
Vor zwei Jahren begeisterte Max mich mit seinem Album "Waldgeist", das erste unter seinem eigenen Namen. Der eigentlich unter dem Pseudonym Maxxess publizierende E-Gitarrist schafft mit dieser Reihe eine etwas andere, weniger auf seinen typischen Rock-inspirierten Stil elektronischer Musik. "Berggeist" setzt diese Reise nun fort, wir kommen aus den grünen Gefilden nun in eine etwas trockenere und teilweise schneebedeckte musikalische Region. Hier besteigen wir musikalisch vertonte Gebirgsszenerien mit einer tonalen Bravur, die einfach Lust auf mehr macht.
Im Gegensatz zu "Waldgeist" ist das neue Album musikalisch ein wenig kräftiger, auch ist wieder mehr Gitarre im Fokus. Die 9 Stücke des Albums bauen jedes für sich eine eigene, teilweise besinnliche aber leicht kühle Stimmung auf, die oftmals in monumentalen Kraftakten münden, bevor sie anschließend ruhiger wieder ausklingen. Den Anfang macht dabei das längste Stück des Albums, das zugleich den Albumtitel trägt. Ein verzückender Einstieg in die Welt des Berggeists. Mit "Gratwächter" sind wir wieder in einer eher ruhigeren Gegend und genießen quasi die Aussicht mit unseren Ohren.
Eher sportlich geht es weiter mit "In der Klamm", mit treibenen Arpeggios und vollen Synthesizerflächen erhalten wir einen treibenden und zugleich leicht euphorischen Klangrausch. In der "Nebelwache" fühlt man sich ein wenig verloren und umherirrend, es wird einige Grad kühler und die feuchte Luft hüllt einen akustisch gelungen ein. Mit dem "Schattenjoch" wird es noch ein wenig ruhiger, aber auch beruhigter. Hiernach begegen wir dem "Felswandler" mit einer schnell zutage tretenden inneren Stärke, die auch durch eine akustische Pause nichts an Strahlkraft verliert. Hier sind definitiv mehr rockige Anleihen aus der Maxxess-Welt zu erhören.
Mit dem "Fallwind" tauchen wir wieder in die glitzernde und wunderschöne Welt des akustischen Berges ein. Mit flirrenden Arpeggios und einer wunderbaren Melodie werden wir von unserer aufgekratzten Stimmung erlöst. Der Track mündet quasi in "Steinkind", das nicht nur ruhig sondern nahezu klassisch orchestral anmutet und uns die tatsächliche Schönheit der Bergwelt vor Augen bzw. Ohren führt. Den Abschluss des neunteiligen Albums liefert uns mit "Wettersturz" noch einmal vor Augen, wie schnell sich die Wetterlage in den Bergen ändert, von eher ruhigem, schönen Ausblicken wird es zum Ende hin eher wild und unbeständig, wobei wir weiterhin von einer tollen Melodie davon getragen werden, während sich der Herzschlag dem flotten Rhythmus angleicht.
Dieses zweite Album von Max zeigt wunderbar, wie gut gemachte elektronische Musik klingen und welch großartigen Geschichten instrumentale Musik erzählen kann. "Berggeist" ist eine wunderbare Fortsetzung zum "Waldgeist" und sicherlich eines der schönsten Alben des Jahres. Ein Album, bei dem man sich am Ende wünscht, dass es nach etwas mehr als einer Stunde noch lange nicht Schluss sein möge.
Tracklist:
- Berggeist 9:13
- Gratwächter 6:56
- In der Klamm 6:48
- Nebelwache 8:06
- Schattenjoch 4:52
- Felswandler 8:19
- Fallwind 7:33
- Steinkind 3:33
- Wettersturz 8:55
Links:
Max Schiefele / Maxxess: https://maxxess.de/
Albumseite: https://shop.maxxess.de/produkt/max-schiefele-berggeist-audio-cd-2026/
Bandcamp: https://maxxess.bandcamp.com/album/berggeist
Stefan Schulz