Rezensionen

Sequentia Legenda - Blue Dream

Sequentia Legenda - Blue Dream

Wenn man mich danach fragt, was für mich kosmische Musik ausmacht, dann kann ich nur auf entsprechende Gedankenbilder verweisen. Blue Dream von Sequentia Legenda ist für mich kosmische Musik, denn sie löst unmittelbar solche Bilder aus: Sternenmeer, vorbeiziehende Kometen, "kreisende" Planeten eines Sonnensystems. Und wenn man sich eine Versetzungs ins All nicht vorstellen mag, stelle man sich ein Planetarium vor. Von der ersten Sekunde an versinkt man in einem Gefühl des schwerelosen Dahintreibens. Das erste Stück, Fly Over Me, ist mit über 30 Minuten ein einziges solches Traumerlebnis. Man ist ja immer bemüht, Vergleiche zu finden, weil dies die Beschreibung der Musik vereinfacht. Hier fällt meine Erinnerung sofort auf die Musik von Software, wie von Peter Mergener geschrieben, zurück. Die tragend, schwebenden Flächen und die leicht schillernde Sequenz, die über den Lauf des ersten Stücks nur leicht variiert und in der Tonlage anpasst, sind wie eine aktuelle Variante des damaligen Mergener-Stils. Und doch ist es anders, symphonischer im Ansatz. Der anfänglich kaum vorhandene, nicht-invasive Rhythmus des Stücks zieht einen sanft mit und steigert sich bis in den dan aktiven aber nicht aufdringlichen Schlagzeugrhythmus zum Ende des Tracks. Aus Fly Over Me geboren, das in 10 Untertitel aufgeteilt ist, sind die beiden Bonus-Tracks The Approach und Vibrations von je ca. 21 und 15 Minuten. Sie nehmen jeweils einen der Teilsektionen des Hauptstücks auf und führen sie weiter in eigenständige Erlebnisse. Dabei ist The Approach eine sehr intensive Ausarbeitung des kurzen Themas in der ursprünglichen Form, das zur Hälfte sehr rhythmisch und endringlich, zum Ende hin gar leicht unheilschwanger wirkt. Vibrations nimmt die leichtgewichtige Sequenz aus dem sehr kurzen Teilstück und bettet sie in kräftige Synthflächen ein; wie ein Schweben im Orbit während am Horizont langsam die Sonne hervortritt. Insgesamt ein schönes, zeitloses Klanggemälde, das der französische Musiker Laurent alias Sequentia Legenda hier vorgelegt hat. Kontakt: Künstler-Website
Bezug: Bandcamp Stefan Schulz

Interviews

Interview: Der Dritte Raum

Interview: Der Dritte Raum

Am sehr beschaulichen Berliner Prenzlauer Berg residiert Andreas Krüger, den die meisten Elektronik-Fans, neben seinen weiteren unzähligen Projekten, wohl als den Dritten Raum kennen werden. Mein Besuch in seinem neuen, aber noch vorübergehend errichteten Wohnstudio zeigte wieder einmal, dass es eigentlich egal ist wo die versammelte Hardware aufgebaut ist, solange die Gesamtumgebung genügend Kreativoutput zu Tage bringt. Andreas gehört zweifelsohne...

Magazin

Eine Sinuswelle auf dem Live-Trip

Eine Sinuswelle auf dem Live-Trip

Die neue Formation um Torsten M. Abel mit Namen Sine Amplitude macht sich auf, mit ihrem Instrumentalrock ihr Live-Publikum zu finden. Mit dabei sind der Gitarrist Martin Rohleder und der Schlagzeuger Andreas Aulke. Mit ihrer Musik wollen sie die Elemente von klassischer elektronischer Musik und progressivem Rock verbinden, mit Referenzen an die Berliner Schule und am Krautrock. Aktuell bestätige Termine sind...

Jean-Michel Jarre auf Eroberungswelle (Update)

Jean-Michel Jarre auf Eroberungswelle (Update)

Elektronik-Altmeister Jean-Michel Jarre ist auf dem Weg zu einem neuen Album. Unterwegs jedoch macht er einen kurzen Zwischenstopp in einer Zusammenarbeit mit Gesaffelstein, ebenfalls Franzose und recht umtriebig, was seine musikalischen Kollaborationen angeht. Aus der Pressemeldung: "Conquistador" ist der erste Vorgeschmack aus Jean-Michel Jarres kommendem Studio-Album und erscheint exklusiv auf Beatport (http://pro.beatport.com/release/conquistador/1502022) in einem besonderen 3-Track-Bundle, das den Originalmix und zwei Remixe...

E-Scape - EM Festival in England und überall

E-Scape - EM Festival in England und überall

Es soll eine neue Festivalreihe für elektronische Musik in Groß Britannien werden: E-Scape (http://www.admusiconline.com/main/concerts.php). Veranstaltungsort und Line-up stehen bereits fest, die Tickets sind Online zu haben, alles gut organisiert von AD music, dem Musik-Label von David Wright. Und noch ein wichtiges Thema wird hier zum ersten Mal für ein solches Festival angeboten, das Virtuelle Ticket (VT). Eine großartige Gelegenheit für...

Kolumne

Kolumne: Warum nur die Individualität gewinnen wird!

Kolumne: Warum nur die Individualität gewinnen wird!

Unsere Vorbilder, unsere Heroen und die Pioniere! Wären wir bloß wie sie? Scheiß drauf!
Damals, ja damals waren sie es, die gezeigt haben, wie man mit Innovationen etwas völlig Neues erzeugen kann. Da waren die Riesen-Kisten vollgestopft mit Patchkabeln, aufgestapelt zu Türmen mit analoger Technik und die leuchtenden Sequenzer, die synchron zur exakten 16tel Sequenz blinkten. Das war mutig und Individuell, aber eben nur damals! Es ermüdet zu lesen, zu hören und erzählt zu bekommen, dass jemand so klingt wie die Jungs von damals. Niemand interessiert die xte Kopie des Originals. Warum? Na weil wir eben das Original schon haben! Anstatt sich darüber zu freuen, dass man den siebenunddreißigsten TD-Clone hervorgebracht hat, wäre die Intention sich etwas Eigenes auszudenken, der richtige Weg gewesen! Dann müsste man sich auch nicht wundern, weshalb die Verkaufszahlen womöglich noch ein paar Kommastellen mehr benötigen, um daraus eine große Zahl werden zu lassen.