Berichte

Die Turbulenzen um die Zukunft von "De Enck" haben sich zum Glück mittlerweile wieder gelegt. Ron Boots war letztens so mutig, in seinem Newsletter und auf Facebook bereits die Termine von E-Day und E-Live für das nächste und übernächste (!) Jahr anzukündigen - auch damit die Organisatoren anderer Events eine Möglichkeit haben, dies bei ihrer Planung zu berücksichtigen. Dass der Frühjahrs- und Herbsttermin in Oirschot Dinge sind, die der EM-Fan nur äußerst ungern ausfallen lässt, hat sich einmal mehr am Zuspruch für das diesjährige E-Live gezeigt: Bereits vor Wochen hatte die Zahl der bestellten Tickets die 200er-Grenze überschritten, und zusammen mit den noch an der Abendkasse verkauften Karten konnte Ron stolz ein quasi ausverkauftes Haus verkünden - gerade einmal vier Plätze im großen Saal von "De Enck" wären noch zu haben gewesen.

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Dieses Ergebnis ist um so erstaunlicher, als dass Ron Boots zwar wieder ein sehr attraktives Line-up verpflichten konnte, aber dieses Mal keinen "ganz großen alten Namen" wie Manuel Goettsching oder Tangerine Dream als Haupt-Act auf der Liste hat. Das widerlegt die bisweilen ausgesprochene Behauptung, ausverkaufte Häuser wären nur noch damit zu erreichen. Zu diesem Ergebnis mag natürlich auch ein "Weckruf" beigetragen haben, der nach der Absage von B-Wave und der Fast-Absage des Electronic Circus durch die Szene gegangen ist. Wie dem auch sei, es ist gut zu wissen, dass die Szene mit ihren Fans eben nicht nach und nach "entschlummert", sondern lebendig und aktiv ist.

Die im Foyer aufgebauten CD-Stände sind auf ihre Weise natürlich auch ein Gradmesser für die Produktivität, und das Gebotene kann sich sehen lassen: Alleine fast ein halbes Dutzend Neuerscheinungen finden sich am Groove-Stand, der in Oirschot selbstredend der größte ist. Aber auch die Stände anderer Label bieten hinreichend Möglichkeiten, die Silberlinge im Portemonaie gegen frische Tonträger gleicher Farbe zu tauschen: Bei Manikin kann man sowohl von Filter-Kaffee als auch von Broekhuis, Keller und Schönwälder ein neues Album erwerben, und David Wright hat sein Konzert mit Carys von 2017 auf Winnies Schwingungen-Party gleich als DVD veröffentlicht. Neben den Labels haben auch wieder einige Musiker ihren eigenen Stand. "The Roswell Incident", von denen man einige Zeit nicht viel gehört hatte, haben ein frisch produziertes Album dabei, zusammen mit dem Versprechen, dass es bis zum nächsten nicht wieder so lange dauern wird.

Was beim Schlendern von Stand zu Stand so auffällt: Das Foyer ist zwar gut gefüllt, aber eigentlich müsste es bei knapp 300 Besuchern noch viel voller sein. Wo ist der Rest? Das klärt sich spontan, als wir ins erste Stockwerk gehen, wo der kleine Saal dieses Mal von Ansgar Stock bespielt wird. Ich habe in all den Jahren noch nicht erlebt, dass er derartig voll war: Alle Sitzplätze belegt, auch an den Rändern stehen Zuschauer dicht gedrängt und die Besucherschlange reicht bis zum Eingang heraus - auf diesen Zuspruch kann sich das mit Abstand jüngste aktive Mitglied der "EM-Gemeinde" schon etwas einbilden. Natürlich spielt Ansgar diverse Titel von seinem Erstlings-Album, und mit der angekündigten Überraschung zum Schluss stellt er mich und die anderen Besucher vor eine schwierige Entscheidung: Bis zum Ende dableiben, oder sich unten vor dem Hauptsaal für einen guten Platz anstellen? Reporterpflichten und ein guter Platz für Fotos gewinnen, so dass ich den abschließenden Applaus kurz vor 14 Uhr aus dem Erdgeschoss mitbekomme. Es wird nicht Ansgars letzter Auftritt in Oirschot gewesen sein.

Jetzt aber zu den Acts im großen Saal: Pünktlich um 14 Uhr öffnen sich dessen Tore und gewähren den einströmenden Massen Einlass. Ob es die beiden Personen am Eingang unter diesem Umständen wirklich schaffen, jeden Besucher auf sein Bändchen zu kontrollieren? Einen Platz hat jede(r) gefunden, zur Not mit Hilfe von Rons Mitarbeitern im Saal. Nicht weniger voll als die Zuschauerreihen ist die Bühne. Wie immer sind die Instrumenten-Setups aller Akteure aufgebaut und werden im Verlaufe des Tages nach und nach wieder fortgeräumt. Dass sich Ron für seine Begrüßung ganz an den Rand der Bühne stellt, hat aber nichts mit ihrem "Füllstand" zu tun: sein Mikrofon-Kabel ist aus irgendwelchen Gründen zu kurz, es reicht einfach nicht bis zur Mitte. Das bringt Ron nicht aus dem Konzept. Natürlich bedankt er sich für die tolle Beteiligung, und wichtige organisatorische Hinweise kommen in drei Sprachen. Heute besonders zu beachten: Falls Euch in Oirschot jemand mit einer Kettensäge über den Weg läuft - der will nur spielen! In Oirschot wird Halloween besonders ausführlich und schon ein paar Tage früher gefeiert. Alle Läden in der Umgebung sind passend dekoriert, und es werden einige tausend feierlaunige Besucher in der Stadt erwartet. Irgendwelche Verkleidungen in dieser Richtung haben sich Ron und sein Team aber verkniffen - das ist die Domäne eines anderen Events.

Nun aber wirklich zum ersten Act des Tages: Die etwas undankbare Aufgabe des "Anheizers" bekommt auf solchen Festivals ja meist ein neuer oder noch nicht ganz so bekannter Musiker. Auch hier beweist Ron Geschick bei der Auswahl: Christian Jansen alias "C-Jay" ist zwar ganz klassisch über Tangerine Dream und Jean-Michel Jarre zur elektronischen Musik gekommen, er hat aber in den letzten Jahren in erster Linie als DJ gearbeitet - die Erfahrung, einen Saal auf "Betriebstemperatur" zu bringen, sollte er also haben. Mit seinem aktuellen Album (eine der Neuerscheinungen am Groove-Stand) ist er rechtzeitig wieder zu seiner "ersten Liebe" zurück gekehrt. Und das Ergebnis kann sich hören lassen: Abwechslungsreich und kurzweilig ist die Reise durch C-Jays Klangwelten. Tanzbare Elemente gehen eine Synthese mit klassischen EM-Sequenzen ein, begleitet von bunten Visuals. Kurze und lange Tracks wechseln sich ebenso ab, passend zum längsten Titel im Mittelteil werden die Visuals schon beinahe hypnotisch und psychedelisch.

Ein wenig Erleichterung ist Christian am Endes seines Auftritts anzusehen: Alles hat geklappt, keine Hänger und zufriedene Besucher. Nicht wenige werden wie ich in der kurzen Pause schnell zum Groove-Stand gegangen sein, um sich ihr Exemplar von "Adem" zu sichern. Einen Kaffee, um die Nachmittags-Müdigkeit zu überwinden, braucht man nach diesem Konzert eigentlich nicht.

Was an diesem Tag wirklich perfekt läuft: der Zeitplan. Genau zur angekündigten Zeit werden wir wieder in den Saal eingelassen. Die Technik hat die Zeit genutzt, Rons Leitung zu verlängern - jetzt kann er sich mit dem Mikrofon in die Mitte der Bühne stellen. Zu allererst bittet Ron um Verzeihung für das Gedränge bei Ansgars Konzert: der kleine Saal hat nur eine begrenzte Kapazität, wer vorhin nichts von Ansgar sehen konnte, der hat gleich in der großen Pause noch einmal die Chance, einen besseren Platz zu ergattern.

Einige Nachzügler haben es wohl erst zum zweiten Konzert nach Oirschot geschafft, ein kurzer Blick über die Reihen vermittelt den Eindruck, dass sie jetzt wirklich bis auf den letzten Platz gefüllt sind. Sie teilen dieses Gefühl wohliger Enge mit den drei Musikern, die das Abschlusskonzert des Nachmittags bestreiten werden: Broekhuis, Keller und Schönwälder. Sie haben nicht viel weniger Instrumente mitgebracht, als sie auch in Repelen in der Kirche jedes Jahr aufbauen, nur steht ihnen hier nicht einmal die Hälfte an Fläche zur Verfügung. Aber mit etwas Phantasie und Kreativität bekommt man alles unter. Auch Detlefs Laserharfe fehlt nicht. Die drei Lampen, mit denen in Repelen immer angezeigt wird, wer gerade mitspielt, werden durch Spots ergänzt, die jeden "Arbeitsplatz" separat in weißes, gedämpftes Licht tauchen - ein Segen für die Fotografen.

Das Trio aus Deutschland und Holland geht gleich in die Vollen: schon nach wenigen Takten wird der erste Track satt und druckvoll und vereint die drei "Tugenden", für die Broekhuis, Keller und Schönwälder stehen: Rhythmus, Melodie und verträumte Flächen. Es ist immer wieder ein Vergnügen, diesem Trio auf der Bühne zuzuschauen, wie sie sich nach all den Jahren verstehen und uns mit in ihren Flow nehmen. In das warme Klangbild fließen dieses Mal unüberhörbar auch ein paar klassische TD-Sounds ein, während das Tempo des Tracks sachte zurückgenommen wird und die Bühne sich dazu passend etwas verdunkelt. Nach dem verdienten Applaus greift Bas zum Mikrofon: Die "Vorstellungsrunde" übernimmt dieses Mal er, wir sind ja in Holland und alle Ansagen werden in der Muttersprache des Gastgebers gemacht. Wie man sich schon denken konnte, war der erste Titel vom neuen Album "Purple", genauer gesagt dessen viertes Kapitel. Live variieren BK&S ja gerne ein wenig die Reihenfolge, anstatt die Titel stur so wie auf dem Album herunterzuspielen. Also folgt auf die vier - logischerweise - Kapitel Nummer eins. Marios Part kommt in ihm deutlich mehr zur Geltung, Bas steuert nur ein paar minimalistische Beats bei, und Detlefs Melodienlinie ist zur Abwechslung einmal von Gitarrensounds durchsetzt.

Vor den nächsten Titel gestattet sich Bas, noch ein wenig Werbung in eigener Sache zu machen: im Frühjahr steht noch einmal ein Konzert in der Dorfkirche auf der Liste, und im November kann man die drei in Berlin im Planetarium am Insulaner sehen. Das hat Detlef Zeit gegeben, die Laserharfe zu starten und die dazu gehörigen Handschuhe anzuziehen. Sie sind auf der Innenfläche mit kleinen Spiegeln besetzt, so kann Detlef die Laserstrahlen mal hierhin, mal dorthin lenken, während er die Melodielinie zu "Purple Chapter 2" beisteuert. Mal sind die Klänge orgelmäßig-sakral, mal glockig, und immer ist Detlef selber dabei ein beliebtes Foto-Motiv.

Tracks von BK&S sind ja eher "Langläufer", und so ist der nächste Titel auch schon der letzte dieses Nachmittags. Bas steigt ein wenig in die Geschichte der "Farbenlehre" von BK&S ein: Angefangen hatte es mit eine Live-Mitschnitt aus Holland, der den Namen "Orange" bekommen hatte. Seitdem folgt eine Farbe auf die nächste: Blau, Rot, Grün, Gelb ... und eben jetzt Lila. Gehen wir doch einfach mal etwas in der Zeit zurück und spielen zum Abschluss etwas von "Green": Die Bühnenbeleuchtung wechselt die Farbe, und ein schöner Rhythmus trägt uns durch die letzten Minuten dieses Konzerts. BK&S auf der Bühne sind einfach eine "Bank" - wer sie bucht, kann kaum etwas falsch machen. Wohlverdienter Applaus beschließt ihr heutiges Konzert in "De Enck".

Ein wenig Arbeit steht für das Trio noch an, denn in der großen Pause müssen sie wie auch C-Jay ihre Instrumente abbauen. Die Besucher haben die Wahl: Noch einmal versuchen, oben bei Ansgar Stock einen Platz zu ergattern oder Abendessen? Wer für ein Abendessen im Vorfeld versucht hatte, einen Tisch in einem der umliegenden Restaurants zu reservieren, dem konnte es passieren, dass keiner mehr frei war - ein gut besuchtes Konzert, plus die Halloween-Feiern, das sorgt eben auch für eine gute Auslastung der umliegenden Restaurants. Auch wir hatten Pech, bei unserem Stamm-Italiener "Il Tavolino" konnten wir keinen Tisch mehr ergattern. Genau gegenüber in der "Ratatouille" isst man nicht weniger gut, und wird auch genauso zügig bedient, dass man zum dritten Konzert wieder zurück ist. Denn dieses will wirklich niemand verpassen.

Ron Boots hat es für dieses E-Live geschafft, einen Mann auf die Bühne zu bringen, dessen Name Erinnerungen weckt: Rob Papen war Mitglied bei Nova und Peru. Nach deren Ende war er keineswegs untätig, er hatte sich nur darauf verlegt, im Studio zu arbeiten und Sounds zu entwickeln, die von anderen Musikern eingesetzt werden. Aber irgendwann kam dann doch der Zeitpunkt, wo man mit all diesen Klängen wieder eigene Stücke entwickeln will, und das Ergebnis war die Veröffentlichung von "The Return" vor einem knappen Jahr. Bereits dieses Album hatte für einiges Aufsehen in der Szene gesorgt, und jetzt ist Ron der Coup gelungen, Rob alleine zu einem Live-Auftritt zu überreden. Wir als Besucher können uns vielleicht gar nicht so recht ausmalen, was für eine Überwindung dieser Schritt gekostet haben mag. Im Studio kann man an einem Titel so lange feilen, bis er perfekt ist, einmal live gespielte Noten lassen sich nicht wieder einfangen. Wie geht Rob dieses Wagnis an? Nun, ganz bescheiden. Auf eine große Bühnenshow verzichtet er, man hat fast den Eindruck, er hätte einfach einen Teil seines Studios auf zwei oder drei Tische gestellt. Stephan Whitlan steht bereit, bei Problemen einzugreifen. Spielen wird Stephan heute nicht, er hat das ja in der letzten Zeit schon so oft auf dieser Bühne getan, wie Ron in seiner Einführung scherzhaft anmerkt.

Stephan kann sich an diesem frühen Abend aber ganz entspannt zurücklehnen, denn bei Robs Auftritt läuft alles wie am Schnürchen. Melodisch-rhythmische und durchaus auch tanzbare Klänge reihen sich aneinander, so wie man sie von Peru kennt. Der Unterschied: Rob wagt es solo, sie auch einmal etwas länger auszubreiten. Ein Track darf heute auch gerne einmal zehn bis fünfzehn Minuten dauern und gleich in den nächsten übergehen. Parallel dazu führen uns die Visuals ins All oder in Afrikas wilde Tierwelt. Einzelne Passagen könnten aber genauso gut als Filmmusik für einen Western herhalten. Und immer ist die technische Qualität des gebotenen perfekt - man könnte die Aufnahme dieses Auftritts eigentlich so wie sie ist auf eine CD pressen. Der Lohn für diese Performance: die ersten Standing Ovations des Abends. Nachdem er die entgegen genommen hat, möchte Rob noch ein paar Dankesworte loswerden. Ganz bescheiden am Rand der Bühne stehend erzählt er, dass dies sein erstes Solo-Konzert seit 40 Jahren wäre - er war 15, als er das zum letzten Mal gemacht hat. Verlernt hat er das seitdem nicht, und ich denke nicht, dass es bis zum nächsten Mal wieder so lange dauern wird. Gerüchteweise sind im Anschluss im Foyer schon erste Anfragen gestellt worden.

Erstaunlicherweise sind wir immer noch im Zeitplan, der im Foyer an diversen Stellen aushängt. Ron möchte, dass es so bleibt, und auch für das letzte Konzert des Abends öffnen sich die Türen nach Plan. Da es auch für Ron die letzte Ansage des Tages sein wird, nimmt er sich die Zeit, ein paar Danksagungen loszuwerden: an das Personal von "De Enck", an seine eigenen Mitstreiter bei Groove und - last but not least - die Besucher, ohne die so ein Festival nicht möglich wäre. Es sind dies die Momente, in denen ich bei mir denke, dass die EM-Szene doch so etwas wie eine große Familie ist. Man trifft sich, man ist auch mal nicht einer Meinung, aber irgendwie ist da doch ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und Freundschaft, die alle verbindet. Und Ron Boots gelingt es zweimal im Jahr, ein großes Familientreffen zu organisieren.

Jetzt soll die Bühne aber alleine dem Haupt-Act des Tages gehören. Nach Musikern aus Holland und Deutschland geht es auf die Insel, auf der nicht weniger viele EM-Musiker beheimatet sind. Ian Boddy ist einer der "altgedientesten" von ihnen, und er betreibt mit DiN sein eigenes Label. Ein Sound-Designer und Klang-Tüftler ist Ian genauso wie Rob, aber auf andere Weise. Fügen sich bei Rob die Sounds in ein harmonisches Gesamtgebilde ein, so lässt Ian seine Klänge für sich alleine wirken. Dabei sind sie nicht weniger wuchtig und harmonisch, aber es ist eine gänzlich andere Stimmung, die Ian Boddy dabei entwickelt. Sie ist weniger mitreißend, eher kontemplativ, und lädt den Hörer dazu ein, die einzelnen Klänge auf sich wirken zu lassen. Passend zu dieser Atmosphäre agiert er auch auf der Bühne: bedächtig, gelassen und souverän. Mal wird hier eine Einstellung am Modularsystem geändert, dann werden ein paar Klänge per Keyboard ausgelöst, und immer benutzt Ian einen Geigenbogen, um einen der Drähte zum Schwingen zu bringen, die aus einem Holzkästchen herausragen. Ein solches Gerät habe ich vorher noch nie gesehen. Vielleicht ist es eine Eigenkonstruktion und Ian ist nicht nur Sound-, sondern auch Instrumenten-Designer?

Tief bewegt ist das Publikum nach dieser über einstündigen Klang-Präsentation, und spendet auch dem sichtlich vergnügten und zufriedenen Ian stehende Ovationen. Ein paar Worte möchte auch Ian noch loswerden: Zu lange hätte er schon nicht mehr an diesem Ort gespielt, und es war eine Wohltat, besonders angesichts der turbulenten Zeiten. Jeder im Saal weiß, worauf Ian als Brite anspielt, er muss das böse B-Wort gar nicht erwähnen, und er hatte sich im Vorfeld wohl auch jegliche Diskussionen darüber verbeten - das Thema und die unfähigen Politiker in seinem Land nerven ihn einfach nur noch. Und er beschließt seine Worte mit dem Satz, den alle hören wollten: "I'll play one more".

Die Zugabe ist auch von seinem aktuellen Album "Altair", aber sie ist gänzlich anders strukturiert und ein Beispiel für Ians enorme musikalische Spannweite: Sequenzen-getragen, flott und rhythmisch, ja beinahe schon tanzbar. Fast hat man den Eindruck, er spielt sich den ganzen Frust von der Seele, der sich über den Brexit bei ihm angestaut hat - na gut, jetzt habe ich das böse Wort doch ausgesprochen.

Noch einmal bekommt Ian seinen wohl verdienten Applaus, und dann ist E-Live 2019 geschafft. Ein verwunderter Blick geht auf die Uhr: Es ist noch nicht einmal elf Uhr. Fehlt da nicht noch irgendein Konzert? Nein, ein Blick auf den Plan belehrt uns eines besseren. Ron und sein Team haben es dieses Mal einfach nur geschafft, den Zeitplan fast auf die Minute einzuhalten. Natürlich wird niemand gleich herausgeworfen, und die Bar wird auch noch eine Weile geöffnet sein. Aber warum nicht draußen etwas beim Halloween mitfeiern? Der Geruch der Holzfeuer ist ja bis in den Saal hineingezogen. Wir werden und alle in 2020 wieder sehen. Wann und wo, das wissen wir schon jetzt.

Alfred Arnold

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