Berichte

Wer behauptet, die elektronische Musik sei ein totes Pferd, der irrt. Und nichts zeigte dies besser, als der diesjährige E-Day. Ja, hier wurde auch die Tradition in Form exzessiver Sequenzer-Musik treu gefeiert, aber wesentlich zarter und kräftiger ins Ohr sprangen die modernen Ausprägungen melodischer, harmonischer und schlagkräftiger Elektronik.

E-Day 2015

Es war ein trotz großartigem Wetter mit ca. 200 Besuchern angenehm gefülltes Event, dass zum wiederholten Mal im Theater de Enck in Oirschot, Niederlande stattfand. Diverse Label und Künstlerstände säumten die lockere Café-Atmosphäre des Vorraums. Für die Gäste eine gute Gelegenheit, sich mit Leib und Ohr an Genüssen zu erfreuen. Bereits vor dem ersten Konzert und später in der großen Pause gab Skoulaman nebst Sohn ein Konzert im Nebensaal über dem Café. Geboten wurde hier Musik nahe der Berliner Schule als Solo-Darbietung, was sich bei dem gemeinsamen Teil des Auftritts eher zum Krautrock hinwandte. Auch dieses Nebenkonzert war recht gut besucht.

Die Konzerte im Hauptsaal begannen kurz nach 14 Uhr. Eröffnet allerdings, nicht wie gewohnt durch den Organisator Ron Boots, sondern durch seinen engen Freund Eric van der Heijden. Aus gutem Grund, denn auf Grund des Ausfalls von Pieter Nooten als erstem Akt des Tages, stieg Ron Boots selbst in den Ring. Er spielte ein Set unter dem Projektnamen Derelict Thoughts, mit eher dem Ambient zuzuordnender Musik. Ganz so ambient war es dann aber doch nicht, mit tollen Harmoniebögen und teilweise typischen Boots-Sequenzen gab sich seine Aufführung recht kraft- und ausdrucksvoll. Eine wirklich schöne Eröffnung. Und nach kurzer Pause gab es dann richtig was auf die Ohren. Zwar begannen Frank Rothe und Mario Schönwälder als Filter-Kaffee ruhiger, als Ron endete, doch schon kurz später krachten und knackten heftige Sequenzen durch den Saal. Nicht so harmonisch melodisch wie Marios Spiel mit Bas Broekhuis und Detlef Keller, sondern ein wenig mehr an den Wurzeln der Schule orientiert und mit mehr experimentellen Freiheiten.

Die recht lange Pause vor den beiden Abendkonzerten nutzten viele Gäste, auch ihrem Magen ein wenig Füllung zu gönnen, während sich andere am Stand von Manikin Filtertüten abolten. Zum dritten Konzert waren jedoch alle wieder da und mit den beiden Protagonisten Steve Baltes und Stefan Erbe wandelte sich der Event zu einer sehr modernen und mitreißenden Schnellzugfahrt. Die auf ihrer s-thetic Tour dargebotene Musik mag ruhige Passagen haben, wirkte aber immer druckvoll und energiegeladen. Sie ließen dem Publikum nur wenig Zeit zum Durchatmen, bevor die nächsten hypnotisch eingängigen Rhythmen, Basslinien und Melodiken einen wieder mitrissen. Nach etwas mehr als einer Stunde war der Flug leider schon vorbei. Die finale Runde wurde eingeläutet und der abendeliche Abschluss stand wieder voll im Zeichen der Berliner Schule. Auch AirSculpture ließen es eher ruhig angehen, bauten eine ätherische Atmosphäre auf. Doch als die Sequenzer einsetzten, wusste man, wohin die Reise geht. Und die drei Jungs der Truppe hatten sichtlich Spaß mit ihren Instrumenten und dem, was sie an Klängen herauslockten. Ein Ohrenschmaus für die vielen Besucher und Liebhaber dieser Art elektronischer Musik.

Man darf gespannt sein, was sich die Truppe um Ron Boots für E-Live im Herbst ausgedacht hat. Gerne wieder eine gute Mischung aus Tradition und Zukunft.

Stefan Schulz

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