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Einmal von Bochum in die Tiefen des Weltalls und zurück

"And now to something completely different" ist ein Ausspruch einer bekannten britischen Komiker-Truppe, und er traf gleich in zweierlei Hinsicht auf Sound of Sky im August zu: Zum einen hatte Stefan Erbe sich Booth & Creek aus England als Gäste auf die Bochumer Bühne eingeladen, zum anderen versprach deren Musik ein echtes Kontrastprogramm zum vorigen Mal zu werden.  Ich hatte Booth & Creek schon einmal vor ein paar Jahren in Oirschot gehört, und hatte eine kantige Performance mit vielen Sequenzen und Klangflächen in Erinnerung.

Diesem Stil blieben die Briten auch an diesem Abend treu, mit einem spacigen Touch.  Sound of Sky war dieses Mal die letzte Veranstaltung des Abends, so konnten Booth & Creek ihre Sequenzen in fast epischer Breite über 120 Minuten präsentieren. Fans der Berliner Schule kamen dabei voll auf ihre Kosten und den einen oder anderen originalen Sound von Tangerine Dream aus den 70ern wird der aufmerksame Hörer wiederentdeckt haben. Passend zu diesen Klängen beschränkten sich Klaus-Dieter Ungers Projektionen auf einen puristischen Sternenhimmel mit gelegentlichen vorbei fliegenden Planeten - perfekt zum Wegdriften in ferne Welten.

Aber auch die schönste Reise ins All wird irgendwann langweilig - nach zwei Dritteln wurden die Sequenzen deutlich fetter, die Musik dynamischer.  Passend dazu wechseln die Projektionen vom weiten All in einen Mikrokosmos wimmelnder Teilchen.  Quasi ein Rücksturz zur Erde und eine Rückkehr in die Realität.

Auch wenn Stefan Erbe bei solchen Events in erster Linie als Gastgeber auftritt, so lässt er es sich nehmen, auch musikalisch den einen oder anderen Beitrag zu leisten.  Piano-Passagen sind eines seiner Markenzeichen, auch dieses Mal nutzte er sie gelegentlich, um den einen oder anderen musikalischen Kontrapunkt zu setzen.

Reichlicher als sonst war dieses Mal der 'CD-Gabentisch' gedeckt. Manche kaufen schon vor der Vorstellung, die meisten wollten aber erst einmal probe-hören, bevor sie einkaufen.  Booth & Creek hatten ein große Auswahl ihrer bisherigen Aufnahmen mitgebracht.  Wer wollte, konnte seine CD-Sammlung an diesem Abend um ein knappes Dutzend Alben erweitern.  Wie immer hatte auch Stefan Erbe seine in Hardware verfügbare Diskographie aufgebaut, indes - die hat der treue Fan ja längst schon alle im Regal stehen.  Das gilt natürlich nicht für sein neues Album 'Selectronique Debussy', das es als Download bereits seit einigen Wochen gab, und nun auch in physischer Form.

Stefan Erbe bleibt seinem Prinzip bei Sound of Sky treu - Vielfalt ist Trumpf, jede Show ist ein einmaliges Ereignis. Temperaturen von deutlich über 30 Grad und die Ferien-Saison sorgten diese Mal leider für eine eher überschaubare Zahl von Gästen, die sie sehen wollten.  Das dürfte Ende November wieder anders aussehen, dann wird das neue Album von Baltes & Erbe im Mittelpunkt stehen.  Und alle, die jetzt finden, dass sie am Samstag etwas verpasst haben, können Booth & Creek noch einmal kommendes Jahr im Februar in den Solinger Güterhallen sehen.

Alfred Arnold

Über Empulsiv

Empulsiv wurde 2011 als Webzine für (traditionelle) elektronische Musik gegründet. Es berichtete über ein Jahrzehnt von musikalischen Events und über Veröffentlichungen, präsentierte Interviews und Neuigkeiten aus der Szene. Ende 2022 wurde das Webzine eingestellt. Es wird nun als Infoportal mit Eventkalendar, Linksammlung und Archiv fortgeführt, so dass Neues sowies Vergangenes weiterhin gefunden werden kann.

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