet wurde er von seinem Sohn Christian Strobl an den Drums und Merike Hilmar am Cello. Das Trio spielte sehr feinsinnige Musik aus Gandalfs großem Repertoire, die gerade durch die Unterstützung des Cellos viel Atmosphärisches bot. Und auch wenn das Programm nicht ganz dem EM-Gedanken entspricht, so wurde auch hier nicht mit Applaus gespart und natürlich durften auch Gandalf und seine Mitmusiker die Bühne nicht ohne Zugabe verlassen.

Zum Abschluss gab es dann noch ein kurzfristig hinzugenommenes Konzert, eine kleine Session aus der aktuellen Promo-Tour von Space Art. Dahinter stecken Dominique Perrier, Michel Valy, Alain Pype und Lilli Lacombe. Die vier präsentierten bekannte und neue Musik der ehemals 70er Jahre Band. Die Musik bewegt sich eher in Richtung poppigem, französischem Chanson, oder auch elektronischer Gute-Laune-Musik. Dass auch diese Musik und dazu noch zu so später Stunde (bis gut nach Mitternacht) im fast noch vollen Saal befindlichen Publikum gut ankam, zeigte der ebenfalls frenetische Applaus, der Space Art zwei Mal wieder auf die Bühne holte, um Zugaben zu geben.

Es war ein rundum gelungenes Festival mit viel zum begucken, viel zu bereden und natürlich exzellenten Konzerten zum Genießen. Die großartige Gästeliste und die familiäre Atmosphäre setzten der Veranstaltung quasi den Zylinder auf. Professioneller und dennoch gemütlich kann ein Festival kaum sein. Ich freue mich schon auf den Circus 2013!

Stefan Schulz

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