Rezensionen

ramp steelandsteam[ramp] ist ein bemerkenswertes Projekt, ist es immer schon gewesen. Begonnen hat [ramp] vor vielen Jahren schon mit den Musikern Stephen Parsick, Frank Makowski und Lambert Ringlage. Die Besetzung wechselte immer wieder, aber Stephen Parsick kann wohl als der Kern von [ramp] angesehen werden. Bemerkenswert finde ich, dass hier nicht nach rechts oder links geschaut, sondern dass eine Linie verfolgt wird. Es wird experimentiert – und das polarisiert sicherlich auch. Ich habe den Eindruck, dass es für viele EM-Hörer bei [ramp] kaum etwas zwischen „mögen“ oder „nicht mögen“ gibt. Allerdings glaube ich auch, dass solche Eindrücke oft durch Unkenntnis der Musik hervorgerufen werden, denn diese Erfahrung habe ich selbst immer wieder gemacht. Dazu kommt natürlich die Kreation des Begriffs „doombient“, der so manchen abschrecken könnte, weil nur düsteres und zu Horrorfilmen passendes erwartet wird. Zumindest ist Dur nicht unbedingt die bevorzugte Tonart von [ramp]. Nun, „massenkompatibel“ ist die Musik von [ramp] vielleicht nicht uneingeschränkt, aber für mein Empfinden gibt es beispielsweise zu der bekannten Band Redshift aus England eine größere musikalische Nähe, als man vielleicht denken könnte.

 

 

Und Redshift ist nicht ohne Grund dermaßen bekannt, anerkannt und beliebt. Wie passend, dass auf diesem [ramp]-Album „Steel And Steam“ die Hälfte der Stücke „featuring Mark Shreeve“, der die „Konstante“ bei Redshift bildet, ausgewiesen ist. Es wäre mir bis zu diesem Album nicht in den Sinn gekommen, aber Mark Shreeve ist für Stephen Parsick als musikalischer Partner eine glückliche Wahl. Bei „Steel And Steam” besteht [ramp] lediglich aus Stephen, bei den Titeln „Puppets“ und „Steel And Steam Part One“ bis Part Four ist Mark sowohl als Komponist als auch als Musiker mit von der Partie. Bereits der erste Titel auf dem Album, „Zeppelin“, könnte von Redshift sein. Das Stück hat eine starke Sequencer-Basis und die Melodie bleibt hängen. Es geht gleich „in die Vollen“, fällt aber auch ein bisschen aus dem Rahmen der CD. Nicht verwunderlich, dass es für Schwingungen – Radio auf CD ausgewählt wurde. Zu „Node Part 1“ fällt die Beschreibung etwas schwer. Das Stück ist nicht wirklich melodiös, aber sehr gut anzuhören. Wie bei [ramp] üblich, wird der Rhythmus durch Sequencer bestritten. „Node“ wird nahtlos fortgeführt mit „Node Part 2“: Die Sequencer aus Teil 1 werden hier „Melodieträger“, ohne den schon im ersten Teil eingeführten „metallischen“ Charakter der Sounds ganz aufzugeben. Auch zum nächsten Titel, „Solenoid“, gibt es einen fließenden, unmerklichen Übergang. Der „rote Faden“ des Albums, die metallischen Klänge als Basis, wird hier fortgeführt. Darüber legt sich nach ein paar Minuten eine Melodie aus sanften Klängen. Das ist ein schöner Kontrast zwischen den Metallklängen und Melodie bzw. der Instrumentierung. Das Stück „[led]“ beginnt mit Vangelis-artigen Klängen, was natürlich nicht von langer Dauer ist bzw. sich bald im Charakter ändert. Die Sequencer und stampfende Klänge lenken die Musik wieder in etwas dunklere Gefilde. „Puppets” ist ein sehr ruhiges Stück. Sounds wie von E-Piano werden in Schleifen ineinander gewoben und darüber legt sich ganz leise eine Melodie aus trompetenähnlichen Klängen. Es sind lange, ruhige Töne, die ein Bild wie von einem weinenden Clown an Fäden, eben „traurige Marionetten“, aufscheinen lassen. Im letzten Drittel hellt sich die Klangfarbe etwas auf. 
„Steel And Steam“ besteht aus vier Teilen, die alle ineinander übergehen. Part One ist eine Art Einleitung mit E-Piano, sehr harmonisch und sanft. Im zweiten Teil höre ich beim Klavier einen leichten Jazz-Einfluss. Hier beginnen auch wieder percussionartige Sounds, die die Musik weiter treiben. In „Steel And Steam Part Three“ werden die Klänge aggressiver und schneller und das Piano verstummt. Ähnliche Klänge, in abgeschwächter Form, kenne ich auch aus dem Redshift-Album „Turning Towards Us“. Zum Ende hin zieht mit u. a. chorartigen Sounds wieder Harmonie ein. „Steel And Steam Part Four“ vereint die einzelnen Elemente der vorhergehenden Teile: Aggressives und Sanftes, Melodisches und „Schläge auf Blech“, E-Piano und harte Percussion-Klänge.  
Mein Fazit: Wer Redshift mag, sollte auch „Steel And Steam“ von [ramp] nicht abgeneigt sein und diesem Album ein Ohr leihen! Und wer [ramp] bislang gar nicht kennt, findet mit dieser schönen CD sicher einen guten Einstieg.

 

Andreas Pawlowski

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