Berichte

Ein Berggipfel ist der richtige Ort, den Blick in alle Richtungen schweifen zu lassen. Im übertragenen Sinne gesehen, hatte Stefan Erbe mit der Sternwarte Hagen den perfekten Ort gewählt, mit "Spaceworks 2018" auf sein musikalische Schaffen der vergangenen Jahre zurückzublicken, und gleichzeitig eine Ausblick auf das zu gewähren, was in den nächsten Monaten von ihm zu erwarten sein wird.

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Mitten im eher ereignisarmen August tauchte auf dem Event-Kalender von EMpulsiv "Controled Voltage" auf. Hinter diesem Titel versteckte sich ein Konzert von Uwe Rotluff alias WellenVorm. Uwe wohnt und arbeitet aus Chemnitz, ein Konzert hier bei uns "im Westen" ist für ihn also schon mit einer größeren Anreise verbunden und etwas besonderes. Durch sein zweites Album "Petrified Forest" war ich auf seinen ganz eigenen Stil aufmerksam geworden, live hatte ich ihn bisher aber noch nicht gesehen - das war jetzt die Gelegenheit.

Die zweite Überraschung war der Veranstaltungsort: Das Konzert sollte in Ahlen stattfinden, aber nicht wie die Scheunenparty bei Bernd Glanemann auf dem Bauernhof, sondern in der ehemaligen Maschinenhalle der Zeche Westfalen. Auch in dieser Gegend gibt es Bergwerke, deren Gebäude nach Ende des Bergbaus nicht dem Erdboden gleichgemacht wurden, sondern mit neuen Inhalten gefüllt wurden.

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Stefan Erbe hat seine "Sound of Sky"-Shows im Bochumer Planetarium nach einem Jahr Pause wieder aufgenommen, aber die Zahl der Shows pro Jahr reduziert. Rechnet man die Konzerte mit ATB nicht hinzu, ist es heute der zweite von drei Terminen in diesem Jahr, und als Thema steht "Enigma" auf dem Programm. Enigma ist ein Projekt von Michael Cretu, und für den "Hardcore-EM-Fan" ein vielleicht etwas abseitiges Thema. Ich selber kannte Michael viele Jahre nur als Produzent im Hintergrund, z. B. von Sandra in den 80er-Jahren, als Enigma war er erst vor gut anderthalb Jahren auf meinem Schirm aufgetaucht, als "The Fall of A Rebel Angel" es bei der Schallwelle-Preisverleihung unter die besten zehn Alben des Jahres geschafft hatte. Ich hatte also wenig bis gar keine Ideen dazu, was mich an diesem Abend erwarten würde.

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Winnies Schwingungen-Party ist seit vielen Jahren ein fester Termin im Kalender des EM-Fans. Es hat zwar nicht jedes Jahr geklappt, in Winnies Garten im Hamm EM-Konzerte im entspannten Rahmen eines Grillfests zu organisieren, aber die Erwartung der Fans ist doch inzwischen so hoch, dass das Team um Frank Gerber, Hans-Herrmann Hess und Co. sich um einen Ersatz bemüht hat, als Winnie ankündigte, sich für dieses Jahr mal eine "Auszeit" zu nehmen. Eine andere Location musste her, an der sich einerseits eine kleine Bühne realisieren lässt, und die andererseits genug Platz für eine knapp dreistellige Zahl an Gästen sowie die Zelte bietet. Die konnte gefunden werden, bei Bernd Glanemann auf dem Hof gibt es eine Scheune, und Platz ist rund um den Hof soviel wie man will. So war die Idee zur "Scheunenparty" geboren, mit dem gleichen Konzept wie bei Winnie, aber an einem neuen Ort.

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Gelegentlich sollte es sich der EM-Fan auch einmal leisten, etwas weiter ins Ausland zu einem Konzert oder Festival zu fahren. Man sieht und hört dort nicht nur Musiker, die selten oder gar nicht in Deutschland auftreten, es bietet vor allem die Gelegenheit, Kontakte zu EM-Fans im Ausland zu knüpfen. Im letzten Jahr war ich zu einem der Awakenings-Events in Rugeley gefahren, für dieses Jahr hatte ich mir das E-Scape Festival ausgesucht. E-Scape ist vor ein paar Jahren von David Wright aus der Taufe gehoben worden, der sowohl selber als Musiker aktiv ist als auch das AD Music Label betreibt. Man kann es als Nachfolger des "Bungay Bash" sehen, und Halesworth, wo die Halle "The Cut" steht, ist auch nicht weit von Bungay entfernt.

Ähnlich wie bei "Awakenings" gibt es auch die Option eines virtuellen Tickets, d. h. man erhält einen vollständige Konzert-Mitschnitt als Download oder auf USB-Stick, egal ob man selber an diesem Abend anwesend war oder nicht. In den beiden vorigen Jahren hatte ich davon Gebrauch gemacht, aber dieses Jahr wollte ich physisch dabei sein.

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Ein Festival, das jedes Jahr stattfindet, ist eine schöne Sache. Zwei Festivals, von denen eines in der "Frühjahrs-Saison" liegt und eines nach der Sommerpause im Herbst, sind aber noch besser. Ron Boots setzt dieses Prinzip seit vielen Jahren mit seinem E-Day und E-Live in Oirschot um, und auch der belgischen Elektronik-Szene ist es seit einigen Jahren gelungen, zwei Veranstaltungen pro Jahr zu etablieren. Zwar haben "B-Wave" im Spätherbst und "Cosmic Nights" im Frühling gänzlich andere Namen und auch einen anderen Schwerpunkt, im Hintergrund sind aber zum Teil die gleichen Organisatoren am Werk.

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Hatte der Dampfer "Tangerine Dream" durch Edgar Froeses Tod vor drei Jahren eine Vollbremsung hinlegen müssen, so hat er inzwischen wieder Kurs und Fahrt aufgenommen. Das Trio aus Thorsten Quaeschning, Hoshiko Yamane und Ulrich Schnauss wird von den Fans als würdige Fortführung des Projekts angenommen, ein gutes Dutzend Konzerte an den verschiedensten Orten in diesem Jahr sind ein Beleg dafür. Auch wenn man mir nachsagt, ich würde überall hinfahren, ein solches Pensum schaffe ich nicht, alleine aus zeitlichen Gründen. Als Tangerine Dream im letzten Monat in Dresden spielte, war das am gleichen Tag bei Sound of Sky in Bochum. Man muss sich für das eine oder andere entscheiden, und die Entfernung spielt dabei sicher auch eine Rolle.

Was schreibt man über über ein Event, das es schon seit einigen Jahren gibt und das man fast ebenso lange besucht, ohne sich zu wiederholen? Dass es jedes Jahr doch wieder etwas einzigartiges ist und sich nur im Ort und Zeitpunkt, aber eben nicht im Inhalt wiederholt. Stefan Erbes (Mini-)Konzerte auf der Essener Astronomie-Börse sind schon eine Tradition: Ein Gymnasium wird für einen Tag zu Europas größtem Marktplatz für alles, was der Hobby-Astronom braucht. Ein Kunstraum, in dem ansonsten gemalt und geformt wird, wird mit Leinwand, Lautsprechern und gut 40 Sitzplätzen zum Konzertsaal umgewidmet. Zwei über den Tag verteilte Konzerte gestatten es den Besuchern, das Thema "Weltall und Sterne" auch einmal aus einer musikalisch-künstlerischen Warte zu betrachten.

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