Lunaar - Messages From Space

25 Jahre - eine lange Zeit, in der sich viel tun kann, sich vieles verändert und entwickelt. Das hat sich wohl auch Dirk Scussel, der als Lunaar in der EM-Szene bekannt wurde, gedacht und sein 1999 erschienenes Album „Messages From Space“ in einer „refurbished 25th anniversary edition“ neu herausgebracht. Das „refurbished“ ist auch eben so zu verstehen: das ursprüngliche Album wurde überholt, aufpoliert, modernisiert, verändert... Es handelt sich somit nicht um eine simple Neuauflage von „Messages From Space“, sondern eigentlich um ein neues Werk auf Basis des alten. In Ermangelung der Kenntnis der 1999er-Version kann ich zwar keine direkten Vergleiche ziehen, aber dieses „neue“ Album ist nach meiner Meinung bestens gelungen.

Die Nachricht aus dem All, das Stück, mit dem das Album beginnt, muss eine gute Nachricht sein, so interessant, variantenreich und melodiös wie die Musik rüberkommt. Deutlich weniger wuchtig als der Opener ist das zweite Stück, „lunaar’s theme“. Dafür ist es ein absoluter Ohrwurm. Das Thema bleibt hängen und man erkennt es beim nächsten Hören sofort wieder, selbst wenn die letzte akustische Begegnung mit lunaar’s theme schon eine Weile zurückliegt.

Eine auch auf der Trackliste des Albums erkennbare, weil genannte Neuerung, ist die gesangliche Mitwirkung von Leandra bei den Titeln „mini cluster“ und „interminable“. Wenn man diese Stimme hört, die sich unaufdringlich (bei „mini cluster“ - bei „interminable“ deutlich mehr im Vordergrund), aber recht markant und absolut passend, wie ein weiteres Instrument in die Musik einbettet, mag man kaum glauben, dass die Stimme der gerade einmal elf Jahre alten Tochter von Dirk Scussel gehört - großartig! (Auf dem Cover steht es zwar nicht geschrieben, aber auch im Track „ignition“ höre ich eine Stimme wie von Leandra heraus.)

Die CD bietet deutliche Kontraste, wenn z. B. auf das für meine Ohren dem Genre EDM zuzurechnende „mini cluster“ das anfänglich sehr ruhige „talking with myself“ folgt, das von Streicherklängen dominiert wird und klassisch-orchestral wirkt. Ebenso hat Dirk an das technoartige „ignition“ das zu Beginn atmosphärische „interminable“ angehängt. Auch hier herrscht erst einmal ein krasser Gegensatz. Interessanterweise passt alles wunderbar zusammen, ich empfinde das nicht als Bruch.

Nimmt man den Titel wörtlich, dann ist bei „a piece of silence“ klar das Thema verfehlt. Man sollte kein Ambient erwarten. Nein, die Stille ist jazzig, rhythmusbetont und chillig. Im letzten Drittel liefert uns Lunaar noch ein tolles Klaviersolo.

Insgesamt ist „messages from space“ ein Album mit sehr positiver Grundstimmung. Selbst ein Titel wie „broken dreams“ hat nichts deprimierendes, obwohl die Melodieführung hier auch stellenweise andere Wendungen nimmt als man vielleicht erwartet.

Am meisten beeindruckt an dem Album die Vielseitigkeit in den Klängen, die Abwechslung in Aufbau und Melodie der einzelnen Tracks, ohne diese zerfasern zu lassen. Und auch, wenn es möglicherweise widersprüchlich klingt: Mit dem Abschlusstrack „destination of mine - the full story“ tue ich mich ein wenig schwer. Ich empfinde das Stück als etwas überfrachtet. Dirk vereint in den gut 12 Minuten, die das Stück dauert, alle auf dem Album vertretenen Musikstile. Was im Verlauf des ganzen Albums gut funktioniert, wirkt hier auf mich etwas gedrängt. Vielleicht ist es auch nur eine Frage der Zeit. Nach mehrmaligem Hören relativiert sich der Eindruck leicht.

Wie auch immer, „messages from space“ ist ein wunderschönes, melodiöses, überraschendes und abwechslungsreiches Album. Gut, dass Lunaar sich nach 25 Jahren noch einmal seinem Debüt gewidmet und es „refurbished“ wieder ans Tageslicht geholt hat, so dass wir Liebhaber der EM uns daran erfreuen können.

Tracklist:

  1. a message from space 10:52
  2. lunaar’s theme 8:06
  3. mini cluster (feat. Leandra) 5:31
  4. talking with myself 7:38
  5. a piece of silence 5:46
  6. ignition 7:31
  7. interminable (feat. Leandra) 8:36
  8. sunfloating 7:06
  9. broken dreams 6:29
  10. destination of mine - the full story 12:04

Bezug:

https://lunaar.de/

Andreas Pawlowski

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