Berichte

Wenn man nicht möchte, dass Dinge zur Routine werden und ihren Reiz verlieren, ist man gut beraten, sie nicht überzustrapazieren und auch mal eine Pause einzulegen. So eine "Auszeit" hatte sich Stefan Erbe mit seiner "Sound of Sky"-Reihe im Planetarium Bochum genommen. Fast genau ein Jahr ist die letzte Show her, damals war das zweite Album von Baltes & Erbe das Thema. Seitdem war ich nur noch einmal in Bochum gewesen, nämlich zu Hello 2018 Ende letzten Jahres - im Vergleich zu früheren Jahren, wo es fast alle zwei Monate eine "Sound of Sky"-Show gab, schon ein ziemlicher Einschnitt.

Wie man es auch sehen möchte, die Pause hat bei mir ihren Zweck erfüllt und die Vorfreude deutlich gesteigert. Schon seit Monaten hingen die zwei Tickets dafür am schwarzen Brett in der Küche, wo ich alle Konzertkarten und Vorankündigungen sammle - eines für mich und eines für Fiona, die mich öfters begleitet. Als Thema war "Sound of Sky goes Retrospektiv" angekündigt, Stefan Erbe hatte vor, die Show zur Abwechslung wieder einmal alleine und ohne Gast zu gestalten.

In den Wochen vor dem 14. April passierten dann noch zwei Dinge. Zum einen fiel Stefan auf, dass diese Show seine fünfzigste sein würde - erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. Das nahm er zum Anlass, sie nicht nur "retrospektiv", sondern auch "extended" zu machen. Anstatt der üblichen Stunde sollten es zweimal 45 Minuten werden, mit einer kleinen Pause dazwischen. Und dann kam auch noch Einladung zur Mitgliederversammlung des Schallwende-Vereins. Da noch nicht sicher ist, ob der Verein dieses Jahr ein Grillfest veranstalten wird, sollte die Versammlung im Foyer des Planetariums stattfinden. Kleiner Anreiz zum Kommen: Jedes Vereinsmitglied bekommt eine kostenlose Karte für eben jene "Sound of Sky"-Show.

Damit hatte ich auf einmal das "Luxusproblem", eine Eintrittskarte zuviel zu haben. Wohin damit? Mein Bekannter, der auch immer nach Oirschot mitkommt, hatte Interesse, aber er ist ja auch Mitglied, das verschiebt das Problem also nur. Letzten Endes ist es aber kein Problem, eine Karte fürs Planetarium "unters Volk" zu bringen, insbesondere wenn für die Fahrt von Aachen nach Bochum auch noch ein Plätzchen im Auto frei ist. Zwei andere Freunde aus Dortmund hatten an diesem Samstag auch wieder Zeit, und so waren wir schlussendlich zu fünft - pardon, fünf Personen und eine Oger-Dame.

Richtig schön wird so ein Ausflug nach Bochum, wenn man ihn vorher noch mit einem leckeren Essen kombinieren kann. In der Umgebung des Planetariums gibt es das eine oder andere Restaurant, und eben weil das heute alles andere als unser erstes "Sound of Sky" ist, haben wir uns mittlerweile einmal durch alle "durchprobiert". Passend zum Neustart fangen auch wir wieder vorne an, nämlich mit dem "Matzen" direkt gegenüber vom Planetarium. Das Timing ist gut, kurz nach halb acht Uhr sind wir fertig. Drei von uns haben eine gute Stunde Zeit für einen Spaziergang und ein Eis als Nachtisch, die Vereinsmitglieder ruft jetzt die Pflicht zur Mitgliederversammlung.

Ein wenig Zeit bis dahin ist noch, um zu schauen, ob es irgendwelche neuen Exponate im Foyer gibt. Zumindest für Fiona sind die meisten neu, ist sie doch seit längerem zum ersten Mal wieder dabei. Die Astronautenfigur, in deren Helm man seinen Kopf hineinstecken kann, hat es ihr angetan: "To boldly go, where no Oger has gone before"? Aber Deine Ohren wollen nicht so recht hineinpassen.

Drinnen in der Kuppel wummern noch die Bässe der Queen-Musikshow, kurz entschlossen wird die Mitgliederversammlung nach draußen auf die Terrasse verlegt. Der Frühling hat mittlerweile endgültig die Oberhand gewonnen, es ist beinahe zwanzig Grad warm. Etwas zwei Dutzend andere Vereinsmitglieder haben den Weg gefunden, darunter natürlich Sylvia und Klaus Sommerfeld als Vorsitzende sowie Berthold, unser Kassenwart. Ich bin auch in einer "offiziellen" Funktion da, denn auf der letzten Versammlung war ich zum Kassenprüfer gewählt worden. Normalerweise reißt sich niemand um solche Ämter, dabei ist das alles gar nicht so schlimm und es gibt auch noch ein leckeres Abendessen. Beanstandungen gab es keine, und so beantrage ich die Entlastung des Kassenwarts - keine Gegenstimmen. Zu wählen sind dieses Jahr nur wieder die neuen Kassenprüfer, und da einer der beiden neuen Prüfer jemand sein sollte, welcher die Prozedur bereits kennt, werde ich auch im kommenden Jahr die Kasse (mit) prüfen. Den Rest der Versammlung füllen Diskussionen über vergangene und kommende Veranstaltungen de Vereins sowie die kommende "Schallplatte". Zu dieser Jahreszeit wird es nach Einbruch der Dunkelheit recht schnell kalt, das beschleunigt irgendwann den Entschluss, die Versammlung zu schließen und die restlichen Diskussionen drinnen im Foyer weiterzuführen.

Wie üblich hat Stefan hier einen kleinen CD-Stand aufgebaut, an dem man nicht nur seine eigenen CDs, sondern auch die von Sasa Tosic und Steve Baltes erwerben kann - und wie üblich gilt das "drei für den Preis von zwei Angebot". Mir nützt das natürlich nichts, ich habe ja längst schon alle ... ein kleiner Stapel mit den Schallwelle-Jubiläums-CDs ist auch vorhanden. Stefan hat als Schallwelle-Preisträger ja auch einige Exemplare davon bekommen. Als besonderen Gag gibt es noch USB-Lampen in Form eines Astronauten. Eine solche wird Stefan auch gleich als Beleuchtung auf der Bühne verwenden.

Heute sitze ich ausnahmsweise nicht auf meinem "Stammplatz" hinten neben Klaus-Dieter-Ungers Bedienpult, sondern vorne in der ersten Reihe - mal schauen, wie gut sich in der Dunkelheit von hier Fotos machen lassen. An dieser Stelle bitte ich übrigens ausdrücklich um Verzeihung, dass ich damit einer anderen Person ihren Stammplatz weggeschnappt habe - es soll nicht wieder vorkommen!

Frau Professor Hüttemeister ist an diesem Abend nicht anwesend, also verkündet Stefan die "Spielregeln" im Planetarium: Handys und anderes Fremdlicht aus, Diskussionen auf die Pause verschieben und wer raus muss, bleibt bis zur Pause auch draußen. Alles klar, wir ziehen die Hebel rechts in der Armlehne und warten gespannt auf das, was kommt.

Der Einsteiger ist eigentlich keine Überraschung, denn irgendetwas anderes als das klassische "Sound of Sky"-Thema habe ich für eine Retrospektiv-Show gar nicht erwartet. Diesen Titel hat Stefan über die Jahre immer wieder als Einsteiger in der einen oder anderen Variante gespielt, heute ist es der 2018er Pluck-Edit. Der jazzig-chillige Stil dieses Titels gibt auch das Programm für den Rest des ersten Teils vor: Neben Titeln von ATB, Erik Seifert und Schiller ist auch noch ein Track von der aktuellen Erbe-CD "Genesys" dabei. Passend dazu fährt Klaus-Dieter Unger auf der Kuppel auch ein eher ruhiges Programm: meist einfach den Sternenhimmel, ab und zu ziehen ein paar Planeten vorbei. Die erste Hälfte der Show endet mit "White Eagle" von Tangerine Dream - also wenn das kein Klassiker ist ...

Zu Beginn von Teil zwei geht es mit Tracks von Software endgültig ab ins All, und wieder wechseln Erbe und nicht-Erbe-Titel einander ab. Den ursprünglich angekündigten Plan, eigene und fremde Titel auf die beiden Teile zu splitten, hat Stefan also wieder verworfen. Aber auch so passt der Titel-Mix. Die zweite Hälfte endet mit "s-thetic" in der "originalen Erbe-Version", wie man sie auf der "2club genetica" findet. Und wie immer schließt Stefan sein Programm mit einem schlichten "Dankeschön" in die Runde ab. Es ist jetzt viertel vor Mitternacht und Stefan meint, er hätte jetzt eigentlich nichts mehr als Zugabe vorbereitet. Aber das glaubt ihm natürlich niemand, irgendetwas wird sich noch auf der Platte finden. Und tatsächlich: "When Angels Travel" geht noch, und es ist zumindest für mich der perfekte Abschluss des Abends - eines Abends, an dessen Ende ich wieder so zufrieden und entspannt bin, wie ich es schon lange nicht mehr war.

Noch zweimal in diesem Jahr wird es ein "Sound of Sky" im Bochum geben - nicht so oft wie früheren Jahren, aber vielleicht ist das ja genau der richtige Weg, den Reiz der einzelnen Shows zu erhöhen. Im Sommer wird das Motto "Erbe goes Enigma" lauten, und gegen Ende des Jahres wird es eine Rückblick auf die EM-Highlights von 2018 geben. Was die sein werden, weiß man jetzt natürlich noch nicht.

Bericht: Alfred Arnold
Fotos: Alfred Arnold und Stefan Schulz

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