
Wer in den letzten Jahren auch nur halbwegs regelmässig Konzerte der EM-Szene beigewohnt hat, der hat Ansgar Stock kennen gelernt, den wohl jüngsten Musiker der EM-Szene, der je mit seien Kompositionen auf der Bühne gestanden hat. Ansgars Begeisterung für elektronische Musik kommt nicht von irgendwo her: Auch sein Vater Matthias ist in diesen Metier kreativ unterwegs und legt mit "Hunters and Revolutions" ein neues eigenes Album vor. Als prominenten Mitwirkenden konnte er Carlos Peron gewinnen, der sowohl einen der Titel remixt als auch das Mastering übernommen hat.
Das martialisch anmutende Cover übertreibt ein wenig, denn was Vater Stock hier in sechs Tracks präsentiert, ist nicht ausschliesslich für den hartgesottenen Industrial/Metal-Fan geeignet. Zu Anfang und Ende findet sich auf dem Album auch Material, mit dem sich auch der Anhänger "klassischer", von Melodien und Sequenzen getragener EM anfreunden kann. Zum Wegträumen und -schweben ist "Hunters and Revolutions" dann aber doch nicht geeignet: Im Hauptteil mischen orchestrale Teile sich mit harten und monotonen Beats, besonders auf dem mit 22 Minuten längsten Track "Steel Cast Procedure". Das ganze könnte ein Film-Soundtrack sein. Vielleicht eine Doku über die industrielle Revolution und den Wechsel von Agrarwirtschaft zur Schwerindustrie?
"Hunters and Revolutions" ist für mich ein Album, das eine Synthese aus klassischer EM und harten, modernen Rhythmen wagt. Mit solchen Grenzüberschreitungen macht man sich meist in keinem der beiden "Lager" Freunde, aber dem Musiker gebührt Respekt dafür, einmal die Grenzen auszuloten. Das dürfen auch gerne die Hörer tun: Wer den nicht unbedingt bequemen, aber lohnenswerten Weg mitgeht, wird mit einem versöhnlichen Ausklang belohnt.
https://mattstock.bandcamp.com
Alfred Arnold


Es gibt (ganz) sicher nur eine Handvoll seitenziehender Elektromusiker wie Max „Maxxess“ Schiefele, die sowohl die Kunst des kreischenden Gitarrenschleuderns, als auch als exzellenter Tastenvirtuose ihr Handwerk beherrschen. Der vielgefragte Bayer kann einfach beides und schafft sich schon seit Jahren damit (s)ein Imperium aus beiden Welten. Auch das neu entstandene Album strotzt wieder von beeindruckender Dynamik dieser Symbiose und beliefert uns SAGAreske Geschichten, heroische Metaleinflüsse und klug konzipierte EM-meets-Melodic-Guitar-Epen. Selbst Schremmel-Musik-Ablehner wie den Rezensenten schmeckt die Zusammenstellung so gut, dass er in diesem Fall den Superstar-Buzzer drückt, um das Album ins noch junge Finale der Besten Produktionen des Jahres 2021 zu schicken. Gut gerockt Max, Du hast es einfach immer noch drauf!
Torben Webers Strategie, spannungserzeugende Tracks ohne Hookline und Melodien zu erzeugen funktioniert erstaunlich gut, denn der hessische Klangkünstler wechselt geschickt zwischen diversen Electronic-Genres und beliefert uns damit eine universaltaugliche Beschallungsgrundlage, die sowohl als begleitendes Hörelement als auch Stimmungsgeber für bewegende Momente herhalten kann. Der Viela-Sound ist klug konstruiert und Klangstein schickt damit eher die Elemente der Gesamtstimmung in den Vordergrund. Ein Konzept, dass bei nahezu allen Stücken aufgegangen ist. Die Vocal-Nummer „Ganz Leise“ kannten wir zwar schon, ist aber in der Viela-Version erneut ein Ausnahmeposten, von denen es gerne in Zukunft ruhig ein paar mehr geben dürfte. Stimmungsvoller Begleitsoundtrack für den Tag zwischen Arbeit und Abhängen.