Rezensionen

Wenn ein Album als "Berliner Schule" deklariert wird, hat der geneigte Hörer ein gewisses Klangbild vor Ohren. Mit Bertrand Loreau und Lambert treffen hier zwei Künstler aufeinander, die ein doch großes Spektrum dieses Musikstils abdecken, kommen sie zum einen aus der Klaus Schulze und zum anderen der Tangerine Dream Ecke, insbesondere deren Stilen der 70er und 80er Jahren. Was kann man nun aus solch einer Zusammenarbeit erwarten? Klanglich jedenfalls hat mich das Album durch seine Vielfalt und einen spannenden Variantenreichtum überrascht. Hier scheinen nicht nur die genannten Künstler eingang gefunden zu haben, sondern auch andere inspirative Quellen. Man mag mich schlagen, aber für mich klingen so einige Stellen nach einem frühen Jean-Michel Jarre, anderes erinnert mich stark an Syn-Code von Software (unter Peter Mergener). Vielleicht ist dies aber auch eine Eigenheit der verwendeten Instrumente, die hier ausschließlich von der analogen, traditionellen Art elektronischer Musik sind.

Das Album besticht durch die knackigen Sequenzen, melodisch getriebenen Flächen und vielen elektronischen Effekten, die dem Ganzen ein flirrendes Dasein verpassen. Jedes der drei langen Stücke des Albums scheint sich in deren Verlauf immerwährend weiter zu entwickeln, bleibt, wie von der zitierten Zeit gewohnt, nicht lange bei einem Thema stehen. Die vermeintlichen Wiederholungen wandeln sich derart, dass man das Gefühl hat, einem lebenden Stück Musik zuzuhören, einem klanglichen Organismus, der weniger eingespielt als sich selbst findend anmutet.

Für Liebhaber der traditionellen, ursprünglichen elektronischen Musik aus den frühen Zeiten sicherlich ein Kleinod, aber auch für Fans der jungen Elektronik eine schöne Reise in eine mehr organische Klangwelt des technisch dominierten Genres.

Bezug: Spheric Music

Stefan Schulz