Rezensionen

Thomas Lemmer Andreas Bach Pulse CoverNach dem 2019er Album „Night Travellers“ haben sich Thomas Lemmer und Andreas Bach erneut zusammengetan um ihr neues Projekt „Pulse“ zu veröffentlichen. Herausgekommen ist eine sehr entspannte Konstellation wohlfühlender Kompositionen, die sowohl als intuitiver Tagessoundtrack funktioniert, als auch zum abendlichen Roibusch-Aufguss in heimeliger Ofenfeuer-Atmosphäre eignet. Verstärkt wird die vielschichtige Klangperfektion durch eine sehr schicke Transparenz an vokalen Tracks und selektiven Ausbrüchen aus dem Gesamtstimmungs-Kontext, erzeugt durch leichte Stilbrüche und veränderte Instrumentierungen. Vielstimmiges Album mit einigen unterschiedlichen Highlights.

http://www.sine-music.com/artists-archive/sine-artists-thomas-lemmer/

Stefan Erbe

Ed Starink World FrontcoverEd-Starink? Ist das nicht der..? Genau, der! Synthesizer Greatest, war auch unser erster Gedanke, nachdem die CD von Produzent Andreas Heinz unseren Redaktionsbriefkasten erreichte. Aber das erste Abspielen im CD-Player verrät, dass es dieses Mal nicht um diverse Coverversionen verschiedenster E-Größen geht, sondern vielmehr um eine musikalische Verbeugung vor dem Schaffen des niederländischen Künstler selbst. 9 Musiker unterschiedlichster Professionen haben sich nun selbst daran gemacht, der CD eine besondere Bandbreite „reminiszierender“ Cover-Tracks zu veröffentlichen. Das ist in jedem Fall gelungen, denn von 80er Retro-Tunes über orchestralen Epen sowie popige oder pianoresken Stücken, scheint beinahe jede Elektronik-Ecke beliefert worden zu sein. Zumeist erinnert der Sampler an die goldenen Zeiten des letzten Jahrtausends und offeriert einen vergnüglichen Zeitsprung in die Vergangenheit elektronischer Experimentierfreude.

https://www.starink-world.net/edstarinkworld.html

Stefan Erbe

Introspective CoverDer Meister der opulenten Klänge hat wieder zugeschlagen. Auch wenn es sich bei der neuesten Veröffentlichung um eine EP mit nur 4 Tracks handelt, ist auch hier die Qualitätslatte wieder sehr hoch gelegt. Martins Garden findet immer wieder neue Abenteuerspielplätze für seine Musik. Auf „Introspective“ klingt er ziemlich gechillt und spacig. Wer kennt noch den Kinofilm „Contact“, wo das gesamte Universum sich widerspiegelte im Auge der Schauspielerin Jodie Foster? So metaphorisch könnte die Botschaft der neuen Musik von Martins Garden sein: Gigantisch wie das Universum oder unergründlich wie die Seele der Menschen. Auf die Reise ins Ungewisse überrascht der Künstler mit schwebenden Sounds, doch ganz verzichten auf trippige Rhythmen kann Martins Garden nicht. Die fantasievollen Klangkombinationen aus spritzig-virtuosen und warmen Sounds sorgen für einen galaktisch herrlichen Genuss. Die EP ist der Start in eine 3teilige Serie. Macht neugierig auf die Fortsetzung.

https://martinsgarden.bandcamp.com/album/introspective-volume-one-quantum

Will Lücken

a11

Die Zeit ist schon eine merkwürdigste Sache in unserem Leben: Sie verrinnt unerbittlich, gibt den Takt vor, in dem wir Dinge tun oder tun müssen, und doch hat uns die Natur kein Sinnesorgan für sie mitgegeben. Aber gerade dies macht die Zeit zu einem Thema, mit dem sich Künstler immer wieder auseinander setzen, so auch Eric van der Heijden und René Splinter aka 'UNI Sphere' auf ihrem neuesten Werk 'TempUS'. UNI Spheres Album-Premiere liegt schon ein paar Jahre zurück, das Duo hat sich - um beim Thema zu bleiben - Zeit für den Nachfolger genommen. Gerade bei dem zweiten Album eines Newcomers oder einer neuen Formation besteht ja die Herausforderung, an den Überraschungs-Erfolg des Erstlings anzuknüpfen.

Das Warten und die Feinarbeit haben sich aber gelohnt: Schon seit einer Weile habe ich keine Klänge mehr gehört, die eine solche Energie, Dynamik und Lebensfreude versprühen. Wer die beiden Niederländer 2019 im Bochumer Planetarium erlebt hat, wird den einen oder anderen Track wieder erkennen. Das stört aber überhaupt nicht, denn auf "TempUS" hat man das Gefühl, die Teile hätten sich jetzt endlich in das Ganze eingefügt, in das sie schon immer gehört haben. Der Spannungsbogen reicht vom Anfang bis Ende, und Eric und René gönnen dem Hörer dabei nur wenige Atempausen. Um dabei ehrlich zu sein: die Fans klassischer Sequencer-basierter Musik kommen auf 'TempUS' nicht so ganz auf ihre Kosten. Aber vielleicht haben die dafür ihren Spaß dabei, all die mehr oder weniger versteckten Anspielungen und Wortspiele zu finden, die Eric so gerne in die Titel einbaut.

Wie bereits geschrieben, der Bogen reicht ohne Unterbrechung bis zum letzten Stück: "ReUNIfication" ist noch einmal ein richtiger Rausschmeisser, und baut mit dem Namen die Brücke ins echte Leben: "TempUS" wird am 23.10. auf E-Live veröffentlicht, wo sich große Teile der EM-Szene nach Lockdown und Corona-bedingter Event-Abstinenz wohl zum ersten Mal wieder sehen werden. Und wie das Leben so spielt: UNI Sphere wird in Eindhoven auch live spielen. Hoffentlich bringt Ron Boots genügend physische Exemplare von "TempUS" mit - ich bin sicher, die Nachfrage wird nach den Auftritt erheblich sein.

 https://www.grooveunlimited.nl/

Alfred Arnold

 

a11

Bernd-Michael Lands letztes Album ist noch gar nicht so lange her, da erreicht uns schon sein nächstes Werk. Auf "Kontrast" beschäftigt er sich mit  Gegensätzen und ihrer Darstellung mittels Klängen - also quasi ein synästhetisches Unterfangen.

Das erfordert ja nachdem, ob man Ordnung und Chaos, Gross oder Klein, oder die Extrem-Empfindungen eines unserer sechs Sinne darstellen will, natürlich eine andere Herangehensweise. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass "Kontrast" eine deutlich grössere stilistische Spannbreite als der durchgängig atmosphärische Vorgänger "Rodgau Field" bietet. Klassische EM-Sequenzen finden sich genauso wie experimentelle Passagen, ruhigere Teile stehen im Gegensatz zu beinahe aggressiven, die von einem Schlagzeug voran getrieben werden. Selbiges wird von Michael Hoffmann gespielt, den sich Bernd für dieses Projekt als Gast-Musiker eingeladen hat, ebenso wie Zeus B. Held, den man ansonsten vom Duo "Dream Control" kennt.

Empfindung ist natürlich eine subjektive Sache, und so ist es - wie fast immer bei Bernds Musik - die Aufgabe des Hörers, die Verbindung von Klängen zu Attributen zu suchen, oder am Ende doch die eigene Interpretation zu finden. "Kontraste" ist kein Album zum Nebenbei-Hören, es erfordert Mitarbeit, um sich zu erschliessen. Wie immer liefert der Schöpfer dabei Hilfe in Form eines Booklets, das die Kapazität des Jewel-Cases bis zur Grenze ausnutzt. Alleine dies ist schon ein Grund, Bernd-Michael Lands neues Album in physischer Form zu einem fairen Preis zu erwerben, anstatt sich eine "dezentrale  Sicherheitskopie" zu beschaffen. Nur auf diesem Weg kann solche anspruchsvolle Musik weiter entstehen. Ich bin sicher, in seinem Rodgauer Studio wird
bereits am Nachfolger gearbeitet...

  https://bernd-michael-land.com/

Alfred Arnold

 

a11

Selten findet man in der Zeitung Hinweise auf Musikalben, die in "unsere EM-Ecke" passen könnten - dazu ist sie doch zu sehr eine Nische. Ab und zu passiert es aber dann doch: Gaspard Augé ist die eine Hälfte des französischen Elektronik-Duos 'Justice' und legt mit 'Escapades' sein erstes Solo-Album vor.

Ohne Zweifel, das ist moderne Elektronik, gemacht für die "Generation Streaming": Ein Dutzend Tracks, keiner mit mehr als fünf Minuten Spielzeit, und keiner davon hält sich mit irgendwelchen langen Intros auf - es geht immer direkt zur Sache. Und bei aller Modernität meint das EM-geschulte Ohr doch den einen oder anderen Sound zu entdecken, hinter dem man einen anderen großen Franzosen vermuten könnte. Was man auf diesem Album präsentiert wird, ist doch gar nicht so weit von der Weise entfernt, auf die Jean-Michel Jarre seine "Klassiker" aktuell auf Konzerten präsentiert.

Wenn die gefallen haben, und auch die Klangfeuerwerke Kebus nicht auf spontane Ablehnung gestoßen sind, dann sind auch diese Eskapaden einen Versuch wert. Danach darf es zur  Entspannung ja gerne wieder etwas "klassischeres" sein...

 https://gaspardauge.com/

Alfred Arnold

 

a11

Hatte ich bei meiner Rezension von Monika Freerks letztem Album geschrieben, da hätte jemand seinen Stil gefunden? Nun, so kann man sich irren und auf angenehme Weise überrascht werden. IcingWolf's neuestes Werk ist für mich ein reinrassiges Ambient-Album, das den Blick ganz tief ins All gehen lässt. Nur gelegentliche Funksprüche von Astronauten dringen in die Atmosphäre, die in den neun Tracks von ganz weiten Klangflächen aufgespannt wird.

Dabei gelingt IcingWolf das Kunststück, das All in seinen Weiten nicht als kalt und leer darzustellen. Besonders in der frisch erschienenen, überarbeiteten Version ist der Grundton ein warmer, mächtiger und zugleich umschmeichelnder - kam die erste Version stellenweise noch ein wenig zurückhaltend daher, ist die "reloaded" Version jetzt deutlich wuchtiger und massiver. Gerade beim Hören mit Kopfhörern ergibt das ein Sound-Umfeld, in das sich noch tiefer eintauchen lässt.

Wer mit IcingWolf's bisherigen Alben nicht so ganz "warm geworden" ist, und eine Vorliebe für ambiente Klänge hat, der sollte auf jeden Fall einmal bei "DesertSpace" reinhören. Die ursprünglich abgemischte Version ist übrigens auf Bandcamp weiterhin verfügbar - falls man Vergleiche anstellen möchte, wie ein Album durch so einen Reload gewinnen kann.

 https://icingwolf.bandcamp.com/

Alfred Arnold

 

ssmissionDie 6 Nasa-Missionen die das Duo Seifert/Steinbüchel auf ihrem aktuellen Album musikalisch beleuchten, stehen nicht nur für die vergangene Raumfahrtgeschichte, sondern vielmehr auch für die Ambivalenz in ihrer heutigen Betrachtung. Dies scheint auch eine kompositorische Grundlage des Duos gewesen zu sein, denn fast alle Stücke bedienen sich dem Klang-Kontrast der langsamen ambienten Entwicklung zu einem Übergang in schnellere Sequenzen und eindringlicheren Beats. Vertieft wird der historische Hintergrund und die Musik durch die typischen Funkkontakte zwischen den Beteiligten und alles erzeugt damit eine suggestive Stimmung, für die es keine echten Bilder mehr braucht. Wer genau hinhört, wird auch musikalische Adjektive finden, die der Zeit der Missionen zuzuordnen sind. Der Sound des Alls den Seifert und Steinbüchel hier erzeugen ist endlos, und besetzt mit besonderen Ereignissen, eben genauso wie es die Missionen auch erlebt haben.

https://seifertsteinbuechel.bandcamp.com

Stefan Erbe

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