Kolumne

Nach den vielen Schallwelle-Jahren im Bochumer Planetarium zeichnete sich bereits 2016 schon ab, dass ein Auszug bzw. ein Umzug der Veranstaltung in eine neue Lokation nicht nur Sinn machen würde, sondern wichtig und richtig war. Zugegeben, das Planetarium ist ein toller Veranstaltungsort. Auch für die Schallwelle, denn die Mischung aus Örtlichkeit gepaart mit der tollen Kuppeltechnik, vermengt mit der netten Athmosphäre im Kuppelrund hat(te) etwas Besonderes. Dennoch schlich sich mit den Jahren auch ein Verschleiß ein, der die Individualität von Jahr zu Jahr leicht reduzierte und aus Freude an der Veranstaltung ein eher routiniertes Event machen lies. Gut also, sich auf die Suche nach Veränderung zu machen. 
Die Rohrmeisterei in Schwerte als neuen Ort der Preisverleihung zu wählen, war eine gute Entscheidung. Die Kombination aus echter Eventlokation mit Bühne, verändertem Catering und Sitzvariante hat der Veranstaltung gut getan. Die Möglichkeiten der Konzerte und der Präsentation vergleichen sich ähnlich positiv wie schon zu Zeiten im Ledigenheim zu Dinslaken.

Der Kontrast in Ablauf und Umsetzung der Veranstaltung sind durchweg positiv zu betrachten, wenn es auch immer noch einige Dinge gibt, die weiterhin in der Diskussion stehen. Dies betrifft hauptsächlich die eigentliche Preisverleihung und die Modalitäten der Abstimmung. Immer noch ist man auf der Suche nach dem idealen Weg um einen repräsentative Querschnitt von Veröffentlichungen und Musikerleistungen zu finden. Wahrhaftig ein schwieriges Unterfangen, denn die Wahrnehmungsintensität von Fans und Jury sind in den letzten Jahren recht ähnlich geworden. So ist es auch zu erklären, dass die Gewinnerlisten von Jahr zu Jahr eine gefühlte Ähnlichkeit aufwiesen. Aber ist es auch wirklich so? Ja und Nein. Richtig ist, dass es in der Auswahl der finalen 5 Nominierten oft ähnliche Namen zu finden sind, es aber durchaus verschiedene Preisträger gab. Dennoch hört man als häufigsten Kritikpunkt die Aussage, dass die Selektion der potentiell besten Leistungen durchaus Verbesserungswürdig ist. Dem kann man zustimmen. Man kann aber auch als externer Kritiker kreativ werden und versuchen eigene neue Ideen zu sammeln, um diesen Diskussionspunkt in der Prioliste der Verbesserungen ganz nach oben zu stellen, anstelle im Januar nach der Verlautbarung der Listen meckernd wieder durch die Social-Network-Portale zu klicken.
Es ist eben ein wirklich echt schwierige Nummer, aus dem gesamten Feld der Amateure, Semiprofis, Bandcamper, Facebook-Liedgutposter und aus ein paar Voll-Profis eine brauchbare Schnittmenge zu finden. Dennoch muss die Aufgabe, eine Preisvergabemodalität zu finden die möglichst repräsentativ ist, nochmal neu überdacht werden. Die Gestaltung bzw. eine Änderung der Kategorien sehe ich als einzig reale Umsetzungsmöglichkeit. Ebenso sollte man nochmal über die Splittung von Jury- und Fanwahl nachdenken, dazu überlegen wie man es schaffen kann, dass eben nicht der Name oder das Standing einzelner Musiker letztendlich ausschlaggebend ist und wie es möglich werden kann, dass man sich in der Vorauswahl auch mit Produktionen beschäftigt, die nicht auf der Beuteliste der Abzustimmenden stehen. Auch die Auswahl der Jury muss auf den Prüfstand, denn niemand dort ist wichtiger als der eigentliche Preis. Somit wäre es nicht nur weitsichtig, wenn man es auch hier schaffen würde, einem Verschleißprozess mit frischen Ideen von anderen Sichtweisen entgegen zu wirken, auch wenn sich der eine oder andere Juror nun auf den Schlipps getreten fühlen wird.
Viele der neuerlichen Veränderung haben positiv gezündet und relativierten alte Kritikpunkte. Final steht nun noch die Aufgabe, viel Kraft, Energie und vor allen Dingen Einsicht in die Gestaltung der Preisvergabemodltäten zu investieren. Wenn dies geschafft ist, wird die nächste Ausgabe im Frühjahr 2019 nicht nur eine besondere Ausgabe, sondern vielleicht der neuerliche Pionier-Meilenstein in der Auszeichnung guter elektronischer Musik.

Stefan Erbe
(Der Autor dieser Zeilen war bis zum Jahre 2013 ein wesenticher Bestandteil der Orga der Preisverleihung. Er war aber nie in der Jury oder aktiv an der Wahl beteiligt. Seit 2014 hilft/half er ausschließlich bei der Technik und den vergangenen Cateringumsetzungen mit.) 

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