Berichte

Sonntag, 01. Mai 2022

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann ich zum ersten Mal von Harald Grambergs Plan las: In dem Land, das er so liebt, ein eigenes EM-Festival mit Live-Konzerten zu organisieren. Er hatte einen Ort und ein Datum, aber noch keinen einzigen Act, und angesichts des ständigen Auf und Ab mit der soundsovielten Corona-Welle und den darauf folgenden Lockerungen war es ein reines Lotteriespiel, ob dieses Festival Realität werden könnte oder nicht. Ein vernünftiger Mensch hätte gesagt, ich warte erst einmal ab, und wenn die allgemeine Lage bezüglich Pandemie sich "geklärt" hat, dann mache ich konkrete Pläne.

dem 2020 banner

Donnerstag, 28. April 2022

schulze2Zum Tod von Klaus Schulze

Wer im Genre der traditionellen elektronischen Musik bewandert ist, wird die traurige Nachricht sicherlich schon mitbekommen haben. Nicht nur Musiker, die ihres Zeichens Schulze als motivationsgebenden Künstler für das eigene Erzeugen erster musikalischer Erkenntnisse begründen, sind fassungslos, ebenso wie die enorme Anzahl an weltweiter Fans, die in den 70er eine neues Genre entdeckten, dass von Schulze maßgeblich mitbegründet wurde. Auch das anspruchsvolle gedruckte Feuilleton widmet dem Anlass bereits schon etliche Zeilen und huldigt den Meister als Ausnahmeerscheinung und Pionier deutscher Musikgeschichte. Zu Recht, den Klaus Schulze hat etwas erschaffen, was durch eine tonale Substanz entstanden ist, die unabhängig aller imaginären Darstellungen funktioniert, auf eine ungehörten Ebene wirkt und Musik auf seine Art verfestigt, wie es kein anderes Genre bisher erreichen konnte.


Der Sound, die epische Längen und die zumeist freie Improvisation, wirkten wie die audiophile Kreation von Bildern, welche gerade in unserem Beisein entstehen. Wir Hörer saßen unmittelbar davor, zusehend wie der sequenzierte Dali der elektronischen Musik seine Pinselstriche über die notierte Leinwand strich und dabei Dinge entstehen ließ, die unfassbar abstrakt und so individuell verliefen, dass man sich ihrer Wirkung nicht entziehen konnte.
Schulzes Art, seine besonderen Klangwelten zu erzeugen, war seine große Kunst. Es war nicht das virtuose Fingerspiel oder eine konstruierte Hookline, ebenso wenig wie die Verwendung einer kommerzielle Struktur oder das Ziel eines berechnendes Endergebnisses, sondern immer die Umsetzung des „offenen“ Ausgangs einer Leidenschaft, den Schulze wie kein anderer umsetzte.

Seine Musik wiedersprach allen Grundlagen bisheriger Erfolgsschemata und eröffnete vielen weiteren Klangschaffenden eine Basis das Genre der „Berliner Schule“ für sich zu gewinnen. Natürlich spielt im Nachgang die Zeit der Entstehung eine große Rolle, war sie im Besonderen geprägt von der Entwicklung der damaligen Geräte und Instrumente. Durch die Möglichkeiten immer wieder neue Sounds und Techniken zu entwickeln, gab es immer wieder auch neue Entwicklungsoptionen für Schulze und Co. Trotzdem wirkt die Magie der Alben wie Moondawn u.a. auch heute noch, denn anders als bei vielen Produktionen der Neuzeit, gibt es etwas in diesen Alben, was man auch heute nicht reproduzieren kann. Den Zeitgeist!

Schulze musikalisches Leben in den 70er und 80er war eben eine Gesamtsumme aus vielen Ebenen. Musik war letztendlich ein Ausdruck seiner Zustände und auch ein Ergebnis aus Sünden und Verfehlungen, wie sie nahezu jeder großer Musiker durchleben muss. Das Ergebnis seiner Meisterwerke wäre ohne diesen Kontrast wohl kaum möglich gewesen. Trotzdem kennen den kompletten Schulze sicher nur eine Handvoll Menschen und die meisten von uns, nur den Typ Schulze, der in seiner unnachahmlichen Berliner Schnauze direkt und unverschlüsselt auf die Leute zuging und ihnen gerne auch mal seine Art der Sichtweise an den Kopf warf.

Seine Leistung, seine Musik auch bis zu seinem Tod auf diesem besonderen Level zu halten ist beachtenswert, auch wenn er in den letzten Jahren zusätzlichen Support dafür benötigte.

Nun ist der „Meister“ gegangen und wir stellen erneut fest, wie vergänglich die Zeit ist. Wir stellen fest, dass auch wir alt bzw. älter werden, obwohl die Musik noch immer so frisch und neu klingt, wie an dem Tag, als wie sie zum ersten mal gehört haben. Traditionelle elektronische Musik dieser Art, wird in vielleicht 100 Jahren so etwas sein, was die klassische Musik von Bach, Mozart und Beethoven für uns heute darstellt. Zeitgeschichtliche Kunst, die durch den Zeitgeist entstanden ist und nicht durch die kommerzielle durchgeplante Stilistik einer Musikindustrie.

Schulze gehört die Speerspitze dieser Zeit und die Erkenntnis etwas erstellt zu haben, was zur letzten Genregattung nationaler Musikkunst zählen wird. Auch wenn wir es uns so sehr wünschen, aber eine Innovation dieser Form wird es in der Musik nicht mehr geben. Die Beliebigkeit der unzähligen Produktionen, die eine „Kopie“ des Zeitgeistes versuchen, werden immer daran scheitern. Auch wenn sie eingängig sind, auch wenn sie toll klingen und auch wenn sie das Original perfekt imitieren. Es fehlt einfach immer die spezielle Zutat, die nur Schulze in sich trug.

Deshalb sollte der Zukunfts-Gedanke der traditionellen elektronischen Musik sein, etwas zu erschaffen, was keine Kopie des Gestrigen ist, sondern viel mehr weiter nach neuen Wegen zu suchen, auch wenn es fast unmöglich erscheint. Der Zeitgeist spielt dabei eine wesentliche Rolle. Musik braucht heute eben nicht nur eine gute Komposition, sondern Leidenschaft, kontroverse Positionen und Mut die etablierten Wege zu verlassen.  

Stefan Erbe

Sonntag, 20. März 2022

Auch wenn die Corona-Fallzahlen nach wie vor hoch sind, die (Live-)EM-Szene findet so langsam wieder ins Leben zurück. Eine Woche nach der Schallwelle-Preisverleihung gastiert Bernd Scholl mit seinen meditativen Klängen einmal wieder im Cafe Neandertal No 1, genauer gesagt in dessen Höhle. Was 2021 noch abgesagt werden musste, durfte in diesem Jahr endlich wieder stattfinden.

So ganz "normal" sind die Zeiten natürlich noch längst nicht wieder: Die Höhle ist relativ klein, und es sind noch nicht alle Kontakt- und Abstandsregeln aufgehoben. Es war daher abzusehen, dass ein einziges Konzert an diesem Ort die Nachfrage nicht würde befriedigen können. So hatten Timo Kremerius, Bernd Scholl und Klaus M. Weber beschlossen, zwei Termine für ihre Show aus Klängen und Naturaufnahmen anzubieten. Egal für welche der beiden man sich entscheidet, ein Großteil der Einnahmen geht wieder als Spende an den MS-Treff Erkrath.

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Donnerstag, 17. März 2022

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(M)eine "persönliche" Berichterstattung.

Normalerweise werden die Empulsiv-Berichte über Veranstaltungen, Konzerte und Festivals auf unseren Seiten von Alfred Arnold verfasst. Kaum einer reist so viel wie er durchs EM-Land, um von all den (im Moment natürlich deutlich weniger) Events zu berichten, die unsere Musikszene so einzigartig machen. Einzigartig war auch die diesjährige Schallwelle, zu der unser Hauptautor nun selbst auf der Bühne stand, um als Host durch den sehr emotionalen Abend zu führen. So viel vorab, Alfred hat einen tollen Job gemacht, denn betrachtet mein seine Vita als „realen“ Moderator, so liegt da (fast) ein leeres Blatt. Seine kleine Host-Premiere hatte er im letzten Jahr als Partner von Sylvia Sommerfeld in der Online-Ausgabe, die nun Sylvias letzter offizieller Auftritt im Rahmen der Preisverleihung war. Sie starb (wie sicher alle Leser mitbekommen haben)im Dezember 2021.

Die Frage, ob es überhaupt eine „richtige“ Schallwelle geben werden kann, hatten die Verantwortlichen im Vorfeld einstimmig begrüßt und es wäre sicher auch nicht in Sylvias Vorstellung gewesen, die Veranstaltung abzusagen. Vielmehr wurde der Abend ein sehr würdiger Abschied von Ihr, gespickt mit vielen Gesprächen, Anekdoten und Erinnerungen zu ihrem Leben und den vielen Dinge die sie auch zum diesjährigen Sonderpreisträger gemacht haben. Zusammen mit Klaus Sommerfeld hatte sich Alfred immer wieder Gäste auf die Bühne geholt, die eine Gemeinsamkeit oder ein anderes Ereignis mit Sylvia teilten. So wurde es nicht selten recht emotional, im Besonderen wenn Klaus von seiner Frau sprach und von vielen Dingen berichtete, die ihr Leben bereichert haben.

Trotz der vielen Gesprächsinseln war das Event auch der Abend der Preisverleihung mit Gewinnern, Nominierten und Platzierten, so wie es die Schallwelle seit 2009 traditionell umgesetzt hat.
Gerade die Erneuerung bzw. die Vergrößerung der Kategorien, insbesondere wieder in Nationale und Internationale Künstler und Alben, hat der Qualität an Auszeichnungen nicht geschadet. Im Gegenteil.
Auch die Weiterführung des "eigenen Weges" und die neue Ambientkategorie sind ein Gewinn für die Veranstaltung. Die nun insgesamt 8 Kategorien (inkl. Newcomer und Sonderpreis) bilden einen sehr gutes Abbild des Musikgenres und erweitern die Gewinnoptionen auch für mainstreamfremde Künstler, die sonst in ihrer Produktions- und Kompositionsweise tendenziell „leer“ ausgegangen sind. Tatsächlich könnte man mit dieser Ausrichtung noch einen Schritt weiter gehen und noch mehr „Independent-Künstler“ in den Fokus stellen.

Natürlich war zu erwarten, dass  nicht alle Ausgezeichneten und Nominierten in diesem Jahr persönlich kommen würden. Dafür war es in Pandemie-Zeiten noch zu ungewiss, ob eine Reise aus den vielen europäischen und deutschen Ecken problemlos umgesetzt werden konnte. Bis auf Schiller, haben aber alle Gewinner entweder eine Grußbotschaft geschickt oder waren tatsächlich vor Ort.  Das zeigt, dass der Schallwelle-Preis eine große Akzeptanz genießt

Der Abend bot neben den drei musikalischen Acts erstmalig wieder einen persönlichen Austausch und die Tatsache, dass sich „Treffen und einen Abend zusammen genießen“, nicht nur gefehlt hat, sondern auch ein wesentlicher Motor für zukünftige Ereignisse sind. Die 3 Konzerte von Tonal Assembly, Stan Dart und HHNOI waren als kurze Gigs bewusst mit wenig Technik und geringem Umbauaufwand gewählt und überzeugten allesamt mit kurzweiligen und kontrastreichem Sound. Auch hier hat sich das System der reduzierten Konzertumsetzung über die Jahre bewährt.

Es gibt in der Nachbetrachtung wenige Kritikpunkte.Natürlich gibt es bei Liveveranstaltungen immer auch ein paar Hakler und Längen. Aber der Tenor endlich wieder zusammen zukommen war überall zu vernehmen und auch wenn der traurige Aspekt der Verlustes von Sylvia im Raum stand, so war die Stimmung immer angemessen. Die Gefahr den Abend zu einer Art Trauerfeier werden zu lassen, haben Alfred, Klaus und ihre Gäste prima umschifft. Auch wenn mal Tränen flossen, es durfte auch gelacht werden. Gut so.

Abschließend sei noch zu erwähnen, dass auch der Autor dieser Zeilen an der Veranstaltung beteiligt war und sich um diverse technische Belange gekümmert hat. Somit liegt es fern, diese Umsetzung aus eigener Sicht zu bewerten. Dennoch glaube ich, dass die gesamte Veranstaltung schon seit vielen Jahren einen beachtlichen Level besitzt, in dem die ausgeglichene Konstellation zwischen authentischem Fandasein und professioneller Darstellung eines Musikpreises einmalig ist. Ansprüche und Realität stehen natürlich manchmal in Konkurrenz zueinander und trotzdem ist es möglich gewesen, eine musikalische Instanz über die vielen Jahre auf einem sehr überdurchschnittlichen Niveau zu halten.

Leider gibt es bei dieser Betrachtung auch ein „Aber“, denn der Verlust von Sylvia und ihrer unnachahmlichen Art all dies voranzutreiben und anzuführen, wird schwer zu ersetzen sein.
Auch wenn es in diesem Jahr auch ohne sie auf der Bühne hinzubekommen war, so wird es nun schwierig werden, ihre ganzen unbemerkten unterjährigen Interaktionen durch andere Mechanismen zu ersetzen.
Es braucht tatsächlich so etwas wie einen Neuanfang. Es braucht neue Ideen und mit neuen Unterstützern und neuen Strukturen, die diese große Lücke schließen können. Ich denke es braucht vielleicht auch wieder eine neue Lokation, neuen Spirit für Technik und Visualisierung und vielleicht auch ein paar neue Strömungen in Jury und Orga.
All dies würde die Herangehensweise auf einen Weg bringen, der nicht alles neu machen muss, aber Wege positiv beeinflusst.
Es gibt leider keine sofortige Patentlösung, das Resultat einer tollen Veranstaltung ist eben immer ein Ergebnis einer unterjährigen Arbeit der Verantwortlichen, die Bereitschaft die Preisverleihung über die eigenen Interessen zu stellen und sie nicht als Plattform zur Selbstdarstellung zu verwenden. Ebenso darf auch die Transparenz der Entscheidungen nicht verloren gehen und es müssen nachvollziehbare Ergebnisse erzielt werden.

Die Schallwelle steht tatsächlich an einem Scheideweg. Sie kann weiterhin eine wichtige Instanz sein, wenn man es schafft die notwendigen Veränderungen zuzulassen. Dies wird sicherlich nicht einfach sein. Im Besonderen wenn man denken möchte, dass es schon irgendwie weitergehen wird.
Andererseits sollte man sich auch vor Augen führen, dass jeder von uns nicht so wichtig ist, wie man es fälschlicherweise manchmal denken mag. Die Schallwelle Preisverleihung dagegen ist es aber allemal.

Stefan Erbe

Bilder und weitere Infos zu Gewinnern etc. findet ihr hier: www.schallwelle-preis.de

 

Donnerstag, 17. März 2022

Thomas Fanger ist am 2. März 2022 mit nur 59 Jahren verstorben.
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Mitten aus der Arbeit wurde er abberufen. Videos für die Industrie, Städte und Sportvereine, so zum Beispiel der Eishockeyverein Schwenninger Wild Wings, waren seine hauptberufliche Tätigkeit. Seine große Leidenschaft galt daneben der elektronisch erzeugten Musik. Zahlreiche Veröffentlichungen unter Projektnamen wie Amorph, Fanger & Siebert, Fanger & Kersten, Mind  ̴ Flux aber auch als Solist und schließlich unter Fanger & Schönwälder, auf drei CDs unterstützt durch Lutz „Lüül“ Graf-Ulbrich, legen Zeugnis über sein kreatives Schaffen ab. Er sprudelte förmlich vor Ideen. Jedes Brainstorming mit ihm war ein Quell der Freude und Inspiration. Seine Kreativität war ansteckend … im positivsten Sinne.

Ich habe Thomas Fanger Ende der Neunziger Jahre in Berlin kennengelernt. Mind ̴ Flux waren in der Trance-Szene gerade angesagt. Vom ersten Tag an stimmt die Chemie zwischen uns. Er war der musikalische B̴egleiter, aber auch ein feiner Kerl und guter Freund, mit dem man vieles unternehmen konnte. Ja, man wollte es auch noch weiterhin so halten. Die Ideen gingen uns nicht aus. Eine siebente CD der Reihe Analog Overdose war unser Plan.

Thomas Fanger war es, der mir zu einer Fahrt auf einem Wagen bei der Love Parade in Berlin verhalf. Unvergessen wird dieser Tag im Tiergarten bleiben. Er war es, mit dem ich in Montana in einem Holzhaus saß, ein Panoramafenster mit Blick auf die Berge der Umgebung, mit kleinem Equipment musizierend. Ein Konzert in Pomona (Los Angeles). Konzerte in einem leeren Schwimmbad (im Becken), zur Einweihung von Liquid Sound im Berliner Tempodrom. Das alles und vieles mehr werde ich immer in meinen Erinnerungen bewahren.

Zuletzt arbeitete er an einem Fanger & Schönwälder Track für die demnächst erscheinende CD „Manikin Records Third Decade“. Wenn ich diesen Track heute beim Schreiben dieser Zeilen anhöre, habe ich das Gefühl, dass es der Nachruf in Tönen ist. „Immer weiter“ ist der Titel des letzten Tracks auf der CD, der zugleich der letzte Track von Fanger & Schönwälder (feat. Lutz Graf-Ulbrich) bleiben wird. Er war anders gedacht und hat nun seine andere Bedeutung bekommen.

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„Thomas Fanger hat die Musikinstrumente für immer niedergelegt“. Unter welcher „kosmischen Adresse“ du jetzt erreichbar sein magst: Ich wünsche Dir, dass Du dort den Groove für die Ewigkeit findest.

(Mario Schönwälder, Lutz Graf-Ulbrich, Thomas Fanger. Foto Marika Fanger)

In Stille, aber voller schöner Erinnerungen, Mario Schönwälder
Berlin im März 2022


engl..
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Obituary for a friend
Thomas Fanger passed away on 2 March 2022 at the age of only 59.
He was recalled in the middle of his work. Videos for industry, cities and sports clubs, such as the Schwenninger Wild Wings ice hockey club, were his full-time occupation. In addition, his great passion was electronically generated music. Numerous releases under project names such as Amorph, Fanger & Siebert, Fanger & Kersten, Mind ̴ Flux but also as a soloist and finally under Fanger & Schönwälder, supported on three CDs by Lutz "Lüül" Graf-Ulbrich, bear witness to his creative work. He was literally bubbling over with ideas. Every brainstorming session with him was a source of joy and inspiration. His creativity was contagious ... in the most positive sense.
I met Thomas Fanger in Berlin at the end of the nineties. Mind ̴ Flux were hip in the trance scene at the time. From the first day on, we had great chemistry. He was the musical B̴egleiter, but also a fine guy and good friend with whom you could do many things. Yes, we wanted to keep it that way. We didn't run out of ideas. A seventh CD in the Analog Overdose series was our plan.
It was Thomas Fanger who helped me get a ride on a float at the Love Parade in Berlin. That day in the Tiergarten will remain unforgotten. It was he with whom I sat in a wooden house in Montana, a panoramic window overlooking the surrounding mountains, making music with small equipment. A concert in Pomona (Los Angeles). Concerts in an empty swimming pool (in the pool), for the inauguration of Liquid Sound in the Berlin Tempodrom. All this and much more I will always keep in my memories.
Most recently, he worked on a Fanger & Schönwälder track for the forthcoming CD "Manikin Records Third Decade". Listening to that track today as I write these lines, I feel like it's the obituary in sounds. "Immer weiter" is the title of the last track on the CD, which will also remain the last track by Fanger & Schönwälder (feat. Lutz Graf-Ulbrich). It was intended differently and has now taken on its other meaning.
"Thomas Fanger has laid down his musical instruments forever". Under whatever "cosmic address" you may be reachable now: I wish you to find the groove for eternity there.
In silence, but full of beautiful memories, Mario Schönwälder
Berlin, March 2022
Sonntag, 13. März 2022

Zum Jubiläum vom Manikin sprachen wir mit Mario. Viel Interessantes zu Berliner Szene, BKS und Ausblicke was noch  kommen wird.

interview mario

Donnerstag, 06. Januar 2022

sylviav2s(engl. below)

(Update: 10.01. FB-Erinnerungsarchiv eingerichtet siehe https://www.facebook.com/In-Erinnerung-an-Sylvia-Sommerfeld-104381255472323)

Wer als Liebhaber der traditionellen elektronischen Musik die vergangenen Jahrzehnte aktiv begleitet hat, wird irgendwann unweigerlich auf den Namen von Sylvia Sommerfeld gestoßen sein. Entweder bei einer der zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen, die sie als Vorsitzende und Macherin des schallwende e.v. veranstaltet hat oder auch als Radio-Moderatorin, sowie als Host und Organisatorin des Schallwelle-Preises. Ihre Liebe zu dieser Musik, deren Musiker*innen, Fans und Freunden war über die vielen Jahrzehnte eines ihrer wesentlichen Lebenselixire und hinterlässt nach ihrem Tod nicht nur ein sehr bedeutsames Lebenswerk, sondern auch eine große Lücke.

Sylvias Begeisterung, ihr Wille und ihre Beständigkeit, sich für die vielen musikalischen Dinge einzusetzen, sind beispiellos. Die unzähligen Stunden, die sie für das Genre der EM aufgebracht hat, haben nicht nur vielen Musiker*innen zur Popularitätssteigerung verholfen, sondern dienten dabei immer auch als Basis, die Tradition, deutsche und europäische Musik-Kultur zu fördern. Als legitimer Nachfolger hat sich der schallwende e.v. um die Verdienste früherer Instanzen wie z.B. die Radio- Sendung Schwingungen gekümmert und damit sichergestellt, dass es seit den späten 90er Jahren eine feste Anlaufadresse gibt, die diese Musik nicht nur aufrecht erhält, sondern weiterführt.

Ihre unkonventionelle und sehr authentische Art Menschen zu begegnen, sie für gemeinsame Projekte zu gewinnen und stets dabei ein Auge für ein positives Miteinander zu besitzen, haben ihr zu vielen Freundschaften verholfen. Ich glaube, es gibt keine Person aus dem Kreis der traditionellen elektronischen Musik, mit der Sylvia keinen Kontakt in den letzten 20 Jahren hatte. Bewundernswert war auch immer ihr Glaube an sich und ihr Umfeld und dass es keine Ziele gab, die man nicht auch umsetzen kann. Ich erinnere mich an die erste gemeinsame Planung des Megaprojektes der Schallwelle-Preisverleihung. Ein "das ist nicht möglich" oder " wie soll das funktionieren" kam niemals über ihre Lippen. Stattdessen erzeugte ihr Kreativitätsoutput alternative Optionen, es wurde über Plan-B nachgedacht oder sonstwie die Hindernisse überwunden. Ihre große Kunst sich immer auch Unterstützung zu holen, wenn es keine eigene Lösung gab, zeugten von besonderer Stärke und Weitsicht.

Sylvia hat oft über ihre Motivationen gesprochen und war dabei sehr klar und direkt. Für sie stand immer der Gedanke im Vordergrund, unbekannten und förderungswürdigen Künstler*innen ein Forum zu bieten. Dabei gab es aber auch Widerstände und Kritik von vermeindlich gestandenen Musikern und anderen "Größen", die entweder einseitige Unterstützung einforderten oder sich despektierlich über sie oder den Verein äußerten. Hierzu kann man nur sagen, dass sie alle das Prinzip der Solidariät und das gegenseitige Geben und Nehmen der Gemeinsschaft des Vereines und des damit verbundenen Grundgedankens nicht verstanden haben. Wahrscheinlich ist es auch gut so, dass sie schallwende letztendlich fernblieben, denn so störte sie niemand bei deren Umkreisung des eigenen Ego-Universums.
Sylvia hat sich dadurch nicht von ihrem Weg abbringen lassen, obwohl es auch mal Zweifel und Frust gab. Aber immer wieder zeigte sich, dass ihre großartige und uneigennützige Arbeit soviel Unterstützung fand, dass es auch in schwierigen Zeiten unzählige Stimmen gab, die sie stärkten.
Denn Sylvias Handeln war immer von einer sozialen positiven Komponente begleitet und jeder aus ihrem Umfeld wusste, dass man sich auf ihr Wort verlassen kann.
Weder wirtschaftliche Aspekte, private Vorteile oder sonstige Vergünstigungen haben jemals eine Rolle gespielt, denn nichts war ihr wichtiger, als diese Gemeinschaft aus Freunden mit denen man eine Leidenschaft teilen kann. Sicherlich gab es Möglichkeiten, die Arbeit und den schallwende e.v. auf höhere Ziele ausrichten zu können, vielleicht mehr Mitglieder zu akquirieren und mehr Vereins-Umsatz zu generieren. Dies hätte aber den Zusammenhalt nicht gefördert und die Idee, Musik mit einer starken sozialen Komponente zu verbinden, in Frage gestellt. Ihre Ansicht, dass das Genre der "EM" independent ist und auch immer bleiben wird, passte zu 100% zu der Art, wie sie die Dinge umgesetzt hat.
Aber es ist eben auch ein Verdienst, seine Grenzen zu kennen und die Dinge kontinuierlich darin fortzuführen, als möglicherweise im Streben nach höher, weiter und schneller zu scheitern.
Das Ergebnis sehen wir noch immer; auch heute noch. Ihre Arbeit hat in vielfältigster Weise Wirkung gezeigt und verbindet sich mit vielen Entwicklungen diverser Künstler*innen. Etliche von ihnen beziehen sich auf Ereignisse und Begegnungen mit Sylvia und das diese Türen und Möglichkeiten geöffnet haben. Sei es beispielsweise als gewählter Newcomer, eingeladener Konzertneuling oder als Objekt ihrer unnachahmlichen Rezensionsbetrachtungen im gedruckten Fanzine des Vereines. Auch ihre unwiderstehliche Art und Weise auf der Bühne etwas zum nächsten Künstler zu erzählen, ihre unverstellten Worte im Vorwort des schalldrucks zu lesen oder sich an die Farbenpracht ihrer textilen Auswahl zu erinnern, verbildlichen sie uns als charakterliches Gesamtkunstwerk.

Sylvias Verlust ist aber eben nicht nur der Verlust einer musikalischen Instanz. Nein, es ist vielmehr der Mensch, der uns in den vielen Begegnungen aufgezeigt hat, wie wichtig der ehrliche und authentische Austausch ist, wie klug und förderlich es ist, soziale Bindungen zu pflegen und nicht zu vergessen, woher man kommt. Sylvias unermütliche Eigenschaft, Freunde mit kleinen unerwarteten Geschenken bzw. Aufmerksamkeiten zu überraschen, erscheint mir gerade jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, das treffendste Beispiel zu sein.
Dass sie eigentlich immer erst an andere dachte, erschließt sich auch darin, dass sie fast nie über den eigenen Gesundheitszustand lamentierte. Im Gegenteil, die erste Frage galt immer dem Zustand des Gegenübers und wie es einem gehen würde. Dass sie über viele Jahre immer wieder gesundheitliche Rückschläge erleiden musste, nahm sie beinahe klaglos hin und störte sich eher an der wenigen Zeit, die für die schallwende-Arbeit zur Verfügung stand. Selbst in den letzten Wochen ihres Lebens verfasste sie noch Texte für Newsletter und die regelmäßigen Infos, die verschickt werden mussten.

Natürlich wird es niemals möglich sein, Sylvias Wirken und ihr Vermächtnis zu ersetzen. Aber vieles davon wird für immer bleiben und mit ihrem Namen verbunden sein. Die musikalische Epoche der traditionellen elektronischen Musik -zwischen Ende der 90er und heute- hat sie deutlich mitgeprägt. Es gibt nicht viele generationsübergreifende Namen, die als Nicht-Musiker mit dem Begriff "EM" in eine bedeutsame Verbindung gebracht werden können. Sylvias Name gehört aber schon lange dazu. Ich kenne niemanden, der diese Musik mehr geliebt hat als sie.

Ich hoffe sehr, dass sie uns noch lange in Erinnerung bleibt, ihre Wünsche und Träume eine andere Form der Fortführung finden und wir nicht vergessen werden, warum es sich so sehr lohnt, seine Kraft und Liebe in eine lohnenswerte Sache zu investieren.

Ich verneige mich voller Respekt und hoffe, dass mir viele von Euch gedanklich folgen.
Sylvia wir werden Dich sehr vermissen.

Stefan Erbe

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A Life for Music -In Memory of Sylvia Sommerfeld

Anyone who has actively accompanied the past decades as a lover of traditional electronic music will inevitably have come across the name of Sylvia Sommerfeld at some point. Either at one of the numerous actions and events she organized as chairwoman and doer of schallwende e.v. or as radio presenter, as well as host and organizer of the Schallwelle award. Her love for this music, its musicians, fans and friends was over the many decades one of her essential life elixirs and leaves after her death not only a very significant life's work, but also a big gap.
Sylvia's enthusiasm, will and constancy of dedication to the many things musical are unparalleled. The countless hours she has devoted to the genre of EM have not only helped many musicians increase their popularity, but have also always served as a basis for promoting the tradition of German and European musical culture. As a legitimate successor, schallwende e.v. has taken care of the merits of earlier instances, such as the radio show Schwingungen, and thus ensured that since the late 1990s there has been a permanent contact point that not only maintains this music, but continues it.
Her unconventional and very authentic way of meeting people, winning them over for joint projects and always keeping an eye out for positive interaction have helped her to make many friends. I don't think there is a person from the circle of this traditional electronic music with whom Sylvia has not had contact in the last 20 years. Admirable was also always her belief in herself and her environment and that there were no goals that could not be achieved. I remember the first time we planned together the mega-project of the schallwelle-award ceremony. A "that's not possible" or " how is this going to work" never crossed her lips. Instead, her creative output generated alternative options, a Plan-B was considered, or otherwise the obstacles were overcome. Her great art of always getting support when there was no solution of her own was a testament to her special strength and foresight.
Sylvia often talked about her motivations and was very clear and direct. For her, the idea of offering a forum to unknown artists worthy of support was always in the foreground. However, there was also resistance and criticism from supposedly "established" musicians and other "great person" who either demanded one-sided support or made disparaging remarks about her or the association. To this one can say only that they all did not understand the principle of the solidarity and the mutual "giving and taking" of the community of the schallwende association and the associated basic idea. Probably it is also good in such a way that they remained schallwende club finally far away, because so nobody disturbed them with their living of their own "ego universe".

Sylvia did not let this deter her from her path, although there were also doubts and frustration at times. But again and again it became apparent that her great and unselfish work found so much support that even in difficult times there were countless voices that strengthened her.
Because Sylvia's actions were always accompanied by a socially positive component and everyone from her environment knew that her word could be relied upon.
Neither economic aspects, private benefits or other perks have ever played a role, because nothing was more important to her than this community of friends with whom you can share a passion. Certainly there were possibilities to direct the work and the schallwende e.v. to higher goals, perhaps to acquire more members and to generate more association turnover. However, this would not have promoted cohesion and would have called into question the idea of combining music with a strong social component. Her view that the genre of "EM" is and will always be independent was 100% in line with the way she did things.
But there is just merit in knowing one's limits and continuing things continuously within them than possibly failing in the pursuit of higher, further and faster.
We still see the result; even today. Their work has had an impact in many different ways and connects to many developments of diverse artists. Many of them refer to events and encounters with Sylvia and that these have opened doors and possibilities. Be it, for example, as a chosen newcomer, invited concert newcomer or as the object of her inimitable reviews in the printed fanzine of the association. Also her irresistible way of telling something about the next artist on stage, reading her undisguised words in the foreword of the schalldrucks or remembering the colorfulness of her textile selection, visualize her to us as a total work of art in character.
But Sylvia's loss is not only the loss of a musical entity. No, it is rather the person who, in the many encounters, showed us how important honest and authentic exchange is, how wise and beneficial it is to cultivate social ties and not to forget where you comes from. Sylvia's tireless characteristic of surprising friends with small unexpected gifts or attentions seems to me to be the most fitting example just now as I write these lines.
The fact that she always thought of others first can also be seen in the fact that she almost never complained about her own state of health. On the contrary, the first question was always about the condition of the other person and how one was doing. The fact that she had to suffer repeated health setbacks over many years was something she accepted almost without complaint, and was more bothered by the little time available for schallwende's work. Even in the last weeks of her life, she still wrote texts for the newsletters that had to be sent out.
Of course, it will never be possible to replace Sylvia's work and her legacy. But much of it will remain forever and be associated with her name. The musical epoch of traditional electronic music
-between the end of the 90s and today- she clearly helped shape. There are not many cross-generational names that can be meaningfully associated with the term "EM" as a non-musician. Sylvia's name, however, has long been one of them. I don't know anyone who loved this music more than she did.
I sincerely hope that she will be remembered for a long time to come, that her wishes and dreams will find another form of continuation, and that we will not forget why it is so worthwhile to invest one's energy and love in a worthwhile cause.
I bow down with respect and hope that many of you follow me in thought.
Sylvia we will miss you very much.

Stefan Erbe

Sonntag, 02. Januar 2022

hello 2022

Alfred Arnold und Stefan Erbe befragten Martin Stürtzer zur neuen Kategorie zur kommenden Schallwelle-Preisverleihung und berichten außerdem über die Ereignisse am 30.12. auf dem Hello-Konzert im Planetarium Bochum. 

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