
Ich bin immer wieder überrascht über die grosse Zahl an EM-Musikern, die unser nordwestliches Nachbarland hervorgebracht hat und es immer noch tut. Peter Dekker dürften bisher nur wenige Insider gekannt haben, und es ist Remys Label "Deserted Island Music" zu verdanken, dass sich dies jetzt ändern könnte. Unter seinem Künstlernamen "Däcker" liegt jetzt sein erstes Album vor. Stilistisch nimmt "Pareidolia" ganz deutliche Anleihen bei der Berliner Schule: direkt der Einsteiger ist mit 24 Minuten der längste und durchgängig von hypnotisch-dichten Sequenzen getragen. Das ist ein Album zum Eintauchen und Wegträumen. Ob man dabei die gleichen Assoziationen von Elefanten oder der Frau im Mond hat, ist natürlich nicht entscheidend, es zählt die Stimmung, in die der Hörer geführt wird. Und das ist bei "Pareidolia" genau die, die man zum Beispiel nach einem aufreibenden Arbeitstag gebrauchen kann.
Für einen Nachfolger würde ich mir wünschen, dass Peter Dekker noch ein paar rhythmisch-melodische Elemente in sein Repertoire einbaut. Aber auch so ist "Däcker" bereits ein Gewinn für die EM-Szene.
https://www.desertedislandmusic.nl/
Alfred Arnold

Das Baden-Würtembergische SINE-Label hat in den vergangenen Jahren etliche Perlen elektronischer Acts veröffentlicht und zieht mit dem Debut von Tauon alias olaf Gretzmacher den nächsten Edel-Klunker aus dem musikalischen Synthetik-Hut. Um es vorweg zu nehmen, der Stuttgarter Gretzmacher ist kein Newbie, er produziert schon seit vielen Jahren eingängige Tunes im Reich der Chill und Ambient-VÖs, aber bisher hat es nicht zu einem "eigenständigen" Tauon-Album gereicht. Schade eigentlich, denn „Somewhere“ hat überdurchschnittlich viel Karat und Genre-Fans hätten sicher schon früher das eine oder andere Tauon-Album von ihm zur Veredelung der eigenen Musikanlage erworben.
Das Musikprojekt Deep Imagination des hessischen Bandleaders Thorsten Sudler-Mainz begleitet uns mit seiner Musik schon eine gefühlte Ewigkeit. Umso mehr wundert es, dass es tatsächlich erst der 5. Longplayer ist, den Thorsten in den letzten Jahrzehnten mit DI hervorgebracht hat. Dies erklärt sich sicher aber auch dadurch, dass es gute 2 Jahre gebraucht hat, bis alle 8 Stücke auf einem finalen Album verewigt werden konnten. Recht so, denn das „Gutes braucht ein bisschen länger-Konzept“ ist voll aufgegangen. Sein mystisches Grundthema zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Projekt und spiegelt nicht nur die Qualität des kompositorischen Aufwandes wieder, der hier mit vielen verschiedenen Gastmusikern umgesetzt wurde. Die Tracks sind allesamt sehr Progressiv und recht Artrockig mit Einflüssen aus Ambient und ethereal Goth. Gerade Fans von Pink Floyd und artverwandten Bands werden sich hier besonders heimisch fühlen, denn es zeigt sehr deutlich, dass es immer noch einiges an musikalischen Ideen gibt, die bisher ungehört blieben. Auch das Drumherum zeugt von professioneller Machart, den Cover, Artwork und der visuelle Output rund um „My Silent Celebration“ reihen sich locker in die erste Riege anspruchsvoller Musikproduktionen.
Schon eine ganze Weile verbrachte die „Stille Erdtagen-Musik“ von Hagen Bretschneider und Nico Walsers ihr Anwesenheit im Rezi-Ordner des Rezensenten und wartete geduldig auf ihr Empulsiv-Review. Aber warum musste es solange dauern, bis der Redakteur nun endlich den finalen Kritikbogen auflösen konnte?