Rezensionen

Yog-Sothoth (Michael Wilkes) ist der Gewinner der Schallwelle 2011 als bester Newcomer. Sein „Preisgeld“ – die Produktion einer CD durch interdisc media – hat er erfolgreich eingesetzt und wir EM-Freunde profitieren nun in Form der ersten „regulären“ Yog-Sothoth-CD Prehistoric Dawn von dem Gewinn. Es ist wirklich schön zu sehen und zu hören, welche Ergebnisse dieses Sponsoring zeitigt. Nach den Newcomern der vergangenen Jahre (Ambient Circle, Meesha und Matzumi) legt mit Hilfe der professionellen Produktion auch Michael Wilkes ein hervorragendes Album vor.

Es gab natürlich schon vor „Prehistoric Dawn“ einiges von Yog-Sothoth zu hören. Seine Vita ist auf der Internetseite www.yogsothoth.de nachzulesen, wo es auch nach wie vor das Album „Dreams Of Mystery“ als kostenlosen Download gibt (s. auch schalldruck Nr. 43). Michael hat die Gelegenheit genutzt, auf „Prehistoric Dawn“ drei Titel von „Dreams Of Mystery“ und weitere Stücke älteren Datums, die aber nicht mehr anderweitig erhältlich sind, sowie zwei ganz neue Musikstücke zusammenzustellen und daraus seine erste „richtige“ CD zu formen. Herausgekommen ist dabei ein, trotz der Zeitspanne in der Entstehung der Musik, sehr homogenes Album.

Das Cover, das von Michael Wilkes selbst mit Unterstützung durch Axel Stupplich gestaltet wurde, zieren Ansichten diverser Pyramiden, alles ist in grün gehalten, und zwischen Sonne und Erde ist der Jupiter zu sehen. Die Gestaltung bezieht sich auf einen alten Mythos, der besagt, dass Außerirdische (Götter genannt) auf die Erde kamen, die Menschen alle Wissenschaft, Schrift etc. vermittelten, und dann wieder verschwanden – nicht ohne ein Versprechen zu geben, wiederzukommen.

Zu dieser Geschichte mag man stehen wie man will. Auf keinen Fall darf man daraufhin aber mystische oder mysteriöse Musik, vielleicht aus dem Ambientbereich, erwarten. Yog-Sothoth hat eine andere Ausrichtung.

Gleich beim ersten Hören war mir „Prehistoric Dawn“ vertraut. Das hat sicher nicht nur damit zu tun, dass mir durch „Dreams Of Mystery“ schon das erste Stück, „Rise Of Cthulhu“ bekannt war (Titel 3 und 5 sind die anderen Stücke von „Dreams Of Mystery“). Es scheint mir eher ein Zeichen dafür, dass Michael Wilkes einen einprägsamen eigenen Stil gefunden hat und hier zelebriert.

In dieser neuen Produktion hört man im Vergleich zum Album „Dreams Of Mystery“ die Profis, die am Mischpult und beim Mastering ganze Arbeit geleistet haben, heraus. Die Kreativität, die ein Musiker an den Tag legt, ist halt auch nicht immer alles, und es ist ja gut, dass ein Ein-Mann-Projekt wie Yog-Sothoth die Unterstützung anderer in Anspruch nehmen kann. Mir gefällt es einfach, wenn Künstler sich helfen und der eine vom anderen profitieren kann.

Zurück zur Musik selbst: Das ganze Album wirkt sehr „rund“, Yog-Sothoth steht für viel Melodie und flotten Rhythmus. Selbst wenn ein Stück mal ruhig beginnt, wie z. B. „Twilight Moves“, kommt nach kurzer Zeit Tempo hinein. Dass ein Track „dancefloor“-artig gerät, was bei „Ready For Take-Off” der Fall ist, war für mich doch etwas überraschend, ist jedoch die Ausnahme. Die „Härte“ des Anfangs bei dem Track wird aber durch die Melodie und den schönen Sound gemildert.

„Dreams Of Mystery“ habe ich als Titelstück des Vorgängeralbums noch gut im Gedächtnis. Es hat eine schöne Melodie und ist bei aller Erkennbarkeit des Ursprungs in den 1990er Jahren zeitlos. Die Sequencerbasis lässt mich entfernt an Patrick Mimrans Album „Back To Earth“ denken.

Für die üppige Instrumentierung, die Michael Wilkes einsetzt, ist „Gates Of Ishtar“ ein gutes Beispiel. Zudem lebt der Track von Sequenzen und setzt mittels verfremdeter Stimme Akzente. Sehr schön sind immer E-Gitarren-Sounds, und in diesem Album finden sie sich mehrmals: „Twilight Moves“ und „Legend Of Lemuria“ profitieren davon, wobei in ersterem die Art zu spielen auch einem Rockgitarristen angemessen ist.

Der Titel „Cosmic Movements” hinterlässt bei mir einen etwas (im Wortsinn) zwiespältigen Eindruck. Es sind zwei grundverschiedene Teile, die aneinandergesetzt werden. Ein kräftiges Schlagzeug und eine glockenartige Sequenz dominieren die erste Hälfte. Der zweite Teil besteht aus ähnlichen Elementen, die aber zu gänzlich anderen Ergebnissen führen. Das Ganze wirkt auf mich etwas unfertig, auch weil am Ende jeweils einfach ausgeblendet wird. Obwohl die beiden Teile mir für sich genommen durchaus gut gefallen, hätte ich zwei getrennte und weiter ausgearbeitete Stücke hier schöner gefunden.

Besser gelöst ist das bei „Twilight Moves“: Die Laufzeit von fast 10 Minuten bietet genügend Raum für Wechsel zwischen ruhigen und schnellen Phasen. Es gibt aber auch keinen solchen Bruch nach der Hälfte wie in „Cosmic Movement“.

Das folgende „Lost Paradise Of Nan Madol” ist für mich ein Höhepunkt des Albums. Michael nimmt sich Zeit, das Stück zu entwickeln. Mit großartiger Melodie baut sich ein immer intensiver werdendes Stück „klassischer“ EM auf. Auch wenn bei „Lost Paradise Of Nan Madol” schon Klaviersounds zu hören waren, klingt das Piano zu Beginn von „Beyond The Horizon“ doch etwas ungewöhnlich, denn bei Yog-Sothoth kommt es nicht so häufig vor. Das zweitlängste Stück des Albums ist mit seinen sehr „treibend“ angelegten Drums etwas rockiger und entwickelt sich wie zuvor schon „Lost Paradise...“ zu einem richtigen Kraftpaket. Etwas irritierend finde ich nur, dass ich meine, die Worte „Lost Paradise“ immer wieder in „Beyond The Horizon“ zu hören.

Das Titelstück bildet den Abschluss von „Prehistoric Dawn“; es ist ein neu komponierter Track. Zugegeben, ich wurde nicht auf Anhieb warm mit diesem Stück. Nun aber meine ich, dass Yog-Sothoth seiner ersten CD hier einen grandiosen Schlussakkord setzt. Ausgefeilter Rhythmusteil, richtig gute Sounds, in den letzten beiden Minuten eine Steigerung in der Intensität – und ich wünschte, nach acht Minuten sechzehn Sekunden wäre noch lange nicht Schluss!

Michael – beide Daumen hoch für diese tolle CD! Ich bin, mit der winzigen Einschränkung bei „Cosmic Movement“, absolut begeistert! Die Hoffnungen, die in Dich als Schallwelle-Preisträger gesetzt werden, hast Du nicht enttäuscht. Mach einfach weiter so.

Mehr Informationen: Homepage von Yog-Sothoth

Andreas Pawlowski