Magazin

Kategorie: Feuilleton

Die Audio-CD hat ohne Zweifel ihre beste Zeit hinter sich - Downloads und Streaming werden immer beliebter, die Verkaufszahlen sinken seit Jahren.  Ist die Musik dann auch noch kein Mainstream, dann wird eine Veröffentlichung auf CD zu einem ziemlichen finanziellen Risiko: Mindestauflage 500 bis 1000 Stück, dazu die Einmalkosten für die Erstellung des Masters.  Gerade Newcomer haben es schwer, diese Kosten selber aufzubringen oder einen Vertrieb zu finden, der ihnen eine solche CD-Produktion vor-finanziert.

Viele potentielle Kunden möchten Musik aber immer noch auf einem physischen Medium kaufen (wie lasse ich mir einen Download signieren?), und eine gebrannte CD-R gilt gegenüber einer gepressten CD häufig als minderwertig und nicht so haltbar.

Groove-Chef Ron Boots versucht dieses Dilemma mit einem neuen Ansatz zu lösen: der GR-1000er-Serie.  Dabei handelt es sich um 'echte' gepresste CDs, aber in einer einfacheren Aufmachung. Anstelle eines Jewelcases oder Digipaks kommen sie in einer schlichten Papphülle daher, das drückt den Preis pro Exemplar und den Platz im Lager.  Außerdem sinkt die Mindestauflage auf 300 Exemplare.

Der andere und eigentlich wichtigere Clou ist aber das Vertriebsmodell.  Groove plant, etwa 12 bis 15 CDs in dieser Form pro Jahr zu veröffentlichen. Und nimmt man alle CDs im Abonnement, zahlt man nur 9 Euro pro CD.  Die Idee ist, dass Kunden zu diesem Preis bereit sind, auch einmal eine CD 'blind' zu kaufen und sich vom Inhalt überraschen zu lassen.  Diese Abonnenten sichern dann den nötigen Mindestumsatz.  Der niedrige Preis (mancherorts kostet ein Album-Download auch nicht weniger) ist Anreiz, das Abonnement zu behalten, auch wenn zwischendurch einmal etwas nicht gefällt. Aussteigen kann man natürlich jederzeit, aber nicht beim übernächsten Album direkt wieder einsteigen.

Auf dem Electronic Circus habe ich die beiden ersten Alben aus der 1000er-Reihe mitgenommen: 'Automaton' von Arcane sowie 'Angels of Nowhere' von Martin Peters.  Die Qualität der CDs ist genauso gut wie bei 'normalen' Groove-Alben auch, nur die Verpackung ist eben eine andere.  Die Bedruckung der Hüllen ist einwandfrei und professionell, auf einem der Fotos als Vergleich eine Tangerine Dream-CD in gleicher Verpackung ('Cupdisc') - auch andere wählen gelegentlich diese schlichte Verpackung.

Hatte man als Musiker ohnehin nicht vor, ein Booklet beizulegen, dann verliert man durch diese Verpackung nichts. Im heimischen Regal nimmt die CD so auch weniger Platz weg, nur das Wiederfinden wird etwas schwieriger, weil so eine dünne Hülle natürlich keinen Text auf dem Rücken mehr stehen hat.  Die Papphülle ist auch empfindlicher und lässt sich nicht wie bei einem Jewelcase einfach ersetzen, wenn sie beschädigt ist.  Dieses Problem hat man bei Digipaks aber genauso.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob diese Idee funktioniert. Der Erfolg dürfte entscheidend davon abhängen, wie viele Abonnenten Groove gewinnen kann.  Es ist aber auch letzten Endes eine Reaktion auf die sich verändernden Zeiten: CD-Verkäufe werden auch in Zukunft weniger werden und nicht mehr.  Wer weiß, vielleicht wird aus dieser CD-Serie irgendwann doch eine Serie von USB-Sticks.

Alfred Arnold

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.