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Auch wenn die Corona-Fallzahlen nach wie vor hoch sind, die (Live-)EM-Szene findet so langsam wieder ins Leben zurück. Eine Woche nach der Schallwelle-Preisverleihung gastiert Bernd Scholl mit seinen meditativen Klängen einmal wieder im Cafe Neandertal No 1, genauer gesagt in dessen Höhle. Was 2021 noch abgesagt werden musste, durfte in diesem Jahr endlich wieder stattfinden.

So ganz "normal" sind die Zeiten natürlich noch längst nicht wieder: Die Höhle ist relativ klein, und es sind noch nicht alle Kontakt- und Abstandsregeln aufgehoben. Es war daher abzusehen, dass ein einziges Konzert an diesem Ort die Nachfrage nicht würde befriedigen können. So hatten Timo Kremerius, Bernd Scholl und Klaus M. Weber beschlossen, zwei Termine für ihre Show aus Klängen und Naturaufnahmen anzubieten. Egal für welche der beiden man sich entscheidet, ein Großteil der Einnahmen geht wieder als Spende an den MS-Treff Erkrath.

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Angesichts der immer noch kleinen Zahl von Events war es natürlich verlockend, für den doppelten Genuss Karten für beide Shows bestellen zu wollen. Aber damit hätte man vielleicht dazu beigetragen, dass andere Interessenten gänzlich leer ausgehen. So hatte ich nur für die zweite Vorstellung um 20 Uhr ein Ticket reserviert, und es ist bereits dunkel, als ich eine knappe Stunde vor Beginn im Neandertal eintreffe. Aus diesem Grund habe ich heute nicht oben am Bahnhof geparkt, um den Museumsweg ins Tal zu Fuß zu nehmen - in der Dunkelheit sieht man von den an Wegesrand ausgestellten Objekten eher wenig.

Das Cafe Neandertal teilt sich den Parkplatz mit dem gegenüber liegenden Museum, und erfreulicherweise meldet der Automat um diese Zeit "gebührenfreies Parken". Die erste Show ist gerade zu Ende, und so begegnet man beim Hereinkommen bereits diversen Bekannten, die man schon länger nicht mehr gesehen hat - jedes EM-Event, so auch die Bernd Scholl-Konzerte, hat seine "Stammkunden", die man woanders eher nicht sieht. Natürlich ist noch Zeit, sich darüber auszutauschen, was in den letzten drei Jahren alles passiert und nicht passiert ist - gerne auch noch bei einer Portion Suppe, die rustikal mit einer Scheibe Brot gereicht wird.

Einige Besucher der ersten Show haben aber gar nicht vor zu gehen, sondern haben noch eine Karte für die zweite Show erworben. Die wird nicht ganz so gut besucht sein wie die erste: Am Ende werden es für beide Shows zusammen etwa 90 Tickets sein. Das ist natürlich noch deutlich von den Besucherzahlen entfernt, die man vor der Corona-Pandemie in die Höhle oder noch davor in die Erkrather Kirche erzielt hat. Bei vielen potenziellen Besuchern scheint wohl noch die Sorge vor einer Infektion zu überwiegen und man wartet ab, bis die Pandemie wirklich überstanden ist.

Darauf geht Timo in seiner Einführung aber nicht groß ein, denn das wichtigste ist wie an an anderer Stelle doch, dass es überhaupt wieder möglich ist, live zu spielen. Wann waren wir zum letzten Mal hier? Richtig, 2019, es ist bereits drei Jahre her. Um ein wenig den Anschluss zu finden, wird Bernd Scholl zum Einstieg ältere Titel von der "Mystic Voyage" spielen.

Wer bereits die erste Show gesehen hat, behält natürlich seinen Platz in den ersten Reihen bei. Das hat dieses Mal - ausnahmsweise - zur Folge, dass ich von einem Platz in den mittleren Reihen aus keine gute Position habe, um ein paar Eindrücke von dem zu liefern, was Klaus M. Weber zu Bernds Musik auf die Leinwand zaubert. Soviel sei aber versichert: Die Qualität der Natur- und Landschaftsaufnahmen ist wie immer über jeglichen Zweifel erhaben, sowohl Schärfe als auch Auflösung sind bestechend.

Die mystische Reise beginnt ganz oben, auf dem Dach der Welt: Bilder aus dem Himalaja, aus Nepal von der Stadt Lhasa. Vom Dach aus begeben wir uns herunter in den Rest der Welt - wenn man eine Überschrift für die erste Hälfte finden möchte, dann wäre es vielleicht "Landschaften und Leute". Und immer findet Klaus zu Bernds Klängen die passenden Bilder - oder ist es umgekehrt? Und auch wie in früheren Jahren macht Klaus keine rein statische Diashow: Durch Heranzoomen gewinnen die Bilder Leben, und wenn in einem Titel von Bernd mal das Wasser rauscht, wird über die Bilder ein künstlicher Regen gelegt.

Nach genau 48 Minuten - so wie von Klaus angekündigt - endet die kleine Weltreise und mit ihr der erste Teil. In der kleinen Pause ist Gelegenheit, die eigene CD-Sammlung zu bereichern: "Culture and Spirit", Bernd Scholls aktuelles Album mit Rüdiger Gleisberg, ist als CD auf 100 Exemplare limitiert und hier in signierter Ausführung zu haben. Einige ältere Alben hat Bernd auch noch dabei, die werden vor Ort noch unterzeichnet.

Für den zweiten Teil kündigt Bernd neben bekanntem Material auch neue Tracks an, darunter auch einen mit dem Namen "Magical Cave". Und diese magische Höhle ist genau die, in der wir gerade sitzen. Motiv-mäßig wechselt der Fokus danach zu Detail- und Einzelaufnahmen von Pflanzen und Tieren. Bei letzteren dürfte es nicht nur der ausgefeilten Technik, sondern auch endloser Geduld bedurft haben, einen Vogel oder einen Frosch genau so wie gewünscht zu zeigen. Klaus wird nach dem Konzert noch ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern, bei welcher Reise er welche Schnappschüsse gemacht hat. Wichtig ist ihm auch, möglichst niemals das gleiche Bild zweimal zu zeigen.

Was an diesem Abend mir übrigens noch auffällt: Bernd Scholls Körpersprache an den Keyboards. Ich habe vorher noch nie gesehen, dass er bei einigen der Titel so mitgeht wie an diesem Abend. Auch ihn scheint die Wiedersehens-Freude angesteckt zu haben. So ist die Zugabe nach dem Applaus für den zweiten Teil obligatorisch: Die Bilderserie von verfallenen Schlössern und Klöstern kennt man von früheren Shows, ebenso die lange Liste von Danksagungen an weitere Personen und Institutionen, die zu den Bildern beigetragen haben.

So haben Bernd, Klaus und Timo an diesem Abend auf der einen Seite Bekanntes und Beliebtes noch einmal gespielt und gezeigt, und damit an die Zeit vor der Pandemie angeknüpft, aber auf der anderen Seite genügend neues Material eingebaut, dass keine Wiederholung früherer Shows dabei herauskam. Bernd Scholls Konzerte in Erkrath - seien sie hier in der Höhle oder in der Kirche - füllen das gleiche Konzept immer wieder so behutsam mit neuen Inhalten, das der Wiedersehens-Effekt erhalten bleibt. Der Zuspruch wie vor der Pandemie ist noch nicht erreicht, aber das wird wieder kommen. Timo hat zum Schluss in Aussicht gestellt, dass es bereits Ende dieses Jahres wieder so weit sein könnte - und wenn möglich, werde ich dann auch wieder zu Fuß ins Tal der Neandertaler herunter kommen.

Alfred Arnold

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