Rezensionen

Im Jahr 2009 mündete die erste Zusammenarbeit von Erik und Bernhard in eine gemeinsame CD, Arcadia Borealis. Nun hat es fünf Jahre gedauert, um aus den darüber hinaus gehenden gemeinsamen Ideen eine zweite CD zu produzieren. Und die beiden präsentieren mit Weltenuhr ein außerordentlich starkes Zweitwerk. Dieses Album zeugt von einer exzellenten Symbiose der eher ambienten und melodiösen Spielweise Erik Wøllos, getrieben von seinem gekonnten Gitarrenspiel, und der experimentellen und druckvollen Klangwelten Bernhard Wöstheinrichs. Unterstützt werden die beiden auf Gales und Weltenuhr durch den betörenden Gesang von Elke Marleen Schumacher. Auf der über eine Stunde langen Scheibe finden sich 11 Tracks mit Längen zwischen ca. 4 und 8 Minuten....

Das Album startet mit dem flächendominierten Stück Gales, dessen schwebende Klangstruktur den zarten Gesang von Elke trägt. Mit dem zweiten Track Subgiants, das technisch-mystisch mit leichtegewichtigen als auch kreischenden Pads beginnt, startet das Album jedoch bereits richtig durch. Kurz nach dem Intro setzt ein flotter Rhythmus mit Bass und Schlagzeug ein, untermalt von eher kühlen Flächen, die gemeinsam einen hypnotischen Spannungsbogen bilden, der sich schlussendlich wohltuend entspannend auflöst. Es folgt Oculus, ein recht technisch beginnendes Stück, das an ein Uhrwerk erinnert. Doch schon bald setzen die wunderbaren Gitarrenmotive, wie man sie von Erik kennt. Darunter klickt und tickt das Uhrwerk weiter, wirkt durch das Saitenspiel jedoch melodiös und grazil.

Mit Denser World springen wir in eine nahezu chillige Welt hinein. Ein entspannter Rhythmus treibt uns voran, Gitarrenbögen und Melodiefragmente begleiten uns dabei. Das nächste Stück gibt uns einige enspannende Minuten. Es beginnt sanft und ruhig, nahezu meditativ und wirkt selbstreflektierend, bis es sich öffnet, wie eine Blüte, und und dahinfließender Schönheit erwacht. Mit On Those Grounds Alone wechseln man in eine Welt, wie man sie von Erik Wøllo kennt. Ein sanfter Rhythmus greift nach unserem Atem und leichte Gitarrenriffs lässt einen die Gedanken fallen und die Seele baumeln.

Das Titelstück, Weltenuhr, beginnt mit deutschsprachiger Poesie, vorgetragen von Elke Marleen Schumacher. Sie wird im Hintergrund begleitet von einer langsam morphenden Drone. Sie wird über die Zeit kräftiger, verstärkt durch Synthieflächen und bilden schließlich die Grundlage für einen zaghaften, elfenartigen Gesang. Dieser wird zum Ende durch ein ebenso zurückhaltendes Gitarrenspiel ersetzt, bis zum Ausklang. Spacige Synth-Pads bilden den Auftakt zu Hallway of Thins Past and Lost, durchwoben von im Hintergrund gehaltenen Transmissions-artigen Vokaltexturen. Nach einer Weile werden die Pads kräftiger und dominanter, weitere Flächen und Noise mischt sich unter bis zu einem sanften Ausklang.

Es folgt Portico, das Arpeggiator-artig beginnt. Dem leichten Stakkato mischen sich schwebende Flächen bei und man treibt wieder leichtfüßig dahin. Und während das Arpeggio zum Ende hin versiegt, tragen einen die Flächen noch eine ganze Weile weiter. Das sich anschließende Stück Gabreta Silva ist hingegen durchaus geerdet. Schon von Beginn zeichnet sich der einnehmende Rhythmus ab, der von Melodiefragmenten aus Gitarrenakkorden und Synth-Pads flankiert wird. Ab der Mitte wird der Rhythmus durch verschiedene Sequenzerreihen aufgegriffen und ergreift vom Körper besitzt, wirkt nahezu hypnotisch, und lässt einen erst am Ende wieder los. Das Finale bildet A Vagueness Disguised. Ein kurzes aber betörendes Abschiedsstück, das ein wenig den Gegenpunkt zu Gales bietet.

Mit Weltenuhr liegt hier ein ausgezeichnetes Musikwerk elektronischer Musik vor, das sicherlich Anleihen an Strukturen der goldenen Zeiten nimmt, aber doch eher in eine eigene Welt ambienter, teilweise jazz-beeinflusster Klangwelten bietet. Ein sehr facettenreiches sowie klanglich und inhaltlich hochwertiges Album.


Künstlerinfos:
Erik Wøllo
Bernhard Wöstheinrich

Bezug: DiN

Stefan Schulz

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