Nach dem erfolgreichen "Ambient-Album des Jahres" 2013 („Found“ von Helpling & Jenkins) war es lange Zeit ruhig um den Ausnahmegitarristen David Helpling. Auf seinem neuesten Solowerk nimmt er den Hörer mit auf einen Tauchgang in den Tiefen des Stillen Ozeans. Seine Musik fängt da an, wo andere enden: am Chillout-Strand.
Der in San Diego lebende Künstler hat eine tiefe und lebenslange Verbindung zur Kraft und Faszination des Meeres. Zum Album sagt er: „Ich bin ein paar Blocks vom Pazifik entfernt aufgewachsen und habe meine ganze Zeit am Meer und in der Nähe verbracht. Es fühlte sich sehr natürlich an, den Mythos der nordischen Runen-Schriftzeichen mit dem wahren Klang des Ozeans zu verbinden“. Wie schon gesagt, die atmosphärische Musik ist wie ein Tauchgang. In einigen Tracks „schnorchelt“ man noch an der Oberfläche - bis es dann immer tiefer geht und man versinkt in den magischen Klängen seiner klassischen Electric-Whirlgitarre. Ich bin erstaunt, dass das gesamte Album ohne den Einsatz von Keyboards oder computergestützten Klangerzeugern entstanden sein soll. Das sphärische Gitarrenspiel von David Helpling entführt den Hörer in immer tieferen Schichten des Ozeans. Ich weiß, dass nicht viele Menschen Tauchen als ihr Hobby bezeichnen. Genauso verhält es sich mit dieser Musik. Wer sich jedoch darauf einlassen kann wird ein famoses Klangwunder erleben!
Video: https://www.youtube.com/watch?v=xRnJvVRUxMI
https://spottedpeccary.com/shop/rune/
Will Lücken

"Was eine narrative Emotionsachterbahnfahrt" waren meine ersten Gedanken, nachdem ich die 6 Tracks plus 5 Bonis des Albums von Norbert Walser alias Giant Skeletons durchlebt hatte. Selten verzeichnete das Konsumieren eines Tonträger soviele Überraschungsmomente in meinen Suggestivmomenten wie dieses hier. Beinahe an jeder tonalen Ecke lauert eine musikalische Kehrtwende, ein kontrovers komponierter Kontrastpunkt oder ein sonstwie gearteter Stimmungswechsel, der diesen Longplayer als Einschlaf-Hilfe völlig unbrauchbar macht. Um so mehr eignet er sich als Spiegelbild emotionaler Gefühls-Geschichtenerzählung, der nahezu alles an synthetisch und nicht synthetisch erzeugter Tonfolgen, Sounds und Klangerzeugungen wiedergibt, die man so in der Breite wohl noch nicht angeboten bekommen hat. Mal lässig, mal ambient, dann wieder dub-gestepped oder gitarrisch faunal. Keine Stilrichtung lässt Norbert ignoriert und verschirmt seine obskure Soundwelt unter einem großen Dach der cineastischen Erzählkunst. Egal auch wieviele Kanten das Album hat, es gibt keine geografische Form die es exakt beschreiben kann. Bunt, lebhaft und intensiv, trotz einfarbigem Coverbild.
Dass die Elektronikmusik so viele Facetten hat ist ja nichts Neues. Dass die Traditionalisten oder Retro-Freaks auf der Sequenzerlokomotive mit dem vergilbten Aufdruck „Berliner Schule“ immer noch auf dem Abstellgleis rauf und runter fahren und sich auch noch wohlfühlen sei Ihnen gegönnt. Dass jedoch auf der anderen Seite des Bahnhofs längst ein frischer Wind weht, bleibt manchem offenbar stets verborgen - mir aber nicht und offensichtlich vielen anderen Electronicfans auch nicht.
Was macht ein Musiker mit alten Aufnahmen, die ihn emotional auch heute noch stark emotionalisieren? Man restauriert und mastert sie neu für die Veröffentlichung. So geschehen mit den Stücken auf Eternal Sorrows von Bertrand Loreau. Aufgenommen in 1981 mit einem einfachen Kassettenrekorder und entsprechender Qualität. Herausgekommen ist eine CD mit durchweg hörbarer früherer elektronischer Musik, der man die Einflüsse der damals großen Namen sicherlich anhört. Glücklicherweise hat sich Bertrand dafür entschieden, die originale Klangwelt zu erhalten und die Stücke nicht neu aufzunehmen. Somit bleibt das gesamte Klanggebilde auch auf dem ursprünglichen Gefühlsstand der Aufnahmen und mutiert nicht zu nachgespielter traditioneller EM. Die wenigen hinzugenommen Sounds passen sich kaum abhebend in das Gesamtwerk ein.