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Die Zeiten, in denen sich Groove-Chef Ron Boots Sorgen um die Besucherzahlen seiner Events in Oirschot machen musste, sind schon länger vorbei.  Ein gute Mischung aus Neulingen, populären und eher anspruchsvollen Acts sowie einem 'Zugpferd', das den Saal füllt, sorgte in den letzten beiden Jahren immer für gute Besucherzahlen.  Diesen Herbst setzte Ron aber noch einen drauf: Loom als Haupt-Act sorgte dafür, dass bereits ein Wochenende nach der Ankündigung über 150 Karten verkauft waren, und vier Wochen vor dem 29. Oktober ging das letzte Ticket über den (virtuellen) Ladentisch.

Die Audio-CD hat ohne Zweifel ihre beste Zeit hinter sich - Downloads und Streaming werden immer beliebter, die Verkaufszahlen sinken seit Jahren.  Ist die Musik dann auch noch kein Mainstream, dann wird eine Veröffentlichung auf CD zu einem ziemlichen finanziellen Risiko: Mindestauflage 500 bis 1000 Stück, dazu die Einmalkosten für die Erstellung des Masters.  Gerade Newcomer haben es schwer, diese Kosten selber aufzubringen oder einen Vertrieb zu finden, der ihnen eine solche CD-Produktion vor-finanziert.

Wie letztes Jahr bereits öffnete der Electronic Circus seine Pforten im Detmolder Sommertheater - eine wirklich schöne Location, direkt neben der Musikhochschule und dem Park gelegen.  Das Wetter lud dieses Jahr zwar nicht unbedingt zu einem Spaziergang im Park ein, aber das ist ja auch nicht der Grund, dass man zum Circus fährt.  Die Circus-Leute sind für ihren breiten Musik-Geschmack bekannt, der den Begriff der 'elektronischen Musik' auch schon einmal deutlich über das gewohnte Maß dehnt.  So wurde es dieses Mal auch auf dem Plakat angekündigt - Krautrock, Ambient, Electronica, Wave, Synthpop.  Man durfte sich also wieder auf ein sehr buntes Programm freuen.

Die Meldung geisterte eine Zeit lang durch verschiedene Foren und Communities, seit kurzem ist sie es offiziell und wird vielerorts diskutiert, sowohl positiv als auch negativ: Vier Jahrzehnte nach der Erstveröffentlichung wird einen dritten Teil der Oxygene-Reihe von Jean-Michel Jarre geben. Und natürlich wieder groß vermarktet, und auch als Trilogie-Box aller drei Alben.

Erfreulicherweise ist nicht nur Bochum Ort regelmäßiger Konzerte, die elektronische Musik mit Planetariums-Projektionen verknüpfen.  Auch das LWL-Museum in Münster mit seinem Planetarium hat solche Events im Angebot, wenn auch nicht ganz in der Frequenz wie in Bochum.

Anfang September erwacht die Veranstaltungs-Szene wieder aus ihrer Sommerpause, und in diesem Jahr mit einem ganz besonderen Event: der zweiten Auflage von 'Schwingungen am Wasserfall' bei Kabelmetal in Windeck-Schladern.  Eigentlich sollte dieses Festival ja erst übernächstes Jahr wieder stattfinden.  Den Organisatoren von Kabelmetal hatte es aber letztes Jahr so gut gefallen, daß sie einige (finanzielle) Hebel in Bewegung gesetzt haben, auch dieses Jahr den Wasserfall in Schwingungen zu versetzen - auch wieder für ein langes Wochenende von Freitag bis Sonntag.  Gute Pressearbeit im Vorfeld und Glück mit dem Wetter, zusammen mit einer breiteren Programm-Auswahl, sorgten für einen massiv besseren Zuspruch als im Vorjahr.

Die Sommermonate sind Event-mäßig für mich immer eine ziemliche Durststrecke.  Ist schon klar, halb Deutschland ist verreist, und das betrifft sowohl die Veranstalter als auch potentielle Besucher.  Ende August oder Anfang September erwacht die Szene aber wieder zum Leben.  Das August-Sound-of-Sky mit Booth & Creek war schon ein schöner Einstieg, und weniger als eine Woche darauf sah ich Stefan Erbe wieder - dieses Mal aber solo und in seiner alten Heimat Hagen.

"And now to something completely different" ist ein Ausspruch einer bekannten britischen Komiker-Truppe, und er traf gleich in zweierlei Hinsicht auf Sound of Sky im August zu: Zum einen hatte Stefan Erbe sich Booth & Creek aus England als Gäste auf die Bochumer Bühne eingeladen, zum anderen versprach deren Musik ein echtes Kontrastprogramm zum vorigen Mal zu werden.  Ich hatte Booth & Creek schon einmal vor ein paar Jahren in Oirschot gehört, und hatte eine kantige Performance mit vielen Sequenzen und Klangflächen in Erinnerung.