Rezensionen

Bernd-Michael Land - Die Mondlandung

mlBernd Michael Land, der Rodgauer Synthsammler und umtriebige Komponist gehört auch 2019 wieder zu den fleißigen Musikern des Genres und veröffentlichte zum 50er Jubiläum der Mondlandung (s)ein gleichnamiges Album. Wie bereits auf den vorherigen Alben wirft der Hesse seinen montrösen Fuhrpark ins Rund der universalen Tonerzeugung und serviert uns eine kontroverse Sequenzerschlacht, die alle Stadien der Reise zum Erdtrabanten würdig musikalisch dokumentiert. Dabei verzichtet er weitgehend auf die historischen NASA-Samples und interpretiert die markanten Mond-Meeres-Punkte mit seiner eigenen synthtetischen Sichtweise. Es zirrpt und blurrpt, es triggert und knarzt, ganz so, wie man es sich von einer 69er Jahres-Rück-Betrachtung erwarten würde. Stilecht und narrativ.

www.bernd-michael-land.com

Stefan Erbe

Magazin

Electronic Circus 2019 - Per Aspera Ad Astra

Ein Zirkus ist eigentlich dadurch gekennzeichnet, dass er von Ort zu Ort weiter zieht und nicht ständig an einem Ort bleibt. Gemessen daran hat der Electronic Circus schon recht viele Vorstellungen im Detmolder Sommertheater gegeben. Für 2019 stand jedoch ein Umzug an, wenn auch nur innerhalb der Stadt - die Detmolder Stadthalle ist keine 15 Geh-Minuten vom Sommertheater entfernt, so dass seit Jahren gepflegte Hotelpräferenzen nicht geändert werden müssen. Man lenkt die Schritte einfach in eine andere Richtung. Hat man einem überdimensionalen Fuß erreicht, dann ist die Stadthalle auch schon in Sichtweite. Ein Schild informiert darüber, dass Füße wie dieser... Weiterlesen ...

Die Schallwende-Grillfete auf dem Hof

Wer hat behauptet, die Urlaubs-Zeit wäre nur zum Faulenzen da? Für die Aktiven des Schallwende-Vereins waren die letzten Wochen sehr betriebsam, und wie es der Zufall wollte, konnten sie die Ergebnisse den Mitgliedern fast zeitgleich präsentieren: Just am Vorabend des Grillfests war der neue Schalldruck zum Download bereit, und auf dem Grillfest selber konnten die Mitglieder, die den Weg nach Ahlen gefunden hatten, auch gleich ihr Exemplar der neuen "Schallplatte" im Empfang nehmen. Weiterlesen ...

A-11: Die Premiere unter dem Bochumer Sternenhimmel

Besuche im Planetarium Bochum sind fĂĽr mich in den letzten Jahren seltener geworden. Stefan Erbe macht sein "Sound of Sky" zum Beispiel nur noch dreimal im Jahr, plus einmal ATB Anfang des Jahres. Um so wertvoller werden dafĂĽr die einzelnen Konzerte. Ich kann mich aber noch an keine Ausgabe erinnern, auf die ich mich im Vorfeld so gefreut habe: die Album-Premiere von "A-11" am 20. Juli 2019. Weiterlesen ...

Kolumne

Und immer auf den letzten DrĂĽcker...

Ja, es ist im zum Heulen. Da gibt es ne Menge toller Events, Festivals und Konzertreihen und pünktlich zur Deadline des „Kartenvorbestellungs-Point-of-Break-Even“ geraten einige der Veranstaltungen ins Schleudern. Zu wenig Karten verkauft bisher. So geschehen auch beim schicken B-Wave in Belgien, dass sich gerade zum Sahneschnittchen der neuerlichen europäischen Synth-Konzerte entwickelte. Schade, sehr schade, denn eine dauerhafte Etablierung im Belgischen Raum, hätte der zentralen EM-Szene nicht nur gut getan, sondern auch für weitere Stabilität im gesamteuropäischen Independent-Festival-Trend bedeutet. Nicht nur, dass die diesjährige Reise nach Hasselt ausfallen wird, vermutlich wird es auch im nächsten Jahr keinen Anlass geben dort hin zu fahren.
Wie auch bei einigen anderen Musikserien, will der traditionelle EM-Fan scheinbar keine Tickets mehr im Vorfeld erwerben, sondern erst kurzfristig entscheiden ob er hinfährt oder eben auch nicht.
Das Orga-Dilemma, dass sich aus diesem Verhalten ergibt, ist nicht nur bei den Belgischen Freunden angekommen, sondern ergibt sich immer wieder auch im Vorfeld anderer Events wie z.B. des ECs sowie bei E-Live oder beim E-Day. Beinahe Verständlich, denn warum auch Ticktets zu früh kaufen, wenn man eh weiß, dass es am Abend/Tag noch genügend davon gibt. Möglicherweise wollen auch nicht mehr alle Fans zu jedem Festival fahren, denn gerade in den letzten 4 Monaten des Jahres drubbelt sich die Auswahl der zu besuchenden Veranstaltungen. Somit darf und muss die Frage gestellt werden, warum man nicht einfach mal andere Jahreszeiten auswählt um den Liebhaber zur Festivalreise zu motivieren (scheint es nur so oder sind die Veranstaltungen der ersten 6 Monate immer besser besucht?!). Ebenso ist die selektiv geäußerte Veranstalter-Kritik, dass man ja die Veranstaltungen nur für die Fans organisiert und selbst keinen Cent damit verdient, auch nicht immer gerechtfertigt, denn nur die bloße Existenz einer Festivalserie ist keine automatische Anreiseverpflichtung, obwohl der Kolumnist hier den Ärger manchmal nachvollziehen kann.
Aber, lebten viele der Konzertserien früher vom Pionierspirit und der Leistungsbereitschaft der Macher, so wich diese Motivationsgrundlage über die letzten Jahre dem nun inhaltlichen Qualitäts-Anspruch der Besucher. Nicht nur die Künstlerauswahl wird scheinbar immer wichtiger um die zahlende Gemeinschaft in die EM-Regionen zu locken, sondern auch beim Zusatzrahmenprogramm erleben wir steigende Wünsche und Investitionen. Ob die Gesamtpakete nun immer den breiten Geschmack treffen, darf gerne hinterfragt werden, denn gelegentlich hört man schon mal die leise Kritik einer möglichen Künstler-Sättigung. Die Gratwanderung zwischen Qualität und Kommerz, unbekannten und etablierten Acts ist sicherlich eine große Herausforderung, scheint aber in vielen Fällen einen wesentlichen Anteil über Erfolg oder Misserfolg zu entscheiden.
Wir sollten aber jetzt nicht zu viel TrĂĽbsal blasen, denn die aktuelle EM-Kultur der AuffĂĽhrenden ist durchaus positiv. Betrachtet man rĂĽckwirkend die letzten 10 Jahre, so ist Anzahl und  die Qualität der Events immer noch produktiv, inhaltlich von guter Qualität und fast immer in AusfĂĽhrung und Machart lobenswert. Trotzdem empfiehlt es sich, dass man vielleicht doch an der einen oder anderen Stelle noch Beratungsfreudiger werden könnte und man noch mehr die WĂĽnsche der Konzertgänger berĂĽcksichtigen kann. Ein „MerkelĂĽbliches – Weiter so wie bisher“ könnte zukĂĽnftig weitere Konzertserien treffen, investiert man nicht mal in veränderte Marketingstrategien oder nutzt weitere wirtschaftlich-förderliche Instrumente. Wer immer nur mit den Mitteln der ĂĽblichen „Fan-komm-zu-uns-Strategie“ arbeiten wird, dem fehlen unter Umständen Expansionsoptionen zum Fortbestand. Der Zeilenerschaffer erinnert sich dabei gerne und deutlich an die mögliche Synergie aller Beteiligten, die leider immer noch Jahr fĂĽr Jahr nicht zusammengefĂĽhrt wird. Wie konstruktiv und mehrwertig wäre es, wenn man sich tatsächlich 1x im Jahr zusammensetzen wĂĽrde um den kleinen EM-Kuchen nicht nur zu zerteilen, sondern versucht ihn einfach mal größer werden zu lassen. Was hätte man zu verlieren? Nix! Also einfach mal machen, aber eben nicht wieder auf den letzten DrĂĽcker….

Stefan Erbe

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