Vor acht Jahren saßen Ron und Michel am Strand in Dänemark und genossen ihren Urlaub gemeinsam mit der Familie. Abends setzten sie sich dann in eine Kammer im Ferienhaus und verarbeiteten ihren Tag mit musikalischer Improvisation. Natürlich hatten sie dafür einige Instrumente von daheim mitgebracht. Und das Ergebnis dieses Urlaubs kann sich definitiv hören lassen. Überarbeitet und aufpoliert in ihren Heimstudios kommt es nach langer Zeit endlich zur Veröffentlichung.
Wer dieses Album hört reibt sich sicherlich mehrfach die Ohren, denn es ist definitiv nicht der typische Ron Boots oder Synth.nl Sound auf dieser Scheibe. In Teilen sehr opulent, oftmals cinematisch kommen die Stücke daher und könnten sicherlich auch eine Dokumentation über die Küste Dänemarks und ihre verschiedenen Seiten schmücken. Die Musik erfasst gleichermaßen die Schönheit des Ortes als auch die feine Rauheit typischer Küstenregionen nahe der Nordsee. Diese münden in träumerischen Melodien im Piano-Kleid und auf der anderen Seite in gewaltigen, synthetischen Klanggebilden mit ansprechenden Rhythmusgemälden.
Anspieltipps: BorkHavn, Nordsøen, Stjernekiggeri
Details: Synth.nl Website
Quelle: Groove Unlimited
Stefan Schulz

Wer die vertrauten Wege der traditionellen Elektronik-Musik mal verlassen und einen Blick über den allseits bekannten Tellerrand riskieren möchte, könnte bei EMOG genau richtig sein. Der in Vancouver/Kanada lebende DJ, mit bürgerlichem Namen Emile Vartanian, hat in seinem neuen Solo-Album alles in die Waagschale geworfen und einen spritzigen Electro-Cocktail mit erfrischenden Zutaten aus Downbeat, Chillout und Cosmicdub kreiert. Um nicht nur ein gänzlich entrücktes Publikum aus der Trance- und Psydub-Szene zu bedienen, hat der Künstler eine chartaffine Note diesem exquisiten Sound verpasst und alle Tracks mit satten, melodiebetonten Grooves ausgestattet. Auch ein smartes Saxophon oder orientalisch anmutende Instrumente verdichten das fulminante Konstrukt. Partiell eingestreute feminine Gesangsstimmen und die locker-leichte Spielfreude entwickeln eine sinnliche Atmosphäre. Doch EMOGs trippige Klangflächen mit steil auflodernden Ansätzen seiner Trance-DJ-Herkunft zeigen die Bandbreite dieser raffinierten Mixtur. Kurz und gut: wunderschöne Musik aus der Fremde.
Eher selten erreicht die Empulsiv-Redaktion medialer Content in Form von gepressten 3D-Musik-DVDs. Dennoch scheint es immer noch Käufer und Fans dieser Art von Konsumgütern zu geben, sonst hätten sich sicher die beiden herstellenden Protagonisten Land und Jahn nicht so viel Mühe mit der Umsetzung gemacht. In über 7 Monaten Produktionszeit ist ein animiertes Kunstwerk entstanden, welches die CGI-Bilder von Claus Jahn mit diversen Tracks von Bernd Michael Land kombiniert und den Zuseher in 70minuten durch eine Welt der industriellen Imagination schickt. Teils surreal, häufig unvorhersehbar und äußerst ambitioniert in Szene gesetzt, geht die Reise durch eine Welt von Andeutungen zur misslichen Situation umweltverachtender Umstände. Der Sound ist zumeist konzeptionell sperrig, eher dronisierend und häufig bedrohlich ambient und verpasst den Bildern durchgängig die richtige Athmosphäre. HR ist keine leichte Kost und konsumiert sich am besten in der richtigen Stimmung. Eben dann, wenn das cineastisches Verlangen mal nicht nach Komödie oder stumpfer Hollywood-Action schreit. Als Ergänzung erklären beide Produzenten in den Extras noch sehr inspirierend und umfassend ihre Musik, das 3D-Design und die Arbeit am Projekt. Sehr erstaunlich was man auch ohne großen Rechnerfuhrpark und Blockbusterbudget so alles auf die Beine stellen kann.
Die elf schicken Piano-Patterns die uns das Duo Lemmer & Pabst zur aktuellen und virtuellen alpinistischen Reise anbietet, vermengen sich zu einem gradlinigen Trip tonaler Synonyme. Es braucht dabei nicht viel Vorstellungskraft, um sich schnell zwischen den monumentalen Bergregionen zu verorten, verwendet die (leider nur) 37minütige Reise doch sehr eingängig die benötigten Klang- und Soundkombis, die es für das gewählte Thema braucht. Dabei besticht die Musik durch ihre Stimmungen und weniger durch charttaugliche Hooklines und verfolgt damit eindeutig das Ziel, die eigenen imaginären Bilder intensiv zu verdichten. Wie fast immer, wenn Thomas Lemmer seine Finger im (Klavier-)Spiel hat, beschreitet das Gesamtpaket aus Musik und Bild auch eine besondere ästhetische Note, die neben dem tollen Sound auch eine schicke bebilderte Verpackung liefert. Schöner spiritueller Ausflug, der aber mehr Laufzeit verdient hätte.