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Ein "Groß-Planetarium" wie das in Bochum, Brüssel oder in diversen anderen Großstädten ist mit seiner riesigen Kuppel und der dreistelligen Anzahl Sitzplätze schon ein beeindruckender Bau. Daneben gibt es aber noch eine Reihe kleinerer Planetarien, die vielleicht in ihrer Technik nicht so imposant sind, dafür aber auf andere Weise ihren Reiz haben. Ziel meines heutigen Ausflugs ist ein solches, nämlich das Planetarium der Sternwarte Recklinghausen. Bereits zum dritten Mal wird hier die "Sternentraumreise" aufgeführt, ein kosmisches Märchen kombiniert mit elektronischer Musik.

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Eine Überraschung, als ich an der Sternwarte angekommen bin: Der Bau wurde mittlerweile um ein Foyer erweitert, in dem zum Beispiel Vorträge abgehalten werden können und das ebenso vielen Zuschauern Platz bietet wie die Kuppel selber. Das Planetarium selber ist unverändert und bietet immer noch die gleiche intime Atmosphäre, wie ich sie von früheren Besuchen kenne. Der Rand der Projektionskuppel ist mit einem aus Holz ausgeschnitten Stadtpanorama verziert, und in der Mitte steht der Sternenprojektor. Er hat noch die klassische Hantelform, wie der in Bochum im Foyer ausgestellte alte Projektor, nur ist er natürlich in seinen Dimensionen dem Raum angepasst.

Das Recklinghausener Planetarium hat etwa 70 Sitzplätze. Die werden heute zwar nicht alle verkauft, aber gut 50 Besucher finde ich für einen Freitag Abend trotzdem eine respektable Zahl. Einige Sitze mussten für diesen Abend ohnehin ausgebaut werden, um den Musikern und ihren Instrumenten Platz zu bieten. Im einzelnen sind das Torsten Abel (der es heute nicht weit hatte) und Anthony Walters an den Keyboards sowie Martin 'Martinson' Rohleder an der Gitarre. Vera M. van Bergh steuert den Gesang bei; außerdem wird sie im folgenden die Textteile dieser Geschichte lesen.

Worum geht es in der "Sternentraumreise"? Es ist gerade der Stern des Jahres gewählt worden, und wieder hat der Mond gewonnen. Das gefällt der eitlen Venus überhaupt nicht, und sie ersinnt einen Plan, mit Hilfe einer Sternschnuppe den staubigen, unscheinbaren Gesellen ein für allemal aus ihrem Gesichtsfeld zu entfernen. Eine Sternschnuppe wird auf Kollisionskurs geschickt ... aber so weit wird es natürlich nicht kommen!

Genauso wichtig an dieser Traumreise ist aber die Musik, die sich mit den Textpassagen abwechselt. Einige Titel kommen mir von Sine Amplitudes Debutalbum bekannt vor, wenngleich sie dem Thema angepasst hier deutlich weniger rockig daherkommen. Dafür würde ja auch der Schlagzeuger fehlen. Ein ums andere Mal ertappe ich mich beim Wegdösen in meinem Sessel, bis die Reise nach einer guten Stunde ihr dramatisches Endes findet und wieder Eintracht unter den Gestirnen herrscht. Die Zugabe fällt dieses Mal aus, die Geschichte ist eben bis zum Ende erzählt. Es wäre schön, wenn bis zur nächsten Aufführung der Sternentraumreise nicht wieder zwei oder drei Jahre vergehen - und vielleicht schafft sie es ja auch einmal unter eine grössere Kuppel.

Alfred Arnold