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Erfreulicherweise ist nicht nur Bochum Ort regelmäßiger Konzerte, die elektronische Musik mit Planetariums-Projektionen verknüpfen.  Auch das LWL-Museum in Münster mit seinem Planetarium hat solche Events im Angebot, wenn auch nicht ganz in der Frequenz wie in Bochum.

So wie Stefan Erbe 'Erfinder' der Sound of Sky-Reihe in Bochum ist, so ist üblicherweise Bernd 'Moonbooter' Scholl Organisator der EM-Konzerte unter der Münsteraner Sternenkuppel.  Gäste hat auch er immer dabei, üblicherweise Künstler, die auch CDs auf seinem Label 'Mellowjet Records' veröffentlichen.  Dieses Mal hatte er Otarion sowie Erik Seifert und Josef Steinbüchel mitgebracht.

Das Planetarium Münster war zwar nicht ausverkauft, aber doch gut halb voll, für derartige Veranstaltungen eine achtbare Besucherzahl. Bernd hatte schon vor Monaten auf den 'üblichen Kanälen' diese Veranstaltung angekündigt, aber auch das LWL hatte über die lokale Presse und seine Kanäle Monate im Vorfeld geworben.

Konzerte in Planetarien haben für die Zuschauer immer einen kleinen 'Haken': Muss man während der Vorstellung mal raus, dann muß man leider auch draußen bleiben.  Damit die Projektionen wirken, ist es während der Vorstellung sehr dunkel und das Auge passt sich nicht schnell genug daran an - die Unfallgefahr wäre zu hoch.  Dauert eine Vorstellung länger als etwa anderthalb Stunden, wird deshalb gerne eine Pause in der Mitte gemacht.  Das gibt den Musikern Zeit zum Umbau, und den Gästen die Chance, dringenden Bedürfnissen nachzugehen.

So war es auch an diesem Abend: Im ersten Teil griff Bernd zusammen mit Rainer Klein, der als 'Otarion' firmiert, in die Tasten.  Bernd erzählte in seiner Einleitung, daß es einiger Vorbereitung bedurfte, seinen und Rainers Klänge zu einem Auftritt zu 'verquicken'.  Bernd macht reine Elektronik, stilistisch von der flotten und poppigen Art, während Rainer gerade auf seiner aktuellen CD 'Constellation and the Red Thread' die Gitarren- und Progressive-Rock-Elemente deutlich ausgebaut hat.  Die Mischung ist aber gelungen, und dazu gab es an der Planetariumskuppel die passenden, dynamischen Projektionen: Entstehung des Universums, Planetenkollisionen, Flüge durch Urzeitwälder mit Dinosauriern und schlussendlich den Meteoriteneinschlag, der den Dinosauriern den Garaus macht.

Auch in der Pause wurde es nicht langweilig: das Bistro des LWL-Museums hatte geöffnet, am CD-Stand vom MellowJet konnte man Lücken in der eigenen CD-Sammlung schließen.  Zusätzlich hatten Mitarbeiter des LWL draußen ein Teleskop aufgebaut und man konnte sich den Mond näher anschauen. Schönes Spätsommerwetter und ein wolkenfreier Himmel boten dafür eine ideale Gelegenheit.

Mit Seifert und Steinbüchel änderte sich nach der Pause die musikalische Gangart deutlich: Ihre 'Softlock' kommt spacig-chillig und weiträumig daher, ein einziges Stück Musik über eine gute Stunde.  Dabei war dies ja noch nicht einmal das ganze Werk, im Original ist 'Softlock' über anderthalb Stunden lang und wurde nur als Download oder USB-Stick angeboten.  Nachdem die limitierte Auflage von letzterem längst vergriffen ist, kann man bei Mellowjet eine Doppel-CD kaufen. Auch im zweiten Teil fand der 'Operateur' dazu passende Bilder vom Sternenhimmel und Galaxien, die die Weite dieser Musik unterstrichen.

Zugabe - na klar!  Die Erstveröffentlichung der 'Softlock' liegt ja bereits zwei Jahre zurück, mit der Zugabe zeigten die beiden, dass sie in der Zwischenzeit nicht untätig waren: Zwei Titel aus dem kommenden Album 'Reverse Engineering'.  Dessen Release-Termin steht zwar - um im Bild zu bleiben - noch in den Sternen, aber es wird daran gearbeitet.  Die Kostprobe ließ erahnen, dass es stilistisch wieder deutlich 'erdverhafteter' sein wird.

Und so war dieses Event mit seinen Zugaben erst deutlich nach zehn Uhr zu Ende, obwohl es vergleichsweise früh um 19.30 Uhr begonnen hatte.  Für mich ein weiterer Eintrag in der inzwischen lange Liste von Abenden, die man so schnell nicht vergisst.  Herzlichen Dank an das LWL-Museum und die anderen Beteiligten dafür!

Alfred Arnold