Berichte

Sonntag, 19. September 2021

Wenn ich hier die Erkenntnis zum Besten gebe, dass Live-Events trotz nicht mehr ganz so Corona-schwarzer Zeiten immer noch ein schwieriges Metier sind, dann werden die Veranstalter mir wohl mit gequältem Lächeln beipflichten: Es ist zwar nicht mehr völlig unmöglich, aber Beschränkungen und Regeln machen das Leben immer noch schwer. In Solingen hatten Norbert Sarrazin und seine Kunstraum-Truppe diese geschickt interpretiert, indem man Klaus Buntrock nicht in, sondern vor den Güterhallen spielen ließ und das ganze als "Strassenmusik" deklarierte. Der Nachteil bei der Sache: Publikum, Musiker und besonders deren Instrumente sind den Launen des Wettergottes ausgesetzt, und in dieser Hinsicht hat August 2021 sich als ein besonders unbeständiger Geselle herausgestellt. Für den 22.8. sollte die Sommer-Picknick-Reihe mit Stefan Erbe eine Fortsetzung finden, nur leider legten alle Wetterberichte nahe, dass dieses Unterfangen zum Scheitern verurteilt sein würde. Umso ärgerlicher war es, als sich der August an besagtem Sonntag-Nachmittag dann ausnahmsweise doch einmal von seiner trockenen und warmen Seite zeigte.

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Sonntag, 25. Juli 2021

Anderthalb Jahre Pandemie und Lockdown lassen viele Erinnerungen wie durch eine Milchglassscheibe verblassen. Wenn ich mich recht entsinne, war eines der letzten Events, über das ich berichtet hatte, bevor das Corona-Unheil über die Szene herein brach, im Januar letzten Jahres in Solingen. So ist es durchaus bemerkenswert, dass just in den Solinger Güterhallen diese trübe Zeit (vorerst) ihr Ende findet. Norbert Sarrazin und seine Mitstreiter haben sich eine Event-Form ausgedacht, die den ersten, vorsichtig tastenden Schritten aus der Zwangspause angemessen ist.

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Sonntag, 06. Dezember 2020

Nehmen wir einmal an, in ein paar Jahren ist die Covid-Pandemie Geschichte und das Leben wieder einigermaßen in seine normalen Bahnen zurückgekehrt. An was werden wir uns aus dieser Zeit besonders erinnern? In der EM-Szene sicher an diejenigen, die nicht die Flinte ins Korn geworfen haben und das möglich gemacht haben, was gerade eben noch möglich war. Martin Stürtzer aus Wuppertal wird für mich auf dieser Liste sicher ganz weit oben stehen. Nicht nur hat er Dutzende "Stay at Home" Konzerte aus seinem heimischen Studio in die Welt gestreamt, auch besitzt er den Mut, in einer Zeit anziehender Fallzahlen das im Frühjahr ausgefallene und auf Oktober verschobene "Phobos XI" durchzuziehen. Recht früh schon musste er von der Sophienkirche in die größere Immanuelskirche umziehen, um ein den sich ständig verschärfenden Richtlinien genügendes Hygiene-Konzept umsetzen zu können. Zu dem amüsanteren Anekdoten dabei gehört die Ankündigung, das vor zehn Jahren erlassene Gasmasken-Verbot aufzuheben - die durchgängig bestehende Maskenpflicht lässt sich mit so einer 'Bedeckung' aber ohnehin nicht erfüllen.

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Samstag, 19. September 2020

Ein gutes halbes Jahr ist es her, dass ich zum letzten Mal Live-Musik gesehen habe, dann kam der Corona-Lockdown und eine Veranstaltung nach der anderen wurde abgesagt oder verschoben. Auch für Detlef Keller wurde es in diesen Monaten zur traurigen Routine, Donnerstag abends in seiner Radio-Sendung "Ad Libitum" wieder mal nur verkünden zu können, was alles nicht stattfindet.

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Samstag, 28. März 2020

Im letzten Jahr hatte sich das Solinger Künstlerpack eine kleine Auszeit genommen - ausnahmsweise einmal keines jener Festivals, die elektronische Musik mit Kunstausstellungen verbinden. Auch das Doppelkonzert mit Michael Brückner und Sequentia Legenda im letzten Herbst musste ich auslassen, man kann leider nicht an einem Abend gleichzeitig an zwei Orten sein. So wurde 2019 zu einem eher ungewöhnlichen Jahre, in denen mich der Weg nicht zu den Güterhallen am Solinger Westpark geführt hat. So wie der Zufall spielt, führt mich aber in 2020 der erste Weg ausgerechnet zu einem Konzert genau an diesen Ort - "Space" heißt das Motto in den Solinger Güterhallen. Wie steht es um sie? Sie sind immer noch da, aber weil gerade in der Kunst Veränderung die einzige Konstante ist, gestalten sie sich immer neu: Hier und dort hat eine Galerie ihren Namen geändert, und die draußen ausgestellten Kunstwerke, die man vielleicht bewusst der Witterung und damit dem Verfall aussetzt, sind andere. Es ist eben ein Ort für Kreative Köpfe, wo immer neues ausprobiert wird.

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Dienstag, 03. März 2020

Als die Nachricht im letzten Jahr erschien, Christopher von Deylen startet eine Solo-Tournee in 2020, hat sicherlich so mancher Schiller-Fan gerätselt, ob es jetzt eine reine Einlassmusik-Show oder eine Club-Abtanzparty wird.

ChrisvD


Ich habe CvD im Kölner Club „Bahnhof Ehrenfeld“ gesehen, mit mir ca. 500 stehende Gäste und beim Blick auf die spartanisch ausgestattete Bühne ahnte wirklich niemand was da jetzt auf uns zukommt. Nach dem Motto „was kümmert mich die Vergangenheit“ begegnen wir einen äußerst redefreudigen Christopher von Deylen. Sympathisch wie und je erklärt der dem Publikum seine Ambitionen für das Klavierspiel - und was man damit alles so machen kann. Die Kombination Klavier und Electronic-Equipment beherrscht der Künstler meisterlich. Es entsteht ein Klangspektrum von unvorstellbarer Weite und Größe. Jeder Song ist völlig neu. Jeder Song entwickelt eine hypnotische Magie. Der Meister webt dräuende Klangteppiche, streut metallisch-harte Rhythmen hinzu und verziert mit melodischen Hooklines auf dem Klavier eine bombastische Soundlandschaft, die immer weiter in entfernte Dimensionen driftet. Sozusagen malerische „Einlassmusik“ mit Biss. Um der Atmosphäre eines Clubs gerecht zu werden, erhöht der Meister mit zunehmender Konzertdauer die bpm-Anzahl, was allerdings in keinster Weise den Genuss eines CvD-Solo-Konzerts mindern wird. Die zweistündige Show ist ein Höhepunkt in meiner langjährigen, üppig bestückten Konzertliste diverser Künstler. Christopher von Deylen hat mal wieder eine nahezu unerreichbare Genialität bewiesen. Wenn er vogelfrei und ungehemmt loslegen darf, keine Grenzen ihn hindern um in immer höher, immer entferntere Klangwelten vorzudringen, dann ist es gut – für ihn und für uns Zuhörer sowieso.

Will Lücken

Montag, 17. Februar 2020

Phil Booth gehört mit seinen Awakenings-Events zu den rührigsten Personen der britischen EM-Szene. Knapp ein halbes Dutzend Mal im Jahr gibt er Musikern in Rugeley eine Möglichkeit, in intimem Rahmen Konzerte zu geben oder Dinge auszuprobieren - ob es eher Konzerte oder musikalische Workshops mit Publikum sind, liegt dabei im Auge des Betrachters.

Die "Awakenings" sind aber nicht der einzige Grund, den Blick des öfteren auf die "Lea Hall" in Rugeley zu werfen: Zweimal im Jahr veranstaltet Martyn Greenwood, seit seinem CD-Erstling einem größeren Kreis als "Concept Devices" bekannt, an gleicher Stelle ein Event mit ähnlichem Konzept. Der Jahreszeit angemessen heißen diese "Snow Bawl" und "Summer Bawl".

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Sonntag, 05. Januar 2020

Es soll Menschen geben, die die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr eher als "Feier-Stress" denn als besinnlichen Ausklang des Jahres empfinden. Nicht nur für solche Zeitgenossen empfiehlt es sich, ein Ticket für das traditionelle "Hello"-Konzert im Bochumer Planetarium zu erwerben. Hier kann man sich einen Tag vor den Silvester-Feiern einmal richtig verwöhnen lassen: Einfach den Sessel im Kuppelrund in einen bequeme Position bringen und das genießen, was sich vor Auge und Ohr ausbreitet. Für die Bilder zeichnet wie immer Klaus-Dieter Unger verantwortlich, und das, was von der Bühne erklingt, organisiert der Schallwende-Verein.

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