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Die erste Aufnahme-Session für das kommende Album "A-11" von Baltes und Erbe ist gerade zwei Wochen her. Vieles ist dabei schon gut gelaufen, aber das eine oder andere möchte man noch einmal versuchen, und wer weiß, vielleicht läuft es beim zweiten Mal noch besser? Dazu bietet sich heute die Gelegenheit, denn in Essen öffnet der ATT seine Türen, Europas größte Börse für alles, was der Hobbyastronom braucht - von Sternenkarten über Fernrohre bis zur kompletten Kuppel. Neben Fachvorträgen gibt es auch immer ein "Begleitprogramm", in dem zwei Konzerte von Stefan Erbe einen festen Platz haben. Es liegt auf der Hand, dass in diesem Jahr wieder Steve Baltes mit von der Partie ist, um weiteres Material für das kommende Baltes & Erbe-Album zu sammeln. Da Steve und Stefan nicht gerade "Tür an Tür" wohnen, müsste einer der beiden für Aufnahmen immer seine Geräte ins Studio des anderen verfrachten. Ein Live-Auftritt ist daher eine günstige Gelegenheit, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden.

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Wer in diesen Tagen die Elektromusikalische-Konzertlandschaft betrachtet, wird sicher auch über die vielen kommenden Arena-Tour-Termine von Schiller stolpern und sich gedanklich kopfnickend nicht mehr darüber wundern, dass sich Christoper von Deylen über die letzten 20 Jahre eine erstaunlich große Fanbase geschaffen hat. Dabei gilt dies mittlerweile nicht nur für den deutschen Raum, sondern auch für viele andere Länder und deren Events, wie z. B. vor ein paar Wochen in Moskau.

Selbst sein Ausflug in den Iran versammelte dort 30.000 Besucher und hinterließ ein besonderes Highlight, von dem er in diesem Interview berichten wird. Aber nicht nur seine Erzählungen von den vielen Reisen, sondern auch seine Ansichten, Meinungen und Vorstellungen bestätigen den Eindruck, dass hier jemand sehr genau weiß, was er tut und wie er dies alles umsetzen möchte. Sachlich, freundlich und beinahe unaufgeregt erklärt er seine Welt von Schiller, wie er über musikalische Kooperationen denkt und warum am Ende dann doch vieles wieder durch Zufälle entstanden ist. Schiller ist einer der wenigen Musiker, die auch mit traditioneller Elektronischer Musik einen Status erreicht haben, den sonst nur den ewig gestrigen Pionieren aus den 70ern und 80ern vorbehalten blieb. Beinahe vergisst man aber, dass van Deylen eben auch schon zwei Jahrzehnte erfolgreich die Fahne für ein Spartengenre hochhält, obwohl dieses in den kommerziellen Medien nie eine wesentliche Rolle gespielt hat. Sein Erfolgskonzept ist eben eine Mischung aus scheinbar vielen richtigen Entscheidungen und einer Musik, die zur richtigen Zeit den Nerv vieler Fans getroffen hat. Die Kooperation mit anderen namhaften Musikern und ein musikalischer Stil, der sehr viel Spielraum und Variationen zulässt, ist ebenfalls eine gelungene Strategie, um auch mal eine musikalische Gradwanderung erfolgreich zu absolvieren oder einen marktüblichen IDM-Song abzuliefern. Schiller ist immer dann besonders interessant, wenn er außergewöhnliche Sachen ausprobiert, Grenzen überschreitet oder sich an seine musikalischen Wurzeln erinnert. Sein neues Album ‚Morgenstund‘ ist sicher auch ein Kompromiss, um den vielen aktuellen Anforderungen des Musikmarktes gerecht zu werden. Es ist toll produziert mit vielen interessanten Synergien und bietet dabei auch wieder einige traditionelle Elemente.
Zum Interview besuchte ich ihn in einem eher ländlichen Nord-Ruhrgebiet-Probenstudio, welches er schon häufiger für seine Tour-Vorbereitungen genutzt hat. Neben einem sehr ausführlichen Gespräch ermöglichte er dort Einblicke in die Technik und performte mit seinen Tour-Mitmusikern einige Takte der kommenden Show. Wir nutzen eine einstündige Pause zum Interview und sprachen nicht nur über die letzen 20 Jahre, die kommenden Konzerte und das Album, sondern auch über sein Nomaden-Dasein und natürlich über Technik.

Ein Jahr Live-Pause hatten Steve Baltes und Stefan Erbe sich verordnet, und bis auf einen kurzfristig eingeschobenen Gig auf E-Live haben sie das auch durchgehalten. Wer in Oirschot dabei war und den ersten Track ihres Konzerts nicht erkannt hat: konnte man gar nicht, das war bereits eine Idee, wie das kommende Album aussehen könnte.

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Wie lange ist es jetzt eigentlich her, dass ich zum ersten Mal nach Oirschot gefahren bin? Ich erinnere mich gar nicht mehr genau, aber ein Jahrzehnt könnte es schon bald her sein. Der E-Day im Frühjahr und E-Live im Herbst waren all die Jahre fast so unverrückbare Termine im Kalender wie Ostern und Weihnachten. Seit einem knappen Jahr konnte man aber zumindest nicht mehr sicher sein, ob sie weiter in "De Enck" stattfinden würden, nachdem eine Schließung des Kulturzentrums im Raum stand. Der Stadtrat von Oirschot hatte nach Protesten und einer Unterschriften-Aktion im letzten Jahr noch einmal einen Aufschub bis Ende der Theatersaison 2018/2019 gewährt. Es konnte also gut sein, dass es zum letzten Mal sein würde, als ich ich am Mittag des 6. April 2019 "De Loop 67, Oirschot" als Ziel ins Navi eintippte. Ron Boots hatte sich im Vorfeld noch nicht zur weiteren Zukunft geäußert, außer dass er wohl Alternativen in der Hinterhand hätte, aber am liebsten in "De Enck" bleiben möchte.

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Manchmal fallen Termine interessant zusammen, und man hat die Möglichkeit, am Freitag, am Samstag und auch am Sonntag zu einem Konzert zu fahren. Ein besonderer Zufall ist es dazu, wenn alle drei in einer Kirche stattfinden. Just an dem Wochenende, an dem in Repelen die Konzerte in der Dorfkirche über die Bühne gingen, spielt auch Bernd Scholl in der Heilig-Geist-Kirche in Erkrath. Das hat seit Jahren Tradition, nur eigentlich zu einer anderen Jahreszeit, nämlich im November. Terminliche Probleme haben dieses Mal dafür gesorgt, dass die eigentlich für 2018 geplante Auflage in den März 2019 gewandert ist. Passend zum bevorstehenden Frühlings-Anfang heißt das Motto dieses Mal "Call of the Spring", und sein neues Album "One Earth - One Sky" hat Bernd auch gleich mitgebracht. Die Kirche wird zwar nicht voll, ist aber immer noch gut besucht - gut genug, dass Bernd von seinem neuen Album nicht genug Exemplare dabei hat, um die Nachfrage zu befriedigen. Wer leer ausgegangen ist, schreibt seinen Namen auf eine Liste und bekommt die CD per Post in der kommenden Woche.

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Es ist Freitag Nachmittag, fünf Uhr: Alle unangenehmen Probleme, die das Wochenende verderben könnten, sind abgearbeitet, der obligatorische Wochen-Report an den Chef ist geschrieben. Jetzt noch schnell den Rechner herunter fahren, Fiona einpacken und weg bin ich. Aber dieser Freitag ist anders als die übrigen, denn es geht nicht nach Hause. Stattdessen geht es auf die A44 Richtung Norden, und das Ziel ist - wie immer einmal im Jahr - die Dorfkirche in Repelen. Schon seit vielen Jahren geht das alljährliche Konzert von Broekhuis, Keller & Schönwälder über zwei Tage, so dass der Weg am Freitag direkt vom Schreibtisch in die Kirche führt. Die Staus auf dem Weg nach Repelen halten sich heute in Grenzen, nur das Wetter versucht, sich mir mit Macht in den Weg zu stellen. Offensichtlich will der Regengott in diesen Wochen alles nachholen, was er im letzten Sommer vergessen hat - damit auf einer deutschen Autobahn freiwillig Tempo 80 gefahren wird, muss schon einiges passieren. Unter dem Strich habe ich aber doch noch genug Reserve, dass noch Zeit für einen Snack in der Imbissbude um die Ecke - Einlass ist erst um sieben Uhr. Diese Imbissbude, auch wenn ihr Betreiber alle paar Jahre wechselt, ist fast auch schon Teil der Repelener Tradition: Nicht selten trifft man dort den einen oder andere Bekannten aus der Szene, und ab und zu auch einen der Musiker selber.

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Es gibt Musiker die begleiten uns schon ein Leben lang und haben mit ihrer Musik nicht nur Geschichte geschrieben sondern waren und sind Anlass für etliche Millionen von Menschen, ein Fan der elektronischen Musik zu werden. Jean-Michel Jarre ist wohl auch für viele Künstler die sich mit stromgeladenen Tasteninstrumenten beschäftigt haben nicht nur Einstiegsdroge sondern auch Vorbild gewesen, selbst Musiker zu werden. Seine Aura und seine Bedeutung hat er auch nach 50 Jahren aktiven musizierens nicht verloren und veröffentlicht nach dem Electronica Doppelset, der dritten Oxygene, einer weiteren Best-of Rückschau mit Planet Jarre, nun noch eine weitere vermeintliche Fortsetzung. Equinox Infinity erschien zum Jahresende 2018 und führt die Geschichte der bzw. des Watcher/s fort, die/der uns schon vor exakt 40 Jahren so faszinierend durch ein zukunftsweisendes Album blicken lies. Aber wer das neue Album in den Händen hält, sieht sofort, dass es dann doch kein typisches Sequel ist, sondern vielmehr nur den Gedanken der Beobachtung neu aufgreift.  Jarre beschreibt damit (s)eine Vorstellungen wie sich das Thema wohl über die lange Zeit verändern würde und wie man sich heutzutage mit der Technik, der Überwachung und den medialen sowie umweltzerstörenden Missständen auseinandersetzen sollte.
Natürlich ist die Musik zu Equinoxe Infinity sehr Jarresque und wird die meisten Hörer nicht komplett überraschen. Das was hier anders als bei seinen vorherigen Produktionen ist, ist die Tiefe einiger Stücke, die deutlich mehr Soundtrack-Charakter besitzen. Das Album ist variabler und auch kontrastreicher als Oxygene 3 und lässt erkennen, dass Jean-Michel Jarre mit 70 noch Veränderungen in seiner Musik zulässt. Natürlich wirft das aktuelle Album die Frage auf warum er wieder ein vermeintlich altes Thema verwendet. Ist es eine Marketingstrategie? Ist es die ewige Suche nach Perfektionismus und ein Zwang die Vergangenheit musikalisch nochmal bewältigen zu müssen? Oder sogar der Drang kompositorisch die heutigen Erfahrungen und Möglichkeiten der Technik nochmal in das Ende der 70er zurückzuschicken? Vielleicht etwas von allem. Eines ist aber sicher, Jarre scheint permanent an seiner Musik zu arbeiten, reflektiert sie und lebt dafür. Er ist viel mehr Musiker als alles andere. Das merkt sofort, wenn er von seinen Ideen und der Musik erzählt. Natürlich ist es hilfreich, wenn man als Fragesteller selbst Musiker ist und man sich eben auch über den typischen Musikerkram unterhalten kann.
Für ein ausführliches Gespräch traf ich Jarre in Düsseldorf und sprach mit ihm über Menschliches, Maschinen und Möglichkeiten. Er ist nicht nur mit seiner Musik ein ganz Großer in der Welt der Syntheasten sondern auch noch eine äußerst sympathische Person, denn selten begegnet man bei Weltstars seines Kalibers, einen so freundlichen, zuvorkommenden und interessierten Menschen. Mein Eindruck war, dass Jarre nichts von seinem Spirit verloren hat, auch wenn er sich gerne mal produktiv (wie oben beschrieben) in die Vergangenheit seiner ersten Alben zurückarbeitet.
Manche mögen es als konsumfreudiges Namedropping-Konzept erachtet haben, als Jarre über den Globus tingelte um die Electronica-Alben zu machen. Mit einigem Abstand möchte ich dieses Vorurteil nach unserem Gespräch revidieren. Wenn Jarre vom Zusammenkommen mit den anderen Künstlern zu Electronica 1 & 2 erzählt, die 5jährige Arbeit beschreibt und man sich vorstellt wieviel Energie es geskostet haben muss, immer wieder einen musikalischen Konsens zu finden, dann erscheint ein rein wirtschaftlicher Grund dafür sehr abwägig. Er ist sehr glaubwürdig wenn er von der Zeit erzählt in dem es ihm schlecht ging, engste Menschen starben und er sich selbst hinterfragte, was Musik für einen Sinn macht. Der logische Weg scheint dann zu sein, seine sieben Musik-Sachen zu packen, viele interessante Musiker zu besuchen und festzustellen, dass jeder von Ihnen ziemlich viel Lust hat mit ihm etwas zu produzieren. Dass dies viel Energie freisetzen konnte und Jarre heute noch immer davon profitiert, hat ihn wohl selbst am meisten überrascht. Das Gespräch war nicht nur mich als Fragensteller sehr ergiebig, sondern zeigte vielmehr, dass Alter keine Rolle spielt, solange man Inspiration zulässt. Auch für seine langjährige Genre-Vorreiterrolle kann und sollte man ihm dankbar sein, denn wenn auch unfreiwillig, hat er mit seiner etwas kommerzielleren Elektro-Pop-Ausrichtung auch vielen anderen Künstlern eine große multifunktionale Stilrichtungsschublade geschaffen, die sie für ihre eigene Arbeit verwenden konnten. Ich bin sicher, dass es vielleicht auch in Deutschland ein paar Traditionalisten weniger gäbe, wenn Jarre mit seiner Musik nicht so populär geworden wäre. Natürlich hat sich das E-Genre über die Jahrzehnte sehr verändert und Jarre scheint dabei irgendwie auf seinem eigenen Planeten geblieben zu sein. Aber sind das nicht Künstler wie Kraftwerk, Vangelis, Yello und TD auch? Ist es eben nicht genau das was auch den Erfolg dieser Pioniere ausmacht? Grund genug dies einmal genauer zu hinterfragen.

Jean-Michel, wenn man Equinox Infinity das erste Mal hört, fällt auf dass es sich vom Anfang zum Ende als Soundtrack zu einem virtuellen Film entwickelt. War das von Anfang an so gedacht?
Ja, Equinox Infinity ist ein Album in dem es um zwei Seiten einer möglichen Zukunft geht. Zum einen die dunkle Seite die von Maschinen gesteuert wird und von Zerstörung handelt und zum anderen die positive Seite, in der wir eine harmonische Einheit mit der Natur und der Technik sind. Ich hatte von Anfang an die Idee das Ende offen zu lassen und den Hörer zwei Möglichkeiten anzubieten.
Wie kam es zu der Idee des Albums?
Mich hat das Bild des Watchers (Anmerkung: Fernglas-Figur von Michel Granger) immer wahnsinnig faszinierend und irgendwann dachte ich darüber nach, wie man die Geschichte und die Bedeutung nach 40 Jahren  weiterführen kann. Ich habe dann mit einem Künstler aus Prag (Filip Hodas) verschiedene grafische Ideen umgesetzt und dann begonnen die Musik zu komponieren. Dies ist tatsächlich das erste mal, dass zuerst das Visuelle vorhanden war. (Anmerkung: Es gibt zwei verschiedene CD-Covergrafik-Versionen die man kaufen kann)

Warum hast Du Dich nicht für eine konkrete dunkle bzw. positive Seite entschieden?
Zum einen weiß ich nicht, wie die Zukunft wirklich wird und zum anderen möchte ich dem Hörer eine eigene Entscheidung überlassen, wie er die Zukunft sieht und vielleicht auch beeinflussen kann.

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Was hat der Begriff Infinity für eine Bedeutung?
Er steht für eine mögliche endlose Zukunft, in der wir vielleicht von diesem Planeten verschwinden werden und alles zurücklassen müssen. Natürlich ist es auch die Frage wie wir mit all dieser Technik umgehen werden, wie wir von ihr beinflusst werden und wie man mit Veränderungen umgehen sollte.
Du selbts nutzt eine Menge Technik, sowohl alte und neue, wie bekommst du diese für Dich in Einklang? Nun, ich mag beides. Ich schätze sehr den typischen Sound und die Klangoptionen alter Geräte und interessiere mich aber auch für neue Sachen, natürlich auch Plugins und andere Softwaretools. Aktuell arbeite ich viel mit Abeleton und habe viele der vergangenen Projekte damit umgesetzt. Es ist so praktisch ohne viel Hardware zu reisen und die Technik auch unterwegs zu nutzen. Das war zum Beispiel auch sehr nützlich bei den beiden Electronica-Alben. Ich arbeite natürlich weiterhin auch mit Pro Tools, stelle aber immer mehr fest, dass ich damit eingeschränkter bin. Ableton hat eine fantastische Ausgabe- bzw. Render-Qualität, die mir sogar bessere Ergebnisse als Pro-Tools geliefert hat. Aktuell setzen wir Ableton auch für den Einsatz auf der Bühne ein und müssen es noch mit der Technik für die Visuals verbinden. Das ist allerdings nicht ganz so einfach.

Ist die Reihenfolge der Tracks eigentlich wichtig für Dich und wie legst Du sie fest?
Die Auswahl der Trackfolge lege ich bereits recht früh fest. Ebenso wie das finale Mixing welches schon oft direkt beim Komponieren entsteht. Mittlerweile sind solche Abläufe schon Bestandteil im Prozess der Erstellung der Songs. Grundsätzlich arbeite ich aber immer auch mit anderen Produktionsbeteiligten zusammen. Wir beraten uns nicht nur und sondern finalisieren dann auch das Album.

Ist dieser Prozess zeitlich sehr eng getaktet?
Ja es gibt eigentlich immer Zeitdruck. Dieses Mal hatte ich aber das Glück noch ein paar Wochen Zusatzzeit zu bekommen, da der Abgabetermin des Albums um ein paar Wochen geschoben wurde. Ich konnte endlich einmal ohne den üblichen Zeitdruck, noch ein paar Feinarbeiten machen, ohne dabei allerdings eine Note zu verändern. Es ist einfach toll, wenn man ein bisschen Zeit geschenkt bekommt. Normalerweise bin ich immer zu spät (lacht). Grundsätzlich finde ich es immer sehr hilfreich, wenn Zeit bleibt um Stücke mit ein bisschen Distanz nochmal betrachten zu können. Damit beantwortet sich häufig die Frage: Ist es auch wirklich gut oder war es nur die Stimmung in der ich es produziert bzw. komponiert habe.

Hat Dich im Besonderen die vergangene Arbeit mit den anderen Electronica-Künstler auch für das aktuelle Album inspiriert?
Ja ganz besonders sogar. Ich habe sehr viel gelernt und meinen persönlichen Horizont erweitern können. Es war nach einer Zeit in der es mir nicht immer besonders gut ging. Ich hatte einige persönliche Rückschläge durch den Verlust nahestehender Personen zu verarbeiten und war nicht in der Lage auch nur eine Note zu produzieren. Die Electronica Alben haben mir auch durch das viele Reisen und die direkte Zusammenarbeit mit den anderen Musiker sehr geholfen. Natürlich nimmt man aus jeder Erfahrung etwas für die kommenden Projekte mit.

Du bist in den letzten Jahren äußerst Produktiv. Was war der Auslöser dafür?
Ja das stimmt, 5 Alben in 3 Jahren sind doch ziemlich außergewöhnlich. Ich hatte nach der langen Auszeit viel aufzuholen und habe festgestellt, dass sehr viele Ideen und eine Menge Kreativität in mir steckt. Die Electronica Alben waren beinahe wie eine Frischzellenkur für mich und haben mich sehr motiviert, in diesem Tempo weiter zu machen.

Wie war damals die Zusammenarbeit mit Tangerine Dream?
Sie war sehr besonders. Ich liebe die Musik von Tangerine Dream und war sehr traurig als ich vom Tod von Edgar erfahren habe. Es war eines seiner letzten Stücke. Ich hoffe sehr und bin mir aber ziemlich sicher, dass die jetzige Bandzusammenstellung weiterhin so erfolgreich sein wird und seine Ideen fortsetzen kann. Sie sind eine der wichtigsten Bands der deutschen Pionierzeit, ohne die es viele elektronische Musikrichtungen heute vermutlich nicht geben würde. Es war vergleichbar wie in Frankreich, wo es in den  70er und 80er auch ähnliche Entwicklungen gab. Für mich ist das heute immer noch ein besonderes Privileg ein Bestandteil davon zu sein.

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Hast du manchmal Angst, dass Du die gewonnene Energie auch wieder verlieren könntest?
Natürlich, ich bin wie jeder andere Mensch und habe einen begrenzten Zeitrahmen. Im Moment fühle ich mich besser denn je und freue mich über die vielen guten Dinge die passieren.

Ist es geplant die Electronica Serie fortzuführen?
Ja ich werde dies als ein paralleles Projekt, so wie es auch bei den anderen beiden CDs war, weiter führen. Aktuell haben die ersten Planungen dazu begonnen und hoffe wieder auf eine sehr konstruktive und tolle Zusammenarbeit mit verschiedensten Künstlern.

Wie wäre es z.B. mit Jon Hopkins oder Imogen Heap?
Das wäre sicher sehr spannend, ich sehe wir haben einen ähnlichen Geschmack (lacht)

Du hast ebenso geäussert, dass Du an einem Buch arbeitest und eine Tour ansteht?
Ja das ist richtig, es wird aber keine reine Biografie sein. Mehr möchte ich aber noch nicht verraten. Eine Tour steht auch in der Planung. Darauf freue ich mich natürlich auch.

Mir scheint, Du wirst in naher Zukunft nicht in Rente gehen?!
Nein (lacht), Musik ist wie Sport für mich und warum aufhören, in so spannenden Zeiten wie diesen. Es gibt noch soviel zu erzählen und soviele Dinge die ich noch musikalisch umsetzen möchte.

Stefan Erbe

Liebe empulsiv-Leser,

natürlich freuen wir uns über Reaktionen und Rückmeldungen von euch! Noch mehr freuen wir uns, wenn ihr uns schreibt, welche CD ihr gerade im CD Player in der Rotation habt, welches Elektronik-Event ein echtes Ereignis war und welche Band oder Künstler gerade richtig "steil" geht. Ok, genug mit dem reißerischem Marketing...aber immer wenn ihr den Hinweis "Gast-Beitrag" vor einer CD Besprechung, einem Konzertartikel oder etwas anderem lest, wisst ihr nun, dass ein empulsiv-Leser ihn eingereicht hat. Gerne wollen wir auch euren geschriebenden Output, Gedanken oder Meinung zu einem EM-Anlass hier veröffentlichen. Und nein, wir erwarten keine Pulitzer-Preis-verdächtige Artikel, aber eben auch keine reine Beschreibung der Platte oder des Konzertes, sondern vielmehr interessiert uns: Warum findet ihr /fandet ihr es gut oder eben aussergewöhnlich, eher schlecht oder ganz mies.

Deshalb hier noch ein paar Tipps, wie man am besten von einer Sache berichtet und seine Meinung dazu formuliert:
- Eine kurze Einleitung mit wer macht (e) was, wo und wie
- Struktur: Einleitung, Meinung und ein Fazit. 
- Wie findet ihr es und warum 
- Keine Musikbeschreibung wie "Das Album fängt so an...und geht so und so weiter. Besser mit Attributen erklären so: Die Stücke sind Dynamisch, gut erzählt, zu lang oder zu kurz, 
- Bei Konzerten/Events : Highlights, Besonderheiten, was passte, was nicht. Auch hier zählt der persönliche Eindruck
- Nicht extrem verreißen aber auch keine extreme Lobhudelei. Pro und Contra.
- Weniger ist mehr. Wenn Artikel viel Text enthalten, wirds manchmal schwierig. Deshalb kurz und knapp ist manchmal besser als zu viel
- Nicht den Promo/Presseinhalt abschreiben oder in rauhen Mengen zitieren.
- Artikel nochmal lesen und sich fragen, wäre er nicht von mir, würde ich ihn gut finden? 

Ok, und nun her mit dem Content. Ach und nochwas. Sollte etwas mal tatsächlich nicht veröffentlicht werden können, dann liegt es vielleicht doch daran, dass keiner der obigen Tipps sich tatsächlich im Beitrag wiedergefunden hat, jemand den Bogen doch etwas in seiner Formulierung überspannt hat oder die Art der Kritik übers Ziel hinausgeschossen ist (von wegen Beleidigend oder ähnliches). Aber wir glauben an Euch und die EM-Gemeinde und freuen uns über viele Gastberichte! 

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