Peter Mergener - Chip Meditation 2025

„Chip Meditation“? Die gab’s doch schon mal? Ja, richtig, vor vierzig Jahren betrat das Duo Software mit diesem Album die Elektronikmusikbühne. Nun also „Chip Meditation 2025“ - eine Neuauflage des Klassikers? Weit gefehlt. Das Cover beinhaltet zwar das gleiche Bild (eine Computergrafik) wie das 1985er-Album, wenn auch mit vertauschten Farben, aber es ist schon mal kein Software-Album. Diesmal zeichnet Peter Mergener alleine verantwortlich für das Werk. Musikalisch war er bei Software ohnehin schon der Kopf des Ganzen, nun steht eben auch auf dem Cover sein Name. Und bei „Chip Meditation 2025“ handelt es sich keineswegs um eine neue Veröffentlichung des alten Materials oder um eine Neuaufnahme der damaligen Musik, sondern um vollständig neu komponierte und produzierte Stücke.

Wenn man sich die Stücke nun anhört, findet man sich allerdings von Beginn an im Software-Klangkosmos. Nach einem Einstieg im ersten Track, bei dem man sich inmitten eines die Instrumente stimmenden Orchesters wähnt, muss man sich gerade mal eine Minute gedulden, bis der Softwaresound auftaucht. Diese Sequenzen, diese Klänge sind unverkennbar. Das ganze Album atmet den Geist der Softwarealben, ohne ein Abklatsch zu sein oder nur um des Albumtitels willen in Erinnerungen zu schwelgen.

Peter Mergener ist Profi genug, etwas Neues und Eigenständiges zu erschaffen, und verrät dabei doch nicht die Musik, die Software so bekannt und beliebt gemacht hat. Die einzige weitere Anlehnung an das Debütalbum von 1985, die Peter Mergener sich für mich erkennbar erlaubt, sind die Namen von zwei Stücken: „Chaos And Order“ erinnert namentlich an „Frontiers-Of-Chaos“, „Julia Quantity“ an „Julias-Dream“.

Man muss „Chip Meditation“ von 1985 tatsächlich nicht kennen, um „Chip Meditation 2025“ genießen zu können, denn das neue Album ist kein zweiter Teil des ersten oder schließt musikalisch direkt an. Ich gebe zu, dass ich selber das 1985er-Album seinerzeit nicht kennengelernt hatte. Ich habe es nun erst gehört, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie es klingt.

Die einzelnen Stücke sind durchaus abwechslungsreich. Die typischen Sequenzen lassen sich, wie schon erwähnt, in „Chaos And Order“ ebenso hören wie in einer Handvoll weiterer Tracks. In „Iteration“ perlen die Sequenzen ganz besonders schön. Das Klavier dominiert „Relaxation“ und „Synergetik“ trumpft mit einer schönen Melodie in herrlichem Software-Streicher-Sound auf. Besonders gut gefällt mir „System Overload“, auch wenn es ein wenig aus dem Rahmen fällt. Sehr atmosphärische Klänge füllen die erste Hälfte des Stückes, dann beginnt ein ungewohnt klingender Rhythmuspart, und in der zweiten Hälfte entwickelt „System Overload“ einen ungemeinen Sog.

Für mich zeigt „Chip Meditation 2025“, wie ein seit vierzig Jahren existierender musikalischer Stil gut auf die Höhe der Zeit gebracht werden kann. Das ist Peter Mergener hier auf schönste Art und Weise gelungen!

Tracklist:

  1. Chaos And Order 8:10
  2. Julia Quantity 9:04
  3. Synergetik 6:18
  4. Iteration 8:38
  5. Attractor 7:40
  6. System Overload 6:37
  7. Relaxation 5:35
  8. White Noise 6:06

Bezug:

Andreas Pawlowski

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