Rezensionen

woestheinrich-liveinnjEnde 2011 bescherte Bernhard Wöstheinrich uns EM-Freunden noch ein sehr schönes Live-Album. Von seinen Auftritten in den USA, genauer in Princeton bei der Radiosendung „Music with Space“ des Radiosenders WPRB und beim Equinoxygene Festival in Hackensack, New Jersey.

Auf der Seite des Labels „Iapetus“ ist in kurzen Worten die Bandbreite dieser Produktion dargestellt: „The two music-episodes span the range from floating ambient sections, classically inspired synthesizer music to sequencer work-outs and innovative electronica.” Das kann ich gut nachvollziehen, es steckt tatsächlich von allem etwas darin. Die langen Stücke sind zwar als jeweils eines angegeben, aber ich meine doch, dass es deutliche Wechsel in den Melodien, im Charakter und in den Sounds der Stücke gibt. Ich würde denken, dass es mehrere Stücke sind, die fließend ineinander übergehen.

„Live In Princeton“ ist vor allem ruhig dahinfließende Musik, die sehr strukturiert wirkt. Vielleicht ist das etwas gewagt, aber in seiner Strukturiertheit erinnert mich das Stück phasenweise an „Fractals“ von Ron Marvin (= Martin Buntrock, der auch wichtiger Teil der Band „Terra“ war). Der Musik von Bernhard liegt vermutlich nicht das mathematische Konzept zugrunde wie der „fraktalen Musik“ von Ron Marvin, aber ich musste doch ab und an daran denken. Die Sounds sind sehr klar und akzentuiert, sehr im Vordergrund höre ich immer wieder gitarrenähnliche Klänge, wie hell klingende einzeln angezupfte Saiten. Nach etwa der Hälfte des Tracks entwickelt sich stattdessen eine Sequenz aus tieferen Tönen. Weiter zum Ende kommen Klänge hinzu, die ein bisschen „kantig“ sind.  „Live In Hackensack“ macht dort weiter, wo „Live In Princeton“ aufgehört hat. Das mit sehr schöner Melodie in hohen Tönen aufwartende Stück wechselt nach ungefähr ¼ der Laufzeit in eine schnelle Sequenz und Percussion-Sounds. Dadurch erhält auch die Melodie einen anderen Charakter. Nach kurzer Zeit „beruhigt“ sich das wieder und etwas schärfere Sounds kratzen das Ganze ein wenig an. Schnell wechseln in diesen 16 Minuten die verschiedenen Klänge, Melodien und Rhythmen, so dass noch mehr als im ersten Titel dieses Stück aus mehreren Tracks zu bestehen scheint. Nur das Ende ist etwas abrupt und ohne rechten Abschluss. Da fehlt meiner Meinung nach etwas...

Es fasziniert mich, welche unterschiedlichen Klänge Bernhard einsetzt und zu einer Einheit zusammenbringt. Die Musik, die er in Amerika spielte, ist so ganz verschieden von seinen Alben „Heart“ und „Anentropic Potential“, die mir zur Zeit am präsentesten sind. „Heart“ ist wesentlich „organischer“ und rockiger, „Anentropic Potential“ ist experimenteller und nicht so leicht eingängig. „Live In New Jersey“ dürfte auf jeden Fall sehr vielen gefallen; es ist richtig gute Elektronische Musik im besten Sinne mit viel Atmosphäre!  Diese zwei langen Musikstücke von „Live In New Jersey 2011“ zeigen mir wieder, dass Bernhard Wöstheinrich einer der vielseitigsten Elektronikmusiker ist.

Andreas Pawlowski

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