Zugegeben das Musikbusiness ist hart und steinig. Wer hier etwas werden oder bleiben will, muss nicht nur viel Talent sondern auch kaufmännisches Geschick, viraler Manager und Elbogenbenutzer haben. Wer dann sogar noch hofft, dieses Metier als seinen Hauptbroterwerb zu betrachten, wird wahrscheinlich doppelt soviel Arbeiten wie der klassische „ninetofive-Jobber“.
Aber grundsätzlich gilt auch hier, wer was werden will (die 4 wichtigen „W“), oder noch besser, wer wirklich was werden will (Steigerungsstufe auf 5 „W“), sollte nicht auf die Idee kommen zu jammern, zu behaupten früher war alles besser oder Streaming mache die Musik kaputt. Es ist wie in ALLEN Branchen dieser nicht sozialistischen Welt, jeder ist seines Glückes Schmied, und auf die GEMA, die Lokalradios, die keine gute Musik spielen, und auf fehlende Käufer zu schimpfen, könnte wieder mal nur ein weiteres Alibi-Gemoser sein, dass auf die fehlenden Qualitäten des eigenen Schaffens hinweisen.

Musik als lebensbegleitendes Element? Erinnerungsgeber für Meilensteine der eigenen Vergangenheit? Klingender Kalender für Situationen, die wir unseren Kindern erzählten?
Da saßen wir nun, zehn Personen, zumeist alle in den Vierzigern, deutlich Medien-Interessiert und sehr ambitioniert in der Mitteilung, sämtliche vergangenen und erlebten Informationen gleichzeitig und gleich laut auszutauschen. Ich war auf einem Zweisitzer-Sofa eingequetscht und verfolgte das undefinierbare Gemurmel dieser Geburtstagsfeier von Hans, der aber selbst schon seit längerer Zeit nicht mehr in der Wohn-Küche, des Ehepaars zu sehen gewesen war. Eher zufällig erblickte ich den Durchgang zu einem Nachbarraum, dessen Tür einen Spalt offen stand und man erkennen konnte, dass dort weitere Personen sitzen mussten. Mein geschultes Überlebensverhalten, schon bei Eintritt in die Wohnung alle Personen, Fluchträume und Notausgänge sondiert zu haben, erleichterte mir die Erkenntnis, dass im Nebenzimmer nur Hans und sein jüngerer Bruder sitzen konnten. Mit einem seichten "Plopp" schälte ich mich aus der Ikea Duo-Couch, ohne dass mich meine beiden Mitsitzgenossen auch nur eines Blickes gewürdigt hätten. Mein linkes Bein war spürbar erwärmt und drohte beinahe in eine dauerhafte Gefühlslosigkeit abzutauchen, während ich im Stuhl-Tisch-Slalom um die mitfeiernden Gäste balancierte.
Künstler zu sein ist wahrhaftig nicht leicht! Schon gar nicht, wenn man sogar seinen Unterhalt damit verdienen muss. Hungergagen, Angebote für "Umme" zu spielen, miese Verkaufszahlen von Tonträgern und schlecht besuchte Locations sind keine Seltenheit. Noch nie hatte man den Eindruck, dass es Künstlern (wir sprechen hier mal nur vom Tonerzeugenden) schlechter ging als heutzutage?! Stimmt und wird wohl auch nicht besser, zumindest für diejenigen, die bis jetzt nicht verstanden haben, dass es auch in dieser Branche zugeht, wie in anderen "Belohnungssystemen".
Meine Helden! Sie werden Alt! Bowie 66 Jahre, Kraftwerk seit 41 Jahren auf der Bühne und TD reist zumeist auch nur noch mit RTW durch die Lande. Auch in der Musik scheint die Demografie sichtbar geworden zu sein und im besonderen in der Elektronischen. Denn wie schon vor einige Zeit angedeutet, fehlt es zwar nicht am Nachwuchs, sondern eher an der Möglichkeit mit dieser Stilrichtung so populär zu werden, wie o.g. Plegestufenaspiranten. Dabei muss aber auch die Frage erlaubt sein, ob dieser milde Seniorenhype um die betuchten Künstler wie Jarre, Vangelis und Co. überhaupt noch gerechtfertigt ist und wir nicht nur mitsabbernd auf unsere geschmacksalternde Ebenbilder schauen, um festzustellen, dass die silberanteilige Haarpracht unserer Angebeteten nicht schriller scheint als die eigene?!