Rezensionen

State Azure - Modular Works III

StsteAzureDass die Elektronikmusik so viele Facetten hat ist ja nichts Neues. Dass die Traditionalisten oder Retro-Freaks auf der Sequenzerlokomotive mit dem vergilbten Aufdruck „Berliner Schule“ immer noch auf dem Abstellgleis rauf und runter fahren und sich auch noch wohlfühlen sei Ihnen gegönnt. Dass jedoch auf der anderen Seite des Bahnhofs längst ein frischer Wind weht, bleibt manchem offenbar stets verborgen - mir aber nicht und offensichtlich vielen anderen Electronicfans auch nicht.

Diese kurze Rezension beschäftigt sich mit einem Keyboarder aus England, der unter dem Pseudonym „State Azure“ agiert. Inspiriert durch die alten Tangerine-Dream-Sachen hat er im Laufe der Jahre seinen eigenen Stil entwickelt. Eine Symbiose aus Ambient, Downbeat, Space. Heute bietet „State Azure“ Downloads auf diversen Kanälen an. Insbesonders jedoch ein gigantisches Output unter dem Arbeitstitel „Modular Works, Part I – III“. Sagenhafte 25 Tracks mit einer Dauer von 5 bis 17 Minuten bietet allein „Teil 3“ und dürfte explizit den Hardcore-Elektroniker faszinieren. Es ist ausgefeilte, experimentierfreudige, wohltemperierte, spannungsvolle Ambientmusik zum genießen. Eine schier endlose Goldmine voller kostbarer Electro-Sounds. Einen Anspieltipp hervorzuheben fällt schwer, denn selbst diese unfassbare Menge an Musik könnte man in einem Guss durchziehen. Alle Tracks wurden live und ohne Unterbrechung in einem Take aufgenommen. Respekt!

Hörbeispiele:

https://stateazure.bandcamp.com/album/modular-works-iii

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Magazin

Halloween, tolle Acts und ein volles Haus - E-Live 2019

Die Turbulenzen um die Zukunft von "De Enck" haben sich zum Glück mittlerweile wieder gelegt. Ron Boots war letztens so mutig, in seinem Newsletter und auf Facebook bereits die Termine von E-Day und E-Live für das nächste und übernächste (!) Jahr anzukündigen - auch damit die Organisatoren anderer Events eine Möglichkeit haben, dies bei ihrer Planung zu berücksichtigen. Dass der Frühjahrs- und Herbsttermin in Oirschot Dinge sind, die der EM-Fan nur äußerst ungern ausfallen lässt, hat sich einmal mehr am Zuspruch für das diesjährige E-Live gezeigt: Bereits vor Wochen hatte die Zahl der bestellten Tickets die 200er-Grenze überschritten, und zusammen... Weiterlesen ...

Ambient-Klänge in der Kirche

Auch wenn es etwas angeberisch klingt: Es kommt nicht mehr oft vor, dass ich eine Konzert-Location zum ersten Mal ansteuere - die meisten Festivals finden ja im Jahres-Rhythmus am gleichen Ort statt. Heute ist einer jener seltenen Tage, an denen ich ein Ziel zum ersten Mal ins Navi eintippe. Das liegt aber weniger daran, dass die Sophienkirche in Wuppertal zum ersten Mal mit elektronischer Musik bespielt wird. Der Grund liegt viel mehr daran, dass das "Phobos-Festival" meiner Aufmerksamkeit bisher schlicht und ergreifend entgangen war. Martin StĂĽrtzer, seinen Organisator, hatte ich erst vor ein paar Monaten zum ersten Mal bei Winnie... Weiterlesen ...

Erbes Elemente

Die Welt mag keinen Stillstand, und Stefan Erbe genauso wenig. Das gilt für seine Musik genauso wie für seine "Sound of Sky" Shows im Planetarium Bochum, die ein musikalisches Thema mit Visuals an der Kuppel verbinden. Waren es vor ein paar Jahren noch ein halbes Dutzend davon pro Jahr, so hat sich ihre Frequenz mittlerweile halbiert. Das steigert bei den Besuchern und Fans natürlich die Vorfreude und die damit verbundene Erwartungshaltung, andererseits gibt es Stefan auch die Zeit, für die einzelne Show noch mehr vorzubereiten und einmal ganz neue Konzepte zu präsentieren. Weiterlesen ...

Kolumne

Und immer auf den letzten DrĂĽcker...

Ja, es ist im zum Heulen. Da gibt es ne Menge toller Events, Festivals und Konzertreihen und pünktlich zur Deadline des „Kartenvorbestellungs-Point-of-Break-Even“ geraten einige der Veranstaltungen ins Schleudern. Zu wenig Karten verkauft bisher. So geschehen auch beim schicken B-Wave in Belgien, dass sich gerade zum Sahneschnittchen der neuerlichen europäischen Synth-Konzerte entwickelte. Schade, sehr schade, denn eine dauerhafte Etablierung im Belgischen Raum, hätte der zentralen EM-Szene nicht nur gut getan, sondern auch für weitere Stabilität im gesamteuropäischen Independent-Festival-Trend bedeutet. Nicht nur, dass die diesjährige Reise nach Hasselt ausfallen wird, vermutlich wird es auch im nächsten Jahr keinen Anlass geben dort hin zu fahren.
Wie auch bei einigen anderen Musikserien, will der traditionelle EM-Fan scheinbar keine Tickets mehr im Vorfeld erwerben, sondern erst kurzfristig entscheiden ob er hinfährt oder eben auch nicht.
Das Orga-Dilemma, dass sich aus diesem Verhalten ergibt, ist nicht nur bei den Belgischen Freunden angekommen, sondern ergibt sich immer wieder auch im Vorfeld anderer Events wie z.B. des ECs sowie bei E-Live oder beim E-Day. Beinahe Verständlich, denn warum auch Ticktets zu früh kaufen, wenn man eh weiß, dass es am Abend/Tag noch genügend davon gibt. Möglicherweise wollen auch nicht mehr alle Fans zu jedem Festival fahren, denn gerade in den letzten 4 Monaten des Jahres drubbelt sich die Auswahl der zu besuchenden Veranstaltungen. Somit darf und muss die Frage gestellt werden, warum man nicht einfach mal andere Jahreszeiten auswählt um den Liebhaber zur Festivalreise zu motivieren (scheint es nur so oder sind die Veranstaltungen der ersten 6 Monate immer besser besucht?!). Ebenso ist die selektiv geäußerte Veranstalter-Kritik, dass man ja die Veranstaltungen nur für die Fans organisiert und selbst keinen Cent damit verdient, auch nicht immer gerechtfertigt, denn nur die bloße Existenz einer Festivalserie ist keine automatische Anreiseverpflichtung, obwohl der Kolumnist hier den Ärger manchmal nachvollziehen kann.
Aber, lebten viele der Konzertserien früher vom Pionierspirit und der Leistungsbereitschaft der Macher, so wich diese Motivationsgrundlage über die letzten Jahre dem nun inhaltlichen Qualitäts-Anspruch der Besucher. Nicht nur die Künstlerauswahl wird scheinbar immer wichtiger um die zahlende Gemeinschaft in die EM-Regionen zu locken, sondern auch beim Zusatzrahmenprogramm erleben wir steigende Wünsche und Investitionen. Ob die Gesamtpakete nun immer den breiten Geschmack treffen, darf gerne hinterfragt werden, denn gelegentlich hört man schon mal die leise Kritik einer möglichen Künstler-Sättigung. Die Gratwanderung zwischen Qualität und Kommerz, unbekannten und etablierten Acts ist sicherlich eine große Herausforderung, scheint aber in vielen Fällen einen wesentlichen Anteil über Erfolg oder Misserfolg zu entscheiden.
Wir sollten aber jetzt nicht zu viel TrĂĽbsal blasen, denn die aktuelle EM-Kultur der AuffĂĽhrenden ist durchaus positiv. Betrachtet man rĂĽckwirkend die letzten 10 Jahre, so ist Anzahl und  die Qualität der Events immer noch produktiv, inhaltlich von guter Qualität und fast immer in AusfĂĽhrung und Machart lobenswert. Trotzdem empfiehlt es sich, dass man vielleicht doch an der einen oder anderen Stelle noch Beratungsfreudiger werden könnte und man noch mehr die WĂĽnsche der Konzertgänger berĂĽcksichtigen kann. Ein „MerkelĂĽbliches – Weiter so wie bisher“ könnte zukĂĽnftig weitere Konzertserien treffen, investiert man nicht mal in veränderte Marketingstrategien oder nutzt weitere wirtschaftlich-förderliche Instrumente. Wer immer nur mit den Mitteln der ĂĽblichen „Fan-komm-zu-uns-Strategie“ arbeiten wird, dem fehlen unter Umständen Expansionsoptionen zum Fortbestand. Der Zeilenerschaffer erinnert sich dabei gerne und deutlich an die mögliche Synergie aller Beteiligten, die leider immer noch Jahr fĂĽr Jahr nicht zusammengefĂĽhrt wird. Wie konstruktiv und mehrwertig wäre es, wenn man sich tatsächlich 1x im Jahr zusammensetzen wĂĽrde um den kleinen EM-Kuchen nicht nur zu zerteilen, sondern versucht ihn einfach mal größer werden zu lassen. Was hätte man zu verlieren? Nix! Also einfach mal machen, aber eben nicht wieder auf den letzten DrĂĽcker….

Stefan Erbe

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