Kolumne

Montag, 18. Mai 2020

Keine Konzerte, keine Festivals und keine Events bedeuten auch für uns EM-Musiker nicht nur weniger Gagen-Umsatz, sondern auch weniger CD-Verkäufe und weniger Merch-Einnahmen. Viele Künstler benötigen aber diese Umsätze, obwohl sie bereits ja schon durch die gestreamte Digitalisierung der Musik sowieso schon deutlich weniger Ertrag haben, als noch vor Jahren, als eine CD das Standard-Vertriebs-Medium war.

So wie abzusehen war, wird es also wieder keine Veranstaltungen in naher Zukunft geben, die diesen Verlust auffangen. Dabei spielt es eben auch keine Rolle ob ein Künstler selbst vor Ort ist oder
ein Label/Vertrieb seine Musik vertreibt, viele der treuen Konzert- und Festivalbesucher kaufen eben oft ihre Musik nur auf diesen Events und werden dies nun nicht tun können. Das persönliche Gespräch auf den Veranstaltungen fällt eben weg und der übliche Brauch, sich an den CD-Ständen auszutauschen ist für viele Fans eine wichtige Kaufbegleiterscheinung (kann ich übrigens immer nachvollziehen).
 
Deshalb bedarf es vielleicht ein paar Verhaltensänderungen und ich bitte Euch trotzdem Eure Musiker zu unterstützen, denn es bedeutet ja nicht, dass es keine alten oder neuen Produktionen gibt, für die sich ein Kauf nicht aktuell lohnen würde. Im Gegenteil, denn gerade jetzt könnte man die Ausfallzeit für die Konzerte und Veranstaltung dafür nutzen, sich mal den Back-Katalog seiner Lieblingsmusiker anzuschauen, um vielleicht das eine oder andere Meisterwerk der letzten Jahre zu erwerben. Da schlummert ganz sicher noch viel Material, dass lohnt, noch erkundet zu werden.
 
Aber! Bitte kein Spotify oder Streaming und bitte auch kein Youtube Download oder die Sicherheitskopie vom Bekannten eines Freundes. Geht auf die Künstlerseiten, geht auf Bandcamp und sucht auf den direkten Vertriebskanälen der Künstler. Hier im Detail benenne ich gerne (m)eine Auswahl an Vertriebs-bzw. Label-Freunde der hiesigen EM-Szene wie Manikin, Syngate, Mellowjet, Spheric Music, Groove und Cue-Records (sollte ich jemanden vergessen haben, so schickt bitte mir Euren Link dazu), ich werde ihn ergänzen. Sollte Euer Künstler hier nicht zu finden sein, fragt ihn wo ihr seine Alben kaufen könnt. Ach und liebe Musiker, vielleicht sorgt ihr auch dafür, dass Eure Fans vielleicht einen kleinen Mehrwert bekommen können und sich diese Vertriebsinitiative für alle Seiten lohnt.
Vielleicht ist es ja doch möglich via Chat, Videostream oder sonstwie miteinander zu kommunizieren, um die Musik in einem virtuellen Gespräch zu erörtern, sie anzupreisen und ja, sie zu verkaufen. Aber eben mit der persönlichen Hingabe, so wie wir es immer auf den Festivals machen. Wir dürfen nicht zulassen, dass die veränderten Bedingungen unseres aktuellen Konsumverhaltens von elektronischer Musik sich so verändern, dass wir die Treffen bald als ewig gestriges Verhalten ansehen, dass im Zuge der coronaisierten Digitalisierung überflüssig geworden ist.  Wir müssen am sozialen System des Austausches zwischen Musiker und Fan festhalten und uns bis zur hoffentlich baldig wiederkehrende Normalität ein wenig umstellen.
Also Maus und Tastatur gerade gerückt, Konto checken und vielleicht noch mal 50 Euro aufs Paypal Konto schieben. Und los geht’s zu den weiten und (un)bekannten Bezugsquellen Eurer Lieblingsmusik.

Mit herzlichem Dank
Stefan Erbe

Freitag, 10. Januar 2020

Und plötzlich war es 2020! Fast schon unerwartet und beinahe unbemerkt. Kein Wunder, waren wir doch bis zum Jahresende noch mit den täglichen Katastrophen beschäftigt. Also Umwelt, Trump, AFD und Co.
Und was war mit der Musik?
Tja, wenn man ehrlich ist, gab es kaum so richtige Highlights, die einem bedeutsam in Erinnerung geblieben sind. Es gab gute, solide und auch tolle Produktionen, interessant gemischte Events und Festivals, sowie bewährte Dinge, die auch in 2020 ihre Weiterführung finden werden. Mit einem Wort, die traditionell kleine und überschaubare Szene hat sich nicht nur über das letzte Jahr eingerichtet, nein, sie hat es sich schon beinahe gemütlich gemacht.
Aber Vorsicht liebe EM-Gemeinde, wer rastet der rostet und man bekommt an manchen Stellen das Gefühl, dass es auch wieder rückläufig werden könnte, sofern man sie nicht weiterentwickeln wird.
Wann gab es das letzte mal ein wirklich neues Event, Konzert oder sogar Festival, dass nicht an den bewährten Plätzen stattfand, sich auch mal an etwas Neues gewagt hat oder sich sogar traute, die typische EM-Schablone zu ignorieren.
Nicht das wir uns falsch verstehen, es geht nicht um die komplette Erneuerung bewährter Veranstaltungen und ihrer Orte, sondern um die Weiterführung des Spirits der aktuellen Musik. Wo sind die Ideen, für neue Lokationen und für neue Darstellungs-Inhalte? Auch der Kolumnist muss zugeben, dass er eigene Energien kaum noch in solche Innovations-Expansionen gesteckt hat.
Deshalb wäre es doch sinnvoll mal über solche Gedanken zu sinnieren und sich und andere zu motivieren, wieder mal etwas „Neues bzw. Anderes“ auszuprobieren. Es gibt noch soviele unergründete Orte, die nur darauf warten von uns und unserer Musik entdeckt zu werden. Man könnte diesen Gedanken doch tatsächlich als einen Vorsatz für 2020 einrichten und versuchen, seine Komfortzone zu verlassen. Zumindest für ein paar Tage im Jahr.

Stefan Erbe

Montag, 25. November 2019

Tag der Deutschen Einheit? War gestern! Totensonntag? Ach geh wech damit! Ostern und Weihnachten? Völlig überholt! Schwarze und Rote Freitage und die Wochen des ultimativen Schnäppchens sind die wirklichen wichtigen Feiertage im Jahr. Wer etwas auf sich hält, der nimmt seinen Jahresurlaub Ende November und verbringt diese heimelige Zeit in den Werbeauslagen, mit gedruckten Sonderangeboten und radikalen Reduzierungsabsichten. Dabei wird der Tag nicht mehr in Uhrzeiten gemessen, sondern er erhält dekadierte Prozentangaben, die das neuerliche Megaschnäppchen in der Zeit vor und nach den zu erwartenden 50% Hürde einteilen. Da werden Altpapiercontainer über mehrere Wochen leer bleiben, da der erfahrende Einkäufer garantiert keine werbewirksame Zeitungsbeilage zu viel entsorgen will, während ganztägig Radio und TV in gemeinschaftlicher Kakophonie laufen um die verkaufsfördernde Beschaffungs-Predigten abzuhalten.
Und wir? Wir sind die Schäfchen, die besinnungslosen Schlachtbankkälber

Montag, 23. September 2019

Ja, es ist im zum Heulen. Da gibt es ne Menge toller Events, Festivals und Konzertreihen und pünktlich zur Deadline des „Kartenvorbestellungs-Point-of-Break-Even“ geraten einige der Veranstaltungen ins Schleudern. Zu wenig Karten verkauft bisher. So geschehen auch beim schicken B-Wave in Belgien, dass sich gerade zum Sahneschnittchen der neuerlichen europäischen Synth-Konzerte entwickelte. Schade, sehr schade, denn eine dauerhafte Etablierung im Belgischen Raum, hätte der zentralen EM-Szene nicht nur gut getan, sondern auch für weitere Stabilität im gesamteuropäischen Independent-Festival-Trend bedeutet. Nicht nur, dass die diesjährige Reise nach Hasselt ausfallen wird, vermutlich wird es auch im nächsten Jahr keinen Anlass geben dort hin zu fahren.
Wie auch bei einigen anderen Musikserien, will der traditionelle EM-Fan scheinbar keine Tickets mehr im Vorfeld erwerben, sondern erst kurzfristig entscheiden ob er hinfährt oder eben auch nicht.
Das Orga-Dilemma, dass sich aus diesem Verhalten ergibt, ist nicht nur bei den Belgischen Freunden angekommen, sondern ergibt sich immer wieder auch im Vorfeld anderer Events wie z.B. des ECs sowie bei E-Live oder beim E-Day. Beinahe Verständlich, denn warum auch Ticktets zu früh kaufen, wenn man eh weiß, dass es am Abend/Tag noch genügend davon gibt. Möglicherweise wollen auch nicht mehr alle Fans zu jedem Festival fahren, denn gerade in den letzten 4 Monaten des Jahres drubbelt sich die Auswahl der zu besuchenden Veranstaltungen. Somit darf und muss die Frage gestellt werden, warum man nicht einfach mal andere Jahreszeiten auswählt um den Liebhaber zur Festivalreise zu motivieren (scheint es nur so oder sind die Veranstaltungen der ersten 6 Monate immer besser besucht?!). Ebenso ist die selektiv geäußerte Veranstalter-Kritik, dass man ja die Veranstaltungen nur für die Fans organisiert und selbst keinen Cent damit verdient, auch nicht immer gerechtfertigt, denn nur die bloße Existenz einer Festivalserie ist keine automatische Anreiseverpflichtung, obwohl der Kolumnist hier den Ärger manchmal nachvollziehen kann.
Aber, lebten viele der Konzertserien früher vom Pionierspirit und der Leistungsbereitschaft der Macher, so wich diese Motivationsgrundlage über die letzten Jahre dem nun inhaltlichen Qualitäts-Anspruch der Besucher. Nicht nur die Künstlerauswahl wird scheinbar immer wichtiger um die zahlende Gemeinschaft in die EM-Regionen zu locken, sondern auch beim Zusatzrahmenprogramm erleben wir steigende Wünsche und Investitionen. Ob die Gesamtpakete nun immer den breiten Geschmack treffen, darf gerne hinterfragt werden, denn gelegentlich hört man schon mal die leise Kritik einer möglichen Künstler-Sättigung. Die Gratwanderung zwischen Qualität und Kommerz, unbekannten und etablierten Acts ist sicherlich eine große Herausforderung, scheint aber in vielen Fällen einen wesentlichen Anteil über Erfolg oder Misserfolg zu entscheiden.
Wir sollten aber jetzt nicht zu viel Trübsal blasen, denn die aktuelle EM-Kultur der Aufführenden ist durchaus positiv. Betrachtet man rückwirkend die letzten 10 Jahre, so ist Anzahl und  die Qualität der Events immer noch produktiv, inhaltlich von guter Qualität und fast immer in Ausführung und Machart lobenswert. Trotzdem empfiehlt es sich, dass man vielleicht doch an der einen oder anderen Stelle noch Beratungsfreudiger werden könnte und man noch mehr die Wünsche der Konzertgänger berücksichtigen kann. Ein „Merkelübliches – Weiter so wie bisher“ könnte zukünftig weitere Konzertserien treffen, investiert man nicht mal in veränderte Marketingstrategien oder nutzt weitere wirtschaftlich-förderliche Instrumente. Wer immer nur mit den Mitteln der üblichen „Fan-komm-zu-uns-Strategie“ arbeiten wird, dem fehlen unter Umständen Expansionsoptionen zum Fortbestand. Der Zeilenerschaffer erinnert sich dabei gerne und deutlich an die mögliche Synergie aller Beteiligten, die leider immer noch Jahr für Jahr nicht zusammengeführt wird. Wie konstruktiv und mehrwertig wäre es, wenn man sich tatsächlich 1x im Jahr zusammensetzen würde um den kleinen EM-Kuchen nicht nur zu zerteilen, sondern versucht ihn einfach mal größer werden zu lassen. Was hätte man zu verlieren? Nix! Also einfach mal machen, aber eben nicht wieder auf den letzten Drücker….

Stefan Erbe

Dienstag, 07. Mai 2019

europaE-Live und E-Day sind vorerst gerettet bzw. gehen in bewährter Form weiter, der EC hat eine neue Lokation in Detmold, Repelen war wieder ein Erfolg, etliche Konzerte waren gut besucht und empulsiv freut sich mit euch auf/über eine tolles Jahr 2019. (immerhin jetzt auch schon wieder ein paar Monate alt).
Und gibt es auch was zu meckern? Hmm, eigentlich nicht, außer man würde über den EM-Tellerrand hinausschauen und sich fragen, was sonst so alles in der Welt schief läuft. Aber das soll nun nicht das Thema einer Elektronik-Webzine-Kolumne sein, sondern sich vielmehr um die Tatsache drehen, dass sich auch der bisherige Jahresrückblick schon ganz ordentlich anfühlte. Tolle neue Produktionen, gut frequentierte Events und eine Preisverleihung im Februar die ausverkauft war, eine neue Kategorie etabliert hat und sich wohl auch im kommenden Jahr noch weiterentwickeln könnte/sollte/wird ;)
Also die Lage zur EM-Nation fällt bisher positiv aus. Aber alles kein Grund sich nun auf den Lorbeeren auszuruhen, nein vielmehr geht es weiterhin darum, neue Fans zu gewinnen, den Markt zu vergrößern und sich gemeinsam zu unterstützen. Egal wo, wie und wann! Es wird noch genügend Anlässe  dazu geben.

Stefan Erbe

Dienstag, 22. Januar 2019

empulsivneumadeinIn Zeiten ohne viel Zeit, gibt es ab und zu doch mal einen Augenblick zum Inne halten. So Einer ist gerade jetzt, also in diesem Moment, so einfach mal hier und heute. Wir blicken zurück, und zwar auf 8 Jahre empulsiv und auf eine Zeit die jetzt natürlich viel kürzer erscheint, als man es so fühlt und denkt. Anfang 2011 haben sich Stefan² gemeinschaftliche Gedanken gemacht, was man noch so tun könnte, um dem hiesigen EM-Genre noch ein bisschen Hilfestellung zu geben. Der Gedanke, Neulinge zu supporten, bewährte Künstler zu rezensieren und als Archiv für Events und musikalische Erzeugnisse zu dienen, steht auch nach den vielen Jahren immer noch ganz weit oben auf der empulsiv-Agenda.  Und es hat sich da ganz schön was angesammelt, egal ob CD-Bewertung, Eventbericht oder als kolumnistische Weisheit zur aktuellen Lage der EM-Nation, wir waren fast immer dabei oder besser gleich mittendrin.
Aber worüber gäbe es nun noch zu sinnieren, was bedarf einer Rückschau und was sollte unbedingt noch erwähnt werden? Welche Highlights müssen benannt werden und was muss als Fazit in die letzten Zeilen dieser Betrachtung?
Nun bei der Umschau auf die schwierigen musikalischen Zeiten des letzten Jahrzehnts, freuen wir uns natürlich zunächst darüber, dass es auch ohne Sponsor und nervender Werbung möglich ist eine Website zu etablieren. Wir EM-Webzine-Indianer freuen uns natürlich nicht nur über Zuspruch, sondern auch über Anregungen und Kritik. Davon hätten wir sicherlich noch gerne etwas mehr. Ansonsten reist empulsiv auch zukünftig mit der EM-Gemeinde von Festival zu Festival, befragt und interviewed, rezensiert und schreibt fleißig weiter. Gerne auch noch weitere 8 Jahre oder auch länger. Ebenso erfreut es uns, dass wir mit Alfred einen der wohl deutschlandweit umtriebigsten Schreiberlinge in den eigenen Reihen besitzen, der jährlich etliche tausende Kilometer durch die Lande reist, um euch seine Eindrücke der besuchten Events niederzuschreiben. Und wie? Na einfach so!
Das wir tatsächlich nun auch weiteren Schreiberzuwachs mit Will bekommen und auch immer wieder mal Gastrezensenten die empulsiv-Plattform beglücken, setzt dem aktuellen Zuspruch sicher die Krone auf. Jetzt wäre es noch toll, wenn sich die hiesige EM-Gemeinde mit ausführlichem Lesen, Teilen, Kommentieren, Kritisieren und was weiß ich noch stärker beteiligen würde. Wir machen das ja nicht für uns.
Also Leute, wir zählen auf Euch! Los geht’s.

Stefan Erbe

Montag, 29. Oktober 2018

Einige der Leser dieses Nachrufes werden sich sicher fragen, wer ist bzw. war Bertold Heinze? Ist er ein Musiker, ein Künstler oder vielleicht ein Medienmacher? Nichts von Alledem. Bertold war in erster Linie einfach „nur ein“ Mensch und ein Musikliebhaber (nicht nur) der elektronischen Musik.
Warum also ein Nachruf für jemanden, den viele der Leser hier nicht einmal kannten?

Bertold Heinze ist als mitverantwortlicher Macher des Bochumer Schallwende e.v. viele Jahre sehr aktiv gewesen und war im besonderen Maße eine Stütze des Vereines. Seine unvergleichliche Art, sehr genau und detailliert, aber immer mit rheinländischer Frohnatur die Dinge voran zu treiben, hat über die Jahrzehnte nicht nur Eindruck hinterlassen, nein es hat vielen Musikern, im besonderen den Newcomern geholfen, sich und ihre Musik ein wenig populärer zu machen. Bertold war als Finanzverantwortlicher immer darauf bedacht, die wirtschaftlichen Förderungen des Vereines sinnvoll und nachhaltig zu investieren und ist mit seiner besonderen Weitsicht verantwortlich dafür, dass die Schallwende e.v. kontinuierlich ihre Aufgabe zur Förderung der elektronischen Musik ausführen kann und konnte.

Die obigen Zeilen mögen den sachlichen Teil des Nachrufes in kurzer Form umfassen, doch der viel wichtigere Part beinhaltet die Art und Weise, wie Bertold mit den Menschen umging. Seine Form der Kommunikation war im besonderen Maße herzlich und uneigennützig, und sich für andere einzusetzen ist sicher nicht nur durch seinen medizinischen Hintergrund zu erklären, sondern vielmehr durch seine philanthropische Grundhaltung zu erklären. Bertold war eine wirklich besondere Persönlichkeit in der Welt der vielen Einheitsdenkenden. Er traute sich Grenzen zu überschreiten und Menschen von seinen richtigen Ideen zu überzeugen. Es war ihm auch egal ob er damit manchmal Widerstände zu überbrücken hatte, er für eine Sache kämpfen musste oder er sich auch mal „Feinde“ machte. Er war stets von einem besonderen Gerechtigkeitsdenken motiviert und gab dies uneigennützig in die Gemeinschaften denen er angehörte.
Seine Tugenden sind mittlerweile selten zu finden. Viel zu oft gewichtet sich der persönliche Egoismus stärker, als der weitsichtige Blick in das Wohl anderer Menschen und Vereinigungen. Bertold stellte sich nie in den Vordergrund, sondern unterwarf sich immer der Sache um die es ging. 

Dass er dem Verein fehlen wird, wäre vielleicht noch zu verschmerzen. Vielmehr ist es die besondere Lichtgestalt, der Mensch und das was er alles noch hätte bewegen können, was fehlen wird.
Ich verneige mich vor dieser, seiner Lebensleistung und komme nochmal zum Anfang dieses Nachrufes. Mögen diese Zeilen ihn ein wenig „bekannter“ gemacht haben, seine Hinterlassenschaften sind in jedem Fall nicht weniger bedeutend als die der meisten Musiker, Künstler oder sonstige berühmte Persönlichkeit.

Stefan Erbe

Donnerstag, 27. September 2018

Nun, die doch kleine Welt der musizierende EM-Traditionalisten ist und bleibt auch heute noch immer sehr überschaubar. Ist so! Denn nur ein paar tausend Fans hören, konsumieren sowie pilgern zu ein paar hundert Bands und Künstlern durch die Republik, die von TD, KS, Schiller, Kraftwerk und Jarre angeführt werden und erfreuen sich der Individualität eines Genres, das wohl immer Insider-Mukke bleiben wird. 

Ist aber auch nicht schlimm, denn diese Szene hat eine besondere Qualität und eine sehr zusammenführende Eigenschaft für alle „ex-Schwingungianer“ und deren Nachfolge-Institutionen. Sie bildet eine Form der Gemeinschaft, die seit den 80er Jahren Bestand hat und etwas realisiert, was andere kommerziellen Trends und Stilrichtungen synthetischer Popart nie geschafft haben. Sie vereint die Liebe zu einer Musik, die eben nicht den kommerziellen Zwängen unterliegt oder sie so maßgeblich beeinflusst hat, dass Musiker wegen wirtschaftlichen Misserfolgen oder den Wahnsinnsfantasien ihrer Label oder AR-Manager aufgeben mussten. Nein, viele der Macher (zu denen sich auch der Autor zählt) sind unabhängig, Publikumsnah und sehr oft auch innovativ.
Natürlich kann man sagen, was bleibt ihnen auch anderes übrig, so ohne Massenmarkt und wenig Medien und TV-Präsenz. Aber wollen wir das wirklich? Ist denn nicht gerade die Nähe zwischen Konsument und Erzeuger ein wesentliches Element? Wo ist es möglich, sich nach einem Konzert mit den Musikern zu unterhalten, einen wesentlich bedeutsameren Einblick in deren Kreativität zu bekommen und direktes Feedback zu geben?
Wie oft ertappen wir uns dabei, dass wir in der medialen Musikwelt kaum noch Dinge finden, die uns begeistern, zu denen wir uns bekennen können sie als Meilensteine zu bezeichnen oder sie mit persönlichen Lebenssituationen verbunden zu haben!
Deshalb ist auch das Kleinod der sogenannten EM so wertvoll und einzigartig. Sie bietet vielen ihrer Liebhaber eben genau das, was wir an vielen anderen Stellen so sehr vermissen. Eine Kombination aus positiven Errungenschaften, die sich in den Festivals zwischen Holland, dem Ruhrgebiet und Ostwestfalen wiederspiegeln. Es sind die Leute die sich oft bis alljährlich auf den kleinen Konzerten in Freizeiteinrichtungen, Kirchen, Sternwarten und Planetarien oder an anderen individuellen Orten präsentieren und deren Macher, die ihre Freizeit (und auch oft eigenes Geld) opfern, um diesen EM-Topf am köcheln zu halten.
Wer nun glaubt, es würde aber immer alles so automatisch weitergehen, der sollte nicht vergessen, dass dies nur klappt, wenn es Menschen gibt, die regelmäßig zu den Veranstaltungen gehen. Wer jedes Jahr ein Festivalangebot möchte, muss auch jedes Jahr dorthin gehen. Ansonsten geht die Rechnung nicht auf. Die EM-Gemeinde braucht seine Fans und Freunde dringlicher denn je, denn es gibt keinen externen Sponsor, Sender oder Geldgeber, der das Planungs-Risiko übernehmen wird.

Ich schlucke immer regelmäßig, wenn mir Konzert- oder Festivalbesucher von den Preisen der „großen“ Kommerzevents berichten. Da werden mal locker nur für 90 Minuten Konzerte 150-200 Euro ausgegeben. Dagegen sind 30-40 Euro für ein Festival in NL oder Detmold sicher ein Taschengeld. Trotzdem hört man häufiger von Besuchern, dass es viel Geld sei. Zugegeben, nicht jedes EM-Event bietet Pyro, Dreckzelten und Alkoholleichen in der Nachbarschaft, kann dafür aber mit guter Musik, guten Gesprächen unter Freunden und mit „Anfassen“ des Künstlers punkten.
Möge jeder dahin tingeln und seine Kohle darin investieren, was in seinen Augen den höchsten Mehrwert bietet, eines scheint mir aber sicher, wer noch viele Jahre regionale, unabhängige und gute elektronische Musik erfahren möchte, muss eben auch regelmäßig dorthin reisen, wo sie ist.

Stefan Erbe

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