Rezensionen

fdproject nocturnaDer aus Dinslaken stammende Frank Dorittke hat sich seit Jahren durch sein Projekt F.D. Project in der Elektronikszene einen Namen gemacht. Vor allem die Kombination aus melodiösem Elektroniksound und einer teils rockigen E-Gitarre, die in einigen Momenten auch an den großen Briten Mike Oldfield erinnert, sind die Trademarks in Frank’s Musik.

Nach der letzten Veröffentlichung „Time To Remember“ aus dem Jahr 2010 und der Zusammenarbeit mit den niederländischen Musikern Ron Boots, Erik und Harold van der Heijden bei dem Bandprojekt MorPheuSz kommt Frank mit einer CDR auf den Markt, die er als „The Other Side Of … F.D. Project“ bezeichnet. Der Name zeigt schon, dass Frank mit dieser CDR, die den Titel „Nocturna“ trägt, eine etwas andere Richtung einschlagen will. Auch fällt sofort ins Auge, dass Frank statt mehrerer Tracks nur einen einzigen, mit einer Spielzeit von mehr als 71 Minuten, auf die CDR gepackt hat.

Mit diesen Informationen liegt es natürlich nahe, dass sich Frank nun auf den Sound der „Berliner Schule“ eingelassen haben könnte und sich seine Musik nun im Fahrwasser von Klaus Schulze wieder findet. Ganz so ist es dann aber doch nicht. Frank hatte einige neue elektronische Gerätschaften erworben und testete diese aus. Dabei kam er zu einer Musik, die nicht mehr so stark von der E-Gitarre und somit vom Stil eines Mike Oldfield beeinflusst ist. Und doch findet sich die Gitarre an der ein oder anderen Stelle wieder. Aus meiner Sicht ist das auch gut so.

Der Longtrack wirkt nicht wie eine Aneinanderreihung von mehreren Tracks vielmehr werden einzelne Harmonieparts zu einem sehr schönen Stück zusammengefasst.

Los geht es zunächst sehr sphärisch mit teils bedrohlich wirkenden Elektroniksounds. Hier baut Frank zunächst eine Stimmung auf, in die sich ganz zaghaft, nach etwa anderthalb Minuten, eine Harmoniefolge andockt. Diese Kombination hat etwas Mystisches von zum Beispiel einer Akte X-Folge. Dann wird ein tickendes Rhythmusmuster hinzugefügt, das den Track langsam in Gang bringt. Man hat das Gefühl, als würde nun so langsam etwas passieren, die Spannung wird nun angezogen. Das hat was Fesselndes.

Bei dieser CD dauert es eine ganze Weile, bis sich die Musik von Frank entwickelt, damit unterscheidet sich das Album schon sehr von den bisherigen Veröffentlichungen von F.D. Project. Es dauert mehr als 13 Minuten, bis ein Schlagzeugrhythmus dem Longtrack eine rhythmischere und rockigere Note verleiht, aber immer noch eher gemächlich voranschreitet. Frank bewegt sich in diesem Part eher im Zeitlupentempo. Jetzt hält dann auch eine Melodielinie Einzug in den Track.

Nach gut 21 Minuten ändern sich die Struktur und auch die Stimmung. Es wird zunächst ruhiger, da der Rhythmus ausgeblendet wurde. Eine Art Brückenteil weist nun in einen neuen Part. Jetzt kommen Sequenzer zum Vorschein und es klingt auch ein wenig nach Tangerine Dream. Hier geht Frank noch melodischer zu Werke, als im ersten Part. Nach etwas mehr als 32 Minuten ist es dann soweit, Frank holt seine E-Gitarre aus dem Gepäck und setzt damit dem Sound seine eigene Handschrift auf. In diesem Part habe ich wieder das Gefühl in einer Akte X-Folge zu stecken. So liebe ich Frank’s Musik am meisten.

Ein Reihe von Passagen scheinen live eingespielt zu sein, wie etwa die Gitarrenparts. Das zeigt sich beispielsweise in einem Verspieler, den Frank in der Produktion gelassen hat, was aus dem Werk ein sehr lebendiges und organisches Album macht. Im weiteren Verlauf ändern sich die Strukturen und Melodiefolgen mehrfach und machen diesen Longtrack zu einem spannenden Werk. Der Spannungsbogen wird von Frank über die volle Distanz gehalten und so habe ich ständig den Vergleich mit einer meiner Lieblingsserien, Akte X.

Auch als The Other Side Of F. D. Project macht Frank Dorittke eine ausgesprochen gute Figur. Die CD ist atmosphärischer als es die anderen Veröffentlichungen von F. D. Project sind. Aber auch hier zeigt Frank, dass er ein Vollblutmusiker ist. Einziges Manko der CD: ich hätte mir die ein oder andere Skip-Funktion gewünscht um an die Stellen springen zu können, bei denen ein stilistischer Wechsel stattfindet. Ansonsten kann ich diese CDR nur wärmstens empfehlen.

Stephan Schelle www.musikzirkus-magazin.de

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.