Berichte

Auch wenn Herbst und Winter noch die einen oder anderen Corona-Unannehmlichkeiten bringen werden, so werden mir diese Monate als diejenigen in Erinnerung bleiben, in der ich einen guten Teil meines "alten Lebens" zurück bekommen habe: Zuerst der Neustart von E-Live in Eindhoven, und eine Woche danach der erste Besuch im Bochumer Planetarium seit über anderthalb Jahren. Wie es sich so ergibt, ist das auch nicht irgendein Termin, sondern das zehnjährige Jubiläum von Stefan Erbes "Sound of Sky".

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Gibt es diese Reihe wirklich schon so lange? Ich kann nicht behaupten, seit dem allerersten Mal dabei zu sein, dafür bin ich noch nicht lange genug in der "Szene". Aber seit meinem ersten Mal sind die "Sound of Sky" dick vorgemerkte Termine auf dem großen Wandkalender, der zu Hause in der Küche hängt. Zwar begibt Stefan Erbe sich nicht mehr ganz so häufig in die Kuppel wie in den Anfangsjahren, aber das steigert eher noch die Vorfreude auf das einzelne Event. Das gilt dieses Mal umso mehr, wenn man so lange nicht mehr in Bochum an der Castroper Straße gewesen ist.

Das Planetarium selber hat sich natürlich nicht ernsthaft verändert, es steht ja schon längst unter Denkmalschutz. Neu ist, dass man sich jetzt als Raumschiff versteht, und alle Besucher sind Astronauten, die auf eine Reise durchs Weltall gehen. Eigentlich eine schöne Metapher, und die geschwungenen Formen haben mich schon immer an das Raumschiff Orion aus "Raumpatrouille" erinnert. Ich müsste mal ausprobieren, was passiert, wenn ich das nächste Mal wirklich im Astronauten-Kostüm auftauche.

Auch für Astronauten gelten die Regeln, die von anderen Veranstaltungen bekannt sein sollten: Hygiene, Abstand, 3G, und Tickets möglichst elektronisch im voraus bestellen. Dann fangen wir uns hoffentlich keinen neuen Lockdown ein. Zumindest das Abstand-Halten ist kein Problem, als wir das Foyer betreten, es ist noch eine Weile hin bis zum Beginn der Vorstellung. Erst nach und nach trudeln weitere Besucher ein, darunter viele, die man seit dem letzten "Sound of Sky" nicht mehr gesehen hat - auch diese Reihe hat ihre "exklusiven" Stammgäste, die man nicht auf anderen EM-Events sieht. Nach so langer Zeit ist für die natürlich eine extra-herzliche Begrüßung drin. Die bevorzugte Geste an diesem Abend ist übrigens die "Getto-Faust", natürlich nicht ins Gesicht. Die Masken bleiben aufgesetzt, und müssen es auch bleiben, bis wir nachher in der Kuppel Platz nehmen dürfen. Also kann man gar nicht so genau sehen, wie der/die Gesprächspartner(in) verändert hat - vielleicht bekommen wir alle eine fürchterlichen Schrecken, wenn wir in ein paar Jahren wieder ohne Maske "dürfen".

Eine gute Stunde verbleibt noch bis Vorstellungsbeginn, und die letzte reguläre Show des Tages läuft noch. Leise klingt Debussy's "Clair de Lune" aus der Kuppel. Ob das heute auch dabei sein wird, immerhin hat Stefan das "Thema Debussy" ja auch einmal adressiert? Ganz so weit wird die angekündigte "Retrospektive" dann doch nicht zurückreichen, die Erbe-eigenen Titel sollen von den letzten drei Alben stammen. Die gute Nachricht: Von denen ist "Serbenity" ab sofort auch als physisches Album erhältlich. Zum seit Jahren unveränderten Tarif von zehn Euronen pro Stück gibt es dieses Mal ein schickes Digipack anstelle des sonst üblichen Jewel-Cases.

Der heimliche Star ist hier aber ein Vierbeiner: "Luna" ist der Neuzugang in der Erbe-Familie, nachdem Olivia leider nicht mehr unter uns ist. Ein wenig scheu ist sie noch, aber zumindest von den Damen lässt sie sich bereitwillig kraulen und streicheln, Frau Professor Hüttemeister eingeschlossen.

Auch beim Einlass merkt man, dass das Thema "Corona" hier in Bochum ernst genommen wird. So stehen wir beim Einlass alle brav mit Mindestabstand in einer Schlange, die sich vom Eingang durch fast das halbe Foyer zieht: Bei jedem Besucher wird nicht nur geschaut, ob irgendein QR-Code auf dem Handy angezeigt wird, er muss auch zum Namen auf dem Ticket passen - das habe ich andernorts auch schon anders erlebt. Nach der Kontrolle muss man sich in dem neu eingerichteten Rund ein wenig zurecht finden. Erster Eindruck: die neuen Sessel sind größer und bequemer, dafür sind es ja jetzt auch ein paar weniger geworden. Die Hebel sind ein wenig trickreich in der Armlehne versenkt, das erklärt Frau Professor Hüttemeister uns aber bei ihrer Einführung.

Wenn Stefan Erbe sein "Zehnjähriges" hat, dann lässt die Chefin es sich natürlich nicht nehmen, selbige persönlich zu machen. Ein wenig verlegen steht der Stefan schon bei dieser Lobeshymne dabei, aber die hat er sich nun einmal redlich verdient, bevor er selber zu Wort kommt. Neben seinem eigenen Blick auf dieses Jubiläum müssen die üblichen "Spielregeln" im Planetarium kommuniziert werden: Bitte nichts einschalten, was selber Licht macht, und wer während der Vorstellung raus muss, darf leider nicht wieder hinein. Wir "alten Hasen" wissen das natürlich, aber es gibt ja auch immer wieder Besucher, die das Planetarium und "Sound of Sky" für sich neu entdeckt haben.

Jetzt sollen aber die Musik und die Bilder an der Kuppeldecke sprechen. Der Einsteiger ist von der "Serbenity", es wird also erst einmal ambient, und Klaus-Dieter Unger lässt passend dazu den reinen Sternenhimmel auf uns wirken. Die Bilder des Sternenprojektors waren schon bisher von bestechender Schärfe, mit dem Technik-Upgrade sind aber auch die noch ein Stück brillanter geworden. Gleiches gilt für die Fulldome-Projektion, die an Auflösung zugelegt hat - so scharf haben wir Mond, Jupiter und Saturn noch nie gesehen.

Stefan Erbe selber ist heute eher mit "kleinem Besteck" nach Bochum gekommen: Seit langer Zeit ist zum ersten Mal kein Notebook dabei, zwei Keyboards und die vorher ausgewählte Playlist reichen. Dazu kommen als Neuerung vier Mini-Scheinwerfer, die sich in Farbe und Helligkeit steuern lassen und die Stimmung unterstreichen. Die wird in der folgenden Strecke von nicht-Erbe-Tracks ganz sachte ein weniger flotter, bis er mit "All the Stars" von der "Genesys" wieder einen eigenen Punkt setzt. Das ist auch schon ungefähr die Mitte der auf 90 Minuten geplanten Show, nach der Stefan sich erst einmal wieder als "DJ" betätigt. Wir bleiben auch in der zweiten Hälfte im eigenen Sonnensystem, das von dem einen oder anderen Asteroiden durchquert wird. Die kommen uns und Stefan zum Teil bedrohlich nahe, aber zum Glück sind es ja allesamt nur virtuelle Objekte.

Das Finale dieses Abends füllt Stefan wieder mit eigenen Tracks - "Nachtlichter" vom gleichnamigen Album aus dem letzten Jahr und "Wenn Engel reisen", das auch bei den ATB-Konzerten immer zum Schluss dabei ist. Gute Tradition: Ein höfliches "Dankeschön" von Stefan beschließt dieses Konzert. Egal ob "SoS-Stammkunde" oder beim ersten Mal dabei, man ist sich einig, dass diese anderthalb Stunden viel zu schnell vergangen sind, wie eigentlich immer. Also wann sehen wir uns hier das nächste Mal? Das wird im Januar sein, wenn Stefan ATB in die Kuppel mitbringen wird.

Gerade eine Woche nach E-Live in Eindhoven liegt natürlich der Vergleich nahe, mit was für einem Eindruck man sich auf dem Heimweg macht. Gemessen an E-Live ist "Sound of Sky" natürlich eine Größenordnung kleiner und hat nicht so überwältigend viele neue Eindrücke hinterlassen. Es ist ein wohliges, warmes, und zufriedenes Gefühl, dass auch die "Sound of Sky"-Familie die Pandemie überstanden hat und das Leben langsam wieder in seine gewohnten Bahnen findet. Der kommende Winter könnte noch einmal schwierig werden, aber der Ausblick stimmt: "Sound of Sky" wird auch über das zehnte Jahr hinaus Bestand haben.

Alfred Arnold

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