Rezensionen

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Gut ein Jahr ist es her, dass der aus Aachen stammende Elektronikmusiker Robert Schroeder mit „nEW fREQUENCIES Vol. 1“ eine neue Reihe von Musik in seinem Repertoire aufgenommen hat. Dazwischen gab es mit „Cream“ und der Wiederveröffentlichung seines erfolgreichen Albums „Galaxie Cygnus-A“ zwei weitere CDs, die beim Essener Spheric Music-Label erschienen sind. Im März/April 2011 legt er mit „Club Chill Vol. 1“ eine weitere Serie mit Musik auf.

Nachdem Robert mit seinem Album „nEW fREQUENCIES Vol. 1“, auf dem er rhythmischer als sonst zu Werke ging und die bpm angezogen hatte, in der Club-Szene recht erfolgreich war, setzt er mit „Club Chill Vol. 1“ nun den Startschuss für eine neue Reihe von Musik, die ambienter und chilliger ist und nicht in die anderen Produktionen passt...


Der Pressetext sagt zum Album: „Die Musik auf „Club Chill“ präsentiert wiederum eine eigene Stilrichtung, die weder mit Schroeder’s üblicher EM, noch mit der Musik der „nEW fREQUENCIES“-Serie, noch mit Food For Fantasy vereinbar wäre. Mit seinem neuen Album „Club Chill“ liefert der produktionsfreudige Künstler ein höchst chilliges Werk mit vorwiegend relaxten Titeln im Downtempobereich. „Hang around and listen to …“ kann man als Einladung und Anleitung verstehen, wie sich dieses experimentelle und dennoch sehr harmonische Album am besten genießen lässt. 
Die Musik bevorzugt analoge Synthesizerklänge und ist sequenzerbetont. Moderne relaxte Grooves, Voice-Samples, interessante Effekt-Sounds, warme Flächen und Gänsehaut erzeugende Melodien zaubern eine hoch spannende Atmosphäre.“

Schaut man sich die Titelliste des Albums an, dann fallen einem Namen wie „Love Is In The Air“ oder auch „Chilling Me Softly“ auf. Das erste was mir dazu eingefallen ist, jetzt covert Robert bekannte Stücke wie „Love Is In The Air“ von John Paul Young und „Killing Me Softly“ von Roberta Flack in seiner ganz eigenen Art. Doch weit gefehlt, mit diesen Stücken hat die Musik aber auch überhaupt nichts zu tun. Gestartet wird mit dem längsten Stück des Albums „Waiting For You“, das es auf über elf Minuten bringt. Kommen hier zunächst noch Klänge von Robert zu Gehör, die an seine Soloproduktionen erinnern – wie die weiten Flächen, Rhythmusmuster und das loungige Feeling – so wird diese Stimmung jedoch um weitere Elemente ergänzt. Neue Sounds und Strukturmuster gesellen sich ebenso hinzu, wie eine weibliche Stimme, die den Titel wiederholt. Das Gesangselement kommt auf dieser CD noch mehrfach zum Tragen und findet – anders als bei früheren Produktionen – Verwendung. Auch das macht den Unterschied zu Robert’s weiteren Veröffentlichungen aus. Dieser Track geht gut ins Ohr und man kann herrlich relaxen.

Das Stück „Love Is In The Air“ wird unter anderem von einer gepfiffenen sowie gesummten Melodie getragen, die auf mich zunächst recht disharmonisch wirkte. Aber nach mehrfachem Hören hat das einen ganz besonderen Reiz. Auch der Xylophon artige Sound, den Robert hier einsetzt, passt sich hervorragend dieser chilligen Atmosphäre an. Ich finde mich vor meinem geistigen Auge in einer sonnendurchfluteten Strandbar am Meer wieder. Es wird quasi ein Urlaub für den Kopf erzeugt.

Rhythmischer wird es jetzt bei „Checking Out“. Bei diesem Stück wird ein Rhythmus erzeugt, der wie ein Zug wirkt, so wie man es beispielsweise von Kraftwerks „Trans Europa Express“ her kennt. Aber der Track geht in eine ganz andere Richtung und hat ansonsten nichts mit dem Düsseldorfer Stil zu tun. Wieder kann man sich in diesen herrlichen Klängen – die eine Spur von Schroeder’s Solosound aufweisen – fallen lassen. Tolle chillige Lounge-Nummer.

Etwas experimentell und psychedelisch wird es dann bei „Psychodelic“. Nach einigen Momenten schält sich ein hypnotischer, unterschwelliger Beat aus dem Off, auf den eher zart einige Harmonien gelegt sind. Je länger dieser Track dauert und an Rhythmus gewinnt, umso mehr wird man in ihn hineingezogen. Diese Sounds benebeln mir förmlich die Sinne. Eine männliche Stimme singt im zweiten Teil einen Text (in einer Fantasiesprache?), der irgendwie orientalisch klingt. So bekommt dieses Stück noch einen ethnischen Touch. Versucht uns Robert im nächsten Stück müde zu tanzen, hat er das Stück doch kurzerhand „Dance Me Tirted“ genannt? Nein nicht wirklich, eher ist es dazu geeignet, nachdem man den müden Punkt erreicht hat, völlig zu entspannen, denn hier wird kein Tempo gemacht. Dieser chillige Downtempo-Track ist einfach nur zum dahinfließen. Nicht stören? „Don’t Disturb“ hat einen relaxten Groove, der mit Harmonieflächen und Effekten bestückt ist. Das klingt wieder total entspannt. Bei „I Feel You“ schraubt sich die weibliche Stimme recht schnell unter die Haut. Rhythmus und Harmoniefolgen gehen ebenfalls gut ins Ohr (fast schon ein Ohrwurm). Das Wortspiel „Chilling Me Softly“ zum Roberta Flack-Hit hat mit keinem Ton Gemeinsamkeiten zum damaligen Chartbreaker. Vielmehr hat Robert hier wunderbar einschmeichelnde Synthieklänge kombiniert, die den Geist in einen wohligen tranceartigen Zustand versetzten.

Schon fast funky klingt „I Like It So“, bei dem trompetenhafte Synthieklänge (man kennt dieses auch von Robert’s Solowerken) ein Markenzeichen sind. Ein sehr schöner Track, der vor allem in der zweiten Hälfte fesselt, wenn der Rhythmus anzieht. Mit „Cold Desert“, einem weiteren Stück mit Ohrwurmqualität, endet das Album. Robert Schroeder hat mit „Club Chill Vol. 1“ eine neue Serie eröffnet, deren Musik in der Tat nicht auf andere Schroeder-Alben passt. Die Zusammenstellung auf dieser CD ist aber in sich stimmig. Ein sehr schönes Werk, das Robert Schroeder von einer etwas anderen Seite zeigt, auch wenn an der ein oder anderen Stelle sein typischer Stil durchblitzt.


Stephan Schelle Musikzirkus-Magazin www.musikzirkus-Magazin.de


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