Als ich die ersten Klänge dieses Albums hörte, musste ich mir erst einmal die Ohren reiben. Tatsächlich handelt es sich nicht um ein Album von Kraftwerk, die sich der populären Musik zugewandt haben. Sondern es ist das brandneue Album von Orchestral Manoeuvres in the Dark, oder kurz OMD. Mit The Punishment of Luxury erscheint am 1. September ihre dreizehnte Scheibe. Die beiden Bandgründer Andy McCluskey und Paul David Humphreys sind Kraftwerk-Fans der ersten Stunde. Und dem neuen Album hört man dies durchweg an.
Mit diesem Werk präsentieren OMD ein schönes und sehr elektronisches Album mit unverkennbaren Wurzeln in dem Gründungsjahrzehnt der 80er Jahre. Vollgepackt mit synthetischen Klängen ergießen sich 12 Synthpop-Tracks in das Ohr des geneigten Hörers. Das zugrundeliegende Thema ist der vorherrschende Konsumterror, der uns, trotz verbessterter Lebensqualität, nicht glücklich werden lässt. Die Stücke sind jedoch keine depressiven Klanggemälde, sondern poppig melodisch verpackte Kurzerzählungen mit stark industrieller Anmutung.
The Punishment of Luxury ist eine gelungene Mischung aus musikalischer Referenz an die Ursprünge der Band als auch elektronischer Experimentierfreude. Dies zeigt insbesondere der leider recht kurze Track La Mitrailleuse. Aber auch eher typische OMD-Balladen finden sich auf der Platte, wie One More Time und The View From Here. Eine gute dreiviertel Stunde Hörspaß für Fans des Elektronischen.
Homepage: http://www.omd.uk.com
Tourdaten (Deutschland):
- 26. November 2017 - Hamburg
- 28. November 2017 - Berlin
- 29. November 2017 - Leipzig
- 30. November 2017 - München
- 2. Dezember 2017 - Offenbach
- 3. Dezember 2017 - Düsseldorf
Stefan Schulz
Eine oft zu hörende Kritik in der traditionellen elektronischen Musik ist, dass es sich bei neueren Werken ja nur um nachgemachte Musik handelt. Mit Touch The Sky von Rudolf Heimann jedoch liegt ein Original aus 1992 vor, das für die Wiederveröffentlichung neu gemastert und mit zwei Bonus-Tracks versehen ist. Natürlich merkt man der Musik ihr Alter an. Die Sounds klingen teilweise recht angestaubt, wurden durch das neue Mastering von EROC klanglich jedoch hervorragend aufbereitet, so dass die Stücke glasklar und aufgeräumt rüber kommen. Kompositorisch ist das Album somit auch in Gänze genießbar, ohne Kratzer oder Drops. Jedes Stück ist ein kleines Juwel, mit harmonischen und ansprechenden Melodiebögen. In der Beschreibung zum Album ist von Alan Parsons Projekt und Mike Oldfield die Rede. Tatsächlich kann man zumindest be Skywalker und View From A Hill dem Gitarrenspiel eine große Nähe zu Oldfield wahrnehmen. Insgesamt höre ich jedoch an vielen Stellen klangliche Referenzen an Tangerine Dream heraus, die der Melrose Ära zugeordnet werden könnten.
Als o.g. Longplayer die Redaktion erreichte, ergab sich glücklicherweise gleich eine längere CD-Begleitende Autofahrt die als Grundlage für diese Rezension herhalten würde. Torsten Sudler-Mainz, Mastermaind der Bandcombo offeriert die ganze Bandbreite der elektronische Genrezunft und vermengt in den 9 Tracks sowohl Pink Floydeske als auch Scoreelemente a la Vangelis. Immer wieder werden die Stücke von Sängerin Ann Karen Mainz mystisch mit seichten Gesangsphrasen ergänzt. Daraus entsteht eine gute Mischung aus Stilmittel und Spannungselement, auch wenn wir uns an einigen Stellen etwas mehr Variationen gewünscht hätten. Dennoch ist das Album geprägt voller guter Ideen und seiner professonellen Beteiligten. Nur das Artwork will nicht so recht "zünden", scheint doch die gewollte Zeichnnung irgendwie als unscharfes Foto durchgehen zu wollen. Man muss halt genauer hinsehen, genauso wie man auch genauer hinhören sollte, um die Geschichte des Albums zu verstehen.
Gut Ding will Weile haben - das haben sich Steve Baltes und Stefan Erbe wohl für ihr zweites Album "Electric Garden" gedacht. Das war vielleicht auch gar nicht verkehrt, sind die Erwartungen nach dem Erstling "s-thetic²" doch alles andere als niedrig.
Auch Bernd Scholls neuestes Album verfolgt die Synergie seiner astromedialen Verbindung von Space und Sound, vollführt dabei aber eine deutliche Veränderung. Es klingt deutliche defensiver, reduzierter und nachdenklicher als die vergangenen Alben des Eifelers. Natürlich gibt es die typischen Beats und Rhythmus-Muster die eben den Moonbooter-Sound ausmachen, aber der schwarze Mond mag irgendwie suggerieren als ob seine Musik einen kleinen Wandel durchlebt. Einige der Tracks erfordern deutlich mehr Zeit zum Zuhören und weniger des Konsumierens. Gut so und vielleicht führt der nächste musikalische Weg sogar mal auf irdische Breiten- und Längengeraden, wäre doch toll mal zu erfahren wie sich die Musik von Bernd Scholl durch heimische Inspirationen anhören würde. Tolles Album.