Berichte

Die Science-Fiction-Kenner unter Euch dürften es ja schon längst gemerkt haben, dass ich mit meiner Artikelüberschrift auf den dystopischen Roman von Philip K. Dick anspiele, der im Original „Do Androids Dream of Electronic Sheeps?“ heißt und in Deutschland unter dem griffigeren Titel „Blade Runner“ bekannt ist. Inhalt dieses Artikels soll aber keine Buchbesprechung sein und der auf dieser Romanvorlage basierende Film ebenfalls nicht. Warum also dieser Titel? Nun, dies ist schnell erklärt.

Am 21. April fand im Kreativquartier Eisenheim nun schon zum zweiten Mal das Electric Café statt, an dem ich zum Glück teilnehmen durfte. Wenn auch nicht als Musiker, so doch zumindest als Fotograf und fachkundiger Teil des Publikums. Lausche ich doch schon seit meiner frühesten Jugend elektronischer Musik in all ihren Spielarten. Sei es nun Jarre, Kitaro, Vangelis, Tangerine Dream, Lard Free oder die Düsseldorfer Jungs von Kraftwerk; die Klänge aus dem Synthesizer sind in meinem Leben allgegenwärtig. Umso größer ist die Freude bei mir gewesen, als ich die Einladung zu diesem Abend in meinem elektronischen Postkasten vorgefunden hatte.

Doch kommen wir mal langsam zu den Künstlern und dem Konzept dieses Abends. Da ich genau weiß, dass hier fachkundiges Publikum mitliest, werde ich mit Hintergrund-Details zur verwendeten Technik nicht geizen. Die Musiker waren allesamt so freundlich, mich mit dem notwendigen Hintergrundwissen auszustatten. Dankeschön, Jungs!

Nun gut, los geht’s. Die Bühne gerockt haben an diesem Abend:

Inter:pol (bürgerlich Thomas Machoczek), der zu seinem Equipment einen Waldorf Blofeld Synthesizer, ein kleines Modul-System mit Grendel Drone Commander, MFB Nanozwerg pro, Gristleizer Generator, Basti Cinnamon, Euklidischem Rhytmuserzeuger von Klangbau Köln und ein paar DSPs zählt.

Donk (bürgerlich Marcus Verhülsdonk), der an diesem Abend zum ersten Mal selber auf der Bühne aktiv geworden ist. Geholfen haben ihm dabei ein Korg MS 10 und ein Korg MS 50 Sythesizer, eine Technics SY DP 50 Drummachine und ein paar Pedals (Digitech Talker & Whammy). Zusätzlich haben für den perfekten Sound ein Electro Harmonix Memoryman Deluxe und ein Boss Chorus Ensemble CE1 gesorgt.

Jingoba Electric (bürgerlich Michael Wlochinski), der an diesem lauen Abend im April seine Bühnen-Premiere gefeiert und uns mit drei Eigenkompositionen beglückt hat. Kräftig unterstützt durch Abletron Live Intro (Laptop), ein MAM MB33 Retro Bass Sythesizer, ein Yamaha QY-10 Sequenzer und einen Roland TR09 Rhythm-Composer. Bei der Steuerung haben ihm Arturia Beatstep und Keystep geholfen.

Niko (bürgerlich Niko Burela) war auf jeden Fall der jüngste Künstler, durch den der Altersdurchschnitt auf der Bühne schlagartig auf unter 50 gebracht worden ist. Jung heißt in diesem Fall aber nicht unerfahren oder gar untalentiert. Nein, ganz das Gegenteil ist der Fall gewesen. Mit seiner Allzweckwaffe Korg EMX-1 hat er die Bühne gerockt. Dank im Vorfeld elegant ausgewählter Drum- und Sythesizer-Parts, welche ihm so während des Sets als Pattern zur Verfügung standen. Ein junger Mann, den wir ganz genau im Auge behalten sollten.

IG-75 (bürgerlich Mario Meyendriesch) ist auf jeden Fall in Sachen Equipment der bescheidenste gewesen. Habe ich auf meinem Spickzettel doch nur einen Modularsynthesizer stehen, der mit ganz vielen selbstgebauten Modulen und Gitarren-Effekten bestückt ist. Klingt bescheiden, klang aber Bombe.

Soviel zu den Künstlern und deren Equipment. Lasst uns nun über die Musik reden, welche ähnlich einer Jazz-Session, komplett improvisiert daherkam. Genau wie im Free-Jazz, haben die hier beteiligten Musiker etwas ganz neues, unberechenbares Ganzes erschaffen, mit einem Klang, der sich nahezu aller elektronischen Spielarten bedient hat. Typische 80er-Jahre-Sounds trafen hier auf knochentrockene und harte Beats, wie man sie sonst nur im Techno vermuten würde und Synthie-Klänge aus vier Jahrzehnten trafen auf die unterschiedlichsten Effekte. Manche Passagen waren extrem eingängig und melodisch, andere dagegen komplex und extrem herausfordernd. Kurzum, ein Fest für alle Freunde der elektronischen Klangwelten.

… und nach etwas mehr als drei Stunden feinster elektronischer Musik geisterte mir nur noch die eine Frage im Kopf herum: „Träumen Androiden wohl auch von elektronischer Musik?“ ;-)

Für all jene, die an diesem Abend nicht teilnehmen konnten, gibt es aber auch noch ein paar gute Nachrichten, denn es sind schon jetzt weitere Termine geplant:

Für den 31. August ist eine Outdoor-Variante des Electric Café geplant. Im Rahmen des Sommerfests des Kreativquartiers Eisenheim soll vor dem Kreativquartier mit elektronische Musik gejamt und gezaubert werden.

Am 6. Oktober findet dann wieder ein reguläres Electric Café statt und für den 17. November laufen die Planungen für ein ganz besonderes Schmankerl. An diesem Tag soll unter dem Motto „30 Jahre Elektroschock“ ein Electric Café Spezial stattfinden. Elektroschock ist übrigens die erste Band gewesen, mit der inter:pol und Jingoba Electric zusammen in Eisenheim aufgetreten sind. Unter anderem hat damals auch der Musiker Lambert (Lambert Ringlage) mitgejamt und wer weiß, vielleicht tritt er ja im November erneut mit auf. Gäbe es einen besseren Grund für eine Reunion als ein dreißigjähriges Jubiläum? Ich denke nicht.

Am Ende dieses Artikels würde ich mich noch gerne bei den Musikern und dem Kreativquartier Eisenheim bedanken, denn ohne deren Unterstützung wäre diese Fotostrecke und der (hoffentlich) informative Text nicht möglich gewesen. Dankeschön.

Weiterführende Links:

Maic von SensorArt

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