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Sound of Sky goes Debussy - Stefan Erbe goes Classic

Samstag, 11. Juni 2016.  Es ist ein angenehm warmer und trockener Frühsommertag, wir sitzen draußen vor dem Planetarium Bochum und es ist kurz nach 10 Uhr abends.  Vorher haben wir noch gegessen, erst deftig-lecker im nahen Parkschlösschen und dann einen Nachtisch in der Eisdiele.  Noch ein Kaffee zum Schluss gegen die Futter-Narkose, man will ja im Folgenden nicht sanft entschlummern.

Es ist wieder ein Sound-of-Sky-Abend, und dieses Mal einer der wenigen, an denen sich Stefan Erbe keinen Gast eingeladen hat, und auch nicht Steve Baltes dabei hat, sondern sein neuestes Solo-Projekt präsentiert.  Die Zahl der Besucher, die das erleben möchte, ist leider etwas bescheiden, schieben wir es auf die seit Freitag laufende Fußball-EM.  Die Gespräche kreisen neben dem, was man gleich erwarten darf, um neue Releases von anderen Musikern, kommende Events und was bei den Wolkenbrüchen der letzten Wochen zu Hause so alles abgesoffen ist.  Stefan Erbe kommt heraus und meint, er würde jetzt gerne anfangen.  Schon halb elf, wer hat an der Uhr gedreht?

Claude Debussy ist das Thema von Stefan Erbes neustem Projekt, genauer gesagt seine Interpretation von Debussys Musik - ein Stoff, an dem sich vor ihm auch schon andere große Namen der elektronischen Musik versucht haben, so der kürzlich leider verstorbene Isao Tomita.  Es wird eine exklusive Preview sein, das fertige Album wird noch etwas auf sich warten lassen.  Ein paar Stücke hatte Stefan schon vorher auf Soundcloud veröffentlicht - die versprechen einen romantischen Spätabend.

In der Einleitung nimmt Stefan sich dieses Mal besonders viel Zeit zu erzählen, wie es zu diesem Projekt gekommen ist: was der erste Anstoß war, wie sich das ganze über das letzte Jahr entwickelt hat, was er in der Musik Claude Debussys sieht und auf welche Passagen man besonders achten soll.  Man merkt, 'selectronique debussy' ist etwas besonderes für ihn.

Passend zu den sanften Klängen lässt es auch Klaus-Dieter Unger am Bochumer Sternenhimmel ruhig angehen: keine knalligen Effekte, nur der schlichte Sternenhimmel, unter dem man nachsinnen kann, was sich Stefan Erbe bei seiner Bearbeitung von Claude Debussys Musik überlegt hat.  Ich hatte mir im Vorfeld ein paar Mal Tomitas "Snowflakes Are Dancing" angehört, und einige Titel davon erkennt man auch an diesem Abend wieder - Gollywog's Cakewalk, Arabesque oder Clair de Lune.  Das ist aber alles kein billiger Abklatsch, keine Effekthascherei, die aus irgendwelchen Klassik-Hits Kapital schlagen will.  Die Titel haben ein klares Vorbild, aber alle ihren eigenen Stil und den typischen "Erbe-Sound", ergänzt um diverse Klänge, die ich auf seinen früheren Alben noch nicht gehört habe.

Eine gute Stunde später kündigt Stefan den letzten Titel "Dr. Gradius ad Parnassum" an und meint, man könnte so langsam wieder wach werden.  Also zumindest ich hätte den Hinweis nicht gebraucht, ich war viel zu sehr damit beschäftigt, der Musik zu folgen, als dass ich hätte einschlafen können.  Gleiches gilt für meine Begleitung (siehe Foto...).  Anschließende Gespräche im Foyer kreisen um das Gehörte, kalt gelassen hat es niemanden. Auch Stefan Erbe ist sich noch nicht ganz sicher, wie die CD bei der breiten Hörerschaft ankommen wird.  Lieber Stefan, mach Dir darüber keine Sorgen!  Auch "selectronique debussy" ist ein waschechtes Erbe-Album, und ich finde, man kann es auch als solches genießen, ohne die ganzen Vergleiche mit dem 'Original' oder anderen Debussy-Interpretationen anstellen zu müssen.

Bis zur Veröffentlichung ist es noch ein paar Wochen hin, beim nächsten Sound of Sky Ende August soll der Silberling erhältlich sein.  Mein persönlicher erster Kandidat für den Titel des Jahres wird darauf enthalten sein - und nein, ich verrate hier nicht, welcher es ist.

Alfred Arnold

Über Empulsiv

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