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Stefan Erbe - The Enemy Inside

Stefan Erbe - The Enemy Inside

Nach der dritten Episode um GENE und ihre Abenteuer im Weltall hat Stefan Erbe sich wieder irdischen Themen zugewandt: Auf "The Enemy Inside" ist ganz im Gegenteil das innerste Ich das Ziel, das eigene Bewusstsein, und die Mischung aus Unsicherheit und Zerrissenheit, die viele von uns in den aktuellen Zeiten in sich fühlen.

Eine bedrohlich klingende Maschinen-Stimme spricht die Botschaft direkt zu Anfang aus, so wichtig ist dieses Thema für Stefan. Man denkt noch über das gesagte nach, vielleicht liest man noch den Begleittext, und wird währenddessen von den Sounds des ersten Tracks überrascht. Wie der klingt, ist wirklich neu, und vor ein paar Jahren hatte ich ihn ohne Nennung des Schöpfers vielleicht gar nicht als Erbe-Produkt eingeordnet. Stefan hat seine Sound-Library für dieses Album spürbar umgebaut und erweitert, und erreicht an einer Reihe von Stellen eine Vielschichtigkeit und Dichte, die ich so bisher noch nicht von ihm erlebt habe.

Trotz des ernsten Themas und den neuen Klang-Strukturen gerät "The Enemy Inside" nicht zu einem düsteren Album. Der Spannungsbogen beinhaltet auch ein paar 'hellere' Titel, in denen der Himmel sich zu öffnen scheint und die die Sound-Strukturen des Vorgänger-Albums durchschimmern.  Die in Rezensionen früherer Alben gegebene Einschätzung, dass man sich in die Titel auch einfach reinfallen lassen und wegträumen kann, trifft hier aber eher nicht zu. Dazu sind die Eindrücke, die dieses Album vermittelt, einfach zu intensiv.

Damit steht "The Enemy Inside" für mich in einer Reihe mit früheren Alben wie "Distopia" und "Reflect". Gleichzeitig hat Stefan Erbe mit "The Enemy Inside" eine Tür zu neuen Klangwelten geöffnet, ohne die Brücken zur Vergangenheit abzubrechen. Und um auf die Botschaft vom Eingang zurück zu kommen: Was habe ich persönlich als 'Erkenntnis' mitgenommen? Der innere Feind, das ist man selbst, so wie man sich selbst der schärfste Kritiker ist. Während jedes schöpferischen Prozesses führt man diesen Kampf. Aber es ist ein Kampf, der notwendig ist, und uns der davor schützt, bequem zu werden. Er schickt uns tagtäglich auf die Suche nach Neuem und Besserem, und wenn dabei Werke wie dieses heraus kommen, dann war der Kampf es wert.  In diesem Sinne wünschen wir Stefan Erbe, dass er diesen Weg noch möglichst lange beschreitet - egal wohin er ihn das nächste Mal führt.

Alfred Arnold

Über Empulsiv

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