Magazin

Samstag, 19. September 2020

Ein gutes halbes Jahr ist es her, dass ich zum letzten Mal Live-Musik gesehen habe, dann kam der Corona-Lockdown und eine Veranstaltung nach der anderen wurde abgesagt oder verschoben. Auch für Detlef Keller wurde es in diesen Monaten zur traurigen Routine, Donnerstag abends in seiner Radio-Sendung "Ad Libitum" wieder mal nur verkünden zu können, was alles nicht stattfindet.

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Samstag, 28. März 2020

Im letzten Jahr hatte sich das Solinger Künstlerpack eine kleine Auszeit genommen - ausnahmsweise einmal keines jener Festivals, die elektronische Musik mit Kunstausstellungen verbinden. Auch das Doppelkonzert mit Michael Brückner und Sequentia Legenda im letzten Herbst musste ich auslassen, man kann leider nicht an einem Abend gleichzeitig an zwei Orten sein. So wurde 2019 zu einem eher ungewöhnlichen Jahre, in denen mich der Weg nicht zu den Güterhallen am Solinger Westpark geführt hat. So wie der Zufall spielt, führt mich aber in 2020 der erste Weg ausgerechnet zu einem Konzert genau an diesen Ort - "Space" heißt das Motto in den Solinger Güterhallen. Wie steht es um sie? Sie sind immer noch da, aber weil gerade in der Kunst Veränderung die einzige Konstante ist, gestalten sie sich immer neu: Hier und dort hat eine Galerie ihren Namen geändert, und die draußen ausgestellten Kunstwerke, die man vielleicht bewusst der Witterung und damit dem Verfall aussetzt, sind andere. Es ist eben ein Ort für Kreative Köpfe, wo immer neues ausprobiert wird.

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Dienstag, 03. März 2020

Als die Nachricht im letzten Jahr erschien, Christopher von Deylen startet eine Solo-Tournee in 2020, hat sicherlich so mancher Schiller-Fan gerätselt, ob es jetzt eine reine Einlassmusik-Show oder eine Club-Abtanzparty wird.

ChrisvD


Ich habe CvD im Kölner Club „Bahnhof Ehrenfeld“ gesehen, mit mir ca. 500 stehende Gäste und beim Blick auf die spartanisch ausgestattete Bühne ahnte wirklich niemand was da jetzt auf uns zukommt. Nach dem Motto „was kümmert mich die Vergangenheit“ begegnen wir einen äußerst redefreudigen Christopher von Deylen. Sympathisch wie und je erklärt der dem Publikum seine Ambitionen für das Klavierspiel - und was man damit alles so machen kann. Die Kombination Klavier und Electronic-Equipment beherrscht der Künstler meisterlich. Es entsteht ein Klangspektrum von unvorstellbarer Weite und Größe. Jeder Song ist völlig neu. Jeder Song entwickelt eine hypnotische Magie. Der Meister webt dräuende Klangteppiche, streut metallisch-harte Rhythmen hinzu und verziert mit melodischen Hooklines auf dem Klavier eine bombastische Soundlandschaft, die immer weiter in entfernte Dimensionen driftet. Sozusagen malerische „Einlassmusik“ mit Biss. Um der Atmosphäre eines Clubs gerecht zu werden, erhöht der Meister mit zunehmender Konzertdauer die bpm-Anzahl, was allerdings in keinster Weise den Genuss eines CvD-Solo-Konzerts mindern wird. Die zweistündige Show ist ein Höhepunkt in meiner langjährigen, üppig bestückten Konzertliste diverser Künstler. Christopher von Deylen hat mal wieder eine nahezu unerreichbare Genialität bewiesen. Wenn er vogelfrei und ungehemmt loslegen darf, keine Grenzen ihn hindern um in immer höher, immer entferntere Klangwelten vorzudringen, dann ist es gut – für ihn und für uns Zuhörer sowieso.

Will Lücken

Montag, 17. Februar 2020

Phil Booth gehört mit seinen Awakenings-Events zu den rührigsten Personen der britischen EM-Szene. Knapp ein halbes Dutzend Mal im Jahr gibt er Musikern in Rugeley eine Möglichkeit, in intimem Rahmen Konzerte zu geben oder Dinge auszuprobieren - ob es eher Konzerte oder musikalische Workshops mit Publikum sind, liegt dabei im Auge des Betrachters.

Die "Awakenings" sind aber nicht der einzige Grund, den Blick des öfteren auf die "Lea Hall" in Rugeley zu werfen: Zweimal im Jahr veranstaltet Martyn Greenwood, seit seinem CD-Erstling einem größeren Kreis als "Concept Devices" bekannt, an gleicher Stelle ein Event mit ähnlichem Konzept. Der Jahreszeit angemessen heißen diese "Snow Bawl" und "Summer Bawl".

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Sonntag, 05. Januar 2020

Es soll Menschen geben, die die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr eher als "Feier-Stress" denn als besinnlichen Ausklang des Jahres empfinden. Nicht nur für solche Zeitgenossen empfiehlt es sich, ein Ticket für das traditionelle "Hello"-Konzert im Bochumer Planetarium zu erwerben. Hier kann man sich einen Tag vor den Silvester-Feiern einmal richtig verwöhnen lassen: Einfach den Sessel im Kuppelrund in einen bequeme Position bringen und das genießen, was sich vor Auge und Ohr ausbreitet. Für die Bilder zeichnet wie immer Klaus-Dieter Unger verantwortlich, und das, was von der Bühne erklingt, organisiert der Schallwende-Verein.

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Montag, 25. November 2019

Bernd Scholl in Erkrath? Das hatten wir in diesem Jahr doch schon einmal! Das mag richtig sein, aber eigentlich ist der traditionelle Termin für das vom MS-Treff Erkrath organisierte Konzert jetzt im Spätherbst. Das Konzert im Frühjahr war so gesehen die Ausnahme, weil sich im letzten Jahr kein Termin zu dieser Jahreszeit finden ließ. Die Heilig-Geist-Kirche ließ sich dieses Mal nicht als Location "buchen", aber Timo Kremerius fand einen neuen, auch sehr reizvollen Spielort: Die Neanderhöhle, direkt gegenüber vom Neandertaler-Museum im gleichnamigen Tal gelegen. Mit 80 Plätzen ist die Zuschauer-Zahl in der Höhle deutlich beschränkter, so waren die Tickets auch ohne große Werbung recht schnell ausverkauft.

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Sonntag, 10. November 2019

Die Turbulenzen um die Zukunft von "De Enck" haben sich zum Glück mittlerweile wieder gelegt. Ron Boots war letztens so mutig, in seinem Newsletter und auf Facebook bereits die Termine von E-Day und E-Live für das nächste und übernächste (!) Jahr anzukündigen - auch damit die Organisatoren anderer Events eine Möglichkeit haben, dies bei ihrer Planung zu berücksichtigen. Dass der Frühjahrs- und Herbsttermin in Oirschot Dinge sind, die der EM-Fan nur äußerst ungern ausfallen lässt, hat sich einmal mehr am Zuspruch für das diesjährige E-Live gezeigt: Bereits vor Wochen hatte die Zahl der bestellten Tickets die 200er-Grenze überschritten, und zusammen mit den noch an der Abendkasse verkauften Karten konnte Ron stolz ein quasi ausverkauftes Haus verkünden - gerade einmal vier Plätze im großen Saal von "De Enck" wären noch zu haben gewesen.

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Samstag, 02. November 2019

Auch wenn es etwas angeberisch klingt: Es kommt nicht mehr oft vor, dass ich eine Konzert-Location zum ersten Mal ansteuere - die meisten Festivals finden ja im Jahres-Rhythmus am gleichen Ort statt. Heute ist einer jener seltenen Tage, an denen ich ein Ziel zum ersten Mal ins Navi eintippe. Das liegt aber weniger daran, dass die Sophienkirche in Wuppertal zum ersten Mal mit elektronischer Musik bespielt wird. Der Grund liegt viel mehr daran, dass das "Phobos-Festival" meiner Aufmerksamkeit bisher schlicht und ergreifend entgangen war. Martin Stürtzer, seinen Organisator, hatte ich erst vor ein paar Monaten zum ersten Mal bei Winnie im Garten erlebt, und wenig später noch einmal mit einem äußerst abwechslungsreichen Set auf dem Electronic Circus.

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