Berichte

Die Schallwelle-Preisverleihung ist gerade ein paar Wochen her, da ist es schon Zeit für einen weiteren Höhepunkt des Jahres: das Doppelkonzert in der Repelener Dorfkirche, organisiert und zu einem Großteil auch gespielt von Bas Broekhuis, Detlef Keller und Mario Schönwälder.  Bereits zum vierzehnten Mal tun sie das in diesem Jahr, und auch schon seit einigen Jahren ist es ein über zwei Abende verteiltes Event.  Freunde der "reinen elektronischen Musik" kommen am ersten Abend auf ihre Kosten, denn hier heißt das Motto "Elektronik Pur", während am zweiten Abend mit Thomas Kagermanns Geige und Raughi Eberts Gitarre sich akustische Elemente dazugesellen, sowie Eva Kagermanns Tanz.Die Schallwelle-Preisverleihung ist gerade ein paar Wochen her, da ist es schon Zeit für einen weiteren Höhepunkt des Jahres: das Doppelkonzert in der Repelener Dorfkirche, organisiert und zu einem Großteil auch gespielt von Bas Broekhuis, Detlef Keller und Mario Schönwälder.  Bereits zum vierzehnten Mal tun sie das in diesem Jahr, und auch schon seit einigen Jahren ist es ein über zwei Abende verteiltes Event.  Freunde der "reinen elektronischen Musik" kommen am ersten Abend auf ihre Kosten, denn hier heißt das Motto "Elektronik Pur", während am zweiten Abend mit Thomas Kagermanns Geige und Raughi Eberts Gitarre sich akustische Elemente dazugesellen, sowie Eva Kagermanns Tanz.

Aber auch so ein Doppelkonzert kann auf Dauer an "Spannung" und Reiz verlieren, wenn es jedes Jahr auf gleiche Weise abläuft.  Um das zu vermeiden, lädt sich das Trio seit einigen Jahren für den Freitag noch einen musikalischen Gast ein, so dass der erste Tag quasi zu einem "Doppelkonzert im Doppelkonzert" wird.  Letztes Jahr hatten David Wright und Carys in Repelen Gelegenheit, ihr Album "Prophecy" zu präsentieren.  In diesem Jahr wird Pyramid Peak die eine Hälfte des Freitags bestreiten, für BK&S keine Unbekannten - mit Axel Stupplich und Andreas Morsch haben sie bereits in der Iserlohner Dechenhöhle zusammen gespielt.

Freitag

Wo wir beim Freitag sind: Das ist für ein EM-Konzert natürlich ein eher unüblicher Wochentag, und er bedingt, dass ich direkt nach Feierabend von meinem Arbeitsplatz in Würselen in Richtung Repelen losfahre.  Auch wenn der Einlass erst um 19 Uhr ist und die Strecke mit dem Wagen in einer guten Stunde zu schaffen sein sollte, ist es eine gute Idee, eine Zeit-Reserve einzuplanen.  Ein noch nicht ganz beseitigter Unfall auf der A44 und Stau bei Krefeld kosten mich dann auch die eine oder andere Minute, so dass es schon nach 18 Uhr ist, als ich in Repelen eintreffe.  Für einen Imbiss in der Bude gegenüber reicht es nicht mehr - schade, denn im Gegensatz zu letztem Jahr macht der Betreiber auch gerade keinen Urlaub.  Dann werde ich eben morgen herausfinden, ob der Döner noch so gut ist wie in früheren Jahren.

Obwohl es noch reichlich Zeit bis zum Einlass in den Kichensaal ist, bin ich bei weitem nicht der Erste, der sich wartend im Vorraum einfindet.  Wer es sich erlauben kann, nutzt dieses Doppelkonzert für einen Kurzurlaub am Niederrhein und hat sich ein Hotelzimmer in der Umgebung gesucht.  Das Wetter ist um diese Jahreszeit zwar nicht ideal, aber immerhin zeigt das Thermometer wieder Werte deutlich über Null Grad an.

Nach ein paar Minuten kommt Mario im Vorraum und sucht erst einmal den Lichtschalter, begleitet von dazu passenden Bibelzitaten.  Als "Kassenstand" muss dieses Mal ein Servierwagen herhalten, der zufällig gerade herumsteht.  Neben der Abendkasse werden jetzt die Karten ausgegeben, die bestellt und im Voraus bezahlt waren.  Ich hatte mir meine Karten schon im letzten Jahr schicken lassen, als der Vorverkauf begann, und seitdem hingen sie in der Küche am schwarzen Brett, wo ich gekaufte Tickets zusammen mit Konzert-Ankündigungen und Terminen sammle.  Hatte ich die Tickets eigentlich heute morgen eingesteckt? Uff, ja, da sind sie.

Die ganz kalten Tage sind zwar vorüber, aber dafür regnet es, und als der Vorraum voller und voller wird, hat Frank Rothe ein Einsehen und lässt uns früher in den Saal - besser so als einen Haufen durchnässter Besucher im Saal.  Direkt am Eingang hat Frank wie immer seinen Platz am Mischpult, er wird über den Abend für den guten Ton und vermutlich auch für einen Mitschnitt des Gespielten sorgen.  Nicht alles, was hier in Repelen live gespielt wird, findet auch seinen Weg auf eine CD, vieles bleibt ein einmaliges Erlebnis.  Verloren geht aber nichts, und einige solche "Schätze" aus früheren Jahren kann man heute am CD-Stand von Manikin unter dem Titel "Repelen Revisited" erwerben.  Bei Titeln wie "Electric Chess", eine Hommage an Mario Goettschings Klassiker "E2-E4", kommen auch bei mir spontan Erinnerungen an frühere Jahre hoch.  Ebenfalls sein Geld wert ist wie immer der USB-Stick, der zwar jedes Jahr gleich aussieht, aber nichtsdestotrotz aktuelle Bilder und Mitschnitte von Proben und Aufbauten enthält.

Einer der Vorteile, früh da zu sein, ist sich einen guten Platz sichern zu können.  Die ersten beiden Reihen sind zwar traditionell für Freunde und Verwandte reserviert, aber am Rand gibt es noch Plätze in der ersten Reihe, von denen aus es sich auch gut sehen und passabel knipsen lässt.  Direkt vorne auf der Bühne fallen natürlich als erstes die Plätze von Axel Stupplich und Andreas Morsch aka Pyramid Peak ins Auge, sie werden den Abend eröffnen,  Im hinteren, etwas erhöhten Teil der Bühne haben BK&S ihre Instrumente aufgebaut.  Die sonstige Aufbau fällt dieses Jahr eher schlicht aus: bis auf eine große Lampe neben jedem Platz dieses Mal keine weitere "Dekoration".  Mit diesen Lampen hat es eine besondere Bewandtnis, doch dazu später mehr.
Durch den früheren Einlass ist noch reichlich Zeit für Gespräche, zum Beispiel darüber, was für eine Heiden-Arbeit und Schlepperei es jedes Mal ist, die Bühne in der Kirche aufzubauen.   Bei der Gelegenheit kann man sich auch gleich die frisch gekaufte CD signieren lassen.  Und wer noch nicht genug Geld ausgegeben hat, kann direkt nebenan am Stand von Syngate gleich damit weiter machen.
In früheren Jahren hatte der "Hausherr" Pfarrer Uwe-Jens Bratkus-Fünderich die Einführung noch selber gehalten.  Seit letztem Jahr hat die Gemeinde aber mit Farah Otten eine eigene Kraft, die sich speziell um Konzerte in der Kirche kümmert und heute auch die Künstler einführt.  Das gilt natürlich erstmal für Pyramid Peak, und man merkt, dass sie Axel und Andreas vorher ein wenig über ihre Geschichte ausgefragt hat.  Dann ist es aber genug der Worte, die Musik soll jetzt sprechen.

Pyramid Peaks Musik passt perfekt zum Motto "Elektronik pur" des ersten Abends, kombiniert sie doch schöne Sequenzen und Rhythmen mit Melodien, wie es der Liebhaber klassischer elektronischer Musik schätzt.  Gleich im Auftakt-Titel werden die Erwartungen eingelöst: ein bombastischer Einstieg, und die Sequenz legt direkt los, unterfüttert mit Rhythmen aus den Drum-Computer.  Ein "dritter Mann", der bei Pyramid Peak früher das Schlagzeug live gespielt hat, ist ja leider nicht mehr dabei. Das tut der Qualität der Musik keinen Abbruch, die Axel und Andreas hier live und ohne große "Show" spielen.  Man sieht den Gesichtern der beiden aber an, wie sie bei der Sache sind, besonders Andreas macht immer einen fast versunkenen Eindruck.

Die gängige "Dramaturgie" eines Auftritts ist es, nach einem flotten Einsteiger mit dem zweiten Track erst einmal in ruhigeres Fahrwasser zu wechseln, und so ist es auch dieses Mal. Piano-Einlagen untermalen diesen zweiten Titel, und auch das dritte Stück "Milestones" braucht einen Moment, bis Drums und Sequenz wieder zum Tempo des Einstiegs-Titels zurückführen.
Alle drei Titel waren von der längeren Sorte, und damit ist das "reguläre" Programm eigentlich schon durch.  "Wir würden gerne noch eine Zugabe spielen, wenn Ihr mögt", ist aber die Ansage von Axel, die er mit seinem Dank dafür kombiniert, heute in der Repelener Dorfkirche spielen zu dürfen.  "Voyage" heißt die Zugabe, ein sehr passender Titel, denn die Reise durch das Repelener Konzert-Wochenende hat gerade erst begonnen.  Axel Stupplich und Andreas Morsch haben dafür den perfekten Einstieg geliefert. 

Bevor Broekhuis, Keller und Schönwälder mit ihrem Teil des Abend beginnen, muss noch eine kleine Umbau-Pause sein, so dass man freie Sicht auf die drei hat.  Die Einführung für den zweiten Teil macht Detlef selber: Begrüßungen werden dieses Mal auf Deutsch, Holländisch, Englisch, Norwegisch und Russisch(!) ausgesprochen, das Repelener Doppelkonzert zieht schon seit vielen Jahren Fans aus aller Herren Länder an.  Dass BK&S in den Jahren ihrer Zusammenarbeit ihren ganz eigenen (und wieder erkennbaren) Stil entwickelt haben, wird gleich im ersten Titel "Prolog" deutlich: Die Rhythmen von Bas, die Melodien von Detlef und die Sequenzen und Flächen von Mario mischen sich zu etwas, was mit "Berliner Schule" eigentlich unzureichend beschrieben ist, weil es weit darüber hinausgeht.  Bemerkenswert ist auch heute wieder der Spaß, den das Trio beim Spiel auf der Bühne hat.

Nach dem Prolog passieren aber ungewöhnliche Dinge: Detlef macht es sich auf dem Fußboden bequem, er und Mario schalten die Lampen an ihren Plätzen aus.  Deren Bedeutung wird jetzt klar: "Wer hier spielt oder nicht, sagt Euch heute das Licht", so formuliert es Detlef im Nachhinein.  Reihum spielt jeder einen Titel alleine, während die beiden anderen genauso genießerisch zuhören wie das Publikum.  Den Anfang macht, wie durch das Licht schon angedeutet, Bas.  Natürlich kommt er aus der Rhythmus-Ecke, aber er hat eben auch die anderen Elemente drauf, um einen kompletten Titel zu spielen.  Erstmals in Repelen hat er sein Hang "in Hardware" dabei, letztes Jahr musste er es noch auf dem iPad emulieren.

Das Licht wandert weiter von Bas zu Detlef, und in seinem Solo liegt der Fokus natürlich auf der Melodie, ein wunderbar verträumtes Stück.  Auch hier "fehlt" nichts, Detlef hat - wie die beiden anderen - ja auch schon diverse Solo-Alben abgeliefert und dort seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt.

Jetzt fehlt nur noch Mario in dem Solo-Reigen.  Aus den Flächen wächst etwas Bedrohliches, fast so wie man sich in einem Horrorfilm oder einem dunklen Wald bei Nacht fühlen könnte. Dabei bleibt es aber nicht: Man könnte sagen, aus dem Wald geht es an einen Fluss, aber nicht an irgendeinen.  Denn dieser Sequenzen-lastige Teil macht eindeutig Anleihen bei "Rubycon", ohne das Original zu kopieren.

Für den "Epilog" gehen wieder alle drei Lampen an, und nacheinander steigen Sequenz, Rhythmus und Melodie in das Stück ein, man könnte sagen, bis man wieder den "gewohnten" BK&S-Sound hat.  Fast wie in einem Prisma ist hier der BK&S-Sound in seine Bestandteile zerlegt worden, um am Ende wieder zusammengeführt zu werden.

Ende?  Nein, sagt Detlef, kein Konzert ist vorbei, bis die Kapelle vorgestellt wurde, und nach der Vostellungsrunde ist die Zugabe an der Reihe, die auf den passenden Namen "Encore" hört - eine Sequenz, die fast wie ein D-Zug losdampft, und einen dicken Schlusspunkt unter den ersten Abend setzt.  Wer mehr hören will, muss morgen wiederkommen, oder sollte schon einmal die Wochenenden um Mitte März im nächsten Jahr freihalten: Für 2019 steht der Gast schon fest, es wird Ron Boots sein.  Je nachdem wie viele Musiker dieser mitbringt, könnte es dann auf der kleinen Bühne dann richtig eng werden.

Samstag

Nach einer allzu kurzen Nacht, einem etwas hektischen Samstag Vormittag, an dem all das erledigt wurde, was in einem Junggesellen-Haushalt erledigt werden muss, mache ich mich wieder auf den Weg nach Repelen.  Staus bleiben mir dieses Mal erspart, nur dank eines unachtsamen belgischen Opel-Fahrers wäre meine Fahrt beinahe in einer Leitplanke am Wanloer Kreuz geendet.  Wer viel fährt, kann in der Hinsicht das eine oder andere erzählen, mir gehen die Erzählungen eines Bekannten durch den Kopf, der einige Jahre lang täglich von Aachen zu seinem Arbeitplatz in Krefeld gependelt ist.  Nach diesem Schrecken ist der Döner-Teller im Imbiss um die Ecke wohlverdient, und ja, er ist immer noch so zu empfehlen wie in früheren Jahren.

Auch heute am Samstag ist noch etwas Zeit bis zum Einlass, ich gestatte mir dieses Mal nur, Mario die Suche nach dem Lichtschalter zu ersparen: als er herauskommt, um die Kasse zu eröffnen, ist es im Vorraum schon hell.  Er muss nur schnell noch die Karten für das Freitags-Konzert aussortieren.  Die dürften heute keinen Abnehmer mehr finden.

Moderne Zeiten: Dieses Mal gibt Mario Frank im Saal per Smartphone Bescheid, wann der Vorraum voll genug ist und man die Tür öffnen sollte.  Selbige geht nämlich nach außen auf und wenn der Vorraum zu voll ist, würde das Öffnen schwer werden.  Drinnen ist ohnehin längst alles bereit: vorne links und rechts werden (wie immer) Raughi und Thomas sitzen, Gitarren und Geige stehen und liegen schon bereit.  Die Mitte bleibt frei für Eva Kagermann, die den einen oder anderen Titel mit ihrem Tanz begleiten wird, und das in Kostümen, die jedes Jahr aufs neue extra für diesen Abend entworfen wurden.  Und last but not least: Andre Löbbert hat diverse Spots und Scheinwerfer rund um die Bühne aufgestellt.  Die Lichtshow ist ebenso ein Extra, das dem Samstag vorbehalten ist.

Mit einem "Noch eine Minute" weist Detlef das Publikum darauf hin, dass es gleich losgeht und man sich jetzt zu seinem Platz begeben sollte.  Meiner ist wie am Freitag vorne links am Rand: vielleicht nicht ideal, um den hinteren Teil der Bühne zu sehen, aber mit einem perfekten Blick auf Evas Tanzfläche - und das hat heute Priorität.

Die Einführung fällt heute ganz kurz aus, auch Detlef hält sich mit seinen einführenden Worten zurück - er wird wie in den Vorjahren auch noch zwischen den Stücken zum Mikrofon greifen. Wie am Freitag auch, beginnt der Abend mit einem "Prolog".  Aber der klingt heute natürlich ganz anders als am Freitag, alleine wegen der akustischen Unterstützung durch Thomas und Raughi.  Ein loungiges, südländisches Lüftchen zieht dabei durch die Kirche. im Prolog kommt auch direkt die Laserharfe zum Einsatz, und obwohl sie schon seit vielen Jahren fester Bestandteil der Konzerte in Repelen ist, sind immer wieder einige Zuschauer dabei, die sie zum ersten Mal sehen, und die nach dem Konzert die eine oder andere Frage dazu haben werden.

"Sharks" ist Titel Nummer zwei, für den Raughi auf die elektrische Gitarre wechselt und Bas einen flotteren Takt vorgibt.  Jetzt wäre es auch an der Zeit für Evas ersten Auftritt.  Nein, der Boden der Kirche wird nicht geflutet und sie kommt nicht mit einer Haifischflosse auf dem Rücken herein geschwommen, aber ihr Kostüm nimmt schon auf den Titel Bezug: ganz in leuchtendem Grün, mit einem Schuppenmuster und grünen Streifen am Gürtel, die man als Algen oder Seetang deuten könnte.  Bei diesen Tanz-Einlagen bin ich immer hin- und her-gerissen, ob ich mich um möglichst gute Aufnahmen bemühen oder den Auftritt auch eine Weile einfach genießen soll.

"Holy" ist Titel Nummer drei, jetzt wird es schon fast etwas groovy, das ist der bisher munterste Titel, und er endet passenderweise mit ein paar synthetischen Glockenschlägen.  Die drei Lampen sind übrigens alle aus, obwohl alle mitspielen - die Regel "Wer hier spielt oder nicht ..." galt also nur für den Freitag, heute hat Andre das Kommando über das Licht (und den Hauptschalter für die Lampen?).

"A Silent Move", wie alle anderen heutigen Titel extra für diesen Abend neu komponiert, wird als der letzte ruhige Titel angekündigt, bevor die Gangart flotter werden soll.  Eine warme Melodie und Flächen von Mario umschmeicheln uns, dazu zarte Hang-Klänge von Bas und synthetische Chöre - das ist beinahe schon ein Wiegenlied, auf jeden Fall der bisher verträumteste Track des Abends.

Bevor es mit "Chaturanga", einer persischen Variante des Schachspiels weitergeht, ist die obligatorische Vorstellung aller Musiker dran, dies wird nämlich schon der letzte Titel des "regulären" Programmes sein.  Er beginnt mit orientalischen Klängen, bis der "klassische" BK&S-Sound wie im Prolog mit einem südländischen Touch übernimmt.  Mittendrin schnallt Raughi seine Gitarre ab und packt einen Bogen aus - so hat er sie noch nie in Repelen gespielt.  Im Publikum werden Mutmaßungen angestellt, solche Ideen könnten im Zusammenhang mit der Schachtel holländischer Kekse stehen, die auf der Bühne gesehen wurde.  Es wird aber nach dem Konzert nachdrücklich bestritten, dass es sich um "solche" Kekse handeln könnte ... Eva macht ihren zweiten Auftritt des Abends in einem weißen, sehr schmal geschnittenen Kostüm, an dem große Pailetten klappern, mit einem Hut, der sie fast doppelt so groß macht.  Welche Schachfigur sie darstellt - ich weiß es nicht, vielleicht liege ich mit dieser Assoziation aber auch völlig daneben.

Wie gesagt, das war der letzte Titel - große Verbeugung und überall nur lachende und glückliche Gesichter, so weit man sie durch die immer noch vom Nebel geschwängerte Luft erkennen kann. Mir tut der Fotograf etwas leid, der die die ganze Zeit direkt vor der Bühne gelegen hat, um ein paar interessante Perspektiven einzufangen - zeitweise war er völlig im Bühnennebel verschwunden.

Eine Zugabe muss natürlich sein und ist selbstverständlich eingeplant.  Während ich Detlef zum ersten Mal mit einer elektronischen Klarinette sehe, höre ich hinter mir schon wieder das Klimpern von Evas Kostüm.  In der kurzen Zeit konnte sie sich natürlich nicht komplett umziehen, es hat aber gereicht, den Hut gegen einen durchscheinenden Umhang zu tauschen.  Dass der etwas besonderes ist, merken wir, als Eva ihn einschaltet - er ist mit LEDs in allen Farben des Regenbogens besetzt und wenn sie ihn ausbreitet, wirkt er fast wie die Flügel eine Schmetterlings. Dieses letzte Kostüm ist die echte Überraschung des Abends, und die Fotos können seine Wirkung auf der abgedunkelten Bühne nur unvollkommen wiedergeben.  Das ist ein wirklich gelungenes Finale für das diesjährige Repelener Doppelkonzert.  Es kam dieses vielleicht nicht ganz so bombastisch daher, was die Bühnendekoration und die Titel anging, aber es hat absolut niemanden enttäuscht.  Nach vierzehn Jahren ist es ja schon fast so wie bei einer vertrauten Filmreihe, wo man sich alleine schon darüber freut, die vertrauten Akteuren munter und gesund wiederzusehen.  Möge diesem knappen Dutzend noch viele gesunde Jahre und Konzerte in der Repelener Dorfkirche vergönnt sein, ein natürlich nicht ganz uneigennütziger Wunsch.  Wie schon geschrieben, das Wochenende um den fünfzehnten März 2019 sollte man sich schon einmal freihalten.

Alfred Arnold