Rezensionen

EatStatic LastShipToParadiseManchmal ist es wirklich überraschend, auf welche tollen Alben man so trifft. Zumal es sich bei Eat Static nicht einmal um eine neue Gruppe handelt; das Musikprojekt ist bereits seit Anfang der 1990er Jahre in der elektronischen Musik aktiv, wenn auch zunächst eher im Tanz-Bereich. Mit Last Ship to Paradise gibt es nun eine Neuveröffentlichung, die mich gleich mit dem Einstiegstitel eingefangen hat. Ich würde den Stil als chillig progressiv einordnen, die Musik zählt also schon zu den eher rhythmisch fokussierten Spielarten. Aber beileibe nicht einer gradliniger Tanzmusik, mit Abstechern in die Randgebiete von Elektronica und IDM.

Was für mich den Reiz dieses Albums ausmacht, ist das Gesamtpaket aus Klang und Variantenreichtum. Beide Ohren und die Masse dazwischen bekommen bestens zu tun, erhalten eine detaillreiche und teilweise treibende Akustikverkostung, die keine Langeweile zulässt. Ich habe dabei abschnittsweise das Gefühl, etwas Vertrautes zu hören, dass dann aber überraschend abbiegt und einen anderen Weg nimmt, als vermutet.

Bezug: https://eatstatic.bandcamp.com/album/last-ship-to-paradise

Stefan Schulz

Es gibt CDs, die ich erst einmal ein paar Mal hören muss, bis sie sich mir erschließen, und es gibt Alben, die gleich bei der ersten Runde bei mir ins Schwarze treffen. Stefan Erbes neueste Kreation "Genesys" gehört ohne Frage zu denen, die ich sofort ins Herz geschlossen habe.

Nach seinem letztjährigen Ausflug in die Klassik führt uns die Reise dieses Mal wieder in die Tiefen des Alls. Für den Macher der "Sound of Sky"-Reihe ist das kein ungewohntes Terrain, und an einigen Stationen des Weges meint man Elemente und Sounds früherer Alben wieder zuerkennen, sei es von seinen Soloalben oder den beiden mit Steve Baltes. Das heißt nun aber überhaupt nicht, dass uns hier nur Neuauflagen von Bekanntem geboten werden - ganz im Gegenteil. Eine Computerstimme ganz zu Anfang gibt das Motto vor: "Open your eyes". Was die musikalischen Strukturen angeht, werden neue Wege beschritten. Klassische Erbe-Sounds scheinen immer wieder durch, werden aber sogleich gebrochen und auf neue Weise wieder zusammengesetzt.

So habe ich am Ende dieser Reise, das die gleiche Stimme mit "Our mission is complete" kommentiert, einen ähnlichen Eindruck wie nach der "Selectronique Debussy": Einerseits ganz und gar zu Hause zu sein, und andererseits in neue Sphären getragen worden zu sein. Mit 'Lightspeed' legt Stefan Erbe dann noch den passenden "Rausschmeißer" oben drauf. Perfect Job, Captain - pardon, Leutnant - Erbe!

Alfred Arnold

Gleich als Doppel-CD kommt Bertrand Loreaus neues Album daher, und stattliche vierzig Tracks sind auf diesen beiden Scheiben versammelt. Das ist eine ungewöhnliche Zahl, kannte man Bertrand Loreau doch bisher eher als Vertreter der Berliner Schule mit wenigen langen Tracks. Auf "Finally" zeigt er sich von einer anderen Seite, hier ist eine Reihe melodisch-warmer Titel versammelt, die in den letzten Jahrzehnten seines musikalischen Schaffens entstanden sind. Teilweise sind diese schon an anderer Stelle veröffentlicht worden, teilweise erblicken sie auf diesem Album zum ersten Mal das Licht der Öffentlichkeit.

Wer ein kunterbuntes Sammelsurium von Einzel-Tracks oder gar Stückwerk befürchtet, wird aber angenehm überrascht. Die Zusammenstellung ist gelungen, die einzelnen Titel passen so gut zusammen, dass dieses Album wie aus einem Guss wirkt. Das künstlerisch gestaltete Cover, das eine Mischung akustischer und elektronische Instrumente zeigt, passt zur dieser liebevollen Gestaltung - es würde sich auch sehr gut als Bildschirm-Hintergrund für den Musikfreund machen.

Für mich ist "Finally" ein Album, um sich dabei mit einem guten Buch im Sessel zurückzulehnen oder einfach nur abzuschalten. Freunde harmonisch-warmer Musik mit einer nicht zu überhörenden Prise klassischer Elemente werden daran ihre Freude haben. Wer bisher in erster Linie den "Berliner Bertrand" gekannt und geschätzt hat, sollte vielleicht erst einmal probe hören, ob man sich auch mit dieser Seite von Bertrand Loreaus Schaffen anfreunden kann.

Bezug: Spheric Music

Alfred Arnold

omd pol cover300Als ich die ersten Klänge dieses Albums hörte, musste ich mir erst einmal die Ohren reiben. Tatsächlich handelt es sich nicht um ein Album von Kraftwerk, die sich der populären Musik zugewandt haben. Sondern es ist das brandneue Album von Orchestral Manoeuvres in the Dark, oder kurz OMD. Mit The Punishment of Luxury erscheint am 1. September ihre dreizehnte Scheibe. Die beiden Bandgründer Andy McCluskey und Paul David Humphreys sind Kraftwerk-Fans der ersten Stunde. Und dem neuen Album hört man dies durchweg an.

Mit diesem Werk präsentieren OMD ein schönes und sehr elektronisches Album mit unverkennbaren Wurzeln in dem Gründungsjahrzehnt der 80er Jahre. Vollgepackt mit synthetischen Klängen ergießen sich 12 Synthpop-Tracks in das Ohr des geneigten Hörers. Das zugrundeliegende Thema ist der vorherrschende Konsumterror, der uns, trotz verbessterter Lebensqualität, nicht glücklich werden lässt. Die Stücke sind jedoch keine depressiven Klanggemälde, sondern poppig melodisch verpackte Kurzerzählungen mit stark industrieller Anmutung.

omd pol portrait

The Punishment of Luxury ist eine gelungene Mischung aus musikalischer Referenz an die Ursprünge der Band als auch elektronischer Experimentierfreude. Dies zeigt insbesondere der leider recht kurze Track La Mitrailleuse. Aber auch eher typische OMD-Balladen finden sich auf der Platte, wie One More Time und The View From Here. Eine gute dreiviertel Stunde Hörspaß für Fans des Elektronischen.

Homepage: http://www.omd.uk.com

Tourdaten (Deutschland):

  • 26. November 2017 - Hamburg
  • 28. November 2017 - Berlin
  • 29. November 2017 - Leipzig
  • 30. November 2017 - München
  • 2. Dezember 2017 - Offenbach
  • 3. Dezember 2017 - Düsseldorf

Stefan Schulz

Eine oft zu hörende Kritik in der traditionellen elektronischen Musik ist, dass es sich bei neueren Werken ja nur um nachgemachte Musik handelt. Mit Touch The Sky von Rudolf Heimann jedoch liegt ein Original aus 1992 vor, das für die Wiederveröffentlichung neu gemastert und mit zwei Bonus-Tracks versehen ist. Natürlich merkt man der Musik ihr Alter an. Die Sounds klingen teilweise recht angestaubt, wurden durch das neue Mastering von EROC klanglich jedoch hervorragend aufbereitet, so dass die Stücke glasklar und aufgeräumt rüber kommen. Kompositorisch ist das Album somit auch in Gänze genießbar, ohne Kratzer oder Drops. Jedes Stück ist ein kleines Juwel, mit harmonischen und ansprechenden Melodiebögen. In der Beschreibung zum Album ist von Alan Parsons Projekt und Mike Oldfield die Rede. Tatsächlich kann man zumindest be Skywalker und View From A Hill dem Gitarrenspiel eine große Nähe zu Oldfield wahrnehmen. Insgesamt höre ich jedoch an vielen Stellen klangliche Referenzen an Tangerine Dream heraus, die der Melrose Ära zugeordnet werden könnten.

Touch The Sky ist ein schönes Album, dass man in dieser Fassung auch heutzutage noch sehr gut hören und genießen kann.

Bezug: Spheric Music

Stefan Schulz

deep imaginationAls o.g. Longplayer die Redaktion erreichte, ergab sich glücklicherweise gleich eine längere CD-Begleitende Autofahrt die als Grundlage für diese Rezension herhalten würde. Torsten Sudler-Mainz, Mastermaind der Bandcombo offeriert die ganze Bandbreite der elektronische Genrezunft und vermengt in den 9 Tracks sowohl Pink Floydeske als auch Scoreelemente a la Vangelis. Immer wieder werden die Stücke von Sängerin Ann Karen Mainz mystisch mit seichten Gesangsphrasen ergänzt. Daraus entsteht eine gute Mischung aus Stilmittel und Spannungselement, auch wenn wir uns an einigen Stellen etwas mehr Variationen gewünscht hätten. Dennoch ist das Album geprägt voller guter Ideen und seiner professonellen Beteiligten. Nur das Artwork will nicht so recht "zünden", scheint doch die gewollte Zeichnnung irgendwie als unscharfes Foto durchgehen zu wollen. Man muss halt genauer hinsehen, genauso wie man auch genauer hinhören sollte, um die Geschichte des Albums zu verstehen.

www.deep-imagination.de

Stefan Erbe   

Gut Ding will Weile haben - das haben sich Steve Baltes und Stefan Erbe wohl für ihr zweites Album "Electric Garden" gedacht.  Das war vielleicht auch gar nicht verkehrt, sind die Erwartungen nach dem Erstling "s-thetic²" doch alles andere als niedrig.  

Das Warten hat sich aber gelohnt, zeigt auch die zweite Veröffentlichung der beiden, wie eine gelungene Mischung zweier unterschiedlicher Stile aussehen kann - auf der einen Seite die härteren Rhythmen und Effekte von Steve, auf der anderen die sanfteren Melodien und Klänge von Stefan.  Das heißt aber nicht, dass 'Electric Garden' genauso klingt wie der Vorgänger.  War die s-thetic² eher spacig-ambient angelegt, bilden hier in den meisten Titeln die Sequenzen das Fundament.  Die werden aber nicht wie bei Vertretern der 'reinen' Berliner Schule bis zum geht-nicht-mehr ausgewalzt, alle Titel kratzen bestenfalls an der Zehn-Minuten-Marke.  So wird der Trip in den bunten Garten elektronischer Klänge nie langweilig.

Als Extra finden sich am Ende des Albums noch zwei Solo-Titel: "Only One Step" von Stefan Erbes letzter Solo-CD "The Freedom Of Movement", und "Basic Lifeform" dürfte allen vertraut vorkommen, die Steves Life-Auftritt auf der letzten Schwingungen-Party in Hamm mit erlebt haben.  So hat der geneigte Hörer direkt beim Durchhören die Möglichkeit, sich zu überlegen, wie zwei Stile zu einem verschmelzen und in welchem Titel "mehr Stefan" oder "mehr Steve" steckt - eine Mischung, deren Verhältnis von Titel zu Titel variiert, aber auf jeden Fall wieder gelungen ist!

Alfred Arnold

Auch Bernd Scholls neuestes Album verfolgt die Synergie seiner astromedialen Verbindung von Space und Sound, vollführt dabei aber eine deutliche Veränderung. Es klingt deutliche defensiver, reduzierter und nachdenklicher als die vergangenen Alben des Eifelers. Natürlich gibt es die typischen Beats und Rhythmus-Muster die eben den Moonbooter-Sound ausmachen, aber der schwarze Mond mag irgendwie suggerieren als ob seine Musik einen kleinen Wandel durchlebt. Einige der Tracks erfordern deutlich mehr Zeit zum Zuhören und weniger des Konsumierens. Gut so und vielleicht führt der nächste musikalische Weg sogar mal auf irdische Breiten- und Längengeraden, wäre doch toll mal zu erfahren wie sich die Musik von Bernd Scholl durch heimische Inspirationen anhören würde. Tolles Album.

www.mellowjet.de

Stefan Erbe