Rezensionen

icingwolf sonicwaves 150Für einen Künstler ist das zweite Album meist das schwierigste.  War das erste Album noch der Überraschungs-Erfolg, sind beim zweiten die Erwartungen gesetzt und man wird daran gemessen. Bei
Monika Freerk, die unter dem Namen IcingWolf veröffentlicht, liegt die Sache ein wenig anders: Am Anfang stand der diesjährige Schallwelle-Preis als beste Newcomerin, und jetzt ist es das erste "richtige" (physische) Album, an das Erwartungen geknüpft werden.

Monika hat sich Zeit gelassen: ein halbes Jahr ist zwischen Preis und Veröffentlichung vergangen, und das war keine schlechte Entscheidung. "SonicWaves" ist ein reifes Album, sowohl was die Qualität der Produktion angeht, als auch die Zusammenstellung der Titel. Es zeigt, dass die eisige Wölfin bereit ist, sich weiter zu entwickeln: sind die ersten Tracks noch in ähnlichem Stil wie die auf den beiden nur online veröffentlichen Alben "Ad Somina" und "Vive Somnium", so lernt man zum Ende hin eine Monika kennen, die ihre Vorbilder ganz offensichtlich nicht nur bei TD, Jarre & Co. gefunden hat: es wird dramatisch, beinahe schon Filmmusik, und ein musikalisch hinterlegter Start ins All setzt den Schlusspunkt. Das ergibt einen schönen Spannungsbogen, und ist der Beleg, dass der diesjährige Newcomer-Preis zu Recht nach Göttingen gegangen ist.

https://icingwolf.bandcamp.com/album/sonicwaves

Alfred Arnold

the sound of syndae 150Was zeichnet ein gutes musikalisches Thema aus? Es muss eingängig sein, es muss einen Wiedererkennungswert haben, und es muss Spielraum bieten, daß man es immer wieder neu interpretieren kann.

Die Melodie zum Syndae-Podcast erfüllt wohl alle diese Kriterien, begleitet sie Stefan Schulzs wöchentlichen Podcast doch seit zehn Jahren, und auch wenn dessen Einsteiger über die Jahre die eine oder andere Renovierung erfahren hat, ist das Thema im Kern das gleiche geblieben. Zehn Jahre sind in der heutigen, schnellebigen Zeit schon eine Hausnummer, und aus Anlaß dieses Jubiläums hat Stefan ein Experiment gewagt: man nehme eben dieses Thema und fordere Musiker dazu auf, es auf ihre Weise zu interpretieren. Das Ergebnis ist "The Sound of Syndae", und es enthält mit nichten ein Dutzend Mal das gleiche. Man bekommt hier einen Überblick über das aktuelle Spektrum der elektronischen Musik, von poppig-tanzbaren Nummern über ambiente Klänge bis hin zu experimentellen Interpretationen. Bei einigen Nummern läßt sich der Schöpfer leicht erraten, bei anderen ist es nicht ganz so einfach und der eine oder andere Musikername mag dem Hörer gänzlich unbekannt sein.

Deshalb mein Vorschlag: die CD ein-, das Cover weglegen, und einfach selber ein wenig rätseln, wer sich hinter welchem Titel versteckt...

www.erbemusic.com

Alfred Arnold

David Wright Stranger Days 150Im schicken Doppelsilberling-Outfit offeriert der Brite David Wright ein wirklich breites Angebot seiner aktuellen und vergangenen musikalischen Schaffenskraft. Egal ob verträumt chilig, seicht vocalisiert oder auch mal deutlicher rockig, Wright versteht sein Handwerk und bedient alle EM-Gangarten in hoher Qualität. Besonders interessant wird es, wenn die Tracks eine Kooperation mit anderen Künstler verbindet, wie z.b. mit der Sängerin Carys, dem leider viel zu früh verstorbenen Klaus Hoffmann-Hook oder Robert Fox. Beide CDs bieten insgesamt 27 Tracks, damit sehr viel gutes Material und jede Menge Abwechslung. 

https://www.admusicshop.com/

Stefan Erbe

caravelleEM-Tellerranddrüberschauer, die sich auch ausserhalb der traditionellen Normen synthetischer- und hauptstadtursächlicher-Musikkunst bewegen, mögen sich bei dem französischen Duo Polo & Pan, an frühere Tunes der belgischen Ausnahmekönner Telex erinnert fühlen. Vocales Vocoding trifft auf zerfrickelte Rhythmen und suggeriert dabei die mögliche Kooperation diversester linksvomrhein-Elemente. Mal Zuckersüß, mal konsequent quer. Wahrhaftig, ein interessantes Bokeh an Sounds und Stimmen, in das auch ungeübte EM-Hörer ruhig mal reinhören dürfen. Könnte sogar Spass machen.

http://ekleroshock.com/artist/polo-pan/

Stefan Erbe

gold lounge floating frontEinige der 12 Stücke des Italiener Michelle Effe könnten dem einen oder anderen Sine-Compilation-Käufer evtl. bekannt vorkommen, waren sie doch schon besondere Highlights früherer Chill-Out-Sampler des vertreibenden Labels aus dem Südwesten der Republik. Dazugestossen sind nun weitere Tracks die das Album zu einem kleinen Genussprodukt haben machen lassen. Die ausgesprochen gute Zusammenstellung ist nicht nur kurzweilig, sondern auch ansprechend produziert. Tolles Album zwischen Vocal-Lounge und fliessendem Chill.

www.sine-music.com

Stefan Erbe

dask aetherEs ist immer wieder schön zu sehen und zu hören, wenn ein Musiker sich weiterentwickelt oder eine andere Facette seiner künstlerischen Identität zeigt. DASK kannte ich bisher als Macher ambienter, dunkler und auch etwas bedrohlicher Klänge - selbige sehr gekonnt, aber sie konnten auch ein wenig depressiv machen, wenn man davon zu viel hört.

Mit "Aether" schlägt David Marsh, der für sich den Namen von Dänemarks erstem Computers als Pseudonym gewählt hat, ein neues Kapitel auf. Er selber bezeichnet die Musik als "cinematic" - im Sinne von Weite passt das auch perfekt zu den Tracks auf diesem Album. Es ist immer noch ein Ambient-Album, und die DASK-typischen dunklen Klangfarben findet man auch hier. Die dunklen Passagen werden aber des öfteren von helleren, kräftigeren oder fast lieblichen Abschnitten unterbrochen, und dazu liegt über alle Tracks eine Spannungsbogen, so dass sie trotz ihrer Länge und des durchgängig atmosphärischen Charakters nicht ins Langweilige abgleiten.

"Atmosphäre" ist auch das richtige Stichwort, denn die Titel sind nach ihren Schichten benannt, angefangen vom Regen unter den Wolken in der Troposphäre bis in den Äther des Weltalls. Man kann "Aether" als ein Konzeptalbum sehen, das einen gedachten Aufstieg mit einem Ballon bis in höchste Höhen begleitet. Auf jeden Fall ist es für mich ein gelungenes gelungenes Ambient-Album mit majestätischen Klängen.

Der Künstler schreibt im Begleittext, er hätte dieses Album beinahe gar nicht veröffentlicht. Dazu ist es zum Glück nicht gekommen, und ich lasse mich überraschen, welche Seiten David in Zukunft noch an sich entdeckt.

Alfred Arnold

38 newfrequencies3Auch im dritten Teil von Robert Schroeders neuen Frequenzen werkelt wieder alldas, was dem Altmeister synergetischer Syntheticals so unter die Finger gekommen ist und ein bisschen Abseits der typischen EM zuhause war. Roberts Vocal-Samples, Lounge-Elemente als auch Retrosounds lassen uns oft an die Zeit der 80er und 90er erinnern, denn einige Hooks und Riffs entspringen dem Muster der damaligen Tunes. Macht aber nix, denn Freunde dieser EM-Epoche erfreuen sich über eine Fortführung, die das Beste von Gestern und Heute zusammenbringt. Eben einfach zeitlos, diese Frequenzen.

https://www.news-music.de

Stefan Erbe

robotIn manchen Fällen ist man wirklich dankbar, dass man zur schreibenden Fraktion der Musik-Bewerter gehört, denn wäre der aktuelle Rezi-Release Bestandteil (m)einer Radiosendung, würde ich mich wohl gleich aller emotionaler Impressionen des Longplayers bedienen müssen, denn die Titelnamen der auserwählten Stücke versprechen nicht nur unaussprechliche komplexe Inhalte, sondern  sie umfassen auch verschiedene Sprachen und spezifische Bezeichnungen für menschliche Gemütszustände.  "Je L'ai Calissee La“ von Mario Hammer and the lonely Robot erschien bereits schon im Jahr 2017, wird aber sicher noch weitere Analog-Enthusiasten finden, die sich den gewagten Soundfraktalen von M.H. hingeben werden können. Der reduzierte Plot der VÖ fasziniert, keine Frage, ob er aber jede imaginäre Emotionalität getroffen hat, werden wir erst dann wissen, wenn man sie selbst beim Zuhören durchleben konnte.

https://kompakt.fm/releases/je_l_ai_ca_lisse_e_la

Stefan Erbe

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