Rezensionen

ramp astraldisasterWer auf der Suche nach perfekter Musik für eine Sternenreise ist, sollte bei dieser CD auf jeden Fall Halt machen. Gleich vom ersten Moment an entführt uns Stephen Parsick unter dem Projektnamen ['ramp] mit Astral Disaster in die dunkle und kühle "Atmosphäre" des Weltalls, mit all den flirrenden und in weiter Ferne leuchtenden Sternen. Dieser Sternentrip ist akkustisch schon fantastisch, und in Verbindung mit der Planetariums-Session, bei der die Musik ursprünglich live aufgeführt wurde, sicherlich ein einmaliges, universales Erlebnis.

Das Album fasst zwei doch eigenständige Sets eines Live-Konzerts im Sommer 2012 zusammen, und stellt sie auch als zwei Teile mit je vier Tracks in, verglichen mit dem Konzert, leicht komprimierter Form zum Hörgenuss bereit. Die Anmutung der beiden Sets ist auch tatsächlich unterschiedlich: mit Flatten Them! steht der leicht hellere und rhythmischere Teil voran, während der folgende Doomsday is Family Time etwas dunkler und drone-iger wirkt.

Mit Forever Returning beginnt das Album mit sehr feinem, leicht dunkel angehauchtem Space Ambient, in dem sich zunächst minimalistische Klänge auf dann kalten Flächen und weiträumigen Wellenformen bewegen. Leicht flirrende Arpeggios erzeugen zwischendurch das Gefühl, nicht im leeren Vakuum, sondern inmitten eines Lichtermeers zu schweben. Der Übergang in Blast ist fließend, doch hier erreicht man auf seiner Reise durch's All einen energetisch hoch geladenen Sonnencluster. Bassige Sounds und Sequenzen prasseln hier wie Protuberanzen auf den Hörer ein. Die eigentlich bedrohlich wirkende Umgebung wird jedoch durch eine melodische, eher leichte, pianoartige Melodie zu einer feurigen, atemberaubenden Schönheit.

Raus aus dem Cluster und hinein in Rather far out. Eine Drone-artige Klangfläche und eher disharmonische Klangfolgen stoßen uns in einen Leerraum. Doch auf einen zweiten Blick ist dieser so leer gar nicht. Die unwirklichen Flächen münden in stakkatoartige Klangmuster, und mit erhöhtem Tempo geht es durch eine mit Staubteilchen durchwobene Region direkt in eine Sphäre von galaktischer Schönheit, hinein in den Track Halo Inductor. Die sehr angenehme, einen mit recht warmen Akkorden einhüllende Fläche und einem feinen Gespinst aus klingelnden Sequenzen leuchtet fast bildlich ein Sternensystem in voller farblicher pracht auf und gibt dem Hörer ein wohliges Gefühl, über den Dingen zu schweben. Ein schon fast (ungewohnt) fröhlicher Track zum Ausgang des ersten Teils.

The Nameless is the Origin leitet das Set Nummer 2 ein. Sie beginnt mit einer lang anhaltenden, sich wellenartig ausbreitende Drone von recht dunklem Charakter. Durch die im weiteren Verlauf sanft eingeblendeten choralen Elemente und leisen zwitschernden Klangmuster wird der Hörer in einen Raum zwischen den Sternhaufen versetzt, in dem nur in der Ferne die Reflektionen der Sterne wahrzunehmen sind. Diese Drift durch Nichts wird mit Osciallator Planet aufgegriffen. Mit dem Titel im Kopf erzeugt die Musik nun das Bild einer eher unbelebten, sonnenlosen Welt. Die zum Ende hin einsetzenden, flirrenden Muster bereiten jedoch schon auf etwas Mächtigeres vor.

Und dies kommt dann auch mit Astral Disaster. Finster und massiv ist der Einstieg in eine langsam pulsierende und mit partikelartigen Effekten versehene Klangwelt, wie eine antriebslose Reise durch ein Trümmerfeld unvorstellbarer Weite. Unbemerkt gleitet der Flug hinüber in das finale Stück Jericho, in dem Stephen noch einmal aufdreht und mit hartem, perkussivem Bass ein eher bedrohliches Szenario aufbaut. Es trägt einen mitten hindurch das Zentrum einer Galaxie. Das leicht industrial wirkende Stück besticht neben der massiven Basswelt aus diese begleitenden Melodien aus metallartigen Synthsounds und passend einfach gehaltenen Arpeggios. Und einer dramatischen Wende zum Ende des Stücks, wenn sich der treibende Rhythmus des Basses auflöst und eine feinsinnige, leichte Melodie mit pianoartigem Klang und choraler Begeleitung aus der Ferne übernehmen, sich von all den Sternen und Planeten immer weiter zurückzieht und den wohlgesonnenen Blick über das Universum in all einer Erhabenheit streifen lässt.

Selten hat mich ein Album bezüglich planetaren Erlebnisses so überzeugt wie Astral Disaster, denn es trifft genau den richtigen Ton und erzeugt die passenden Bilder im Kopf. Es ist nicht einfach nur dunkel, es beschreibt musikalisch einerseits die weite Leere und Einsamkeit und fasziniert andererseits durch das Hervorheben der Schönheit eines Universums, wie ich es mir vorstelle.

Info & Bezug: http://www.parsick.com

Stefan Schulz

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