
Wie bei allen Künstlern sind bei Musikern ihre Werke immer auch Ausdruck ihrer inneren Gefühle und Stimmungen. Ganz explizit hat das Monika Freerk alias Icing Wolf auf ihre zweite "echte" CD-Release geschrieben: "From Inside". Fast ein bisschen unbemerkt ist es herausgekommen, und das ist schade, denn drinnen sieht es alles andere als eisig aus. Die Klänge sind gefühlvoll, melodisch und warm. Den Spannungsbogen spannt Monika dieses Mal ganz lang: die Titel steigern sich kontinuierlich bis zur Mitte, wo Mitglieder des Schallwende-Vereins einen Track finden, den sie von der letzten "Schallplatte" bereits kennen, und der mit seiner Dramatik auch als Film-Score taugen würde. Aber auch danach verflacht das Album nicht, und der letzte (längste) Track ist noch einmal ein schöner "Rausschmeisser".
Das ergibt ein schönes Gesamtbild ohne Durchhänger, und man hat den Eindruck, Monika hat "ihren Stil" gefunden. Der enthält vieles, was man von ihren frühen, "Download-only" Alben schon kennt und für die sie vor zwei Jahren verdientermassen zur Entdeckung des Jahres gekürt wurde. Wer melodische und gefühlvolle EM schätzt, der sollte hier auf jeden Fall einmal reinhören - er wird den Blick "Inside" nicht bereuen.
Downnload-Version: https://icingwolf.bandcamp.com/album/from-inside
CD-Version: Groove Unlimited, https://www.groove.nl/shop/icingwolf-from-inside
Alfred Arnold


In den letzten 10 Jahren hat Stan Dart eine Menge hervorragender Alben veröffentlicht. Vielleicht fehlte der kommerzielle Erfolg (was ich mir beim besten Willen nicht erklären kann) denn die elektronische Musik von Stan Dart erfüllt alle Ansprüche, die ein Liebhaber dieses Genres sich wünscht. Wie dem auch sei, das neue Album „Retrospective“ ist kein „Best of“, sondern offensichtlich eine Ansammlung von Tracks, die bisher in das Gefüge eines Konzeptalbums nicht passten. Gleich zu Beginn startet Stan Dart mit dem brandneuen gleichnamigen Titeltrack, der super abgeht – wie eine Rakete – aber atmosphärisch bleibt. Die altbewährte Rezeptur von Stan Dart zeigt sich auch auf diesem Album: Düster, erdig und melodisch. Die hier vorhandenen Instrumentals halten teilweise nicht ganz das Niveau der epischen Instrumentalsongs vom letzten, großartigen Album „Seaside“. Dafür gibt’s ein paar Überraschungen, wie z.B. ein markantes Cello auf „Supernova“ oder das Arrangement für „Berlin“ - sehr hörenswert. Stan Darts Ambitionen für originäre Spacemusic schimmern immer wieder durch.
Der Niederländer Taede Smedes alias Tonal Assembly wirft mit seinem aktuellen Erstlingsalbum einen echten Kracher ins weite Rund der 2019er Veröffentlichungen. Seine Stücke strotzen dabei vor guter Ideen, knackigem Sound und verträumten Arpeggien und schaffen etwas, was kaum einem vergangenem Neuling so recht gelingen konnte. Sein Sound klingt individuell, einprägsam und ist exzellent produziert und man mag kaum glauben, dass Taedes Debut-Silbering tatsächlich aus der Hand eines Newcomers entwachsen ist, denn auch seine Kompositionsarimethik vermengt Eingängiges und Komplexes zu einem der besten Alben 2019. Es bleibt zu vermuten, dass auch das Jahr 2020 unter einem guten Stern für weitere tonale Zusammenstellungen stehen werden.