
Nach dem eher erd-verbundenen Thema der Metalle nimmt Bernd-Michael Land uns auf seinem neuesten Album mit in die Weiten des Alls. Anlass ist die JUICE-Mission der ESA, mit der eine Reihe von Jupiter-Monden erforscht werden sollen.
Der besondere 'Clou' des Albums: Als Input und Ausgangspunkt dienten unter anderem Messwerte der elektromagnetischen Abstrahlungen von Sternen und Planeten. Schall gibt es im Weltall nicht, aber in der Astronomie nutzt man gerne das Prinzip der 'Sonifikation', um solche Messwerte in für den Menschen empfindbare Töne zu übersetzen. Auf "Juice" wurden diese Messwerte etwas anders verwendet: Anstelle einer einfachen eins-zu-eins-Umsetzung werden sie in den Kontext eines Albums gestellt. Und dieser Kontext ist die musikalische Beschreibung von JUICE's Reise, und was sie am Zielort mit ihren Instrumenten empfangen wird. Das erinnert mich an Robert Schroeder's Klassiker "Galaxie Cygnus A" von 1982.
Die dabei entstandenen elf Tracks bilden einen schönen Spannungsbogen, in dem sich sphärische Ambient-Titel mit dynamischen, von Sequenzen dominierten abwechseln. Bei ersteren kann man sich die langen Strecken der Leere vorstellen, die eine Raumsonde durchqueren muss, oder die Eislandschaften der anzusteuernden Monde. Drücken hingegen die Sequenzen aufs Tempo, holt JUICE vielleicht gerade bei einem Swing-By um Venus oder Erde Schwung. Man könnte sich aber genauso gut Spekulationen darüber hingeben, ob sich unter dem Eispanzer der Monde Ozeane befinden, in denen sich wiederum Leben entwickelt haben könnte.
Bei alledem bleibt Bernd-Michael Land immer seinem Stil treu, und der ist minimalistisch und aufs Wesentliche reduziert. Ein Abhören mit Kopfhörern würde ich empfehlen, auf diese Weise kann man den Details am besten nachspüren. Und währenddessen kann man sich an das - lohnende - Unterfangen machen, das beigelegte Booklet der Hülle zu entnehmen. Wie alle früheren Laben auch, wird "Juice" physisch auf gepresster, nicht gebrannter CD vertrieben, und das Booklet nutzt das Fassungsvermögen eines Jewel-Case ebenfalls wieder voll aus. Darin kann man Details zur JUICE-Mission und der Herangehensweise bei dieser Produktion nachlesen.
"Juice" ist ein Album, das in seinen 74 Minuten die lange Reise einer Raumsonde auf gelungene Weise interpretiert. Die wird noch ein Weile dauern: JUICE's Eintreffen am Jupiter ist für 2031 geplant. Bis dahin dürfen wir uns noch auf das eine oder andere weitere Album aus Bernds Rodgauer Studio freuen. Ich bin sicher, die Ideen dazu werden ihm nicht ausgehen!
Alfred Arnold
