Rezensionen

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 Es war im Mai 2018, auf dem vorletzten Cosmic-Nights-Event, als ich die Live-Premiere von "Galactic Underground" erleben durfte.  Hinter diesem Projekt steht Johann Geens, der ansonsten auch als 'VENJA' auftritt. Die Entscheidung, diese Art von Musik unter einem anderen Namen laufen lässt, ist nachvollziehbar, sind die Klänge von "Galactic Underground" doch so anders als das, was Johann bisher als VENJA veröffentlicht hat: Selten vorher habe mich Musik gehört, die das All mit seinen Weiten so eindringlich darstellt, und dem Hörer dabei dessen schier endlose Leere vor Augen und Ohren führt - vielleicht für den einen oder anderen vielleicht etwas zu viel davon?

Zwei Jahre später ist der Nachfolger erschienen, und erfreulicherweise belässt es Johann mit seinen Mit-Musikern nicht dabei, sich in den Weiten des Alls auf gleiche Weise einfach nur linear weiter zu bewegen. Zwar ist der Stil immer noch genauso episch: Auf "Galactic Underground 2" hört man die vom ersten Teil bekannten, machtvollen Sounds. Orchestrale Parts, Sequenzen und Stimmen füllen die vom Klang-Gerüst aufgespannten Räume, und gestalten die Reise durchs All deutlich kurzweiliger. Der Begleittext verrät uns nämlich, dass das neue Album der Soundtrack zur Suche der Menschheit nach einer neuen Welt ist. Die Mission findet ein gutes Ende: Zum Ende von "Galactic Underground 2" stößt Johann mit seinen Mit-Musikern das Tor zu gänzlich neuen Klängen im Galactic Underground-Universum auf. Die neue Welt ist nicht kalt und leer, sondern warm und einladend. Es lohnt sich eben immer, eine Reise nicht alleine anzutreten. Wir würden uns freuen, Galactic Underground's nächste Reise auch wieder begleiten zu dürfen!

https://shop.venja.com/

Alfred Arnold

 

a11

 Ich kenne wenige Künstler in der Szene, die seit so vielen Jahren mit so einer Konstanz Alben hoher Qualität herausbringen - für ein oder zwei Veröffentlichungen pro Jahr ist Robert Schroeder eigentlich immer "gut". Das gilt auch für sein neuestes Werk "C'est Magique". Auf ein allzu großes Wechselbad der Stimmungen verzichtet der Aachener, stattdessen stehen alle Tracks unter einem übergreifenden Thema und sind in einem gemeinsamen Stil gehalten. Die Stimmung auf "C'est Magique"  bleibt durchgängig melodisch und entdpannend. Das heisst nun aber nicht, daß alles auf diesem Album gleich klingen würden, Robert Schroeder versteht es einfach nur, seine vielfältigen Ideen in einen gemeinsamen Rahmen zu fassen. Dazu kommt selbstverständlich die von ihm gewohnte perfekte Qualität der Ausführung, die einen "alten Hasen" im Geschäft auszeichnet.  Wer zum Beispiel nicht nur das Ohr, sondern auch für die Augen erfreuen möchte, findet auf YouTube ein von Robert gestaltetes Video zu "Glowing Energy".

Wer will, darf über 60 Minuten nachspüren, welche Ideen zu Titeln wie "Black Magic" oder "Mysterious Science" geführt haben. "C'est Magique" ist aber auch gerne auch ein Album für den entspannten Nachmittag oder Abend, an dem man einmal den Alltagsstreß abwerfen kann - auch wenn der in diesen Zeiten bevorzugt auf dem heimischen Balkon stattfindet.

Robert Schroeder: https://news-music.de/

Vertrieb über Spheric Music, http://www.sphericmusic-shop.de

 Alfred Arnold

 

rappSpätestens nach den ersten Takten des aktuellen Longplayers von Volker Rapp wird jedem klar sein, wohin die akustische Reise für die nächsten Minuten hingehen wird. Auch wenn schon das CD-Cover einen deutlichen Hinweis darauf gibt, Rapp macht sich eines seiner Vorbilder zu Nutze und homaginiert dem französischen Großmeister, Jean Michel Jarre.
Seine 6 Titel verwenden dabei sämtliche retrorelevanten Soundklischees der ersten Alben und vermengen es zu einem eigenen Reagenzglas vermischter Teilchen, aus denen Heldenmusik der 70er gemacht werden. Allerdings entwickeln sich die richtigen Highlights aus den Rappschen Formeln, die eher das Terrain von Weißwein und Baquette verlassen und die Herkunft des germanischen Künstlers verraten, auch wenn es weiterhin ganz franko-audiophil zirpt, blubbert und CR-78like herumperkussiviert.

www.volker-rapp.de

Stefan Erbe

Cover AvalonEs gibt Elektronische Musik … und es gibt: Martins Garden. Wieder präsentiert der Meister der exorbitanten Klänge eine musikalische Reise der Superlative. Es geht in die Vergangenheit - oder auch ferne Zukunft - ganz nach Belieben. Es geht nach „Avalon“.

Der in der Schweiz lebende Künstler hatte schon immer eine eigene musikalische Sprache. Inspiriert durch die Symbiose aus irischer Volksmusik und keltischer Kultur führt die Reise in die Arthus Saga. Doch von Anfang an überzeugen wieder die elektronischen Sounds, die Martins Garden wie kaum ein anderer auf dieser Welt beherrscht. Wie aus einem Urknall entwickeln und vermischen sich organische Ambientmusic, warme Downbeats, Psychedelic Dub, charmante Hooklines ... und als wäre das alles nicht genug, wirft der Künstler seine verblüffenden Soundeffekte ein, fügt einen gewaltigen Chor hinzu und die eine Götterdämmerung in Avalon ist perfekt. Die wahre Kunst jedoch besteht darin, dass die Musik keinesfalls überladen ist. Martins-Garden-Musik klingt pathetisch und filigran zugleich, weil perfekt ausbalanciert. Alles wirkt experimentierfreudiger als in seinen früheren Alben aber kompakter. Als würde ein komplettes Orchester partizipieren. Manchmal prasseln Trommelgewitter, Streicherkaskaden und Harfenklänge durch die Membranen. Wenn diese Authenzität gelingt, hat ein Elektronik-Künstler per se eine höhere Ebene erreicht. Manche Titel führen den Hörer in mächtige Klosterhallen, in botanische Gärten, in Tanzpaläste oder zum Heiligen Gral. Doch bei all den abenteuerlichen Geschichten bleibt das gesamte 75-Minuten-Opus unterm Strich tanzbare Ambientmusik - verpackt in exzellenter Audioqualität. Für Fans der anspruchsvollen Klänge: Unverzichtbar!

https://eucalyptusnetwork.bandcamp.com/album/avalon

Will Lücken

a11

Wie bei allen Künstlern sind bei Musikern ihre Werke immer auch Ausdruck ihrer inneren Gefühle und Stimmungen. Ganz explizit hat das Monika Freerk alias Icing Wolf auf ihre zweite "echte" CD-Release geschrieben: "From Inside". Fast ein bisschen unbemerkt ist es herausgekommen, und das ist schade, denn drinnen sieht es alles andere als eisig aus. Die Klänge sind gefühlvoll, melodisch und warm. Den Spannungsbogen spannt Monika dieses Mal ganz lang: die Titel steigern sich  kontinuierlich bis zur Mitte, wo Mitglieder des Schallwende-Vereins einen Track finden, den sie von der letzten "Schallplatte" bereits kennen, und der mit seiner Dramatik auch als Film-Score taugen würde. Aber auch danach verflacht das Album nicht, und der letzte (längste) Track ist noch einmal ein schöner  "Rausschmeisser".

Das ergibt ein schönes Gesamtbild ohne Durchhänger, und man hat den Eindruck, Monika hat "ihren Stil" gefunden. Der enthält vieles, was man von ihren frühen, "Download-only" Alben schon kennt und für die sie vor zwei Jahren verdientermassen zur Entdeckung des Jahres gekürt wurde. Wer melodische und gefühlvolle EM schätzt, der sollte hier auf jeden Fall einmal reinhören - er wird den Blick "Inside" nicht bereuen.

 

Downnload-Version: https://icingwolf.bandcamp.com/album/from-inside

CD-Version: Groove Unlimited, http://www.groove.nl/cd/g/gr-289.html

 Alfred Arnold

 

a11

Stefan Erbes neuestes Werk "Nachtlichter" ist das dreissigste Solo-Album in seiner musikalischen Laufbahn. Aus diesem Anlass darf der Blick auch gerne mal ein klein wenig zurück gehen, und mit einem halben Auge tut Stefan das auch. Der mit Erbes Werk vertraute Hörer wird auf "Nachtlichter" dezente Anspielungen an den einen oder anderen markanten Sound oder Titel aus früheren Veröffentlichungen wieder erkennen: hier eine Prise "Sound of Sky", dort ein Beat, den man von einem Vorgänger kennt, und auch bei den (dieses Mal deutschen) Titeln wird der Erbe-Kenner mehr als nur eine Anspielung finden. Doch wie immer verwendet Stefan Erbe Bekanntes nur als eine der diversen Zutaten, aus denen dann etwas Neues, vorher noch nie Gehörtes entsteht. Auf "Nachtlichter" fallen die einzelnen Tracks wieder kürzer und Radio-tauglicher aus, nachdem er im Duo mit Steve Baltes in den letzten Jahren ja auch mal die Möglichkeiten von Titeln mit zweistelliger Minutenzahl ausgelotet hat. Wie man zum Thema "lange oder kurze Tracks" auch stehen mag, die musikalische Qualität ist das Kriterium, nach dem man in beiden Fällen urteilen sollte.  Die Titel auf "Nachtlichter" kommen mit einer Leichtfüssigkeit und Selbstverständlichkeit daher, die Könnerschaft belegt. Der Spannungsbogen zwischen flotteren und kontemplativeren Stücken passt, und auch eine 2020er-Version von "When Angels Travel" fügt sich ohne Brüche in dieses Ensemble ein.

Hinter "Nachtlichter" steht vielleicht nicht die grosse musikalische Gesamt-Idee wie bei "Selectronique Debussy", und es transportiert auch keine gesellschaftlichen Botschaften wie sein Vorgänger "Reflect". Es ist einfach nur Stefan Erbe, wie man ihn kennt und liebt: nicht mehr, aber auch nicht weniger, sondern im Gegenteil in Bestform. Es ist einfach ein Vergnügen und macht gute Laune, die "Nachtlichter" in der Dauerschleife immer wieder an sich vorbei ziehen zu lassen. Stefan Erbe setzt - um auf den Titel zurückzukommen - ein paar helle Lichter in die aktuell nicht ganz so schönen Zeiten. Und damit ist er auf seine Weise dann doch wieder ganz auf der Höhe der Zeit. 

https://www.erbemusic.com/

 Alfred Arnold

 

RetrospectiveIn den letzten 10 Jahren hat Stan Dart eine Menge hervorragender Alben veröffentlicht. Vielleicht fehlte der kommerzielle Erfolg (was ich mir beim besten Willen nicht erklären kann) denn die elektronische Musik von Stan Dart erfüllt alle Ansprüche, die ein Liebhaber dieses Genres sich wünscht. Wie dem auch sei, das neue Album „Retrospective“ ist kein „Best of“, sondern offensichtlich eine Ansammlung von Tracks, die bisher in das Gefüge eines Konzeptalbums nicht passten. Gleich zu Beginn startet Stan Dart mit dem brandneuen gleichnamigen Titeltrack, der super abgeht – wie eine Rakete – aber atmosphärisch bleibt. Die altbewährte Rezeptur von Stan Dart zeigt sich auch auf diesem Album: Düster, erdig und melodisch. Die hier vorhandenen Instrumentals halten teilweise nicht ganz das Niveau der epischen Instrumentalsongs vom letzten, großartigen Album „Seaside“. Dafür gibt’s ein paar Überraschungen, wie z.B. ein markantes Cello auf „Supernova“ oder das Arrangement für „Berlin“ - sehr hörenswert. Stan Darts Ambitionen für originäre Spacemusic schimmern immer wieder durch.

Die Highlights auf „Retrospective“ allerdings sind für mich die diversen Titel mit Gesang. Allen voran „Nichts anderes zählt“. Eine absolut gelungene Kombination aus deutschsprachigem Liedermachergesang und fulminantem Klangteppich. Das gab's noch nie ... der Song geht mir nicht mehr aus den Ohren! Dann gibt es eine neue Version von „Via Laboriosa“ mit Sängerin Petra Bonmassar aus dem Album „Ecclesia“. Diese großartige, chillige Version könnte sogar die Bessere sein. Ebenfalls hammerstark der Track „Regarded as Absent“ mit Sängerin Olga W.

Was bei SCHILLER bestens funktioniert, sollte auch beim Österreicher Stan Dart unbedingt auf Erfolg stoßen: Die Kombination von düsteren Instrumentals und anspruchsvoller Pop-Electronic mit Gesang. Vielleicht klappt's ja bei diesem Album?

http://www.stan-dart.com/

Will Lücken

ta150

Neues aus dem ungarischen Elektronik-Labor: Gleich zum Jahresanfang meldet 'Computerchemist' Dave Pearson sich mit einem neuen Album zurück. "Das was vorherrscht", ist der vielsagende Titel, und die Credits an die bekannten Berliner Elektronik-Pioniere auf dem Cover kommt nicht von ungefähr.

Wer hier aber lupenrein dahinfließende Sequenzen a la 'Rubycon', oder melodisch-geschmeidiges Material im Stile der 80er erwartet, der liegt nicht ganz richtig. Die Mehrzahl der Tracks erinnern an die späten 70er-Jahre, als Tangerine Dream begann, nach neuen Musikformen zu suchen und dabei auch progressiv-rockige Elemente auf den Alben zuließ.

Dabei ist dieses Album kein einfaches 'Tribute' an diese Ära, der Mix ist individuell und zitiert die Sounds aus der Zeit, ohne als simple Kopie daherzukommen. Als "Erholung" von den gitarrenlastigeren Tracks stellt Dave auch mal einen Titel dazwischen, in dem der Sequenzer dominiert, und glättet die Wogen ein wenig.

Wer schon seinerzeit bei 'Cyclone' oder 'Force Majeure' nicht spontan abgeschaltet hat, der sollte sich "That with Prevails" einmal genauer anhören, wenn es Anfang Februar erscheint. Elektronik und Krautrock gehen noch immer zusammen, ganz besonders wenn wie hier die Mischung stimmt.

https://computerchemist.bandcamp.com

Alfred Arnold

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