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Am Samstag, den 2. 7. war es soweit – der Garten von Winfried Wiesrecker wurde von einer stattlichen Anzahl EM-Fans und Musikern bevölkert, um der Kunst und anderen netten Dingen zu frönen. Für die Kunst zuständig waren

René van der Wouden

Tax-5

Alien Nature & TMA feat. Martinson

Matzumi

Nattefrost (feat. Matzumi)

Eric van der Heijden und

Morpheusz.

Organisiert hatte das Event das bewährte Team des Electronic Circus (www.electronic-circus.net). Das Wetter spielte auch mit. Es war zwar nicht gerade warm, aber es blieb den Tag über trocken, so dass es auch eine Gartenparty blieb. Es hatten sich erfreulich viele Besucher eingefunden, und das auch schon zu recht früher Stunde. Meine Frau und ich konnten berufsbedingt nicht um 13 Uhr zum Beginn der Veranstaltung dort sein. Wir mussten leider auf das erste Konzert, welches René van der Wouden gab, verzichten. Im Nachhinein erfuhren wir, dass dieser Auftritt wesentlich besser gewesen sei als wenige Wochen zuvor im Essener Grugapark und dass diesmal die Sequenzen nur so sprudelten. Einen kleinen Eindruck davon vermittelt eine Aufzeichnung, die man bei Youtube anschauen kann (der Link dazu: www.youtube.com/watch?v=XH-EbVES1OE&feature=channel_video_title)... 

Wir kamen sozusagen pünktlich zum Ende von Renés Konzert an und konnten uns zunächst ein wenig umschauen und schon einigen Bekannten die Hand schütteln. Es war wieder für alles bestens gesorgt: Bei Befeuchtung von oben gab es genügend Unterstellmöglichkeiten, Platz war ausreichend vorhanden, und das leibliche Wohl wurde in keinster Weise vernachlässigt.

Recht bald suchten wir uns einen freien Platz vor der Gartenbühne und waren gespannt auf das Konzert von „Tax-5“. Diesen Namen hatten wir noch nie gehört, und ich hatte auch die Möglichkeiten des Internet diesmal nicht genutzt, mich schlau zu machen. Allein die Herkunft aus der Schweiz war mir bekannt. Frank Gerber vom Electronic Circus führte bei der Gartenparty durch das Programm und kündigte als Tax-5 einen gewissen Stephan Schällmann aus der Nähe von Basel an, 26 Jahre jung, und er war sich sicher, dass die Musik von Tax-5 Anklang finden würde. Ich für meinen Teil kann Frank da nur Recht geben. Tax-5 macht sehr melodiöse und rhythmische EM, die einfach Spaß macht. Meist sind seine Stücke recht flott, auch die ruhigeren haben nicht unbedingt Ambient-Charakter, und so manches wirkt (im positiven Sinne) poppig. Für jedes Stück hat er andere Sounds, nichts wiederholt sich, die Stücke laufen sich nicht tot. Und Stephan Schällmann sagte seine Titel immer an, das ganze auch noch auf eine launige Art und Weise mit mancher Anekdote, z. B. die Entstehung des Titels „Mocca“ mittels einer Unmenge konsumierten Kaffees. Kurz und gut, den Jungs vom Electronic Circus ist hier wieder eine Entdeckung gelungen! Wer weiß, vielleicht hinterlässt Tax-5 ja in der Szene einen ähnlich bleibenden Eindruck wie zuvor schon Meesha.

Nach der nächsten Umbaupause erwartete uns das Konzert von Alien Nature, TMA & Martinson, auf das ich persönlich mich sehr freute. Hinter den drei Pseudonymen verbergen sich Wolfgang Barkowski (Alien Nature), Torsten Abel (TMA) und Martin Rohleder (Martinson). Der Beginn des Konzerts verzögerte sich aufgrund von technischen Problemen, so dass Frank Gerber erst noch Zeit hatte, ein bisschen zu erzählen, und dann Martin Rohleder mit Improvisationen auf seiner E-Gitarre die restliche Wartezeit verkürzte. Dann ging es aber endlich richtig los, und die drei spielten Stücke aus den beiden gemeinsamen Alben „Medusa“ und „Hydra“, sowie Titel aus den Soloprojekten von Wolfgang und Torsten. Darunter war auch etwas vom neuen Alien Nature-Album „Station Platforms“, welches demnächst erscheinen soll.

Nachdem die Konzerte von Wolfgang, Torsten und Martin beim Satzvey-Castle-Festival und in der Radiosendung „Codos Traumreisen“ schon so gut angekommen waren, räumten sie auch in Winfrieds Garten ordentlich ab. Trotz der technischen Probleme haben sie alles bestens gemeistert und man konnte sich getrost der Musik überlassen. Und die hatte es in sich. Eine ordentliche Portion Sequenzen, schöne Melodien, guter rhythmischer Unterbau und immer wieder Martinsons hervorragende Gitarre. Bei ein oder zwei Titeln fand ich die Gitarre zwar etwas zu dominant, aber das mag mein rein subjektiver Eindruck sein.

Die Schwingungen-Gartenparty hat ja eine sehr lockere und freie Atmosphäre und man klebt nicht an seinem Platz wie bei einem regulären Konzert. So nimmt man sich gerne die Freiheit, auch während der Auftritte etwas abseits das Gespräch mit anderen zu suchen. Aus diesem Grund habe ich von den Konzerten von Matzumi und Nattefrost nicht alles mitbekommen. Matzumi hatte ich bislang nicht mit ihrer eigenen Musik erlebt, sondern „nur“ als Gast auf der Bühne bei anderen Konzerten. Ihre eigene Musik wurde nach dem Konzert von Frank mit dem Werk von Constance Demby verglichen. Ob das zu hoch gegriffen ist, lasse ich mal dahingestellt. Ganz von der Hand zu weisen ist der Vergleich jedoch nicht. Kathrin Manz, so der richtige Name von Matzumi, setzt die Synthesizer kombiniert mit ihrer Stimme ein und kreiert so Soundscapes, die man nicht alle Tage hört, und die gut in die Dämmerung und die Nacht passen. Matzumi ist eine der wenigen Frauen in der EM-Szene und es ist gut, mal wieder eine etwas andere Ausrichtung von Elektronischer Musik zu hören.

Was ich im folgenden Konzert von Nattefrost hörte, das war auf erwartet hohem Niveau – soweit ich das beurteilen kann. Ich folgte dem Konzert allerdings nur mit halbem Ohr, so dass ich mich weiterer Bemerkungen enthalte. Nur noch der Hinweis, dass im zweiten Teil des Konzerts sich Matzumi noch dazu gesellte. Offenbar bereiten Nattefrost und Matzumi zur Zeit auch ein gemeinsames Projekt vor. Man darf sicher gespannt sein…

Bis zum nächsten Konzert dauerte es sehr lange. Der geplante Beginn des Eric van der Heijden-Konzertes war längst überschritten. Inzwischen waren wir einigermaßen durchgefroren und Kaffee half auch nicht mehr richtig. Umbau und Soundcheck wurden für die letzten beiden Konzerte in einem Rutsch gemacht, weil die Gebrüder van der Heijden auch bei MorPheuSz im Abschlusskonzert mitmischten. Endlich ging es aber los: Das erste Solokonzert von Eric van der Heijden seit acht Jahren. Er wurde hier nur von seinem Bruder Harold begleitet. Pianoklänge waren am meisten zu hören. Erics Musik ist nach wie vor sehr melodisch und mutet „romantisch“ an. Kitschig ist sie nicht, sondern unterhält bestens.

Es gibt bei EM-Konzerten immer wieder neue und interessante Instrumente zu sehen und zu hören. Diesmal hatte Harold van der Heijden etwas (für mich) Neues dabei. Sein „Schlagzeug“ sah nach zwei kleinen Tom-Toms aus, die aber natürlich einiges mehr zu bieten hatten als die bekannten Töne. Ausgestattet waren sie mit ein paar Knöpfen und es ließen sich auch viele Töne erzeugen, die nicht sehr nach Trommeln klangen. So war Harold mit wenig „Material“ sehr vielseitig und voll ausgestattet.

Direkt anschließend enterten Ron Boots und Frank Dorittke die Bühne, und MorPheuSz war komplett. Eigentlich hatte ich musikalisch ähnliches erwartet wie auf dem Album „Days Of Delirium & Nocturnal Nightmares“ oder beim Auftritt im letzten Jahr beim Electronic Circus. Nun, es kam gänzlich anderes. Das ist legitim und zeigt deutlich die Vielseitigkeit dieser Gruppe. Die Musik war nicht so eingängig wie zuvor, es wirkte ein bisschen jazzig und mehr improvisiert, auch ruhiger als erwartet. Auffallend war, dass die Musik nicht den „üblichen“ Spannungsbogen aufwies, sondern sich eher auf einem „Spannungslevel“ bewegte. Zwischendrin verließ Eric van der Heijden seine Synthis und machte mit Harold an den „Tom-Toms“ ein Familienunternehmen auf.

Ich gebe zu, dass ich das MorPheuSz-Konzert nicht in Gänze gesehen habe. Die Müdigkeit nahm doch langsam überhand, was angesichts der Uhrzeit nicht verwunderlich war. Gegen halb zwei in der Frühe verließen wir die Gartenparty, um noch heil nach Hause zu kommen.

Mein Fazit: Die Gartenparty hat sich zum Festival gemausert und ist absolut sehens-, hörens- und erlebenswert. Es herrscht eine tolle Atmosphäre, man versteht sich, das Line-Up zeugt von hohem Anspruch, gutem Geschmack und Lust auf Neues. So danke ich herzlich Winnie Wiesrecker für die Möglichkeit der Schwingungen-Gartenparty, dem Team vom Electronic Circus für die Organisation derselben, den Musikern / Musikerin für das hervorragende Programm und allen anderen, die mit uns dort waren und den Tag zum Erlebnis gemacht haben.

Um die Gartenparty aber nicht zu sehr in die Länge zu ziehen, sollte vielleicht doch auf ein Konzert verzichtet werden. So kann auf technische Probleme reagiert werden, ohne dass das Ende der Veranstaltung zu weit nach hinten verschoben wird. Natürlich freut man sich als Besucher immer über sehr viele Konzerte und gute Musik, aber die Erfahrung haben wir immer wieder gemacht, dass weniger manchmal doch mehr ist. Ich genieße lieber weniger Konzerte, dafür aber intensiver.

Weitere Eindrücke finden sich auch auf den Seiten www.empulsiv.de und www.electronic-circus.net. Außerdem sind auch bei Youtube schon ein paar Kostproben zu sehen und zu hören.

Andreas Pawlowski

 

 

 

 

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