Rezensionen

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Stefan Erbes neuestes Werk "Nachtlichter" ist das dreissigste Solo-Album in seiner musikalischen Laufbahn. Aus diesem Anlass darf der Blick auch gerne mal ein klein wenig zurück gehen, und mit einem halben Auge tut Stefan das auch. Der mit Erbes Werk vertraute Hörer wird auf "Nachtlichter" dezente Anspielungen an den einen oder anderen markanten Sound oder Titel aus früheren Veröffentlichungen wieder erkennen: hier eine Prise "Sound of Sky", dort ein Beat, den man von einem Vorgänger kennt, und auch bei den (dieses Mal deutschen) Titeln wird der Erbe-Kenner mehr als nur eine Anspielung finden. Doch wie immer verwendet Stefan Erbe Bekanntes nur als eine der diversen Zutaten, aus denen dann etwas Neues, vorher noch nie Gehörtes entsteht. Auf "Nachtlichter" fallen die einzelnen Tracks wieder kürzer und Radio-tauglicher aus, nachdem er im Duo mit Steve Baltes in den letzten Jahren ja auch mal die Möglichkeiten von Titeln mit zweistelliger Minutenzahl ausgelotet hat. Wie man zum Thema "lange oder kurze Tracks" auch stehen mag, die musikalische Qualität ist das Kriterium, nach dem man in beiden Fällen urteilen sollte.  Die Titel auf "Nachtlichter" kommen mit einer Leichtfüssigkeit und Selbstverständlichkeit daher, die Könnerschaft belegt. Der Spannungsbogen zwischen flotteren und kontemplativeren Stücken passt, und auch eine 2020er-Version von "When Angels Travel" fügt sich ohne Brüche in dieses Ensemble ein.

Hinter "Nachtlichter" steht vielleicht nicht die grosse musikalische Gesamt-Idee wie bei "Selectronique Debussy", und es transportiert auch keine gesellschaftlichen Botschaften wie sein Vorgänger "Reflect". Es ist einfach nur Stefan Erbe, wie man ihn kennt und liebt: nicht mehr, aber auch nicht weniger, sondern im Gegenteil in Bestform. Es ist einfach ein Vergnügen und macht gute Laune, die "Nachtlichter" in der Dauerschleife immer wieder an sich vorbei ziehen zu lassen. Stefan Erbe setzt - um auf den Titel zurückzukommen - ein paar helle Lichter in die aktuell nicht ganz so schönen Zeiten. Und damit ist er auf seine Weise dann doch wieder ganz auf der Höhe der Zeit. 

https://www.erbemusic.com/

 Alfred Arnold

 

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