Magazin

Kategorie: Magazin

An neuem Ort, nämlich im Kolpinghaus Höntrop, fand am 3. Adventssonntag in Bochum-Wattenscheid das diesjährige EM-Breakfast des schallwende e. V. statt. Sylvia Sommerfeld hatte für den Verein geladen, und viele kamen. Die neue Lokalität, die aus der Not heraus sehr kurzfristig gefunden wurde, stellte sich als guter Griff heraus. Für das EM-Breakfast war ein passender Saal mit ausreichend großer Bühne reserviert. Der  Saal ist angenehm hell, und die ganze Veranstaltung hindurch herrschte eine schöne und entspannte Atmosphäre und Stimmung. Das Büffet war gut und bot meiner Meinung nach genügend Auswahl. Für jeden Geschmack dürfte etwas dabei gewesen sein. Zudem ist das Kolpinghaus Höntrop bestens erreichbar, sowohl per Auto als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln, wie ich von anderer Seite hörte.

Mal abgesehen von einem schönen und ausgebreiteten Frühstück lockt den Besucher natürlich auch immer die Möglichkeit, etliche andere Leute zu treffen und zu sprechen. Sylvia hat auch einige neue Gesichter an den Tischen ausgemacht. Schön, wenn das EM-Breakfast auch andere Leute anlockt. Verlockend war aber vor allem wohl der angekündigte Musiker: Wolfram Spyra! Ich finde es wirklich beeindruckend, welche „großen Namen“, wie hier eben Der Spyra, vor einem doch sehr kleinen Publikum, welches zudem noch von Essen und Trinken und möglicherweise Gesprächen abgelenkt sein kann, zu spielen! Dazu war Wolfram nicht allein, sondern er brachte die ukrainische und seit 15 Jahren in Polen lebende Musikerin und Sängerin Roksana Vikaluk mit. Zu Beginn des EM-Breakfast wurden die Besucher aber von Sylvia begrüßt und sie gab einige Infos zum schallwende e. V. und zur kommenden Schallwelle-Preisverleihung weiter. Dabei und bei den Hinweisen zu anderen Veranstaltungen wurde sie von Stefan Erbe, der das Konzert aufzeichnete, unterstützt. Dann wurde das Büffet eröffnet und es gab genügend Zeit, sich dem Frühstück und Gesprächen zu widmen.

Nach einem kurzen Soundcheck begann Wolfram Spyra mit dem ersten Teil des Konzerts, den er alleine bestritt. In diesen etwa 50 Minuten spielte er vier Stücke aus seinem umfangreichen Oeuvre. „Traditionell“ nach Berliner Schule und momentweise nach Klaus Schulze klingend begann es. Aber Wolfram wäre nicht Der Spyra, wenn es dabei bliebe. Er ist sein eigener Herr und braucht nichts mehr zu beweisen. Seit vielen Jahren schon gehört er zur ersten Garde der Elektroniker. Mit vielen Konzerten, CD-Veröffentlichungen, Installationen und Projekten (auch mit anderen Künstlern zusammen) hat er sein Können und seine Vielseitigkeit gezeigt. Das Instrumentarium war etwas kleiner bzw. „offener“ als bei anderen Konzerten, denn sein bekanntes Stahl-Cello (Bow Chime), wohinter ziemlich wenig vom Musiker zu sehen ist, fehlte dieses Mal. Stattdessen fanden sich zwei Laptops, ein paar Keyboards und weitere recht kleine Geräte in Wolframs Reichweite. Auffällig unauffällig war ein Gerät, das wie das Mikrofon eines Headsets wirkte. Es wurde wie ein Blasinstrument gespielt und erzeugte Klänge wie eine Oboe und ähnliche Instrumente.

Die Titel der ersten beiden Stücke weiß ich leider nicht mehr. Als drittes Stück spielte er „SeQuest“, was bereits auf der schallplatte XI und dann auf dem gleichnamigen Album veröffentlicht wurde. Ursprünglich aber hat Wolfram diese wunderbare Musik zum Oscar-prämierten Animationsfilm „Quest“ (1996) geschaffen. Beim EM-Breakfast wurde eine vom Album deutlich verschiedene Version geboten. Nach wie vor ist das Musik, die unter die Haut geht! Der vierte Titel war „Last Train To Holmberg 3“, ebenfalls vom Album „SeQuest“.

Eine Pause schloss sich an, und danach wurde auch Roksana Vikaluk ausgiebiger vorgestellt. Roksana ist ausgebildete Sängerin, und seit etwa zwei Jahren macht sie auch mit Spyra zusammen Musik. Gemeinsam nennen sie sich Moon & Melody. In ihrer Musik wird Elektronik mit Progressive-Elementen und mit Folk slawischer Herkunft gemischt. Bei solchen Ansagen frage ich mich ja meist, was dabei wohl herauskommen soll. Nun, gleich im ersten Stück war durch Roksanas Gesang zu erkennen, wohin die Reise geht. Das ukrainische Volkslied ist schnell als solches identifizierbar. Roksana spielte neben Synthesizern auch andere Instrumente und Kinderspielzeuge wie z. B. Glöckchen, Krachmacherdose etc. Und, ob man es nun glaubt oder nicht, es passt alles ganz wunderbar zusammen. Eine ganz eigene Art EM! Roksana, die sympathische junge Frau mit erstaunlicher Bühnenpräsenz und sehr schöner Stimme, nimmt die Zuhörer mit ihrem Gesang mit auf die Reise in nie gehörte Klänge – jedenfalls nicht in dieser Kombination.

Wie fließend die Grenzen zwischen den Musikrichtungen sind, das bewies das Konzert von Moon & Melody! Wer hätte sich denn träumen lassen, Spyra-typische EM mit schlawischem Liedgut so sehr verbunden zu hören und zu erleben? Zudem sah man den beiden an, mit wie viel Freude sie ihre Musik auf der Bühne präsentierten, wie viel Seele dort hineingelegt wurde. Als zweites Lied (der Begriff ist ja nun tatsächlich angebracht) hörten wir ein trauriges Hochzeitslied, danach wurde ein Lied aus Slowenien, das die beiden im Urlaub kennengelernt hatten und das von Bergen und Wäldern erzählt, interpretiert. Hier wurden sogar modernste Sounds, wie sie sicher auch in aktueller Dance-Music oder vielleicht auch im Techno vorkommen, eingesetzt. Diese Sounds, gepaart mit solchen alten Liedern, die nie veralten, faszinieren. Und dass es stimmig ist und gut klingt, beweist, wie zeitlos Musik an sich ist und welche Möglichkeiten die Elektronische Musik hat, wenn sie sich nicht verschließt und nicht (nur) im eigenen Saft schmort. Ich bin selbst ein Skeptiker, wenn ich von ungewöhnlichen Kombinationen von Musikstilen u. ä. höre oder lese. Aber das Ergebnis zählt, wobei ich mich eben auch gerne von neuen Klängen und Experimenten überraschen und überzeugen lasse.

Die anvisierte Endzeit wurde bei diesem EM-Breakfast ordentlich überschritten, schließlich war es mit einer Zugabe denn auch nicht getan. Dem Applaus nach zu urteilen, den Roksana und Wolfram bekamen, war ich mit meiner Begeisterung absolut nicht allein.

Der Ort des Geschehens kam allgemein gut an, so dass Sylvia das Kolpinghaus Höntrop gleich für den 2. Adventssonntag 2012 gebucht hat – den Termin kann man sich also schon gleich im Kalender eintragen.

Diese vorletzte Schallwende-Veranstaltung im Jahr 2011 war sehr gelungen. Auch unser kleiner Sohn hat sich sehr wohl gefühlt und er hat mit seiner Freude an der Musik von Wolfram Spyra und Roksana Vikaluk einen guten Geschmack bewiesen ;-). Unser Dank gilt daher den Organisatoren, allen, die dabei waren und, last but not least, den Musikern, die den Tag zu etwas sehr Besonderem gemacht haben.


Andreas Pawlowski

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.