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Endlich wieder bei Winnie im Garten! Die Scheunenparty im letzten Jahr war zwar auch ein Bomben-Event, aber Winfried Wiesreckers Garten als Party-Location bleibt doch etwas Besonderes. Einen so großen Garten zu haben ist ein Privileg, ihn einmal im Sommer mit einer dreistelligen Zahl an Gästen zu teilen, und dafür vorher tagelang Zelte und Dächer aufzubauen, das zeugt schon von einem ganz besonderen Enthusiasmus.

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Die Niederlande sind größer als man denkt. Von Aachen aus sieht man mit Süd-Limburg nur einen kleine Zipfel, und Eindhoven im Süden des Landes ist auch nur eine Auto-Stunde entfernt. Es lohnt sich aber, den Blick auch weiter in den Norden schweifen zu lassen, genauer gesagt nach Groningen. Das liegt etwa auf gleicher Höhe wie Bremen und ich brauche von Aachen aus schon knapp dreieinhalb Stunden, bis ich die "Musik Organisation Nordholland" erreicht habe, wo wie auch schon in den Vorjahren die "Electric Spectrum Experience" stattfindet.

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Unter den jährlich stattfindenden EM-Festivals nimmt Cosmic Nights einen besonderen Platz ein. Während die Organisatoren anderer Events versuchen, mit einem Mix verschiedener Stilrichtungen für jeden Besucher etwas anzubieten, hat Mark de Wit einen klaren Schwerpunkt gelegt: Elektronische Musik, die der Berliner Schule folgt, gerne auch mit einem kosmisch-spacigen Touch.

Die andere Besonderheit: "Cosmic Nights" findet jedes Jahr an einem anderen Ort statt. Mal ist das Planetarium Brüssel, mal ist es die Maschinenhalle einer ehemaligen Kohlenzeche, und mal ist es ein Gotteshaus. Die Sint-Baafs-Abtei in Gent, zu der in diesem Jahr eingeladen wurde, fällt - im weiteren Sinne - in diese Kategorie. Mit einer ersten Erwähnung im sechsten Jahrhundert gilt sie als der älteste Ort der Stadt, und liegt recht zentral, unweit des Bahnhofs. Gent nimmt für sich in Anspruch, eine besonders Fahrrad-freundliche Stadt zu sein. Das bedeutet umgekehrt für den per Auto anreisenden Besucher, dass die Parkplatzsuche etwas länger dauern kann. Ich habe Glück, direkt am "Voorhutkai" ist eine der wenigen Parkbuchten noch frei. Sechs Euro für ein Parkticket wandern in den Automaten, neben dem schon ein Schild den Weg zu "Cosmic Nights" und der ehemaligen Abtei weist.

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EM-Festivals sind ein hartes Brot für ihre Organisatoren: stagnierende oder sinkende Besucherzahlen, gepaart mit einem vollen Veranstaltungskalender, machen die Kalkulation alles andere als leicht. Obwohl kaum ein Veranstalter noch damit rechnet, reich zu werden, sollte doch wenigstens ein kleiner Gewinn oder eine "schwarze Null" dabei herauskommen.

Zu den besonders rührigen Personen in der Szene, die trotz alledem noch das Risiko eingegangen sind, den Kalender um ein Event zu ergänzen, gehört David Wright, Eigentümer des AD Music Labels in England. Zweimal veranstaltete er in seiner Heimatstadt Bungay das gleichnamige "Bungay Bash", musste es danach aber wegen zu geringer Ticket-Verkäufe aufgeben. 2015 startete David mit dem E-Scape-Festival eine zweiten Anlauf, nicht ganz an gleicher Stelle, aber doch unweit davon: Halesworth liegt knapp zehn Meilen von Bungay entfernt. Spielort von E-Scape ist "The Cut", ein Theater und Kulturzentrum. Von Anfang an hat David "virtuelle Tickets" angeboten: Wer nicht bis nach Suffolk reisen will oder kann, erhält ein bis zwei Wochen später einen kompletten Mitschnitt aller Konzerte (die regulär anreisenden Gäste natürlich ebenfalls). Für Freunde physischer "Tonträger" verschickt David auch gerne einen bespielten USB-Stick. Das Konzept scheint bisher aufzugehen: E-Scape hat seitdem jedes Jahr stattgefunden, 2019 ist es demzufolge Nummer fünf.

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Die erste Aufnahme-Session für das kommende Album "A-11" von Baltes und Erbe ist gerade zwei Wochen her. Vieles ist dabei schon gut gelaufen, aber das eine oder andere möchte man noch einmal versuchen, und wer weiß, vielleicht läuft es beim zweiten Mal noch besser? Dazu bietet sich heute die Gelegenheit, denn in Essen öffnet der ATT seine Türen, Europas größte Börse für alles, was der Hobbyastronom braucht - von Sternenkarten über Fernrohre bis zur kompletten Kuppel. Neben Fachvorträgen gibt es auch immer ein "Begleitprogramm", in dem zwei Konzerte von Stefan Erbe einen festen Platz haben. Es liegt auf der Hand, dass in diesem Jahr wieder Steve Baltes mit von der Partie ist, um weiteres Material für das kommende Baltes & Erbe-Album zu sammeln. Da Steve und Stefan nicht gerade "Tür an Tür" wohnen, müsste einer der beiden für Aufnahmen immer seine Geräte ins Studio des anderen verfrachten. Ein Live-Auftritt ist daher eine günstige Gelegenheit, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden.

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Wer in diesen Tagen die Elektromusikalische-Konzertlandschaft betrachtet, wird sicher auch über die vielen kommenden Arena-Tour-Termine von Schiller stolpern und sich gedanklich kopfnickend nicht mehr darüber wundern, dass sich Christoper von Deylen über die letzten 20 Jahre eine erstaunlich große Fanbase geschaffen hat. Dabei gilt dies mittlerweile nicht nur für den deutschen Raum, sondern auch für viele andere Länder und deren Events, wie z. B. vor ein paar Wochen in Moskau.

Selbst sein Ausflug in den Iran versammelte dort 30.000 Besucher und hinterließ ein besonderes Highlight, von dem er in diesem Interview berichten wird. Aber nicht nur seine Erzählungen von den vielen Reisen, sondern auch seine Ansichten, Meinungen und Vorstellungen bestätigen den Eindruck, dass hier jemand sehr genau weiß, was er tut und wie er dies alles umsetzen möchte. Sachlich, freundlich und beinahe unaufgeregt erklärt er seine Welt von Schiller, wie er über musikalische Kooperationen denkt und warum am Ende dann doch vieles wieder durch Zufälle entstanden ist. Schiller ist einer der wenigen Musiker, die auch mit traditioneller Elektronischer Musik einen Status erreicht haben, den sonst nur den ewig gestrigen Pionieren aus den 70ern und 80ern vorbehalten blieb. Beinahe vergisst man aber, dass van Deylen eben auch schon zwei Jahrzehnte erfolgreich die Fahne für ein Spartengenre hochhält, obwohl dieses in den kommerziellen Medien nie eine wesentliche Rolle gespielt hat. Sein Erfolgskonzept ist eben eine Mischung aus scheinbar vielen richtigen Entscheidungen und einer Musik, die zur richtigen Zeit den Nerv vieler Fans getroffen hat. Die Kooperation mit anderen namhaften Musikern und ein musikalischer Stil, der sehr viel Spielraum und Variationen zulässt, ist ebenfalls eine gelungene Strategie, um auch mal eine musikalische Gradwanderung erfolgreich zu absolvieren oder einen marktüblichen IDM-Song abzuliefern. Schiller ist immer dann besonders interessant, wenn er außergewöhnliche Sachen ausprobiert, Grenzen überschreitet oder sich an seine musikalischen Wurzeln erinnert. Sein neues Album ‚Morgenstund‘ ist sicher auch ein Kompromiss, um den vielen aktuellen Anforderungen des Musikmarktes gerecht zu werden. Es ist toll produziert mit vielen interessanten Synergien und bietet dabei auch wieder einige traditionelle Elemente.
Zum Interview besuchte ich ihn in einem eher ländlichen Nord-Ruhrgebiet-Probenstudio, welches er schon häufiger für seine Tour-Vorbereitungen genutzt hat. Neben einem sehr ausführlichen Gespräch ermöglichte er dort Einblicke in die Technik und performte mit seinen Tour-Mitmusikern einige Takte der kommenden Show. Wir nutzen eine einstündige Pause zum Interview und sprachen nicht nur über die letzen 20 Jahre, die kommenden Konzerte und das Album, sondern auch über sein Nomaden-Dasein und natürlich über Technik.

Ein Jahr Live-Pause hatten Steve Baltes und Stefan Erbe sich verordnet, und bis auf einen kurzfristig eingeschobenen Gig auf E-Live haben sie das auch durchgehalten. Wer in Oirschot dabei war und den ersten Track ihres Konzerts nicht erkannt hat: konnte man gar nicht, das war bereits eine Idee, wie das kommende Album aussehen könnte.

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Wie lange ist es jetzt eigentlich her, dass ich zum ersten Mal nach Oirschot gefahren bin? Ich erinnere mich gar nicht mehr genau, aber ein Jahrzehnt könnte es schon bald her sein. Der E-Day im Frühjahr und E-Live im Herbst waren all die Jahre fast so unverrückbare Termine im Kalender wie Ostern und Weihnachten. Seit einem knappen Jahr konnte man aber zumindest nicht mehr sicher sein, ob sie weiter in "De Enck" stattfinden würden, nachdem eine Schließung des Kulturzentrums im Raum stand. Der Stadtrat von Oirschot hatte nach Protesten und einer Unterschriften-Aktion im letzten Jahr noch einmal einen Aufschub bis Ende der Theatersaison 2018/2019 gewährt. Es konnte also gut sein, dass es zum letzten Mal sein würde, als ich ich am Mittag des 6. April 2019 "De Loop 67, Oirschot" als Ziel ins Navi eintippte. Ron Boots hatte sich im Vorfeld noch nicht zur weiteren Zukunft geäußert, außer dass er wohl Alternativen in der Hinterhand hätte, aber am liebsten in "De Enck" bleiben möchte.

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